Martin Gommel von kwerfeldein stellt heute einmal mehr die Frage „RAW oder JPEG?“ Ich war zwar lange Zeit ein Verfechter und Befürworter des RAW-Workflows, allerdings habe ich in diesem Bereich umgedacht. Warum? Weil es bei den aktuellen Kameras nicht mehr viel bringt und eher kontraproduktiv ist! Immer bessere Möglichkeiten in der Kamera Schaut man sich […]

Dieser Beitrag wurde 2008 veröffentlicht.
Seitdem hat sich viel getan und manche Informationen und Links sind vielleicht nicht mehr aktuell!

Martin Gommel von kwerfeldein stellt heute einmal mehr die Frage „RAW oder JPEG?“

Ich war zwar lange Zeit ein Verfechter und Befürworter des RAW-Workflows, allerdings habe ich in diesem Bereich umgedacht. Warum? Weil es bei den aktuellen Kameras nicht mehr viel bringt und eher kontraproduktiv ist!

Immer bessere Möglichkeiten in der Kamera

Schaut man sich die Kameramenüs aktueller Modelle an, stellt man schnell fest, dass sich der allergrößte Teil der Einstellungen um die Bildqualität dreht. Es lassen sich detaillierte Einstellungen der Farbbalance, Schärfungseinstellungen, Tonwertkurven usw. vornehmen. Das ist nicht nur bei Einsteiger- und Consumermodellen der Fall, sondern auch bei den Profimodellen.

Warum werden neue Kameras immer noch mit diesen und noch mehr (z. B. Nikons D-Lighting) Einstellungsmöglichkeiten ausgestattet, wenn doch nur RAW der Weg zum Glück ist? Ganz einfache Antwort: Weil die Qualität der JPEG-Fotos direkt aus der Kamera besser ist, als die von nachträglich konvertierten RAWs. Die Leistungsfähigkeit der Bildprozessoren wird immer mehr vorangetrieben, da die Kameras nach ihrem Ergebniss „out of the Box“, also dem fertigen JPEG-Bild direkt aus der Kamera bewertet werden und sich danach der Wettbewerb richtet.

Bei der Nikon D70 konnte man tatsächlich aus den RAW-Bildern noch einiges me

Warum also nicht diese Technik mit ihren speziellen Verfahren und sehr weitreichenden Einstellmöglichkeiten nutzen?

RAW und das Bildrauschen

Dreh und Angelpunkt meiner etwas vollmundigen Aussage ist dabei das Entrauschen der Bilder. Kein RAW-Konverter entfernt bislang Bildrauschen so effektiv, wie der Bildprozessor der Kameras. Selbst die herstellereigenen Anwendungen wie Nikon Capture NX2 kommen nicht zum selben, guten Ergebnis, wie es das bereits verarbeitete Bild aus der Kamera bietet.

Ganz extrem fiel mir das bei meinem Techtelmechtel mit der D300 auf. Gerade im High-ISO Bereich, also so ab ISO800 aufwärts, liefert die D300 extrem rauscharme, detailreiche Bilder.  ISO1600 ist praktisch noch uneingeschränkt verwendbar und selbst ISO3200 liefert noch mehr als brauchbare Ergebnisse. Diese hervorragende Bildqualität ließ sich jedoch im RAW-Konverter nicht reproduzieren – nicht in Capture NX2 und schon gar nicht in Adobe Lightroom 2.
Das Rauschen konnte man hier einfach nicht so gut unter Kontrolle bringen. Die Details und damit der große Vorteil von RAW gingen verloren.

RAW und die Belichtungskorrektur

Als Killerargument für RAW wird immer die „Belichtungssicherheit“ angegeben und war auch für mich lange Zeit ausschlaggebend. Allerdings sind die Messmethoden der jetzigen SLRs so präzise geworden, dass falsche Belichtung schon fast unmöglich ist, sofern man mit seiner Kamera umzugehen und die Lichtsituation einzuschätzen weiß.

Statt ein schlampig belichtetes RAW zu machen, bin ich dazu übergegangen, bei schwierigem Licht lieber eine Belichtungsreihe per Serienbild durchzuschießen, anstatt das missglückte RAW-Bild bis an seine Grenzen zur richtigen Belichtung zu biegen um damit wiederum das Rauschen zu verstärken. Netter Nebeneffekt der Belichtungsreihe: Man kann aus der Reihe bei Bedarf auch noch ein schönes HDR-Bild zusammenbasteln.

Begeistert hat mich bei der D300 das schon oben erwähnte, neue D-Lighting, welches Motiven mit großen Unterschieden in den Tonwerten zu mehr Details in Lichtern und Schatten verhilft und damit auch die obersten und untersten Tonwerte herauskitzelt.

Umdenken wenn es schwierig wird

Wenn wirklich eine schwierige Lichtsituation vorliegt und man auch ganz sicher sein möchte, dass man in den Lichtern noch Zeichnung haben möchte, kann man auch folgende Art der Belichtung einsetzen:
Kamera auf Spot-Messung umschalten, die Belichtungskompensation auf +2 bis +2.3EV (Blendenstufen) einstellen, den hellsten Punkt im Motiv messen und die Belichtungsmessung festhalten (AE-Lock), den gewünschten Bildausschnitt wählen und fotografieren. Damit ist zu 99,99% gewährleistet, dass die Lichter nicht ausbrennen. Die Belichtungskompensation um +2 EV ist deshalb erforderlich, weil sonst das gesamte Bild hoffnungslos unterbelichtet wäre. Mit dieser Methode lässt sich praktisch der höchstmöglich nutzbare Umfang an Tonwerten aus der Kamera kitzeln.

Bitte ein Bit!

Gerne wird auch wieder die größere Bit-Tiefe von 12 oder 14 Bit der RAW-Dateien und der damit höhere Anteil an unterschiedlichen Tonwerten angeführt. Bei RAW-Dateien ist die Verteilung der Tonwerte allerdings linear über den gesamten Bereich verteilt, wohingegen diese bei JPEG-Dateien  nichtlinear verteilt sind. So werden bei einem JPEG in den wichtigen dunklen Bereichen mehr Tonwerte eingesetzt, damit diese genügend Zeichnung haben. Die Tonwertabstufung ist damit an den Stellen dichter, wo sie auch sinnvoll und notwendig ist.

Spielraum für Bearbeitungen habe ich auch mit dem JPEG noch mehr als genug in Lightroom & Co. Auch Korrekturen den Weißabgleichs sind noch ohne den Verlust von Bildinformationen möglich – sofern sich die Abweichungen in einem gewissen Rahmen hielten, ansonsten: Lernen mit der Kamera umzugehen!

Zudem kommt es bei der RAW-Konvertierung mit Fremdkonvertern, also z. B. Adobe Lightroom oder Photoshops ACR teilweise zu unschönen Effekten. So machen die RAW-Konverter von Adobe gerne einmal aus einem satten Rot, eher einen Orangeton – zumindest bei Nikons NEF. Ein RAW-Konverter, zumindest wenn er nicht vom Kamerahersteller stammt, interpretiert das ihm vorliegende Bild nach seiner Auffassung. Der Kamerahersteller hat aber seine Kameraprozessoren auf bestmögliche Auflösung, geringe Farbabweichungen etc. getrimmt, warum also dieses Know How, das praktisch den größten Teil der Funktionen einer SLR ausmacht, nicht nutzen?

Statt nun jedes Bild anfassen zu müssen, weil das der RAW-Workflow erfordert, kann ich die gesparte Zeit nun für aufwändigere Bearbeitungen von einzelnen Fotos einsetzen und die Goodies von Lightroom kann ich trotzdem nutzen.

JPEG Fine vs. JPEG Normal

Ich gehe zwischenzeitlich sogar noch weiter und nehme meistens die Einstellung „JPEG Normal“ anstatt der „JPEG Fine“ Einstellung. Ich habe damit mal ein paar Tests gemacht und kam zu dem Schluss, dass die Unterschiede in der Praxis vernachlässigbar und meist nicht einmal identifizierbar sind. Mit „JPEG Basic“ sind Unterschiede erkennbar, die allerfeinsten Details nehmen ab, aber auch hier kann man bei einer 13×18 und sogar einer 20×30 großen Ausbelichtung keine Unterschiede zu JPEG Fine erkennen. Ich spreche hier für die D80 und D300.

Damit passen über 1000 Fotos in 10MP Auflösung auf eine 4GB Karte und der Workflow wird nochmals beschleunigt. Zudem macht man damit häufiger mal eine Belichtungsreihe und hat zudem wirklich korrekt belichtete Motive.

Wann doch RAW?

Immer dann, wenn die Lichtsituation sehr schwierig und nicht veränderbar ist und man keinen zweiten Versuch hat, lohnt sich der Einsatz des RAW-Formats. Sonst ist es aber zumindest für mich erst einmal vom Tisch.

Man muss sich doch auch mal etwas trauen und nicht ständig mit Netz und doppelten Boden jede Entscheidung bis zum Schluss offen halten. Außerdem lernt man aus schmerzlichen Fehlern besser 😉

Fazit

Moderne Digitalkameras haben ausgefeilte Bildprozessoren, in die viel Entwicklungsarbeit gesteckt wird und die darauf ausgelegt sind, das beste Ergebnis aus den Daten zu errechnen, die sie vom Sensor erhalten. Abgesehen von den RAW-Konvertern der jeweiligen Kamerahersteller sind alle aus RAW-Dateien Konvertierungen nur eine weitere Interpretation dieser Daten, die aber häufig mit einer Verschlechterung des Bildes hinsichtlich Rauschen, Farbtreue und Kontrastverhalten einher geht. Neu gewonnene, zustätzliche Details, die zweifellos in RAW-Datein stecken können, werden durch zusätzlichen Bearbeitungsaufwand wie notwendige Rauschfilterung wieder relativiert und spielen in der Praxis ohnehin meist keine Rolle.

JPEG beschleunigt den Fotoworkflow drastisch, sofern das Ausgangsmaterial stimmt. Alle Bearbeitungsschritte sind auch mit dem JPEG-Format noch möglich, sofern sie im Rahmen dessen bleiben was auch wirklich im Bild steckt und das sollte man bereits bei der Aufnahme sicherstellen.

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19 Responses

  1. Christine

    „Ganz einfache Antwort: Weil die Qualität der JPEG-Fotos direkt aus der Kamera besser ist, als die von nachträglich konvertierten RAWs. “

    Trifft das auch auf die Canon EOS D5 Mark II (also ein paar Jährchen schon alt) zu?

    ?

    (den tollen Newsletter hab ich schon, vielen Dank!)

    Antworten
  2. Robert

    Hallo Markus,
    ich habe eine Odyssee hinter mir und bin froh auf Deine Webseite gestossen zu sein. Ich habe mir nämlich eine Nikon D90 gekauft, wegen der sehr guten Rauschwerte bei hohen ISO, da ich gerne und oft bei available Light aus der Hand fotografiere. Die Testaufnahmen beim Fotohändler waren absolut beeindruckend, die Ernüchterung kam dann als ich ISO 1600-Raws sowohl von meiner Pentax K20 und der D90 in Lightroom verglich: kaum Unterschied. Panikartig durchgeführte weitere Belichtungsreihen zeigten: in Lightrooms erscheint bei hohen ISOs das Rauschen der D90-Raws um Klassen schlechter als als das der JPEGs. Die D90-Raws sind in Lightroom vom Rauschpegel in etwa auf dem Niveau der K20D-Raws. Auch mit feinfühligen Anpassungen von Rauschfilter, Schärfe und Belichtung war nichts zu erreichen. Irgendwie erschienen die Raws der K20D sogar, obwohl körniger, doch schärfer und nicht so „schmutzig“ wie die der D90. Für niedrigere ISO gilt sinngemäß dasselbe, nur in geringerem Ausmaß. Bei JPEGs das genaue Gegenteil: die Bilder der D90 bei ISO 3200 unglaublich feinkörnig und trotzdem mit feinsten Details, währemd die JPEGs der Pentax etwas schlechter abschneiden als die Raws. Zum Vergleich habe ich die D90-Bilder mit der Testversion von Nikon Capture NX2 entwickelt. Dort war das Ergebnis deutlich besser aber nicht so ausgewogen wie bei den JPEGs. Ich war dann ganz verunsichert (machst du irgendwas falsch ?) bis ich auf Deine Seite traf.
    Daraus ergibt sich für mich die Erkenntnis: ich muss umdenken! War ich bisher gewohnt Bilder aus meinen bisherigen Kameras (selbst relativ aktuelle wie der K20D) mittels Raw-Konverter in merklich besserer Qualität zu entwickeln als die JPEGs der Kamera, gilt das für zumindest die D90 (und ich vermute auch für zukünftig auf dem Markt erscheinende Kameras) nicht mehr. Die interne Bildbearbeitung ist anscheinend so eng mit dem Sensor verzahnt, dass die JPEGs der Kamera in normalen Situationen das bessere Ergebnis liefern.
    Vielen Dank für Deine informative Seite, sie hat mir sehr geholfen!

    Gruss
    Robert

    Antworten
  3. Christopher K.

    Hallo Markus,

    mir als extremer RAW-Verfechter erstarrte das Blut in den Adern als ich Deinen Artikel las!!!

    JPEG, etwas fuer Anfaenger, pahh!

    So war meine Meinung!

    Na, ich habe meine Meinung nicht geaendert, nur habe ich einen Blickpunkt, den ich bereits kannte, weiter vertiefen koennen.

    Als Essenz, und ich habe Deinen Artikel und die darauf folgenden Kommentare sehr intensiv gelesen, gewann ich den Eindruck: Richtiges jpeg, wie ich meine das Du es propagierst, ist etwas fuer absolute Profis! Denn das Bild muss einen hohen Reifegrad haben wenn es aus der Kamera kommt. An diesem Betrachtungspunkt angekommen, bleibe ich vorerst bei RAW 😉

    Gut Licht
    Christopher

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  4. Sven

    Warum denn eigentlich nicht beides? Zumindest meine Canon gibt mir die Möglichkeit, gleichzeitig RAW und JPEG zu speichern. Speicherplatz sollte heutzutage kein Argument mehr sein. So hat man das Beste aus beiden Welten. Zumindest wenn man der Kamera beim Knipsen die Zeit zugestehen will, beides zu speichern.

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  5. John Doe

    Als Printjournalist, der auch fotografieren muss bzw. darf, kann ich Markus‘ Ausführungen zustimmen. Wenn es schnell gehen muss, interessieren die Feinheiten von Lightroom wirklich nicht, da ist es viel wichtiger, ein gutes Bild zu haben (Interessante Komposition bzw. guter Ausschnitt, anständige Belichtung und vorhandene Schärfe). Je mehr mir die Kamera dabei hilft, desto besser. Was mir nun an der D90 besonders aufgefallen ist, ist dieser neue Instant-RAW-Knopf oder wie er heisst. Das finde ich eine gelungene Erfindung. In 90 Prozent der Fälle reichen JPGs, falls man doch mal unsicher wird, reicht ein Knopfdruck, um die Seele (und die Tonwerte) zu retten. 😉 Kann das die D700 auch?

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  6. Markus

    Seine eigene Meinung kann man sich eigentlich durch einfaches Ausprobieren mit der eigenen Kamera bilden. Einen Weg den ich immer empfehlen würde.
    Ich hatte das hier einmal gemacht:

    http://nachbelichtet.com/2007/09/24/schlechtere-bildqualitaet-durch-raw/

    Einfach mal ein entsprechendes Bild mit RAW und JPEG aufnehmen und vergleichen was dabei rauskommt, wenn man die Standardentwicklung des RAW-Konverters (Schärfen und Rauschreduzierung ist erlaubt) hernimmt und mit dem JPEG out of the Box vergleicht. Dann kann man weiter machen und sehen, was sich aus beiden Formaten noch rausholen lässt und was davon auch wirklich sinnvoll ist.

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  7. Sam

    Wär schön wenn du zu deinen Aussagen ein paar Bilder beisteuern könntest, damit man sich selber eine Meinung bilden

    Denn so wie die Diskussion derzeit geführt wird ist es ein Glaubenskrieg, un es wäre schöner wenn man versuchen würde die Leser zu informieren damit sie sich eine eigene Meinung bilden können (ich oller Optimist).

    Antworten
  8. Jens

    Ich sehe auch keine Vorteil im RAW-Format. Allein das „Umwandeln“ ist der Horror… und selbst bei prof. Photoshooting, egal ob im Studio oder „on Location“ wird mehr als nur ein Foto gemacht und sofort auf einem großen Monitor geschaut, wie das aktuelle Ergebnis ist. Abgesehen davon, alle Medien wo Fotos „abgedruckt“ oder gezeigt werden, bedienen weder das 12- noch das 14-Bit-Format.

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  9. goddert

    allerdings versuche ich nichts zu beweisen, sondern stelle meine subjektive Meinung, die aus div. Erfahrung resultiert dar
    Nun ja, du versuchst deinen Standpunkt zu verteidigen indem du begruendest (beweisen ist der falsche Ausdruck) warum das Kameraendprodukt angeblich besser ist. Nur im Grunde genommen beschreibst du warum dir der von der Kamera bewaeltigte Workflow eher liegt als der hausgemachte, weil das Endergebnis der Kamera besser ist als was du erreichen koenntest, wenn du mit dem RAW-Workflow arbeiten wuerdest. (Oder der Zeitaufwand waere fuer dich unverhaeltnismaessig gross)

    Deine Ueberschrift lautet aber pauschal RAW oder JPG. Sie sollte wohl besser lauten Kameraworkflow oder eigener und das ist, wie ich ausgefuehrt habe, eine rein persoenliche Aussage, weil die Ansprueche eben verschieden sind.
    Deshalb ist auch die Aussage Bilder des einen Workflows sind besser als Bilder des anderen schlichtweg nicht objektiv zu begruenden. Das haengt davon ab wer, mit welchen Mittel und welchen Workflow ausfuehrt. Das ist ein subtiler aber wichtiger Unterschied.

    Das widerspricht natuerlich nicht deiner Aussage, dass der Kameraworkflow fuer viele der bessere (und auch einfachere) Weg ist.

    Wenn du dich umschaust und hörst, ist RAW für die allermeisten eine Absicherung bei Belichtungsfehlern, und das Mittel um auch die letzten 2 Linien Auflösung aus dem Bild zu quetschen, weil sie ja nicht teure Kameras und Objektive kaufen, um dann mit dem Anfängerformat JPEG zu fotografieren, das ja eh Mist ist.

    Ja, leider ist das bei vielen das Argument. Aber der Fehler liegt beim Anwender nicht beim Format oder Workflow 🙂

    Digitalformat hat die Huerde technisch gute Fotografien zu machen herabgesetzt, leider aber auch die Bereitschaft sich intensiv mit der Materie auseinanderzusetzen.

    Ich lass das mal so stehen, ein Argument ueber das man stunden diskutieren kann 🙂

    Antworten
  10. Markus

    Interessantes Statement, allerdings versuche ich nichts zu beweisen, sondern stelle meine subjektive Meinung, die aus div. Erfahrung resultiert dar. Es zeigt meine (neue, habe ich doch auch lange Zeit das RAW-Format verfochten) Pro-Jpeg Haltung und warum ich umgedacht habe.

    in den Satz „Weil die Qualität der JPEG-Fotos direkt aus der Kamera besser ist, als die von nachträglich konvertierten RAWs.“, füge ich gerne ein „oft besser ist“. Wenn du dich umschaust und hörst, ist RAW für die allermeisten eine Absicherung bei Belichtungsfehlern, und das Mittel um auch die letzten 2 Linien Auflösung aus dem Bild zu quetschen, weil sie ja nicht teure Kameras und Objektive kaufen, um dann mit dem Anfängerformat JPEG zu fotografieren, das ja eh Mist ist.

    Antworten
  11. goddert

    Warum werden neue Kameras immer noch mit diesen und noch mehr (z. B. Nikons D-Lighting) Einstellungsmöglichkeiten ausgestattet, wenn doch nur RAW der Weg zum Glück ist? Ganz einfache Antwort: Weil die Qualität der JPEG-Fotos direkt aus der Kamera besser ist, als die von nachträglich konvertierten RAWs.

    Das ist eine sehr subjektive Aussage, fuer du ueberhaupt keinen Beweis anbringen kannst, genausowenig wie das Gegenteil bewiesen werden kann. Abgesehen davon zweifle ich stark an, dass die Bildqualitaet das Entscheidungskriterium fuer die Wahl zwischen den Formaten JPG und RAW ist.

    Es gibt viele andere Gruende warum JPG benutzt wird. Z.B. weil viele Benutzer, gerade im unteren Preissegment der DSLRs, einfach nicht die Zeit haben in den Lern- und Entwicklungsprozess von RAW-Bildern zu investieren. Journalisten haben z.B. keine Zeit sich um den Rawprozess zu kuemmern, da die Bilder meistens schnell in der Redaktion sein muessen. D.h. aber nicht, dass sie es nicht tun wuerden wenn sie die Zeit haetten.

    Das Problem bei den Kameraeinstellungen ist, das sie fuer alle Fotos gelten, die vom Zeitpunkt der Einstellung an gemacht werden gilt. Ich persoenlich regele die Tonkurven lieber in der Postproduktion (selbst fuer JPG wuerde ich lieber nachher regeln, d.h. die Tonkurven neutral halten) Einmal Werte falsch eingestellt ist nachher kaum noch was zu retten. Letztenendes sind viele Einstellmoeglichkeiten auch viele Fehlerquellen.

    Dreh und Angelpunkt meiner etwas vollmundigen Aussage ist dabei das Entrauschen der Bilder.
    Da gebe ich dir recht. Fuer mich persoenlich stellt sich aber hier die Frage wieviel wert ist mir hier der Vorteil im Rauschverhalten gewinne bei anderen Bildeigenschaften, die ich mit RAW besser korrigieren kann als mit JPG, hingegen verliere. Grundsaetzlich gilt immer noch, trotz der in der letzten Zeit gewonnenen ISO-Sensibilitaet, dass Rauschen im Ansatz vermieden werden sollte und nicht in der Kamera! Stativ, schnelle Objektive fallen mir da spontan ein.

    Als Killerargument für RAW wird immer die „Belichtungssicherheit“ angegeben und war auch für mich lange Zeit ausschlaggebend. Allerdings sind die Messmethoden der jetzigen SLRs so präzise geworden, dass falsche Belichtung schon fast unmöglich ist, sofern man mit seiner Kamera umzugehen und die Lichtsituation einzuschätzen weiß.

    Das stimmt so auch nicht. RAW ist und war nie gedacht dafuer Belichtungssicherheit zu geben. Belichtungssicherheit kommt nur durch Kenntnis der Kamera, Wissen um die Lichtgesetzmaessigkeiten. RAW offeriert nur mehr Spielraum, sowie eben auch hoehere ISO-Sensibilitaet, dass im Falle des Falles ich noch retten kann was zu retten ist, eben da wo das JPG ein hoffnungsloser Fall ist. Das gilt besondere fuer bestimmte Bereiche der Fotografie, z.B. Strassenfotografie, Sportfotografie etc. Da habe ich ganz sicher nicht die Zeit in Ruhe eine Belichtungsreihe, zu dem noch mit dem Stativ, zu machen. Aber der Schaden ist gross wenn das Foto verloren ist.

    Deshalb kann ich diese Aussage von dir auch nicht nachvollziehen:
    Statt ein schlampig belichtetes RAW zu machen, bin ich dazu übergegangen, bei schwierigem Licht lieber eine Belichtungsreihe per Serienbild durchzuschießen

    Wenn du vorher schlampig belichtet hast, weil du meintest mit RAW retten zu koennen war dein Arbeitsansatz einfach falsch. Mit Film konnte man noch mehr retten, trotzdem hat man von Anfang an richtig belichtet. Schlampige Belichtung ist ein Problem des Fotografen und nicht des Formates.

    So werden bei einem JPEG in den wichtigen dunklen Bereichen mehr Tonwerte eingesetzt, damit diese genügend Zeichnung haben. Die Tonwertabstufung ist damit an den Stellen dichter, wo sie auch sinnvoll und notwendig ist.

    Ein JPG aus der Kamera ist das Produkt einer Postproduktion. Wo steht geschrieben, dass ich das in der eigenen Postproduktion mit RAW nicht ebenso machen kann? Das als Vorteil von JPG zu verkaufen ist schlichtweg nicht richtig. Das mittels Postproduktion bei RAW auch wirklich durchfuehren zu koennen, ist nicht ein Problem des Formates, sondern desjenigen der die RAWs bearbeitet (und natuerlich der Mittel die eingesetzt werden.)

    Zudem kommt es bei der RAW-Konvertierung mit Fremdkonvertern, also z. B. Adobe Lightroom oder Photoshops ACR teilweise zu unschönen Effekten.
    Auch das ist meines Erachtens nur teilweise richtig. Es gibt professionelle Profile, die den Kameraprofilensogar ebenbuertig sind (allerdings zum entsprechenden Preis). Ausserdem kann man ja die vom Kamerahersteller benutzten fuer den RAW-Workflow benutzen (dieselben! der Kamera), also verstehe ich nicht ganz wo der Nachteil sein soll?

    Letztendlich versuchst du in deinem Artikel auf einen Vergleich von JPG und RAW zuzuspitzen, weil du versuchst mit technischen Argumenten eine hoehere oder gleichwertige Qualitaet von JPG gegenueber RAW zu beweisen. Etwas was nicht existiert. Die Vorteile von RAW ergeben sich allein aus den unterschiedlichen (informationstechnischen) Charakteristiken der Formate. Das eine ist zudem das Ausgangsprodukt des anderen, kann also zwangslaeufig nicht schlechter sein als das andere. Nur eben der Verarbeitungsprozess kann unterschiedlich sein, eben schlechter oder besser. Hingegen sollte der Artikel nur mehr betonen welches der Formater bequemer ist im Vergleich der Endresultate. Mit JPG erhaelst du gute Allgemeinergebnisse, aber eben keine pro Foto individuellen Ergebnisse (eben gute nur mit Kenntnis und Zeitaufwand). Das erhebt aber JPG noch lange nicht auf den Stand von RAW. Das macht auch die Postproduktion der Kamera nicht wett.

    Ob jeder einzelne die Zeit und Lust hat sich die Muehe zu machen und in die Nachproduktion zu investieren, um individuell gefaelligere Ergebnisse fuer einzelne Fotos zu erhalten ist eine rein persoenliche Entscheidung und laesst sich ganz bestimmt nicht per einfachem bloggerechtem Polling ermitteln.

    Abgesehen davon kenne ich viele Amateure die machen intiutiv hervorragende Fotos ohne auch nur einmal ein Programm am PC angefasst zu haben. Die Aussage ihrer Fotos erstickt schon im Ansatz jedwedige Diskussion ueber JPG oder RAW, weil es einfach im Vergleich viel zu unwichtig ist.

    Antworten
  12. Jens

    Interessanter Artikel! Bleibt (bei mir zumindest) immer noch das Gefühl, dass man sich mit RAW die größtmögliche Ausgangsbasis schafft, die jederzeit abwärtskompatibel ist. Umgekehrt geht eben nicht. Irgendwie trotzdem beruhigend 🙂

    Antworten
  13. blubadieblub

    Ich denke raw hat durchaus seine Berechtigung. Die Nachteile wie höherer Speicherbedarf spielt bei meiner 10MP DSLR keine große Rolle.

    Die kleinen Unterschiede in den Farbnuancen , wenn ich ein Bild aus der Cam mit einem Bild aus dem Raw Converter vergleiche, sind für meinen Geschmack zu vernachlässigen.

    Antworten
  14. foto-howto

    Hallo Markus, finde ich sehr gut, dass sich mal jemand traut auch etwas „gegen“ RAW bzw. für JPEG zu sagen. Ich fotografiere zwar auch in RAW wegen der typischerweise genannten Möglichkeiten wie „mehr Möglichkeiten in Nachhinein“ , aber RAW hat nunmal auch Nachteile (Dateigröße, Workflow dadurch langsamer etc….) und JPEG muss wie du sehr schön darlegst ja nicht zwingend das schlechtere sein.

    Grundsätzlich würde ich aber dennoch sagen: RAW und JPEG lassen sich nicht so wirklich direkt vergleichen. Es sind einfach unterschiedliche Ansätze welche hinter den beiden „Systemen“ stecken.

    Antworten
  15. Markus

    Ja, da muss ich mich genauer ausdrücken: Mit schlechten Lichtverhältnissen meine ich eigentlich „schwierige“ Lichtverhältnisse, also schlecht einschätzbare Situationen. Dann hat RAW durchaus seine Berechtigung, wenn es darum geht zu allererst überhaupt ein anständig belichtetes Bild – notfalls mit Hilfe der RAW-Entwicklung – zu bekommen.

    Antworten
  16. jack

    Hallo,
    du schreibst dass RAW gerade bei schlechten Lichtverhältnissen und wenn man nur einen Versuch hat von Vorteil ist. Wenn aber JPEG das bessere Rauschverhalten bietet wäre es doch gerade in schlechten Lichtsituationen besser als RAW? Oder sind in diesem Fall die Vorteile von RAW bezüglich der Nachbearbeitung wichtiger als das Rauschverhalten des JPEG?

    Antworten
  17. Michael

    Freut mich, dass diese Meinung hier noch vertreten wird. Bin selbst mit einer Kompaktklaase ausgestattet, die RAW als zusätzliche Funktion anbietet. Konnte das nie nutzen, weil mich da mein alter PC schachmatt setzt, und hatte mich fast verunsichern lassen, ob ich mir nicht optimale Bildqualitäten damit verschenke …
    Vielleicht noch ein Punkt für die Amateure mit Kompaktmodellen: gerade hier (in meinem Fall eine FZ-18) nimmt die interne Bildbearbeitung i.d.R. noch eine Korrektur der Verzeichnungen und Chromatischen Aberrationen vor, die bei der RAW Konvertierung kaum noch in den Griff zu kriegen sind …

    Antworten
  18. Marcel

    Immer dann, wenn die Lichtsituation sehr schwierig und nicht veränderbar ist und man keinen zweiten Versuch hat, lohnt sich der Einsatz des RAW-Formats. Sonst ist es aber zumindest für mich erst einmal vom Tisch.

    Da stimme ich dir vollkommen zu! Nutze selber i. d. R. das JPG-Format, da es out of the box bessere Ergebnisse liefert als RAW und meinen Ansprüchen vollkommen genügt. RAW setze ich daher auch nur ein, wenn es bei der Aufnahme schnell gehen soll und die Lichtsituation nicht die beste ist.

    Klar, wenn man sich Zeit nimmt kann man schon mit einem RAW-Bild nachträglich mehr rausholen als bei einem JPG, aber ich habe mehr Freude an der Fotografie, als an der (nachträglichen) Entwicklung.

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