So entwickelst du natürlich wirkende HDR-Fotos mit Lightroom

HDR-Fotos sind an sich eine feine Sache, hat man doch viel mehr Tonwerte und damit Möglichkeiten zur Verfügung, wie man das Bild bearbeiten kann. Leider endet das oft in sehr übertrieben gesättigten Bildern mit Halos und einem sehr unnatürlichen Look. Klar, sowas kann sehr effektvoll sein, wer aber den großen Tonwertumfang nutzen und trotzdem einen natürlichen Look behalten möchte, kann dazu einmal Lightroom ausprobieren.

Da Lightroom selbst ohne Plugins (noch) keine Fotos zu HDR-Bildern zusammenfügen kann, brauchen wir dazu eine externe Anwendung die uns ein 32-bit TIFF erzeugt, das alle Tonwerte unserer Ausgangsfotos enthält.

Wie man Fotos für ein HDR-Bild aufnimmt

Kurz noch einmal zur grundsätzlichen Technik: Ein HDR Foto besteht normalerweise aus zwei oder mehr unterschiedlichen Fotos des gleichen Motivs. Das Ziel ist, alle Tonwerte – vom den dunkelsten bis zu den hellsten Bereichen – noch mit Inhalt einzufangen. Im Beispiel sollte in den Fenstern noch etwas blauer Himmel und in den dunkeln Bereichen noch Zeichnung enthalten sein.

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Da die Bilder deckungsgleich sein müssen, ist ein Stativ fast unerlässlich. Zudem ist es eine gute Idee, die Kamera per Fernauslöser zu bedienen, damit auch Verwacklungen vermieden werden, die durch den Druck auf den Auslöser entstehen können. Nachdem die Kamera fokussiert hat, kann man außerdem noch den Fokus auf manuell stellen, damit die Kamera zwischen den Bildern nicht noch einmal anders fokussiert.

Belichtungsreihe aus 3 RAW-Fotos mit +/- 2 Blendenstufen

 

Viele Kameras besitzen eine sogenannte „Bracketing“ Funktion oder Belichtungsreihen. Hier stellt man ein, wie viele Fotos man mit welchen unterschiedlichen Belichtungen haben möchte. Im Beispiel war es eine Belichtungsreihe mit einer normalen Belichtung, einer mit +2.0 und einer mit -2.0 Blendenstufen. Richtig spannend wird das Thema, wenn man die Belichtungsreihe auch noch im RAW-Format fotografiert, da dieses ja ohnehin mehr Bildinformationen als ein JPEG-Foto Enthält.

Ein 32-bit TIFF-Bild aus allen Aufnahmen erstellen

In meinem Beispiel nutze ich Lightroom 4.1 und Adobe Photoshop CS6. Photoshop benötige ich, um eine 32-bit TIFF-Datei aus allen Bildern der Belichtungsreihe zu erstellen, die man anschließend in Lightroom entwicklen kann.

Wenn du Photoshop nicht zur Verfügung hast, kannst du auch in Photomatix oder ähnlichen HDR-Programmen ein entsprechendes 32-Bit TIFF erstellen und in Lightroom importieren.

Lightroom und Photoshop arbeiten bei der HDR-Bearbeitung Hand in Hand. Einfach alle Fotos aus der Belichtungsreihe in der Bibliotheksansicht von Lightroom auswählen und mit einem Rechtsklick Bearbeiten in -> In Photoshop zu HDR Pro zusammenfügen auswählen.

Die Bilder der Belichtungsreihe aus Lightroom an Photoshop weiterreichen

 

Darauf hin schickt Lightroom die Photo zu Photoshop. Dieser rechnet eine ganze Weile, erstellt automatisch Ebenen, richtet die Bilder exakt aneinander aus und öffnet dann den HDR Pro Dialog. Hier kann man nun den Weißpunkt festlegen, also den hellsten Bereich im Bild. Ich musste hier den Regler fast ganz nach rechts schieben, damit auch noch das Blau in den Fenstern zu sehen war. Wichtig ist, dass hier im Modus „32-Bit“ eingestellt ist.

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HDR Pro Menü in Photoshop CS6 mit Weißpunkt-Regler

Das so entstandene HDR Pro sieht erst einmal ziemlich unterbelichtet und wenig aufregend aus. Das liegt aber daran, dass wir es erst entwickeln und festlegen müssen, welche Tonwerte besonders wichtig sind. Dazu geht man in Photoshop einfach auf Datei->Speichern (oder STRG+S), worauf Photoshop die fertige TIFF-Datei wieder an Lightroom übergibt, wo sie auch automatisch in den Katalog aufgenommen und in der Bibliotheksansicht angezeigt wird.

HDR Pro Menü in Photoshop CS6 mit Weißpunkt-Regler

 

Wie aus dem HDR Pro wieder ein tolles Foto wird

In Lightroom haben wir nun das HDR Pro TIFF zur weiteren Bearbeitung zur Verfügung, wo wir alle Einstellungsmöglichkeiten nutzen können. Für die eigentliche HDR-Entwicklung, sind aber die Farbtemperatur, Kontrast, Lichter, Tiefen, Weiß- und Schwarzwert und natürlich die Belichtung am wichtigsten.

 

 

Beim Belichtungsregler gibt es auch gleich die größte Überraschung: Während man in Lightroom bei einem JPEG oder RAW-Foto +/- 5 Stufen zur Verfügung hat, haben wir bei unserem 32-bit TIFF satte +/- 10 Stufen zur Verfügung, da darin sehr viel mehr Tonwerte und eben ein größerer Dynamikumfang (daher ja auch High Dynamic Range = HDR) enthalten sind.

 

Entwicklungseinstellungen in Lightroom

 

Besonders die Gradationskurve und die Regler Lichter/Tiefen sowie Weiß/Schwarz sind für die HDR-Entwicklung in Lightroom wichtig. Du bringst zuerst das Foto mit dem Belichtungsregler auf einen Wert, der es nach einem einigermaßen normalen Bild aussehen lässt. Hier bewährt es sich es etwas dunkler zu lassen, um dann die Feinarbeit mit der Gradation und den genannten Reglern zu machen.

Entwicklungseinstellungen in Lightroom

 

Natürlich kannst du auch mit dem Korrekturpinsel lokale Belichtungskorrekturen machen – du hast nun auf jeden Fall mehr als genügend Spielraum zur Verfügung. Der Vorteil gegenüber dem Tonemapping in Programmen wie Photomatix Pro, Luminance HDR, HDR Efex Pro usw. ist, dass das Ergebnis fast immer sehr natürlich bleibt und du alle Möglichkeiten von Lightroom nutzen kannst, die du bereits kennst und liebst.

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19 Kommentare zu “So entwickelst du natürlich wirkende HDR-Fotos mit Lightroom

  1. Hallo! Super Anleitung, vielen Dank 🙂

    Bei mir gehen jedoch die dunklen Töne sehr stark verloren, sodass ich diese hinterher in LR kaum noch hell genug einstellen kann.

    Spielt die Reihenfolge der Fotos eine Rolle? Und ist es relevant, welches der drei Fotos unten links in HDR Pro selektiert ist, oder dient es nur zur Vorschau?

    Viele Grüße
    Sandro

  2. Hallo Markus,

    erst mal vielen Dank für das Tutorial. Ich habe die Variante ausprobiert und ich finde die Bilder sehr ausgewogen.

    Ich habe aber leider auch ein Problem:
    Ich habe alles gemacht wie du es beschrieben hast. Die HDR Bilder sehen dann auch gut aus in Lightroom, wenn ich sie dann aber als TIFF exportiere, haben die Bilder ein extrem starkes Rauschen, schon fast ein richtiges Grizzeln. Ganz schlimm anzusehen. Wenn ich sie als JPEGs exportiere habe ich das Problem in der Vorschau zunächst nicht. Wenn ich die Bilder dann aber mit PTGui (auch noch kein Problem) und Pano2vr weiterverarbeite, dann erscheint das heftige Grizzeln wieder im Output, also in der QuickTime oder Flash-Datei.

    Ich hoffe du kannst mir weiterhelfen.

    Grüße,
    Michel

  3. Weißt Du, ob das erst ab LR 4 geht? Ich habe das mal ausprobiert, aber Lightroom kann das TIFF, das ich mit Photomatix erzeugt habe, nicht importieren. Ich nutze noch LR 3.6…

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