Schlechtere Bildqualität durch RAW!

Na, jetzt ist mancher bestimmt erschrocken 🙂 ! Bei meinem Artikel über den Rauschfilter Nik Dfine 2.0, hatte ich verschiedene Bilder zum Probieren am Start. Unter vielen anderen auch eines der wenigen JPEGs von meiner D80. Dieses Foto war in der Einstellung RAW+JPG Fine gemacht, also zwei Versionen des gleichen …

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Na, jetzt ist mancher bestimmt erschrocken 🙂 !

vergleich_jpg.jpgBei meinem Artikel über den Rauschfilter Nik Dfine 2.0, hatte ich verschiedene Bilder zum Probieren am Start. Unter vielen anderen auch eines der wenigen JPEGs von meiner D80. Dieses Foto war in der Einstellung RAW+JPG Fine gemacht, also zwei Versionen des gleichen Bildes, eben einmal als RAW und einmal als JPG in höchster Auflösung.

Wie ihr aus meinen anderen Postings wisst, fotografiere ich seit längerer Zeit ausschließlich in RAW, da ich die Bearbeitungsmöglichkeiten sehr schätze. Was mir jedoch beim Vergleich dieser beiden an sich identischen Bildern auffiel war, dass das JPG deutlich besser aussah, als das bearbeitete RAW. Das JPG war schärfer, die Farbtöne (vor allem rot) waren näher am Original und am meisten fiel das sehr viel geringere Rauschen der JPEG-Version auf.

Also dachte ich mir, dass ich vielleicht bei der Nachbearbeitung des RAW geschlampt hatte und versuchte, das RAW auf ein gleiches Niveau zu bringen – was soll ich sagen: Fehlanzeige! Mit den Möglichkeiten von Adobe Lightroom kam ich nicht auf die gleiche Farbdarstellung, obwohl ich mit dem Kameraprofil-Einstellungen versucht hatte, den Rotwert in die Richtung der JPG-Darstellung zu biegen.

Die Schärfe konnte ich mit den Mitteln von Camera RAW bzw. Lightroom nicht ganz auf das Ergebnis der JPG-Einstellung bringen, was aber sehr viel auffälliger war, war das deutlich höhere Rauschen der RAW-Version. Das lies sich mit den LR-/ACR Mitteln nicht in den Griff bekommen und höhere Einstellungen neigten zu einem aquarellartigen Effekt.

Hier scheinen die Verfahren, die kameraintern Anwendung finden, denen der RAW-Konverter deutlich überlegen zu sein. Das Nikon-eigene Capture NX 1.2 lieferte Ergebnisse, die in Farbe und Kontrast praktisch identisch mit dem JPEG waren, allerdings kam die Rauschreduzierung auch nicht ganz an das JPG heran. Nur so nebenbei: Capture NX ist auch in der der Version 1.2 noch immer grausam langsam!

Ich probierte dann nochmal andere RAW-Programme wie Lightzone und DxO Optics Pro, die sehr ähnliche Ergebnisse wie Adobe Camera Raw bzw. Lightroom ablieferten – das Rauschen war immer sehr viel deutlicher, als das im JPG und die Farbabweichung ähnlich derer von LR und anderen.

Jetzt kam aber Überraschung und zwar in Form des kostenlosen Raw Therapee. Es schaffte eine sehr gute Rauschreduzierung mit einen Hauch mehr Details. Kontrast und Farbe waren extrem nahe am Original-JPG bzw. der Capture NX Variante.

Der Verlierer in meinem Vergleich ist hier eindeutig Adobe Camera RAW bzw. Adobe Lightroom. Die Qualität der konvertierten Bilder, entspricht nicht dem, was eigentlich an Potential in ihnen steckt. Gute Ergebnisse bringen Nikon Capture NX 1.2 und RAW Therapee, die hier nahezu gleich aufliegen. Lightzone und DxO liegen irgendwo beim Adobe Konverter.

Der Gewinner jedoch ist: Das JPEG direkt aus der Kamera! Es liefert die beste Bildqualität ohne die Notwendigkeit der Nachbearbeitung, sofern es richtig belichtet ist und der Weißabgleich auch stimmt. Die Kamerahersteller optimieren nicht umsonst die internen Umrechnungen, denn diese werden auch immer bei den Tests der einschlägigen Magazine und Internetseiten getestet und bewertet. Es wird nie ein Kamerabild im RAW-Format beurteilt, bzw. das was beim hauseigenen RAW-Konverter herauskommt.

Relativieren kann man das Ergebnis allerdings auch, nämlich dann, wenn es um die Nachbearbeitung von Sättigung, Belichtung, Farbstimmung usw. geht – hier spielt RAW eindeutig seine Vorteile aus.

Ich habe meine Demobilder zu einer ZIP-Datei zusammengefasst, die hier HIER herunterladen (3MB) könnt. Die Dateinamen bedeuten:

  • vergleich_jpg.jpg: Das Originalbild aus der D80 im JPG-Format mit „Normal“ Einstellungen
  • vergleich_raw_adobe.jpg: Konvertierung in Lightroom 1.2 Windows
  • vergleich_raw_adobe_dfine: Wie oben, jedoch mit NIK Dfine 2.0 Rauschfilter
  • vergleich_raw_NX: Konvertierung mit Nikon Capture NX 1.2
  • vergleich_raw_therapee: Konvertierung mit RAW Therapee

Das Foto wurde bei Tageslicht, freihand mit der D80 und 18-200 3,5-5.6 DX IF VR Objektiv und ISO800 aufgenommen, damit man auch einen ordentlichen Rauschwert hat 🙂

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11 Kommentare zu “Schlechtere Bildqualität durch RAW!

  1. Leider habe ich keine D300 aber das ist schon etwas erschreckend, wenn es da noch extremer wird! Ich wollte eigentlich auch die Vorteile der RAW entwicklung nutzen (hauptsächlich nachträgliche Settings-Änderung bzgl. Schärfe, Weißabgleich, usw.) aber wie es aussieht geht man mit den Vorteilen einen großen Kompromiß bzgl. der (Rausch-) Qualität ein!

    Dass Adobe usw. etwas daneben greifen verstehe ich noch, aber eine Software wie CNX aus dem gleichen Hause sollte doch den gleichen Algorithmus für die Entwicklung beherrschen, oder haben die das Rad 2x neu erfunden!?!?

    Vielleicht könnte man sich mit der Frage nach den Ursachen/Abhilfe an Nikon wenden, vor allem wenn es bei der D300 noch schlimmer wird…

  2. Ganze extrem fällt das übrigens bei der D300 auf! Die kamerainternen Verarbeitungsprozesse sind offenbar so hoch optimiert, dass mit externen Konvertern einfach nicht das gleiche Ergebnis hinbekommt. Selbst mit dem neuen Capture NX nicht …

    Wenn man sich nun noch einmal das Einstellungmenü der D300 und die Menge an Einstellmöglichkeiten für das JPEG-Format sowie die extrem zuverlässige Belichtung/Weißabgleich etc., muss man sich Fragen, ob man aus RAW wirklich noch DEN großen nutzen ziehen kann. Belichtungssicherheit? Geschenkt bei der D300 – einfach eine Belichtungsreihe durchgeschossen – mit 8 fps selbst bei bewegten Motiven kein Problem.

    Meine Taktik mittlerweile, wenn es sehr wichtige und kritische Motive sind: RAW+JPG Fine und die RAWs löschen, wenn die JPGs brauchbar sind!

  3. Nachtrag: ich meinte natürlich dass das out-of-cam WENIGER rauscht als das konvertierte RAW, so wie es im Artikel steht!

  4. Hallo,

    die Datei vergleich_jpg.jpg zeigt mehr rauschen als vergleich_raw_NX.jpg, würde also gegen die Beschreibungen sprechen. Wurde der Dateiname vertauscht?

    Ich habe allerdings die gleichen Erfahrungen gemacht, dass das out-of-cam jpg mehr rauscht als das konvertierte RAW (verwende nur CNX). Gibt es mittlerweile eine Lösung dafür?

    Es muss doch wohl möglich sein, dass eine Software wie CNX eine qualitativ gleichwertige Konvertierung bzgl. Rauschverhalten wie der kamerainterne Prozess vornimmt!?

  5. Naja, ob ernsthafte Bildbearbeitung mit JPEGs nicht möglich ist, möchte ich mal dahingestellt lassen und wie stark oder schwach eine Kamera schärft und entrauscht, ist auch sehr vom Modell abhängig. Zudem sind die 8 Bit der internen Verarbeitung nicht linear, wie die Bilddaten von RAW sondern eher in einer logarithmischen Weise verteilt. In den wichtigen Tiefen werden hier meist mehr Abstufungen erzeugt, als z. B. in den mittleren Bereichen.

    Ich vergleiche dabei hier das JPEG direkt aus der Kamera und das extern bearbeitete RAW-Bild – und da schneidet bei korrekt belichteten Bildern RAW oft schlechter ab. Meine Meinung! Unternehme ich außerdem noch die gleichen Anstrengungen, die ich dem RAW habe zukommen lassen mit dem JPEG, ist letzteres meist der Sieger. Aber wie gesagt: Hängt ganz stark von der Kamera ab.

    Der Vorteil von RAW ist doch eher „Unfälle“ retten und die Belichtung ggf. weiter hochziehen zu können. Das dabei entstehende Rauschen ist aber meist noch fieser, als z. B. bei einem ISO1600 JPEG. Aber wie du schon richtig gesagt hast: „Wichtig ist, was hinten dabei rauskommt“ (frei nach unserem alten Kandesbunsler)

  6. Also zum Thema Rottöne kann ich nicht viel sagen, da ich weder eine Nikon verwende, noch angesprochene Windows-Programme… Aber mal was grundsätzliches: Verglichen werden sollte nicht das JPG aus der Kamera und der Output des RAW-Converters, sondern die endgültigen Bilder NACH der Bildbearbeitung in Gimp/ Photoshop oder vergleichbaren Programmen. Einfach weil die Kamera intern noch Algorithmen wie Schärfung und Rauschreduzierung drüber laufen lässt. Und gerade das in meist völlig übertriebener Art, wie Hans-Jürgen schon anmerkte.
    Von den Möglichkeiten einer ernsthaften Bildbearbeitung will ich mal noch gar nicht reden. Das ist mit den 8bit und der völligen Überschärfung der JPGs kaum möglich.

  7. Ja, das ist so eine Sache, die ich nochmal etwas genauer beleuchten möchte – offenbar handelt es sich ja nicht um ein typische Nikon-Problem.
    Danke auch für die Links!

  8. Mich hat das vor einer Weile auch mal richtig aufgeregt. Adobe Camera Raw und Lightroom scheinen da irgendwie Probleme zu haben. Besonders mit dem Rot. Siehe z.B. folgende Diskussionen mit Bildbeispielen:

    http://forums.dpreview.com/forums/read.asp?forum=1006&message=16766686

    http://forums.dpreview.com/forums/read.asp?forum=1006&message=16793166

    Ich hab nicht rausgefunden, ob man das mit einem Kamera-Profil kalibrieren kann. Daher nehm ich immer Canons DPP. Jetzt werd ich mal dieses RAW Therapee testen. Danke für den Link.

  9. Ist das nun ein Armutszeugnis für die Toolhersteller wie Adobe oder kommen Profi-Bildwerker auf den Plan die anmerken, dass deren Ergebnisse bei sachgemäßer Anwendung tatsächlich korrekt seien (wenn man mal das Rauschen vergisst), weil sie eben der Realität entsprechen – und wir uns nur an Überschärfung und -färbung der JPEG Algorithmen gewöhnt haben resp. sie als das das „bessere“ Ergebnis interpretieren?
    Wie auch immer: Ratsam auf alle Fälle, RAW + JPEG schon bei der Aufnahme gemeinsam erstellen zu lassen, so wie Du es getan hast. Das beste aus beiden Welten, wie gut das Speicher nix mehr kostet…
    🙂

  10. Habe selbst mal meine RAWs von Camera RAW und die JPEGs verglichen und muss dir erschreckt zustimmen. Wenn ich keine enormen nachträglichen Bearbeitungen vornehmen muss, fahre ich mit dem JPEG Format tatsächlich besser… seltsam.

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