5 Gründe warum du kein Smarthome haben solltest

Es gibt viele Gründe, die für ein Smarthome sprechen. Ebenso gibt es Gründe, warum ein Smarthome nicht das Richtige für dich ist.

Auf nachbelichtet dreht sich viel um Smarthomes, Home Assistant und die ganze Technik darum herum. Wir leben selbst seit 3 Jahren in einem Smarthome, bei dem Home Assistant die zentrale Rolle als Smarthome-Hub übernommen hat. Ein Smarthome muss man aber auch wollen und sich rechtzeitig damit auseinandersetzen, ob man Geld, Zeit und manchmal auch Stress dafür investieren möchte.

Wie immer kommt zuerst meine Definition, was überhaupt ein Smarthome ist. Irgendeine Steckdose oder Lampe, die sich mit einer Smartphone-App schalten lässt, macht noch lange kein Smarthome. Die App ist nur ein verlagerter Schalter, der meist auch umständlich zu bedienen ist. Unterschiedliche Systeme und Hersteller benötigen auch unterschiedliche Apps, sodass solche Lösungen sogar umständlicher sein können, als der alter Lichtschalter an der Wand.

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LCN GT-10D mit Display
LCN GT-10D mit Display

Bei einem Smarthome, sind alle Geräte integriert und werden über einen zentralen Hub gesteuert. In unserem Fall ist das Home Assistant. Es steuert unsere Gebäudeautomation von LCN Issendorff, die für alle Lampen, Jalousien, viele Steckdosen, das Garagentor und alle wesentlichen Dinge der Elektroinstallation zuständig ist.

LCN kann ganz ohne eine Smarthome-Zentrale Steuerungsaufgaben übernehmen, sodass ein Ausfall von Home Assistant nicht dazu führen kann, dass man z. B. kein Licht mehr einschalten kann. Zusammen mit Home Assistant bieten sich jedoch sehr viel mehr Möglichkeiten, da man nun andere Systeme in die Steuerung mit einbeziehen kann.

Fernseher, AV-Receiver, Amazon Echo, ZigBee-Geräte von Philips, Aqara, Ikea usw., die PCs im Haus, die Heizung, die Überwachungskameras und vieles mehr kann nun so gesteuert werden, als ob es ein System wäre.

Kosten für ein Smarthome

Die Grundlagen für ein Smarthome verursachen natürlich Kosten. Je nach System, Anspruch und Größe sind 10.000 € für einen Neubau oder eine Sanierung schnell zu erreichen. Manche Systeme erfordern zusätzlichen Verkabelungsaufwand für Steuerkabel und die Installation muss meist sternförmig erfolgen, das bedeutet, dass z. B. getrennt zu schaltende Lampen jeweils eine eigene Leitung in die Verteilung benötigen. Unsere LCN-Gebäudesteuerung braucht das nicht unbedingt und sie benötigt auch keine zusätzliche Verkabelung für den Datenbus. Trotzdem bedeutet die Stern-Verkabelung höheren Installationsaufwand, mehr Material und auch größere Verteilerschränke.

Mit Excel als Planungshilfe merkt man schnell … dass der Verteiler zu klein ist.

Für die Anbindung an eine Smarthome-Zentrale wie Home Assistant, ist dann die Hardware notwendig, auf der Home Assistant (oder ein anderes System wie OpenHAB, Symcon, IOBroker, FHEM etc.) laufen kann. Das kann im einfachsten Fall ein Raspberry Pi 4 sein. Besser ist aber häufig, gleich auf PC-Hardware zu setzen.

UnRaid Server-Dashboard mit Stromverbrauch in Grafana

Auch der Betrieb eines Smarthomes verursacht zusätzliche kosten, denn die Komponenten und der Server benötigen Strom und das rund um die Uhr. Bei uns läuft Home Assistant als virtuelle Maschine auf einem Server mit UnRaid, der außerdem als Fileserver dient, die Daten unseres Tesla Model 3 und der Überwachungskameras aufzeichnet und noch so einiges mehr. Die LCN-Module und der Server benötigen daher gut 100 Watt. Bei einem Strompreis von 28 ct. kommt man hier auf 250 € Stromkosten pro Jahr – nur für die Smarthome-Komponenten.

Hast du die technischen Kenntnisse für ein Smarthome?

Ein ganz wichtiger Punkt betrifft deine technischen Kenntnisse. Solides Wissen im Umgang mit PC und Netzwerk sind ebenso notwendig wie grundlegende Programmierkenntnisse. Ein Smarthome mit Home Assistant (oder einer vergleichbaren Anwendung) ist keine Angelegenheit, die man einfach zusammenklicken kann. Die Funktionen, die ein Smarthome wirklich interessant machen, weil sie sich automatisch auf unterschiedliche Situationen einstellen können, erfordern logisches Denkvermögen und müssen oft durch Skripts gelöst werden.

YAML-Skript in Home Assistant ESPhome

Wenn du mehr Systeme und Geräte anbinden willst, musst du z. B. IP-Adressen vergeben und auch wissen, wie man bei Problemen vorgeht, wenn die Geräte nicht gefunden werden oder nicht reagieren. Da viele Smarthome Anwendungen internationale Entwicklungen sind, wie z. B. bei Home Assistant, Node-Red oder OpenHAB, sind gute Englischkenntnisse ebenfalls nicht nur von Vorteil, sondern meiner Ansicht nach absolut notwendig, wenn du nach Fehlerlösungen oder neuen Funktionen recherchieren musst. Wenn du der Typ bist, der lieber fragt, als selbst zu googeln, solltest du das Thema Smarthome noch einmal überdenken.

Hast du die Zeit für ein Smarthome?

Ein Smarthome ist selten eine Angelegenheit mit „Set and forget“ Status. Das beginnt bei der Auswahl des passenden Systems, über die Planung über die Einbindung externer Komponenten, bis hin zu Wartung des Systems. Die Smarthome-Software benötigt Updates und irgendwann funktioniert etwas mal nicht mehr, was lange Zeit seinen Dienst verrichtete. Dann geht es an die Fehlersuche, die manchmal auch Stunden dauern kann. Natürlich steigt der Aufwand, je komplexer das System wird.

Smarthome Planung damals 2017

Ich kann euch auch versprechen, dass euer System auf jeden Fall komplexer wird. Hat man erst einmal Blut geleckt, möchte man immer mehr und immer ausgefeiltere Steuerungen und Anwendungen, wie z. B. meine Türkamera mit Node-Red.

Teslamate Tesla Statistik Grafana
Teslamate Tesla Statistik Grafana

Das Smarthome beansprucht ähnlich viel Zeit wie andere Hobbys, die man mit Leidenschaft betreibt. Das muss auch der Partner verstehen und tolerieren.

Der WAF-Faktor und die Familie

Es gibt auch jede Frauen, die sich für Smarthome-Technik begeistern, trotzdem wird ein Smarthome meistens vom männlichen Teil der Bevölkerung ins Leben gerufen. Bei einem Smarthome muss der WAF stimmen (Women Acceptance Factor). Ein Smarthome darf einfache Dinge nicht komplizierter machen, sonst wird es nicht akzeptiert. Ein großes Display mit vielen Parametern und Messwerten aus dem Smarthome ist zwar für Technikfans sexy, oft aber weniger für den anderen Teil der Hausbewohner.

Erst wenn ein wirklicher Vorteil gegenüber der herkömmlichen Technik und Bedienung besteht, wird man auch bei dem Rest der Hausbewohner auf Zustimmung und Begeisterung stoßen. Dazu muss die Technik aber sehr gut geplant und implementiert sein, was wiederum Aufwand für den Technik-Verantwortlichen des Smarthomes bedeutet. Spielereien findet man selbst oft ganz toll, erzeugen aber beim Gegenüber meist wenig Begeisterung. Toll findet Frau Nachbelichtet aber z. B. die fernsteuerbare Kaffeemaschine, die per Alexa Sprachausgabe darauf hinweist, wenn sie gereinigt werden muss.

lelit-siebtraeger-maschine-home-assistant

Bei uns ist der Vorteil, dass wir beide technikbegeistert sind und uns zusammen für ein Smarthome entschieden haben. Man darf auch nicht vergessen, dass die wesentlichen Funktionen einer Elektroinstallation auch ganz ohne regelmäßigen Eingriff funktionieren müssen. Schnell kann es passieren, dass derjenige, der das Smarthome geplant hat und betreut, das z. B. wg. eines Unfalls oder noch schlimmer nicht mehr tun kann. In so einem Fall muss man auf die Smarthome-Zentrale verzichten können, ohne dass es Probleme mit der Wohnsituation hinsichtlich Beleuchtung oder Heizung kommt.

Falsche Vorstellungen von Smarthomes

Gerne wird von Smarthome- und Gebäudesteuerungs-Anbietern mit Energieeinsparungen beworben, wenn man auf Smarthome-Technik setzt. Die Einsparung, die man durch Regelungstechnik und Steuerung der Heizung z. B. durch automatische Anwesenheitserkennung etc. erzielen kann, sind jedoch marginal. Bei modernen gut gedämmten Häusern samt Fußbodenheizung, ist eine Absenkung meist ohnehin kontraproduktiv. Eine Einzelraumregelung (ERR) ist ebenfalls nicht erforderlich, da Fußbodenheizungen viel zu träge reagieren.

Die üblichen Stellantriebe für Heizkreise benötigen in Betrieb etwa 2 Watt. Wir haben 26 Heizkreise und hätten damit 52 Watt Verbrauch für die Stellantriebe, wenn alle Ventile offen sind. Hinzu käme der Verbrauch der Aktoren der Gebäudesteuerung und deren Anschaffungskosten.

Den Aufwand kann man sich komplett sparen, wenn man mit einem hydraulischen Abgleich des Heizsystems (der eigentlich ohnehin vorgeschrieben ist, aber kaum ein Heizungsbauer richtig drauf hat) mithilfe der aufgezeichneten Raumtemperaturen bestmöglich vornimmt. Darin steckt mehr Einsparpotenzial, als bei ERR und Absenkung zusammen. Mit dem hydraulischen Abgleich mit angepassten Durchflussmengen etc. hatten wir nie mehr die Notwendigkeit, die Temperatur eines Raums manuell ändern zu müssen. Wenn es sein muss, genügt eine Änderung direkt an unserer Gastherme um 1 Grad für alle Räume.

Energiesparpotenzial besteht eher beim automatischen Abschalten von elektrischen Verbrauchern oder Meldungen, wenn noch Fenster geöffnet sind.

Klimaaufzeichnung Werkstatt
Klimaaufzeichnung Werkstatt

Gerade zu Beginn bedeutet ein Smarthome viel Zeitaufwand und Nerven bis alles so funktioniert, wie man sich das vorstellt. In Gesprächen höre ich oft „Toll, so etwas will ich auch!“ Viele der Gesprächspartner haben aber weder die technischen Skills, noch den Willen regelmäßig Zeit dafür zu investieren. Spätestens wenn man die Kosten aufzählt, sinkt bei vielen das Interesse und die 20 Zoll Alufelgen sind wieder wichtiger.

Fazit

Ein Smarthome kann eine tolle Sache sein, wenn man bereit ist, Zeit und Geld zu investieren und sich mit der Materie ernsthaft beschäftigen will. Die Möglichkeiten sind fantastisch und erleichtern häufig den Alltag. Auch kann ein Smarthome Sicherheit bringen, wenn Komponenten wie Fensterkontakte und Bewegungsmelder auch als Alarmanlage genutzt werden. Im Brandfall kann ein vernetzter Rauchmelder die Beleuchtung einschalten, Jalousien öffnen und per Messenger alarmieren.

Ein Smarthome kann für gesundes Raumklima sorgen, in dem es Lüftungsempfehlungen gibt oder eine Lüftungsanlage bedarfsgerecht steuert. Eine automatische Beschattung je nach Sonnenstand und Raumtemperatur ist ebenso komfortable wie die Sprachsteuerung von Geräten.

Es ist jedoch wichtig, vorher genau zu überlegen, ob man alle im Beitrag genannten Voraussetzungen mitbringt, welchen Aufwand man betreiben will, kann und bezahlen kann und ob der Partner und die Familie ebenso begeistert von der Idee Smarthome sind.

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