Fnirsi-1013D – portables Oszilloskop für Maker und Hobbyelektroniker

Ein Oszilloskop gehört zur Grundausstattung in der Elektronikwerkstatt. Ich habe das sehr preiswerte FNIRSI-1013D Digitaloszilloskop getestet.

Neben einer Lötstation, einem Multimeter und einem Netzteil, ist ein Oszilloskop wohl das Gerät in der Elektronikwerkstatt, das als Nächstes in Betracht gezogen werden sollte. Alte analoge Oszilloskope gibt es gebraucht oft schon für 50 Euro. Dafür bekommt man meist 2-kanalige Geräte mit Röhre und 20 MHz Bandbreite. Gegen diese gebrauchten Oszilloskope, meist von Hameg oder Philips ist grundsätzlich nichts zu sagen. Empfehlenswert sind hier etwa die Modelle Hameg HM 203 oder HM 605. Auch die älteren Modelle HM 305 oder HM 312 sind für die Hobbywerkstatt ausreichend. Bei Philips würde ich die Modelle PM 3240 oder Philips PM 3055 vorschlagen. Bei Letzterem muss man jedoch darauf achten, dass die LCD-Displays noch in Ordnung sind und sie keine schwarzen Flecken aufweisen.

Gebrauchte Oszilloskope von Hameg
„Vintage“ Oszilloskope von Hameg aus meinem Messgerätepark

Allerdings kann man als Laie meist gar nicht beurteilen, ob das gebrauchte Oszilloskop auch wirklich in allen Bereich funktionsfähig ist. Oft hat schon die Leuchtkraft nachgelassen, die Kalibrierung passt nicht mehr oder Fehler in der Triggerung etc. verderben den Spaß am Schnäppchen-Oszilloskop. Zudem sind analoge Oszilloskope groß, schwer und beanspruchen viel Platz auf dem Tisch. Bis auf die letzten Modelle aus der Analog-Ära (das Hameg HM 1004 oder das HM 507 und HM404 kommen mir in den Sinn) bieten sie auch keine komfortablen Einblendungen der Spannung, Frequenz etc. was heute als Standard angesehen werden kann und sehr praktisch ist. Ohne diese Einblendungen muss man die vertikalen Kästchen zählen und mit der gewählten Teilung multiplizieren, um die Spannung abzuschätzen. Für die Frequenz wird man nicht ohne Taschenrechner auskommen, da hier der Kehrwert der Zeitbasis berechnet werden muss.

Neue Digitaloszilloskope bekommt man schon für 200 Euro, die all diese Komfortfunktionen und noch viel mehr bieten und nach oben gibt es bei Herstellern wie Keysight, Rohde & Schwarz oder Teledyne Lecroy fast keine Grenzen. Für die Hobbywerkstatt benötigt man aber kein Oszilloskop mit 500 MHz Bandbreite, vielen Kanälen oder aufwendigen Analysefunktionen. Für das Basteln mit Mikrocontrollern wie Arduinos, ESPs oder Raspberry Pis, der Fehlersuche an elektronischen Schaltungen oder der Reparatur von Unterhaltungselektronik, genügen 50 MHz Bandbreite und 2 Kanäle vollkommen.

Das Fnirsi-1013D Oszilloskop Ausstattung und Daten

Ein interessanter Vertreter dieser Gattung und sehr preiswert obendrein, ist das Fnirsi-1013D Touchscreen-Oszilloskop. Derzeit bekommt man es für etwa 145 Euro z. B. bei Amazon. Dabei sind zwei umschaltbare Tastköpfe. Das Fnirsi wird mit eingebauten 6000 mAh-Akkus betreiben und kommt damit auf etwa 3-4 Stunden Betrieb. Geladen wird es über einen Micro-USB-Anschluss, der auch zur Verbindung mit einem Rechner dient, um gespeicherte Screenshots auslesen zu können.

Fnirsi 1013D

Mit seinen 600 Gramm und 182 x 124 x 50 mm Abmessungen ist es kompakt, transportabel aber trotzdem groß genug, um sich ordentlich bedienen zu lassen. Mit dem ausklappbaren Bügel auf der Rückseite, steht es in einem guten Winkel auf dem Tisch.

Die Bedienung erfolgt ausschließlich über den 7 Zoll großen Touchscreen mit 800 x 480 Pixel Auflösung, was äußerst zufriedenstellend funktioniert. Diese Bedienung ist nicht nur praktisch, sondern dürfte für Oszilloskop-Einsteiger auch intuitiver sein. Wie bei Digital-Oszilloskopen üblich, werden neben der Darstellung des Signals auch Werte wie Spannung (Spitzenwert, RMS, minimal, maximal etc.), Frequenz, Effektivwerte und Tastverhältnis numerisch dargestellt. Welche Werte dargestellt werden soll, kann man in einem Menü auswählen.

Zwei Cursor ermöglichen die Einschränkung der Messung auf einen bestimmten Bereich des Signals. Ablenkzeiten und Spannungsbereich werden am rechten und oberen Bildschirmrand eingestellt. Ebenso die Einstellungen für AC/DC-Kopplung und dem Spannungsteiler am Tastkopf. Eine Auto-Set-Funktion stellt das Oszilloskop automatisch auf sinnvolle Werte, entsprechend dem aktuellen Eingangssignal ein. Sogar eine einfache FFT-Darstellung des Signals kann eingeblendet werden.

Die Bandbreite gibt Fnirsi mit 100 MHz an, was sehr ordentlich wäre. Die Wahrheit liegt eher bei 40 – 50 MHz. Die Empfindlichkeit liegt bei 50 mV/Div. was sehr wenig ist und bei Audioanwendungen ggf. zu wenig sein könnte, sofern man sich mit Eingangsstufen von Vorverstärkern etc. beschäftigt.

Als maximale Eingangsspannung verträgt das Fnirsi bis zu 400 Volt (40 Volt mit 1x Tastkopfeinstellung, 400 Volt mit 10x Einstellung), was für den Hobby-Bereich ausreichend ist. Lediglich bei Messungen in Schaltnetzteilen könnte man hier an Grenzen stoßen, was Amateuren ohnehin nicht zu empfehlen ist. Apropos Netzteil: Durch den Akkubetrieb ist das Oszilloskop (sofern es nicht am USB-Port des PCs angeschlossen ist) potenzialfrei und man kann somit ohne Trenntrafo etc. in Schaltnetzteilen etc. messen. Damit lohnt sich das Fnirsi alleine schon für nur diesen Einsatz und erspart teure Differenz-Tastköpfe, die selbst in günstiger Ausführung so viel wie das Fnirsi kosten.

Getriggert kann auf die steigende oder fallende Flanke werden und das Fnirsi verfügt auch über eine automatische Triggerung die recht zuverlässig funktioniert.

In der Praxis

Was die angegebene Bandbreite von 100 MHz angeht, greift man etwas hoch. Um ein Signal mit 50 MHz als höchsten Frequenzanteil messen zu können, benötigt man ein Oszilloskop mit 100 MHz Bandbreite. Soll es wirklich aussagekräftig und gut aufgelöst sein, geht man üblicherweise von der 1:5 Regel aus: Ein Oszilloskop mit 100 MHz Bandbreite kann ein Signal mit 20 MHz als höchsten Frequenzanteil aussagekräftig und genau darstellen.

25 MHz Sinus-Signal

Für Messungen an Arduinos etc. genügt diese Bandbreite aber vollkommen. Ich habe mit einem Siglent Funktionsgenerator 25 MHz in verschiedenen Signalformen angelegt und das Messergebnis ist in diesem Frequenzbereich durchaus zufriedenstellend und lassen sich mit denen meines RIGOL DS1054Z vergleichen.

Beide Kanäle mit unterschiedlichen Signalen und 100 kHz

Alle Messungen können als Screenshot und/oder Wellenform abgespeichert und über eine Galerieansicht aufgerufen werden. Speichert man eine Wellenform ab, kann diese auch nach der Messung noch analysiert werden, als ob das Messsignal noch anliegen würde. Für Wellenformen und Screenshots steht 1 GB interner Speicher zur Verfügung, der über den Rechner ausgelesen werden kann. Das Fnirsi wird beim USB-Betrieb einfach als Wechseldatenträger erkannt und es bedarf keinerlei Treiber etc.

Galeriedarstellung der aufgenommenen Screenshots und Wellenformen

Wer Freude an Lissajous-Darstellungen hat oder den Tonkopf eines Tapedecks oder einer Bandmaschine justieren will (Azimuth), kann im Menü die X/Y-Darstellung für beide Kanäle aktivieren:

X/Y-Betrieb und Lissajous-Figur

Auf erweitere Auswertungen wie mathematische Funktionen, Bus-Dekodierung etc. muss man verzichten, was beim aufgerufenen Preis auch verständlich ist.

Fazit

Das Fnirsi-1013D ist ein preiswertes, mobiles Digitaloszilloskop mit 2 Kanälen und ausreichender Ausstattung und Leistung. Für die Hobbywerkstatt, Arduino-Bastler oder gängige Reparaturaufgaben ist es sehr gut geeignet. Durch den eingebauten Akku kann es potenzialfrei arbeiten und kann sich dadurch schon alleine lohnen, denn ein Differenz-Messkopf kostet das Gleiche.

Die Messwerte liegen im Bereich der angegebenen Toleranzen und die Auswertungsmöglichkeiten sind gut. Lediglich die geringe Eingangsempfindlichkeit trübt das Bild etwas.

Das Fnirsi-1013D kaufen

Das Fnirsi wird auf vielen Kanälen angeboten. Direkt aus China ist es günstiger, allerdings muss man natürlich mit Einfuhrumsatzsteuer und Zollgebühren rechnen. Ich empfehle den Kauf über Amazon, da ihr hier keine bösen Überraschungen bei den Gesamtkosten befürchten müsst, den Käuferschutz nutzen und das Gerät bei Problemen oder Nichtgefallen problemlos zurückgeben könnt.

Mittlerweile gibt es zwei Versionen, die sich aber nur optisch unterscheiden. Die neue „weiße“ Version mit dem weißen Frontrahmen und dem Aufdruck „TABLET Oscilloscope“ hat die BNC-Buchsen und den Einschalter im Gehäuse versenkt. Bei der schwarzen Version ist das nicht der Fall.

Letzte Aktualisierung am 16.01.2021 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

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