Von der Kunst, nicht zu fotografieren

„Wir sammeln, als wäre jede Erinnerung gleichbedeutend.“ – dieser Satz trifft in zunehmenden Maße auf die digitale Fotografie zu. Die schiere Menge an Bildern lässt den Wert der selbigen gegen Null gegen. Dabei gehört das Vergessen und die Verklärung auch zu einem guten Foto.

Ich habe mir zu diesem Thema ein paar Gedanken gemacht und mich dabei erwischt, wie ich unbewusst weniger fotografiere, diese Bilder aber einen ungleich höheren Wert für mich haben.

Nur nicht festlegen!

BildhauerWas mir seit langer Zeit und in sehr vielen Bereichen auffällt ist, dass man sich offenbar nirgends mehr festlegen will. Egal ob es nur die Fotografie, Musik, Politik oder die Beziehung ist – man möchte sich alles und für immer offen halten – beherzte und endgültige Entscheidungen sind offenbar out.

Nehmen wir mal das Beispiel Fotografie: Wir fotografieren überwiegend digital, was zweifelsfrei viele Vorteile mit sich bringt, günstig ist und viel Spaß macht. Die Möglichkeiten der digitalen Fotografie führen aber auch dazu, dass wir uns schon beim Erfassen des Motivs (und mehr ist Fotografie  nicht) nicht mehr festlegen, denn wir machen zur Sicherheit gleich mehrere Versionen mit Belichtungsreihen, unterschiedlichen Bildausschnitten usw. – Speicherplatz ist ja genügend vorhanden. Klar, dass wir natürlich auch im RAW-Format fotografieren – man möchte sich ja nicht gleich auf einen Weißabgleich, eine Schärfeeinstellung oder einen Farbraum festlegen müssen.

Viele trauen sich nicht mit einer Festbrennweite loszuziehen – man könnte sich ja zu sehr festlegen.

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