Der Quatsch von der Post-PC Ära

Beinahe täglich kann man von der „Post-PC Ära“ lesen – eine Floskel, die der verblichene Computergott Steve Jobs ausgerufen hatte. Wohl nicht ganz ohne Eigennutz. Warum ich das für vollkommenen Quatsch halte, schreibe ich hier.

Am 26. Oktober erscheint das neue Windows 8. Grund genug für viele, wieder einmal in die Kerbe derer zu schlagen, die den Abgesang auf den klassischen Desktoprechner aus voller Brust schmettern. Im Vergleich zur Vorjahresperiode ging der PC-Verkauf weltweit um 8 Prozent zurück.

Klar steigen die Verkäufe und Zugriffszahlen von Tables und Smartphones – es es ja auch noch eine vergleichsweise junge Produktgattung und ein Tablet ist noch immer eher Luxus als Standardausstattung. Auch ich nutze für die Zerstreuung am Abend, die meisten Mail-Checks und Status-Updates bei Twitter und Facebook mein iPad oder mein Smartphone. Gerade letzteres ist meist immer da wo ich auch bin und somit praktischer, als der Gang zum Desktop-Rechner. Ein Tablet ist auf der Couch einfach ergonomischer Nutzbar als ein Notebook – und es muss nicht booten.

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Viele Durchschnittsnutzer brauchen womöglich auch gar nicht viel mehr als ein ordentliches Tablet, weil sie nichts anderes tun als surfen, Facebook-Updates veröffentlichen und ihre Freunde stalken und ab und zu mal eine Mail schreiben.

Aktuelle Desktops sind zu schnell

Was ist aber mit den Leuten, die mit einem Rechner wirklich arbeiten? Ich kann keine umfangreichen Bildbearbeitungen am Tablet durchführen. Ein Buch kann ich auch nicht auf dem Tablet schreiben und schon bei einfachen Briefen wird es schwierig. In Firmen wird wohl kaum jemand die Auftragsbearbeitung auf einem Tablet machen wollen und an leistungshungrige Anwendungen wie Videoschnitt, CAD oder 3D-Rendering wollen wir gar nicht denken.

Der hauptsächliche Grund für den Rückgang der Verkäufe bei PC’s (dazu zähle ich einfach auch mal die Desktop-Macs) und Notebooks dürfte eher sein, dass deren Leistung seit gut 2-3 Jahren für die meisten Anwendungen mehr als ausreichend ist. Selbst mit meinem INTEL i7 9650 PC gibt es für mich derzeit keinen Grund aufzurüsten. Die SSD-Laufwerke in diesem Rechner und nicht zuletzt das neue Windows 8 machten ihn pfeilschnell und der Leistungszuwachs den ich von einem neuen Prozessor erwarten könnte wäre marginal. Selbst mein 2011er Mac Mini ist für die meisten Aufgaben ausreichend gerüstet.

Touchscreens für Notebooks und Desktop-Monitore? Totaler Quatsch! Ich will nicht mit ausgestrecktem Arm auf dem Bildschirm rumschmieren. Deshalb ist Windows 8 aber auch keine Fehlentwicklung, weil ich die Kacheln auch ohne Touchscreen sinnvoll nutzen kann.

Einen PC kann ich außerdem mit zig Terabyte Festplattenkapazität ausstatten, denn Videodateien mit 10GB Größe nützen mir in der Cloud nichts – die brauche ich lokal und so schnell wie möglich. Für professionelle Bildbearbeitung benötige ich ein ebenso gutes wie eingemessenes Display und neue Schnittstellen kann ich schnell und günstig nachrüsten, ohne gleich einen komplett neuen Rechner kaufen zu müssen.

Das mussten in den letzten Monaten wohl auch viele Mac Pro Anwender erkennen und wechseln nun offenbar reihenweise auf Windows-Workstations.

Was ist mit den Ultrabooks?

Ich habe noch ein alt ehrwürdiges Lenovo R500 Notebook. 1280×720 Auflösung, Dual-Core CPU, 2GB RAM und eine Hybrid-Festplatte mit 500GB. Diesen Klopper kann man auch mal als Bremskeil fürs Auto missbrauchen oder damit Feinde in die Flucht schlagen. Ansonsten aber durch und durch zuverlässig und sogar für knapp 5 Stunden Batterielaufzeit gut. Dieses wollte ich aus Mobilitätsgründen gegen ein neues Notebook eintauschen.

Ultrabook ASUS UX31A

Meine Wahl fiel auf ein ASUS Zenbook UX-31A. Mein kurzer Test war niederschmetternd! Für fast 1400 Euro bekommt man einen lauten Lüfter, der ohne erkennbaren Grund vor sich hin pfeift, ein schlecht eingebautes Touchpad und unvermittelte Abstürze. Wenn man außerdem noch eine langsame SSD von Sandisk mit dem Zenbook erhalten hat und nicht das schnelle Modell von Adata, macht das UX31A wirklich keinen Spaß und die Full-HD Auflösung ist auch für Adleraugen einfach zu klein für das 13,3 Zoll Display. Kein Wunder also, dass die meisten die bereit wären diesen Betrag zu investieren, gleich auf den Urvater aller Ultrabooks setzen – das Apple Macbook Air. Und so wird es wohl auch bei mir sein …

Der Markt ist gesättigt und es fehlen die Innovationen

Wer einen Desktop-Rechner hat wird ihn wohl auch noch länger behalten. Wer ein Notebook hat und nicht ständig unterwegs ist, wird sich deshalb auch kein Ultrabook kaufen. Das bedeutet aber ja auch nicht, dass Desktops überflüssig wären. Es gibt nur einfach keine Innovationen, die einen echten Kaufanreiz bedeutet würden.

Ebenso wird es auch den Smartphones und Tablets der neuen Generation ergehen: Wer ein Tablet hat, kauft sich normalerweise auch nicht jedes Jahr ein neues. Ich habe noch immer ein iPad 1, was für meine Zwecke noch immer vollkommen ausreichend ist und mein aktuelles Smartphone ist in allen Bereich an einem Punkt angekommen, wo ich mir keinerlei Verbesserungen wünsche und daher auch nicht zu einer Neuanschaffung bereit wäre.

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7 Kommentare zu “Der Quatsch von der Post-PC Ära

  1. Ok, im manchen Branchen wird Rechenleistung in bestimmten Teilbereichen benötigt (Kreativbranche, Simulation, CAD, etc.), die Mehrheit könnte auch mit Desktop-Clients auskommen… von daher ist der Ansatz der Post-PC Ära gar nicht so abwegig…

    Man könnte durchaus auch komplette ERP-Systeme über ein Tablet abwickeln, genauso wie es auch schon als Kassen- Bezahlsystem inkl. integriertem Warenwirtschaftssystem im Einzelhandel genutzt wird.

    Der Privatanwender wird derzeit an seinem 2-3 Jahren alten Rechner noch seine Freude haben können, in weiteren 2-3 Jahren wird sich allerdings die Frage nach Ersatz stellen und dann werden sich durch die Weiterentwicklung der Tablets, der Betriebssysteme und der Clouddienste ganz neue Kaufentscheidungskriterien einstellen, die von zunehmender Mobilität bzw. Bequemlichkeit begleitet werden.

    Einfach gesagt: nimmt man die DAX-Unternehmen, könnte m.M.n. ca. > 90% der eingesetzten PCs durch Client-Boxen ersetzen.
    Leistungsstarke Rechner benötigen nur wenige Branchen und Gamer.
    Der Privatanwender benötigt kein PhotoShop, dem genügt i.d.R. ein iPhoto auf dem iPad, um die mit der HighEnd-Kamera aufgenommenen Bilder zu bearbeiten. Ein Buch auf dem iPad kann man auch gut verfassen – mit einer kompakten Bluetooth Tastatur gekoppelt kann man rel. entspannt drauf los tippen und dank Cloud immer und überall auf die aktuellste Version zugreifen.

    Und wem das alles nicht reicht, greift zu einem MBAir und hängt seinen 24″ Screen dran. Aber für einen PC mit dem uns bekannten Formfaktor sehe ich pers. derzeit auch nur noch wenig Sinn und Zukunft… neben den o.g. Kriterien sollte man auch die Leistungsaufnahme eines PC`s gegenüber dem einer Clientbox oder einem Tablet nicht außer acht lassen, was mit steigenden Energiekosten für viele Anwender auch ein Kriterium darstellen könnte.

    • Gut, die ganze Terminal und Citrix-Geschichte ist da nochmal eine andere Baustelle. Klar wäre auch eine Videobearbeitung alà Adobe Premiere eine Sache, die komplett „in der Cloud“ läuft und einen 1 stündigen HD-Film auf Serverfarmen in 5 Minuten rendert. Davon trennen uns aber noch flächendeckende Highspeed-Zugänge. 1GB hochzuladen, dauert halt auch mit einem VDSL-Anschluss noch zu langen, zumal die Upload-Bandbreiten unnötig begrenzt werden.

  2. Der Markt ist derzeit sicher gesättigt, aber woran liegt das denn? Ganz einfach, es fehlen die Innovationen, weil die Hersteller sich hauptsächlich auf Tablets und andere mobile Devices konzentrieren – und den klassischen PC- oder Desktop-Markt vernachlässigen. Und das gilt nicht nur für reine PC-Hersteller, sondern auch für Software- und Zubehör-Firmen. Ein Beispiel: es vergeht kaum ein Monat, in welchem IK Multimedia nicht eine Neuheit für den iOS-Bereich veröffentlicht. Doch wer von ein paar Jahren Unsummen für einen StompIO-1 Floorcontroller mit Amplitube ausgegeben hat, der kann diesen heute unter Mac OS Lion noch immer nur im 32bit-Modus fahren. An ein Update auf MountainLion ist wegen der fehlenden 32bit-Tauglichkeit gar nicht zu denken…

    • Abgesehen davon, dass ich die meisten iOS Musik-Apps für absoluten Quatsch halte (von ein paar Controller-Anwendungen mal abgesehen), hast du ganz sicher recht!

      IK hat das App-System aber auch sehr schnell für Desktop-Software erkannt. Im Fall des Amplitube 3 hat man sich ja dazu entschlossen, einen sehr abgespeckte Version kostenlos zur Verfügung zu stellen, die man dann mit ein paar Euro für diesen Amp und ein paar Euro für diesen Effekt langsam aufrüsten kann.

      Die kleinen Summen tun erst einmal nicht weh und ich wette, dass IK Multimedia seitdem sehr viel mehr mit Amplitube verdient hat, als je zuvor. In Endeffekt zahlt man dann aber beim „Ratenkauf“ – was anderes ist der inApp Kauf ja eigentlich nicht – ein ganzen Stück mehr, als für die Vollversion fällig gewesen wäre.

      Im Fall IK konnten zudem Inhalte z. B. von Sampletank nochmal ohne großen Entwicklungsaufwand weiterverwurstet werden.

      Dass man dafür das Geschäft mit der Desktop Software aber so sehr leiden lässt, leuchtet mir auch nicht ganz ein, denn Sampletank, T-Racks usw. waren und sind keine schlechten Produkte, könnten aber wirklich mal etwas aufpoliert werden.

  3. Gerade vor einigen Tagen habe ich bereits einen Blogeintrag gelesen, in dem vorausgesagt wurde, dass die PCs in Zukunft komplett aus den Haushalten verschwinden würden und nur noch Tablets verwendet werden. Ich glaube absolut nicht, dass es dazu kommen wird. PCs und Laptops sind einfach in so vielen Dingen überlegen – Auch im Heimbereich. Briefe schreiben und drucken, Multimediaarchive anlegen und im Netzwerk freigeben. Am Tablet ist das alles irgendwie viel anstrengender. Und manchmal möchte man auch gerne aufrecht sitzen, die Tastatur und den großen Bildschirm vor sich.

    Durchaus vorstellen kann ich mir, dass die Grenzen zwischen stationären und mobilen Systemen immer weiter aufgeweicht werden. Anfänge gibt es ja bereits. Windows 8 als Betriebssystem für alle Geräte. Tablets, die in eine Tastatur gedockt, wie ein Laptop verwendet werden können. Vielleicht gibt es bald auch spezielle Dockinggehäuse, die aus einem Tablet einen vollwertigen PC machen – inklusive aller Anschlüsse und internen Laufwerken.

    Das mit der PC Leistung ist mir ebenfalls schon aufgefallen. Ich erinnere mich dran, wie man damals für jedes zweite Computerspiel den PC aufrüsten musste und sich Menschen um die Aldi PCs prügelten. Inzwischen ist mein PC 6 Jahre alt und ist noch immer für alles zu gebrauchen.

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