Wirklich schlechte Akustik hier – ja, jetzt seh‘ ich’s auch!

Eigentlich geht der Gag ja so: „Wirklich schlechte Akustik hier …“, „Ja, jetzt riech‘ ichs auch!“. Meine Variante passte nur besser zum heutigen Thema, darum biege ich mir das zurecht, wie ich es brauche. „Meine Herren – Dollinger, deine Überschriften werden immer beknackter!“. Lies erst einmal weiter, dann … Weiterlesen …

SSL E-Channel PluginEigentlich geht der Gag ja so: „Wirklich schlechte Akustik hier …“, „Ja, jetzt riech‘ ichs auch!“. Meine Variante passte nur besser zum heutigen Thema, darum biege ich mir das zurecht, wie ich es brauche.

„Meine Herren – Dollinger, deine Überschriften werden immer beknackter!“. Lies erst einmal weiter, dann werden wir schon sehen – oder hören, oder auch nicht – naja, weiter im Text.

Kürzlich las ich in einer Musestunde (auf dem Klo) einen Artikel über den amerikanischen Produzenten Chris Lord Alge, der u.a. Künstler wie Alanis Morissette, U2, Snow Patrol, Bon Jovi, Pink oder die Black Eyed Peas produzierte. Er verkündete darin, dass er für nichts und niemanden Werbung machen würde, wohl aber für die exzellenten Plugins aus dem Hause Waves und hier speziell für den E-Series Channel. Er selbst ist langjähriger und bekennender SSL-Pult Benutzer und steuert nun seine „Presets“, also die Einstellungen, die er für gewöhnlich an seinem echten Pult vornimmt, den Waves SSL-Plugins bei. So weit, so gut.

Erstaunt hat mich dabei die Aussage, dass Waves gute Arbeit geleistet hätte und der E-Series „richtig gut klänge, gut aussehe und dem, was er gewohnt sei, sehr ähnlich wäre“.

Okay, richtig guten Klang erwarte ich von einem Plugin ohnehin, zumal in dieser Preisklasse. Gutes Aussehen bei Software ist auch wichtig – ich sage ja auch immer: Software muss sexy sein. Ein analoges Vorbild zu kopieren ist auch nicht verwerflich, braucht man doch einen Anhaltspunkt, wohin man klanglich möchte.

Mir stellt sich dabei aber immer die Frage, warum man auf Biegen und Brechen ein prominentes, analoges Vorbild in allen Details nachbilden muss und ob dabei nicht die Optik und ein Name einen weitaus höheren Einfluss auf den Klang – oder besser das Klangempfinden – hat, als die Algorithmen, die sich dahinter verstecken!?

Das Waves Plugin ist ein fotorealistisches Abbild eines „echten“ SSL-EQs UND es darf sich offiziell mit dessen Markennamen schmücken. Andere Plugin-Schmieden machen hier auf Pultec, Universal Audio, Urei oder sonst was. Dabei wird optisch immer in die Retrokiste gegriffen und Benutzeroberflächen gebastelt, die den teueren und begehrten Schätzchen ähneln. Das soll dem Käufer, der sich die echten Teile nicht leisten kann vermitteln, dass er es hier mit etwas Ebenbürtigen zu tun hat. Und je besser das Outfit, desto besser scheint das zu funktionieren.

Im Umkehrschluss sieht es aber auch so aus, dass klanglich hervorragende Software mit nüchternem Design oft keine Chance hat, obwohl sie alles zu leisten vermag, was wichtig ist: Sehr gut zu klingen.

Beeinflusst das Aussehen unseren Höreindruck wirklich? Ich glaube ja! Zudem sich die meisten auf solche Aussagen, wie denen des Herrn Alge verlassen und es ob der großen Namen, wie SSL und Waves wohl auch keinen Zweifel mehr gibt, dass das so klingen muss. Ein weiteres Problem dabei ist aber, dass wohl die wenigsten einmal die echten Vorbilder zu Gehör bekommen haben und dadurch eine realistische Einschätzung gar nicht möglich ist. Es geht darum, Eitelkeiten zu befriedigen – Punkt!

Kjaerhus GACIch finde Plugins, die einen eigenen Weg gehen, dabei gut klingen, ohne ein spezielles Vorbild zu bemühen und vielleicht auch noch interessante Funktionen bietet, die einem die bloße Nachbildung eines bekannten Gerätes verbieten würde, sehr viel reizvoller und ehrlicher. Hersteller wie Kjaerhus, Voxengo oder die Analogue Suite von Magix Samplitude klingen hervorragend, verfügen meist über sehr durchdachte und fortschrittliche Features und sind dabei auch noch billiger. Wenn nur der Klang eines Plugins in die Bewertung einfließen würde, käme es ziemlich sicher oftmals zu mancher Überraschung. Wenn man das Aufsehen um den „neuen“ Channelstrip VC 64 von Cakewalks Sonar 6 und 7 PE betrachtet, der nur eine „Vintageoptik“ Version des bekannten Kjaerhus GAC-1 ist kann man erkennen, welchen Einfluss das Aussehen eines Plugins hat.

Cakewalk VC 64Software-Plugins sind die Konsolen von heute. Warum kann man nicht das Beste aus dieser Technik herausholen, ohne dabei verkrampft irgendwelche analogen Vorbilder zu kopieren? Gerade Hersteller mit dem nötigen Know-how könnten sagen: „Es klingt nicht wie ein XY-Kompressor – es klingt besser!“

Letzte Aktualisierung am 18.04.2021 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

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