Abseits der Mainstream-Plugins der bekannten Hersteller finden sich immer wieder Plugins kleinerer Hersteller, die einen Vergleich mit den großen der Branche weder funktionell noch – und das ist ja sehr viel wichtiger – klanglich scheuen brauchen. Eines dieser Plugins ist der MixControl Pro Channelstrip von DNR Collaborative.

Dieser Beitrag wurde 2011 veröffentlicht.
Seitdem hat sich viel getan und manche Informationen und Links sind vielleicht nicht mehr aktuell!

DNR Collaborative war bislang eher für Soundsets für diverse Software Synthesizer wie den u-he ACE (Test hier) oder Loop-Libraries bekannt. Mit dem MixControl Pro gelang ihnen aber nun ein ganz großer Wurf im Plugin-Bereich. Ausgestattet ist das Plugin, welches übrigens für Windows und Mac als VST und AU Plugin gibt, mit 6 Modulen.

DNR Mixcontrol Pro (große Benutzeroberfläche)

Ausstattung

  • 6-fach vollparametrischer Equalizer mit 13 (!) Filterkurven und FFT-Analyzer
  • Noisegate
  • Kompressor mit 3 Varianten und Sidechaining
  • Multi-Band Stereobreiten Bearbeitung
  • Sättigungsstufe
  • Brickwall Limiter

Alle Einstellungen lassen sich sowohl für den gesamten Channelstrip, als auch für jedes Modul getrennt als Preset abspeichern. Überhaupt ist die Benutzeroberfläche sehr gelungen und sieht ansprechend aus (auch wenn man natürlich immer das Ohr und nicht das Auge entscheiden lassen sollte). Es gibt einen normalen Modus, der alle Bedienelemente auf einem Blick zeigt, aber auch eine „small“ genannte Variante, welche weniger Platz am Bildschirm einnimmt.

Equalizer und Analyzer

Der 6-bandige Equalizer kann mit Gain-, Q- und Frequenzregler für jedes Band aufwarten und besitzt nicht weniger als 13 Filtertypen pro Band! Die Lowcut (Highpass) und Highcut (Lowpass) Filter gibt es mit 12 bis kräftigen 48db Flankensteilheit. Damit lässt sich auch das letzte Bisschen Subbass-Gerumpel abschneiden.

Mixcontrol Equalizer mit „Overshoot“ bei Hoch- und Tiefpass und kleiner Benutzeroberfläche

Besonders gut gefällt mir der sogenannte „Overshoot“ beim  Hoch- und Tiefpass-Filtern: Ab einem Q-Faktor > 1,0 werden die Frequenzen nach hinter der eingestellten Absenkung angehoben. Damit kann man z. B. eine Bassdrum bei 50Hz absenken und gleichzeitig den Bereich zwischen 60 und 80 Hz anheben, denn das sind die Frequenzen, die wirklich für „Wumms“ sorgen.

Sehr hilfreich ist der im EQ-Kurvenfenster hinterlegte FFT-Analyzer, der 3 verschiedene Darstellungsgeschwindigkeiten bietet. Ich bevorzuge immer längere Integrationszeiten, also eine trägere Darstellung der im Signal enthaltenen Frequenzen, da man dadurch einen besseren Überblick über die tatsächliche Frequenzverteilung hat.

Klanglich gibt sich der Equalizer sehr neutral, ist also kein Schönfärber oder Effekt-EQ. Filtergüten (Q-Faktor) von bis zu 100 lassen sehr gezielte und chirurgische Eingriffe ins Soundmaterial zu.

Der Equalizer lässt sich übrigens vor oder nach den Kompressor schalten, und eine Besonderheit ist der Solo-Button für jedes Band, mit dem man feststellen kann, wie sich eine Einstellung auf den Frequenzbereich auswirkt.

Die Hintergrundfarbe des EQ-Displays lässt sich frei anpassen. Was mich jedoch etwas stört – und das ist bei allen Modulen der Fall, ist es, dass die Werte nur oben in der Statusleiste und nicht direkt beim jeweiligen Regler angezeigt werden. Hilfreich ist hingegen die Funktion zum A/B Vergleich von Einstellungen.

Das Oversampling erhöht die CPU-Belastung nur unwesentlich, wirkt sich aber bei komplexen Signalen tatsächlich mit mehr Transparenz aus.

Kompressor und Noisegate

… wobei wir gleich bei den nächsten Modulen wären. Der Kompressor des MixControl Pro liefert einen ‚Transparent Mode (1)‘ und einen ‚Vintage-Mode (2)‘, wobei letzerer einen etwas „fleischigeren“ Charakter bietet. Zudem gibt es noch weitere 3 Detektormodi: Peak, Power (bei anderen Kompressoren auch unter RMS bekannt, also eine Messung des durchschnittlichen Pegels) und ANSI C-165 Standard. Letzterer ist auch eine Variante der RMS-Messung, welche aber oft eine transparentere Kompression liefern kann.

Was ist Sidechaining?

Über die Sidechaining Funktion lassen sich Kompressoren oder Noisegates über ein weiteres Signal steuern. Wenn man möchte, dass nur die Bassdrum komprimiert wird, kann man über den Sidechain-Kanal das Bassdrum-Signal zuführen und nun reagiert der Kompressor nur auf die Bassdrum. Möchte man nur die Mitten komprimieren, führt man das internere Signal zu, stellt den Sidechain-Filter auf die gewünschte Mittenfrequenz ein und schon reagiert der Kompressor stärker, sobald die eingestellte Frequenz auftritt.

Der Kompressor ist Sidechaining-fähig und verfügt über einen kompletten Filter für das Sidechain-Signal. Dabei kann das Sidechain-Signal entweder von intern, also der gleichen Spur, oder extern von einer anderen Quelle kommen.

Klanglich ist der Kompressor des MixControl meist (bis auf den Vintage-Mode, bei dem eine gewisse Färbung erwünscht ist) sehr unauffällig und liefert ein sehr sauberes Ergebnis – ideal als Kanal-Kompressor für jede Spur.

Das Noisegate ist recht aufwändig parametrisiert und bietet ebenso wie der Kompressor 3 Detektor-Modi. Auch das Noisegate beherrscht Sidechaining und verfügt über einen Filter für den Eingang des Sidechain-Signals, das auch hier intern oder extern zugeführt werden kann.

Sehr interessant ist der Mix-Regler, mit dem man beim Noisegate das ungegatete Originalsignal zumischen kann. So lässt sich das gewünschte Nutzsignal hervorheben, ohne dass aber das Signal an sich unnatürlich abgeschnitten wird. Das Regelverhalten des Noisegates ist ausgezeichnet und kommt auch mit komplexerem Klangmaterial klar.

Multiband Stereo

Stereosignale können mit der Multiband Stereo-Sektion gezielt verbreitert oder verschmälert werden. Dabei kann man auf 3 einstellbare Frequenzbänder zurückgreifen. Da sich eine Verbreiterung der Stereobasis besonders im Tieftonbereich problematisch auswirken kann und die meisten Beschallungsanlagen in Clubs ohnehin mono arbeiten, kann man hier z.B. den Tiefbassbereich mono halten, während man die Höhen etwas plastischer und breiter im Stereobild anlegt.

Sättigung und Limiter

Die Sättigungsstufe des MixControl fügt in der ersten Einstellung eine dezente Sättigung und damit einige Obertöne hinzu. Die beiden anderen Stufen sind mir persönlich zu „körnig“, können aber für manchen Spezialeffekt interessant sein.

Der Limiter greift relativ sanft ins Soundgeschehen ein, verhindert aber Spitzen zuverlässig. Mit fällt hier besonders die Begrenzung bei E-Bass Signalen bei perkussiven Spielweisen ein, was auch sehr gut funktioniert.

Das gefällt mir gut

  • Flexibler Equalizer mit transparentem Klang
  • Sehr guter Kompressor mit Sidechaining
  • gut parametrisiertes Noisegate mit Sidechaining
  • Niedrige CPU-Belastung
  • Für Mac und PC als VST, AU und bald auch als RTAS Plugin
  • Einfache Autorisierung ohne Dongle etc.

Das gefällt mir nicht so

  • Anzeige der Werte oben in der Statusleiste nicht optimal
  • Sättigungsstufe könnte besser sein

Fazit

Der MixControl Pro ist ein sehr gut ausgestatteter und vor allem gut klingender Channelstrip. Equalizer, Kompressor, Noisegate, Limiter und Stereobildbearbeitung funktionieren ausgezeichnet und sehr transparent. Die Sättigungsfunktion ist in der ersten Einstellung schön, überzeugt mich in den weiteren jedoch nicht, wobei ich diese auch eher als Zusatzfunktion eines Channelstrips ansehe.

Dass man auch für die einzelnen Module eigene Presets abspeichern kann, gefällt mir sehr gut. Einzig die Anzeige der Werte oben in der Statusleiste finde ich etwas gewöhnungsbedürftig.

Der MixControl Pro ist für 129$ (ca. 96€) ein wirklich tolles Angebot und braucht sich hinter anderen Lösungen nicht zu verstecken. Den professionellen Anspruch des Plugins unterstreicht die demnächst erscheinende RTAS-Version für ProTools.

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2 Responses

  1. SCEee

    Hab das Plugin ausprobiert und bin schon ziemlich begeistert. Allerdings muss man sich schon ein bisschen „einprobieren“ bis man da alles geschnallt hat. DNR war mir bisher vollkommen unbekannt.

    Danke!

    Antworten

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