Neben der Auflösung (den „Megapixeln“) hat sich bei modernen Kameras besonders ein Wert verbessert: die Geschwindigkeit der Serienbildfunktion. Waren es bei der Nikon D70 noch magere 3 Bilder pro Sekunde, konnte die D90 schon mit 4,5 Bildern pro Sekunde (oder fps = Frames per Second) aufwarten, und die aktuelle Nikon D7000 schafft 6 Bilder.

Trotz dieser beachtlichen Leistung ist die Serienbildfunktion wohl eine der am wenigsten eingesetzten Kamerafeatures. Häufig höre ich die Aussage: „Ich bin kein Sportfotograf, daher habe ich keinen Bedarf für schnelle Serienbilder!“.

Die Serienbildfunktion kann Dir helfen bessere, schärfere und interessantere Bilder zu gestalten.

Dieser Beitrag wurde 2011 veröffentlicht.
Seitdem hat sich viel getan und manche Informationen und Links sind vielleicht nicht mehr aktuell!

Neben der Auflösung (den „Megapixeln“) hat sich bei modernen Kameras besonders ein Wert verbessert: die Geschwindigkeit der Serienbildfunktion. Waren es bei der Nikon D70 noch magere 3 Bilder pro Sekunde, konnte die D90 schon mit 4,5 Bildern pro Sekunde (oder fps = Frames per Second) aufwarten, und die aktuelle Nikon D7000 schafft 6 Bilder.

Serienbilder nur für Sportfotografie wichtig?

Trotz dieser beachtlichen Leistung ist die Serienbildfunktion wohl eine der am wenigsten eingesetzten Kamerafeatures. Häufig höre ich die Aussage: „Ich bin kein Sportfotograf, daher habe ich keinen Bedarf für schnelle Serienbilder!“.

Klar! Das Serienbild war vorrangig dazu da, schnelle Ereignisse und Bewegungen – eben solche, wie sie bei z. B. bei Sportereignissen vorkommen -festzuhalten. Zu diesem Zweck gibt es auch Profimodelle wie die Nikon D3s, welche mit 9fps speziell für diesen Einsatzzweck konzipiert wurde.

Die Serienbildfunktion kann Dir helfen bessere, schärfere und interessantere Bilder zu gestalten.

Schärfere Fotos durch Serienbilder

Das wohl am heißesten diskutierte Thema wenn es sich um die Qualität von Kamera und Objektiv dreht, ist wohl die Bildschärfe. Sicher ist dazu ein entsprechend gutes Objektiv nötig. Kurze Verschlusszeiten und Stative helfen ebenso.

Trotzdem kommt es immer vor, dass Fotos nicht ganz so scharf sind, wie man es sich das vorstellt, obwohl die Rahmenbedingungen stimmten. Ein Grund ist, dass man eben genau den Zeitpunkt zum Auslösen erwischt hat, indem das komplexe System aus Kamera, Objektiv, Stativ etc. besonders instabil war. Resultat ist ein leicht verwackeltes Bild, welches das letzte Quäntchen Schärfe vermissen lässt.

In diesem Fall kann man einfach eine Serie probieren. Wenn man statt einem gleich 6 oder 10 Fotos in Serie schießt, ist ganz einfach  die Wahrscheinlichkeit höher, dass eines dabei ist, das besonders scharf ist, weil man bei einem der Bilder in der Serie den absoluten Ruhepunkt erwischt hat.

Gerade bei schlechter Lichtsituation kann man damit oft erstaunliche Ergebnisse erzielen. Mit Blitzanlagen oder Systemblitzen kann allerdings schwierig werden, da diese mit den hohen Bildfolgen oft überfordert sind.

Serienbilder für bessere Gruppenfotos

Eine große Herausforderung sind immer wieder Gruppenfotos. Je mehr Personen die Gruppe umfasst, desto nervenaufreibender wird die Geschichte. Es hat immer einer die Augen zu, schaut irgendwo hin, aber nicht in die Kamera. Der nächste reibt sich schnell nochmal die Nase, eine Dame zupft das Kleid zurecht und einer ist immer dabei, der noch schnell den Alleinunterhalter spielen muss. Beim Gruppenfoto wird oft sogar aus der ruhigen Oma ein ADHS-Kind.

Um diesen Flohzirkus in den Griff zu bekommen, kann man entweder eine halbe Stunde vorher eine Runde Valium ausgeben – dann sehen die Leute aber immer so müde aus, oder man nutzt die Serienbildfunktion. Sobald die Gruppe sich aufgestellt hat gnadenlos auf Dauerfeuer gehen. Auch hier erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass man ein oder zwei Fotos dabei hat, auf denen alle einigermaßen ordentlich abgelichtet sind. Sollten alle Stricke reißen, hat man immer noch die Möglichkeit ein perfektes Gruppenfoto aus der Auswahl der Einzelfotos zu retuschieren. Geschlossene Augen sind in Photoshop schnell ausgetauscht …

HDR Fotos aus der Hand

Manchmal kann ein HDR-Foto sehr interessant sein, auch wenn ich diese übertriebenen HDR-Fotografien nicht besonders mag. Ab und zu erfordert aber auch die Lichtsituation ein HDR.

Zur Erinnerung: Beim HDR-Foto werden zwei oder mehr unterschiedlich belichtete Bilder zu einem Foto verschmolzen. Dadurch hat man mehr Tonwerte zur Verfügung, als sie eine herkömmliche Kamera erfassen kann. Ein typisches Beispiel sind Fotos von Innenräumen mit Fenstern. Entweder man belichtet so, dass der Innenraum hell ist, dann sind die Fenster aber nur noch weiße Rechtecke oder man belichtet auf die Fenster, dann ist aber der Raum zu dunkel. Also macht man zwei Bilder mit der jeweils passenden Belichtung und fügt diese dann z.B. mit Photoshop zu einem HDR Bild zusammen, in dem man dann sowohl einen hellen Raum, als auch die Landschaft durchs Fenster sieht.

Da die Einzelbilder, aus denen das HDR-Foto entstehen soll natürlich deckungsgleich sein müssen, kommt man normalerweise nicht um ein Stativ herum. Mit schnellen Kameras, die 4 oder mehr Bilder pro Sekunde schaffen, kann man das aber auch oft aus der Hand realisieren.

Wie wirds gemacht? An der Kamera stellt man die Serienbildfunktion und „Bracketing“ oder „Belichtungsreihen“ ein. Die meisten Kameras bieten hier Belichtungsreihen mit 3 Bildern an: Eines davon ist normal belichtet, eines überbelichtet und eines unterbelichtet – ideal für unser HDR-Foto. Normalerweise würde man nun 3 mal auf den Auslöser drücken, um die entsprechenden Bilder zu erhalten. Mit dem schnellen Serienbild stellt man sich nun ruhig in, hält die Kamera möglichst stabil und bleibt mit dem Finger auf dem Auslöser. Die so gemachten Fotos eigenen sich aus meiner Erfahrung heraus meist sehr gut für die Umwandlung zum HDR-Foto.

Serienbilder und Belichtungsreihen

Wie schon im vorigen Tipp beschrieben, kann man die Serienbildfunktion auch für schnelle Belichtungsreihen nutzen. Wenn man sich bei einem Motiv nicht ganz sicher ist, wie man es richtig belichtet, weil es vielleicht sehr hohe Kontraste hat, kann man ebenfalls das Bracketing in Verbindung mit dem Serienbild nutzen.

Ich neige dabei dazu, höhere Blendenwertunterschiede z. B. +2 und -2 Blenden für die Belichtungsreihe einzustellen. Wenn man RAW fotografiert hat man dann noch mehr als genug Spielraum für präzise Anpassungen.

Den besonderen Moment einfangen

Es muss ja nicht das schnelle Basketballspiel sein, um die Serienbildfunktion einzusetzen. Auch wenn man Menschen oder Tiere fotografiert, tut sich das Besondere oft im Bruchteil einer Sekunde. Ein besonderer Gesichtsausdruck, ein dynamische Bewegung oder einfach der Moment, in dem man nicht nur die Person sieht, sondern ihr in die Seele schauen kann.

Mit dem Serienbild lässt sich dieser besondere Moment sehr viel wahrscheinlicher einfangen, als mit einzelnen Aufnahmen. Ich stelle immer wieder fest, dass viele regelrecht auf das Auslösegeräusch der Kamera warten und kurz danach ihren Ausdruck verändern – oft zum Besseren.

Schnelle Kameras haben auch dazu geführt, dass Promis oft mit sehr ungewöhnlichen Gesichtsausdrücken abgelichtet werden, die dann – aus dem Zusammenhang gerissen – für eine entsprechende Pressemeldung genutzt werden.

Übriges: In der VOX-Serie „Lie to me“ – die ich sehr empfehlen kann – erfährt man, wie viele „Mikroausdrücke“ es in jedem Gesicht geben kann und was sie bedeuten.

Was muss man bei Serienbildern beachten?

Damit man wirklich größere Folgen von Serienbildern machen kann braucht man Speicherkarten, die dem Datenaufkommen gewachsen sind. Für 6 Serienbilder pro Sekunde im RAW-Format fallen bei einer Nikon D7000 gut 100MB an Daten pro Sekunde an. Zwar puffert der interne Speicher die Datenflut ab, aber Du solltest Wert auf schnelle Speicherkarten, wie die SanDisk Extreme Pro legen.

Bei Belichtungsreihen passiert es auch mir ab und zu wieder, dass ich vergesse, das Bracketing auszuschalten und mich dann wundere, warum die nächsten Fotos über- oder unterbelichtet sind.

Das Serienbild ist eine Lösung, die nicht immer gut ankommt. Gerade in ruhigen Umgebungen kann das schnelle Klacken des Spiegels einer DSRL störend sein und man sollte diese Funktion nur einsetzen, wenn sie wirklich erforderlich ist.

Noch ein Tipp für Besitzer einer Nikon D300: Mit diesem Trick, kann man die D300 auch ohne Batteriegriff auf 8fps pushen.

8 Responses

  1. Joerg

    AI Servo sollte man meiner Meinung nach immer bei bewegten Bildern nehmen. One Shot bei Motiven die absolut fest sind und AI Focus ist so ein Zwischending. Also scheinbar mache ich alles richtig und es liegt wirklich nur daran, dass der Autofokus nicht hinterher kommt (400d, 60d).

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  2. Joerg

    Den kenn ich gar nicht, aber ich verwende auch gar kein Sportprogramm sondern in Hallen den Modus M und im Freien AV.

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    • Marcus

      Also bei Canon nennt der Modus sich AI Servo und ist unabhängig vom Programm zuschaltbar. Zumindest bei der 7D packt der zu und bleibt wirklich dran hängen.
      Solltest du mal versuchen.

      Die Serienbildfunktion nutze ich recht häufig. Meist nur die halbe geschwindigkeit also in meinem Fall 4 Bilder/s aber das reciht meist aus um den richtigen Treffer zu bekommen.
      HDR aus der Hand macht auch Laune

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  3. Joerg

    Ich nutze die Serienbildfunktion gar nicht, da ich vor allem beim Sport die Erfahrung gemacht habe, dass nur das erste Bild scharf und alle weiteren unscharf sind. Dann lieber mehrmals einzeln den Auslöser betätigen und der Fokus kann sich auf die neue Situation einstellen. Vielleicht mache ich auch nur etwas falsch.

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    • Markus

      Da wäre wohl der continuous autofocus angesagt gewesen. Das ist bei den meisten DSLRs im „Sportprogramm“ auch voreingestellt – damit wird der Fokus ständig nachgezogen.

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