So viel Strom verbraucht der Quooker Wasserhahn wirklich

Wir haben den Quooker Kochendwasserhahn seit 1 1/2 Jahren täglich im Einsatz. Viele beschäftigt aber der Stromverbrauch der praktischen Küchenarmatur. Ich habe ihn für euch gemessen.

Geschätzte Lesedauer: 5 Minuten

Der Quooker Wasserhahn ist eine unserer besten Küchenausstattungen (Quooker Erfahrungsbericht und Test) . Wir haben ihn täglich im Einsatz und die Anwendungsmöglichkeiten werden immer größer. Ich benutze sehr gerne Holzbretter und mit dem kochenden Wasser des Quooker kann man diese ohne Spülmittel hygienisch und schnell reinigen. Spülmittel ist bei Holzbrettern insofern schlecht, als das Holz und damit das Schnittgut den Geruch und Geschmack annehmen kann. Da bei verbrauchsoptimierten Heizungen das Brauchwasser häufig mit nur 50-60 °C aus dem Hahn kommt (bei Wärmepumpen oft noch niedriger), ist richtig heißes Wasser in der Küche unerlässlich. Das gilt besonders dann, wenn man Geflügel verarbeitet.

Um den Stromverbrauch des Quooker ranken sich allerdings seltsame Mythen und Gerüchte. Gerade bei Amazon gibt es einige Rezensenten, die den Quooker höchstwahrscheinlich noch nie aus der Nähe gesehen haben, aber vor enormen Verbräuchen warnen und den Quooker mit Durchlauferhitzern vergleichen. Daran kann man erkennen, dass das Prinzip nicht erkannt wurde. Mich ärgern solche unqualifizierten Kommentare, die vollkommen aus der Luft gegriffen sind, aber so ist das heute eben mit „gefühlten Fakten“ und Meinungen.  Häufig liegt es auch daran, dass viele einfach nicht mit Verbräuchen, Kilowattstunden und den tatsächlichen Kosten rechnen können. Da klingen 2000 Watt nach etwas, das viel Geld kostet und der Stromverbrauch von Staubsaugern wird kritisch angemerkt. Es ist aber egal, ob ich 10 Minuten pro Tag 2000 oder 1800 Watt Verbrauche – bei täglicher Nutzung sind das 3,25 Euro pro Jahr Unterschied. Nur mal so …

Das Prinzip des Quooker

Hauptkomponente des Quooker ist ein Reservoir, das über eine Vakuumisolierung verfügt. Es ist also eine extrem gut isolierte Thermoskanne, wenn man so will. Damit bleibt das heiße Wasser auch ohne ständige Energiezufuhr heiß. Zudem steht das Wasser im Reservoir unter leichtem Überdruck, sodass es auf eine Temperatur von 110 °C kommt. Man erhält damit am Wasserhahn wirklich kochendes Wasser mit 100 °C. Bei einem Wasserkocher ist das Wasser nach dem Abschalten schnell wieder auf 95 °C und weniger abgekühlt.

Verbrühung fast unmöglich – das Wasser fließt in Tröpfchenform

Ein zweites großes Missverständnis ist, dass man sich mit dem Quooker leicht verbrühen könne und es für Haushalte in denen Kinder leben gefährlich wäre. Um das kochende Wasser zu entnehmen, muss der geriffelte Ring zweimal kurz hintereinander nach unten bewegt und gleich danach nach rechts gedreht werden. Man kann also nicht versehentlich das heiße Wasser aufdrehen. Zudem entweicht das Wasser nicht als kompakter Strahl, sondern in Tröpfchen, die das Riskio von Verbrühungen minimieren.

Das Metall des Wasserhahns ist zudem isoliert und erwärmt sich bei der Entnahme kaum.

Wie viel Strom verbraucht der Quooker?

Ich habe unseren typischen Verbrauch über 2 Wochen aufgezeichnet. Dazu kam eine AVM Fritz!DECT 200 Steckdose mit Strommessung zum Einsatz, die ich einfach zwischen Quooker und Steckdose geschaltet habe. Die AVM Fritz!DECT 200 zeichnen den Stromverbrauch erstaunlich präzise auf – das hatte ich vor langer Zeit einmal mit einem professionellen Messaufbau verglichen. Der Quooker heizt etwa alle 25 Minuten einmal kurz auf.

Quooker Stromverbrauch gemessen
Stromverbrauch des Quooker mit der AVM Fritz!DECT200 gemessen

Unser typische Profil sieht so aus, dass morgens gegen 7:30 Uhr gut 1 Liter Wasser für eine Thermoskanne Tee entnommen wird. Am Abend wird gekocht und dabei spüle ich Bretter, Messer etc. kurz mit dem Quooker oder entnehme Heißwasser zum Kochen. Auch gibt es oft noch mal einen Tee etc.

Am Wochenende kochen wir oft sehr aufwendig und seit einigen Wochen backe im samstags immer Brot. Auch hier benötige ich heißes Wasser, um die letzten Reste des extrem klebrigen Sauerteigs zu entfernen. Unter der Woche wird tagsüber kein Wasser entnommen – außer wir haben Urlaub.

Der Quooker heizt etwa alle 25 Minuten kurz auf

Quooker selbst wirbt mit 5 ct. Stromverbrauch pro Tag. Dazu muss man aber wissen, dass damit das Vorhalten des heißen Wassers gemeint ist, also der Standby-Verbrauch ohne Entnahme. Zapft man eine größere Menge kochendes Wasser aus dem Quooker, muss das Reservoir wieder aufgeheizt werden und das verbraucht selbstverständlich mehr Strom, als das Wasser heiß zu halten. Quooker selbst kann schlecht eure Lebensgewohnheiten und damit den Heißwasserbedarf schätzen.

Der Stromverbrauch des Quooker innerhalb einer normalen Woche

Tatsächlich liegt der Standby-Verbrauch des Quookers bei etwa 7 ct. pro Tag (ich habe unseren Strompreis von 27,9 ct./kWh angenommen). 

Nun interessiert aber der Verbrauch in der Praxis und da komme ich mit dem oben beschriebenen Profil im Schnitt auf 0,13 Euro pro Tag und 4 Euro pro Monat. Im Jahr wären das dann ca. 50 Euro. 

Die Auswertung der Fritzbox anhand der bisherigen Messwerte

Zum Vergleich: ein typischer Wasserkocher mit 2200 Watt Leistung, benötigt für einen Liter kochendes Wasser 3,5 Minuten. Wir rechnen: 2200 Watt = 2,2 kW/60 = 0,0367 kWh pro Minute * 3,5 Minuten = 0,129 kWh Stromverbrauch für 1 Liter Wasser mal 0,279 Euro = 3,6 ct. pro Zubereitung. Nimmt man unseren typischen Heißwasserbedarf an (durchschnittlich etwa 2 Liter pro Tag), liegt man hier bei 7 ct pro Tag im Vergleich zu 0,13 Euro mit dem Quooker. Dafür bekommt man den Komfort, nicht auf kochendes Wasser warten zu müssen und es immer zur Verfügung zu haben.

UPDATE 16.03.2020

Weitere 4 Wochen später zeigt sich ein noch geringerer Verbrauch. Die monatlichen Verbrauchskosten der Quooker liegen nun bei etwa 3,60 Euro.

Fazit:

Die Horrordarstellungen über den angeblich hohen Energiebedarf des Quookers sind an den Haaren herbeigezogen. Wir bezahlen für diesen Komfort 13 Cent pro Tag. Mit einem elektrischen Wasserkocher lägen wir bei etwa 7 Cent. Durch die gute Isolierung arbeitet der Quooker sehr effizient und das ist es uns wert.

Wasser erhitzen – ein Ausflug in die Physik

Ein bisschen Physik ist ganz interessant, wenn man wissen will, wie viel Energie notwendig ist, um einen Liter Wasser auf eine bestimmte Temperatur zu erhitzen. 

Im Moment kommt das Wasser bei uns mit 9 °C aus der Wasserleitung. Wir leben auf 540 Metern über dem Meeresspiegel. Hier kocht das Wasser bereits bei 98,18 °C (je höher, desto niedriger der Siedepunkt). Von den 98 °C kann man die 9 °C des kalten Wassers abziehen, also bleiben 89 Kelvin bis zum Siedepunkt die als externe Energie zugeführt werden müssen.

Um 1 Kilogramm (1 Liter) Wasser, um 1 Kelvin zu erwärmen, muss eine Energie von 4,183 Kilojoule (die spezifische Wärmekapazität von Wasser) zugeführt werden.

4,18 kJ * 1 kg * 89 K = 372 kJ 

1 Wh (Wattstunde) entspricht 3,6 Kilojoule

372 kJ / 3,6 = 103,3 Wh oder 0,103 kWh (Kilowattstunden)

0,103 kWh * 0,279 Euro pro Kilowattstunde Strom = 0,029 Euro

In einer idealen (Physik-) Welt, müsste man also 3 ct. bezahlen, um einen Liter Wasser von 9 auf 98 °C mit Strom zu erwärmen.

Das Trinkwasser enthält aber Gase, Mineralien und andere Teilchen, welche die spezifische Wärmekapazität gegenüber reinem Wasser erhöhen. Man benötigt also etwas mehr Energie. Die Heizspirale und das Gefäß müssen erst einmal selbst erhitzt werden, haben einen Wärmeverlust und die zugeführte Energie wird auch nicht zu 100 % in Wärme umgesetzt. Diese ganzen Verluste sind in dieser Rechnung nicht berücksichtigt, sodass unser Wasserkocher unter realen Bedingungen eben realistisch 0,13 kWh statt idealen 0,1 kWh benötigt, um das Wasser zu erhitzen. Man sieht daran aber auch, dass wir uns mit dieser Rechnung auf jeden Fall im richtigen Bereich bewegen.

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Sebastian

Danke für die Berechnung 🙂 Dennoch zahlt man nicht nur die Laufenden Kosten, sondern auch die Anschaffung. Aber es ist wie mit vielen Dingen. Lohnen tut es sich nicht, aber man möchte es dennoch gern haben: Auto, Urlaub, Freizeitvergnügen, Haushaltsgegenstände