Braucht man einen Mac? Meine ersten Erfahrungen mit Apple

Seit nunmehr gut zwei Wochen steht auch ein Mac auf meinem Schreibtisch. Aus verschiedenen Gründen wollte ich nun auch einmal selbst und einigermaßen neutral sehen, was an der schon fast religiösen Diskussion „Windows oder Mac“ dran ist. Mein Einstieg beginnt mit einem aktuellen Apple Mac Mini mit 2,3 GHz und 8 GB RAM.

Meine ersten Eindrücke möchte ich dir nachfolgend schildern.

Geschätzte Lesedauer: 6 Minuten

Eigentlich, ja eigentlich hätte ich keinen Grund einen Mac zu nutzen. Warum? Ich bin mit den aktuellen Windows-Versionen zufrieden, mein System läuft sehr stabil und schnell und außerdem gäbe es ja auch noch Linux, mit dem ich mich auch ganz ordentlich auskenne. Linux hat es aber bislang noch nie längere Zeit auf meinen Desktop geschafft. Der Grund hierfür ist ganz einfach: Meine bevorzugten Anwendungen gibt es nicht für Linux. Mit irgendwelchen Bastellösungen à la WINE oder mit der Virtualisierung via VMware und Virtualbox konnte ich mich auch nicht anfreunden.

Mac Desktop

Klein, stark, silber – die Hardware

Ist schon ein knuffiges Kistchen, so ein iMac. Das Aluminiumgehäuse sieht schick aus und ist wirklich sehr kompakt. Vier USB (2.0) Anschlüsse sind zwar nicht der Hit, aber wozu gibt’s denn USB-Hubs? Der Thunderbolt-Port ist zwar zukunftsträchtig, aber mangels Auswahl an entsprechender Hardware momentan erst einmal arbeitslos. Als Musiker freue ich mich natürlich über den standardmäßigen Firewire 800 Anschluss. Erfreulich ist, dass das Netzteil im Gerät integriert ist und die Power-LED nicht das ganze Zimmer beleuchtet.

Mac Mini

Den Speicher habe ich von 2 GB gleich einmal auf 8 GB aufgerüstet und es machte sich mehr als deutlich bemerkbar. Bei den aktuellen Mac Minis lässt sich das auch ganz einfach selbst und ohne Werkzeug bewerkstelligen.

Löwenbändiger – Mac OSX Lion

Da das Betriebssystem ganz klar auf die recht überschaubare Auswahl an Endgeräten angepasst ist, wirkt auch alles wie aus einem Guss. Während die Windows-Welt mit einer Unmenge an Hardware zusammenarbeiten muss, kann sich Apple komplett auf die eigenen Spezifikationen konzentrieren. Das lässt zwar praktisch keine Auswahl bei internen Komponenten, führt aber zu einer erstaunlichen Performance.

Mac Mini Rückseite und Anschlüsse

Was wohl viel zur Zufriedenheit bei den Macianern beiträgt, ist die Tatsache, dass sich OSX im Durchschnitt deutlich flüssiger anfühlt, weil es zu weniger „Kunstpausen“ neigt als es Windows 7 tut. Dazu mögen auch Faktoren wie das Wegfallen von Performanceverlusten durch Virenscanner etc. gehören.

OSX ist wirklich sehr gelungen und es macht Spaß damit zu arbeiten. Die Einfachheit des Desktops und der „Systemsteuerung“ macht es einfacher, sich auf wesentliche Dinge zu konzentrieren.

Ein Highlight ist natürlich die eingebaute Backup-Lösung „Timemachine“. Gerade der Durchschnittsanwender würde sich eine solch einfache und durchdachte Lösung auch für Windows wünschen. Stündliche plus tägliche plus wöchentliche Backups –  und das praktisch ohne jeglichen Konfigurationsaufwand, bis die Backup-Platte voll ist – sind genial.

Windows vs. Mac – Performance im Vergleich

Der Vergleich ist eigentlich keiner und unfair, aber obwohl mein Windows 7 Rechner ein potenter Intel Quadcore mit 12 GB RAM und Intel X25 SDD ist, fühlt sich der kleine Mac Mini nicht viel leistungsschwächer an. Im Gegenteil: Adobes Lightroom 3 und 4 arbeiten im Entwicklungsmodus auf dem Mac sogar um einiges flüssiger als auf der Windows Maschine. Besonders fiel mir das bei den Werkzeugen zur lokalen Korrektur auf. Photoshop CS5 ist im praxisnahen Photoshop-Benchmark Test sogar dramatisch schneller als der PC.

Für 7 der Einzeltests benötigte der kleine Mac 46,1 Sekunden, der PC aber 58,2 Sekunden. Dabei handelte es sich jeweils um die gleiche 64bit Photoshop-Version mit der gleichen Menge an zugewiesenem Speicher (4,5 GB).

Aber auch das gleiche Musikprojekt unter Cockos Reaper 4, sorgt mit gleichen Einstellungen, Plugins und Interface (Motu 828 Mk II) auf dem kleinen Mac für etwa 3% weniger Auslastung als auf dem großen Windows-Rechner. Das ist mehr als erstaunlich.

Um auch auf dem Mac weiterhin Zugriff auf „Windows-only“ Anwendungen zu haben, habe ich VMware Fusion installiert. In dieser Virtualisierungsumgebung läuft ein Windows 7 parallel zu OSX. Auch hier ist die Leistung beeindruckend. Das virtualisierte Windows 7 lässt sich auch auf der vergleichsweise schwachbrüstigen Hardware des Mac Mini sehr gut bedienen. Allerdings macht sich auch hier die Speicheraufrüstung auf 8 GB RAM sehr deutlich bemerkbar.

Bei allen Standardanwendungen wie Websurfen, Office-Anwendungen etc. ist ohnehin kein Geschwindigkeitsunterschied vorhanden und auch ein gleichzeitiger HD Live-Stream von meinem Kathrein UFS-912 Sat-Receiver via VLC-Player auf den Mac Mini ruckelte kein einziges Mal.

Windows vs. Mac – Anwendungen und Programme

Ich ertappe mich immer mehr dabei, wie ich nur noch am Mac arbeite. Die meisten der von mir genutzten Programme gibt es sowohl für Windows als auch für den Mac. Was ich wirklich vermisse, weil nur für Windows verfügbar, ist die Videoschnitt-Software Sony Vegas Pro. Ich habe mir Finalcut schon angesehen, möchte aber absolut nicht auf Vegas verzichten. Im Bereich der Musik-Programme fehlen mir vielleicht die Freeware Plugins von Variety Of Sound, aber hier gibt es natürlich jede Menge an kommerziellem Ersatz. Auch ein Wave-Editor, der mehr kann als Audacity und billiger ist als Steinbergs Wavelab, ist schwer zu finden. Auch hier vermisse ich Sonys Soundforge.

Auf der anderen Seite freue ich mich über die Shell in OSX, über die man alle möglichen Aufgaben automatisieren kann und mit der ich mich – Linux-Hintergrund sei Dank – sehr schnell angefreundet habe.

Zum Thema Gaming auf dem Mac kann ich nichts sagen, da ich keinerlei Spiele besitze und absolut kein Interesse an Computerspielen habe.

Fallstricke und Umgewöhnung

So richtig umgewöhnen musste ich mich eigentlich nicht. Alle Einstellungen sind bei OSX Lion sehr schnell zu finden, allerdings sind die Tastenkombinationen im Moment noch ein Problem. Ich kann mir diese zwar gut merken, allerdings würfle ich sie gerne beim Wechsel zwischen Windows und Mac durcheinander, was vor allem bei Command+L für das @-Zeichen auf dem Mac zum Problem wird, wenn man das auf dem Windows System ausführt, denn da bedeutet Win+L „Lock“, d. h. der Rechner wird gesperrt. Das ist mir bislang nicht nur einmal passiert …

Auch dass man unter OSX für Kopieren und Einfügen die Command (oder Windows-Taste)+C und V, statt der STRG+C und V nehmen muss, verwirrt manchmal.

Was ich wirklich vermisse, ist z. B. die Möglichkeit, einen zweiten Bildschirm anzuschließen. Das ginge vielleicht mit einem Thunderbolt-Monitor zusätzlich zum HDMI-Ausgang, aber das Apple Thunderbolt-Display ist mit knapp 900€ auch nicht ganz billig, wenngleich sehr preiswert für ein 27″ Display dieser Qualität.

Mein Zwischenfazit

Der Mac Mini macht Spaß, ist erstaunlich leistungsfähig und daher auch preislich angemessen. Die Umgewöhnung war für mich nicht sehr groß. Alle für mich wichtigen Anwendungen, von wenigen Ausnahmen abgesehen, gibt es auch für Mac. Für die übrigen Programme werde ich mir einmal eine Bootcamp-Installation mit Windows 7 anlegen, was mich auch schon wegen eines direkten Vergleichs interessiert.

Wie geht’s weiter? Der Mac Mini wird wohl nicht der einzige Apple Rechner bleiben. Wenn die neuen iMac Modelle mit Intels Ivy-Brigde Prozessoren verfügbar sind, werde ich mir wohl auch mal einen iMac mit 27″ Display überlegen und auch beim Notebook kann man mal an einen Apple denken. Das neue iPad steht ohnehin schon auf der Liste …

Braucht man einen Mac?

Gute Frage! Gerade für den durchschnittlichen Anwender dürfte nach meiner jetzigen Einschätzung ein Mac die bessere, da stressfreiere Wahl sein. Auch preislich ist z.B. ein 27″ iMac nicht zu teuer, wenn man bedenkt, dass ein anständiges 27″ Display mit 2560×1440 Auflösung alleine nicht unter 1000€ zu haben ist.

Dadurch dass die Apple Hardware praktisch immer gleich ist, gibt es weniger Fallstricke und Unverträglichkeiten, aber natürlich auch weniger Möglichkeiten zur Individualisierung des Systems. Wer aber ein Arbeitsgerät sucht, das einfach läuft, ist mit einem Mac ebenfalls gut beraten.

Brauchen tut man einen Mac eigentlich nicht. Er macht auch nichts von selbst und man arbeitet meiner Ansicht nach auch nur subjektiv schneller, weil es sich flüssiger anfühlt. Ein Photoshop oder Lightroom funktioniert auf einem Mac ebenso wie auf einem PC. Der Mac macht keine besseren Pixel 🙂

Nach meinen bisherigen Erfahrungen bekommt man aber eigentlich eine Menge fürs Geld, denn die reinen technischen Daten lassen keine tatsächlichen Rückschlüsse auf die Leistung des kleinen Mac zu. Wenn ich allein den Vergleich Photoshop PC vs. Photoshop Mac heranziehe, ist der PC wesentlich teurer, zumal der Mac nach fünf Jahren auf dem Gebrauchtmarkt noch richtig etwas wert ist, wohingegen der PC nur noch für den Elektroschrott gut ist.

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Benachrichtige mich bei
Matthias
Gast

Und bist du dem Mac treu geblieben, oder doch wieder zurück zum PC?

Gruß
Matthias

Matt Hias
Gast

Und hast du deinen Mac noch, oder bist du doch wieder zurück zum PC ?

wtwwtw
Gast
wtwwtw

Habe mir seinerzeit den Mini als OS X Plattform zugelegt, um Logic 9 Studio laufen lassen zu können, und für diesen Zweck, sowohl für Filmarbeit und alltagsaufgaben ist das Ding Super, sofern man sich von Maverick fernhalten kann, wenn man wie ich noch Mountain Lion bekommen hat. Filme schneiden und vertonen Dank Adobe Premiere, gar kein Thema für den Mini, hände weg von Final Cut X und Logic X sind beide sowas von schlecht, das der arme Steve Jobs sich im Grabe umdrehen würde. Für Leute die kein externes Audiointerface betreiben und keine Grafiken importieren müssen oder auf 32bit Plug… Weiterlesen »

Frank Hedrich Hochzeitsfotografie
Gast

Da hast du in allen punkten Recht genau so ist es.

Chris
Gast
Chris

Ich habe sehr ähnliche Erfahrungen wie du gemacht. Jahrelang war ich im PC-/Windows-Lager zu Hause und bei mir hat Ubuntu nie länger als ein paar Wochen auf dem Desktop überlebt. Dabei hätte ich mir das gewünscht. Nun habe ich seit einer Woche einen Macbook Air mit SSD und ich will nix anderes mehr haben. Das Trackpad ist ein Traum so wie die gesamte Bedienung. Ich vertippe mich auch sehr viel seltener und bin froh beim @ Zeichen keinen Sehenscheitentzündng mehr zu bekommen^^ Da sind so viele Details die einem das Arbeiten sehr angenehm machen, dass ich mich ärgere nicht schon… Weiterlesen »

wndel tw
Gast
wndel tw

Mir hat dein Bericht gut gefallen, wer aber nicht an die Finalcut für Videobearbeitung, oder wie meiner einer an Logic für Audiokram gebunden ist, sollte sich den Umstieg gut überlegen, und dann sein lassen. Wer mit einem PC einigermaßen umgehen kann bekommt anfallende Probleme mit dem PC selbst in den Griff, diese Option gibt es bei Apple OS nicht, wenn ein Problem auftaucht, was oftmals mit Fremdsoftware geschehen kann, wie leider z.B. beim VLC Player, der zwar Ton über den Soundchip gibt, aber nicht über das usb-audiointerface, der hat das dann, sprich unlösbar. Hier muss man z.B. auf MPlayer für… Weiterlesen »

t-techniker
Gast
t-techniker

Mich interessiert ein Punkt in Deinem ausführlichen Bericht besonders:
Sind die eingebauten Komponenten wirklich immer gleich? Ich komme auf diese Frage, da das gleiche Modell bei einigen Online-Shops wesentlich billiger angeboten wird als beim MACSTORE.
t-techniker

Markus Dollinger
Gast

Soweit ich weiß, variieren nur die Festplatten-Modelle bzw. Hersteller und der Hersteller der RAM-Bausteine

crosa
Gast

Ich habe mir vor einer Woche ein Macbookpro gegönnt und finde mich absolut wieder, ein deinem Artikel. Ich ärgere mich fast ein wenig nicht schon früher den Umstieg gewagt zu haben…

nachbelichtet.com
Gast

Aha! Vielen Dank für den Tipp! Das macht den Mac Mini noch attraktiver!

Martin
Gast

Ja also ich liebe meine Macs .. sie laufen einfach – egal ob schneller oder langsamer als im Vergleich zu Windows, aber sie laufen 😉
Mein iMac kriegt jetzt dann mal ein Ram-Upgrade von 4 auf 8 denk ich 🙂

Marco Winkler
Gast

Ganz Deiner Meinung…. Guter Bericht.