Es werden immer weniger Kameras verkauft – meine Einschätzung der Ursachen

Canon meldete schon im vergangenen Jahr einen Einbruch bei den Verkaufszahlen der Kamera-Sparte. Nun zogen auch Nikon und Olympus mit ähnlichen Meldungen nach. Zeit einmal darüber nachzudenken, was dahinterstecken könnte.

Da praktisch alle großen Kamerahersteller große Einbrüche in den Verkaufszahlen berichten (Canon, Nikon, Olympus), kann man schon einmal ausschließen, dass hier vielleicht ein bestimmter Anbieter wegen besonders toller Produkte vielleicht umso mehr verkauft. Ich glaube auch nicht, dass die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung dafür verantwortlich ist, denn andere Consumer-Produkte werden weiterhin gut verkauft. Besonders gut geht es da z. B. den Smartphone-Herstellern (von HTC mal abgesehen).

Wenn eine Kameragattung besonders stark mit neuen Verhältnissen und Nutzungsarten kämpfen muss, dann sind es die Point And Shoot Kameras – also kompakte kleine Knipsen für Jedermann. Diese werden schlicht durch Smartphones mit immer besseren Kameras verdrängt, die man ohnehin immer dabei hat und zudem noch das einfache Teilen der Fotos per Facebook, Twitter, Flickr etc. ermöglichen.

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Die wenigsten Fotos werden heute noch zum Papierabzug, sondern landen auf Festplatten, Online-Speichern und natürlich in den Social Networks. Ein Smartphone kann die Fotos automatisch mit Dropbox, Google Drive, Facebook etc. synchronisieren, bietet kostenlose Apps für schnelle Bildverbesserungen, kann Geotagging und braucht kein Kabel oder Kartenleser.

Klar bieten selbst günstige Kompaktkameras einen echten optischen Zoom, einen echten Blitz, aber vielen Anwendern ist das heute egal. Das Handyfoto genügt den Ansprüchen und kostet weder zusätzliches Geld noch zusätzlichen Aufwand.

Auch DSLR-Kamers betroffen

Aber auch bei den “großen” Kameras brechen die Verkäufe ein. Als ich mir 2005 meine erste digitale Spiegelreflexkamera – damals eine Nikon D70 – gekauft habe, war das ein enormer Fortschritt zu den damals üblichen Bridge-Kameras. Auch eine Nikon D90 und eine Nikon D7000, waren dank höherer Auflösung, deutlich geringerem Rauschen und den Videofunktionen ein großer Qualitätsschub für mich

Irgendwann kommt aber sicher jeder an den Punkt wo er sich überlegt, was man von einer Kamera erwartet und die aktuelle Ausrüstung die beste ist. Würde mir noch geringeres Bildrauschen nützen? Eigentlich nur selten. Brauche ich eine noch höhere Auflösung? Ich wüsste im Moment keine Anwendung! Schnelleres Serienbild? Nein!

An diesen Punkt kommen nicht nur Amateure, sondern auch Profis, die mit ihrer Ausrüstung Geld verdienen. Ich kenne viele Fotografen, die ihr Geld mittlerweile lieber in Zubehör und bessere Objektive stecken, als in einen neuen Kamera-Body. Letztendlich wird das auch mehr zu technischen Bildqualität beitragen, als der bloße Austausch des Sensors (und der Kamera drumherum).

Neue Anreize müssen her

Die Hersteller versuchen mit Systemkameras und Vollformat neue Käufer zu ködern, aber da macht nicht jeder mit. Systemkameras sind eine schöne Ergänzung für DSLR-Fotografen, die mal mit leichtem Gepäck gute Fotos machen wollen. Der Fotoeinsteiger schielt noch immer auf eine DSLR, weil die einfach mehr her macht. Fotoaufsteiger, die schon eine gute Kompakte besitzen, werden diese Kameragattung wohl überspringen und auch zur DSLR wechseln. Zudem wissen die wenigsten Anwender überhaupt, was eine Systemkamera sein soll

Es fehlen die großen Innovationen und wirklich dramatischen Verbesserungen der Bildqualität. Für meinen Geschmack wird noch zu wenig am Dynamikumfang verbessert. Warum sind – zumindest bei Mittelklasse-DSLRs – GPS und WiFi nicht schon längst ein selbstverständlicher Teil der Ausstattung? Warum ist eine manuelle Ton-Aussteuerung im Videomodus vieler DSLRs nicht vorhanden?

In den Foren kann man mehr und mehr lesen, dass der große Aha-Effekt bei der neuen Kamera ausgeblieben ist, weil die Verbesserungen marginal sind und nicht wirklich viel zur Bildqualität beitragen.

Es gäbe sicher einige Anreize für eine Neuanschaffung – momentan sehe ich diese für mich jedoch nicht. Die Kameraindustrie ereilt hier wohl ein ähnliches Schicksal wie es die PC-Hersteller zu spüren bekamen: Aktuelle Rechner haben eine Leistung erreicht, bei der es für die meisten Anwender derzeit einfach keinen Bedarf für eine Neuanschaffung gibt, weil der alte Rechner alles kann, was man von ihm verlangt.

Das Gigahertz-Rennen bei PCs ist vorbei. Das Megapixel/ISO-Rennen bei Kameras wohl auch. Zwar bekomme ich regelmäßig Kameras zum Test, bei einer Neuanschaffung habe ich bisher immer eine Generation übersprungen. In Zukunft werden es aber wohl eher zwei Kameramodelle sein die ich auslasse, bevor wirklich etwas Neues ins Haus kommt.

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