Von Kollegen, Kameras und falschen Vorstellungen

In unserer Firma bin ich der Foto- und Videomann. Ich fotografiere beinahe täglich unsere wissenschaftlichen Geräte, Zubehör und Proben. Außerdem mache ich Videos zur Bedienung und Anwendung der Geräte, aber auch Produkt- und Messevideos. Daher bin ich in der Firma natürlich auch ein gefragter Ansprechpartner rund um das Thema Fotografie und Kameras - nicht zuletzt auch wegen dieser Seite. Ein kürzlich geführtes Gespräch ist aber fast symptomatisch wenn es um Kameras und Fotografie geht.

Viele meiner Kollegen und auch der erweiterte Verwandten- und Bekanntenkreis verlässt sich gerne auf meine Empfehlungen – oder nennen wir es eher “Denkanstöße” wenn es um den Bereich Fotografie und Technikanschaffung geht. Dabei verfahre ich wie immer nach dem Motto: Nenne mir keine Lösung, sondern schildere mir dein Problem. Damit konnte ich schon einigen zu einer Lösung verhelfen, die sie selbst gar nicht in Betracht gezogen hätten und mit der sie dann aber sehr glücklich waren.

Wenn es um Fotoausrüstung und speziell um Kameras geht, zähle ich gerne diese drei Prioritäten auf:

1. Der Fotograf
2. Das Glas
3. Die Kamera

Bei vielen erzeugt das nur ein mildes Lächeln, denn den ersten Punkt können sie nicht einfach mit einer Bestellung bei Amazon erledigen. Erfahrung kannste nicht kaufen und Talent ebenso wenig. Also muss man doch mit Punkt zwei und vor allem Punkt drei den ersten Punkt kaschieren können? In der Praxis hört sich das dann so an:

Kollege: “Dann gib mir mal die Spiegelreflex mit. Aber alles auf “Auto” stellen, gell!”

Ich: “Was hast du denn überhaupt damit vor?”

Er: “Ich will einen Polterabend fotografieren!”

Ich: “Aber du wirst damit keine besseren Bilder machen als mit deiner Kompaktkamera …”

Er: “Doch schon, oder? Warum ist sie denn dann so groß und teuer?”

Ich: “Denkanstoß: Kannst du Kochen?”

Er: “Nee, weißt du doch!”

Ich: “Aber du könntest es mit großen teuren Töpfen?”

Er: “So ein Quatsch! Was hat denn das mit dem Foto zu tun?”

Ich: “Überleg’ mal in Ruhe – da kommst auch du drauf!”

Er: “Egal! Was hat denn die für’n Zoom? Bestimmt so 800 oder 1000 Millimeter?”

Ich: “Nee, eher so maximal 70 Millimeter. Andere Objektive hab ich hier in der Firma nicht weil ich sie nicht brauche.”

Er: “Nee, echt? Was will man denn damit?”

Ich: “Nimm sie halt mit. Akku ist voll. Karte ist leer. Viel Spaß!”

Ein anderer, älterer Kollege schilderte mir vollkommen unvoreingenommen was er denn fotografisch vor hätte und dass er sich vielleicht ab und zu auch mal mit einer manuellen Einstellung beschäftigen würde. Außerdem möchte er “etwas in der Hand haben”, aber Geschleppe vermeiden. Er ist nun mit einer Panasonic FZ1000 Bridge-Kamera glücklich, die auch noch genau in seinem Budget lag. Darauf spricht er mich mindestens einmal pro Woche bei der Kaffeemaschine an.

Für viele ist es schwer zu verstehen, dass gerade in der Fotografie die schnöde Elektronik den geringsten Einfluss auf das Ergebnis hat. Es wird vielleicht ein Foto herauskommen, das hinsichtlich technischer Parameter wie Bildrauschen “besser” ist oder auch schärfer, weil der Autofokus genauer und schneller ist. Es wird aber nie ein schönes Bild werden. Eine große und wichtig aussehende Kamera um den Hals ist für viele oft ein Zeichen von Können. Seltsamerweise glaubt jedoch keiner, dass jemand mit einem großen teuren Auto automatisch auch ein guter Autofahrer ist. Der hat doch nur zu viel Geld …

Eine komplexe Kamera erfordert Zeit und Einarbeitung. Die Fotografie selbst erfordert noch viel mehr Zeit und Einarbeitung. Die Allermeisten sind aber nicht bereit diese Zeit aufzuwenden. Sie sind auch nicht bereit in die Hocke zu gehen oder sich auf den Boden zu legen wenn sie kleine Kinder fotografieren. Sie gehen keinen Schritt auf das Motiv zu oder davon weg, denn mit dem 500 mm Zoom ist das doch viel bequemer.

Nichts was man gut können will ist bequem. Nichts davon geht ohne Interesse, Zeitaufwand, Schweiß, Rückschläge und Enttäuschungen. Und nichts davon lässt sich durch Geld oder Technik kompensieren. Manchmal muss man sich aber auch eingestehen, dass man etwas einfach nicht kann oder kein Talent dazu hat. Solche starken Charaktere sind aber sehr selten zu finden.


Die mit Sternchen (*) gekennzeichneten Verweise sind sogenannte Provision-Links. Wenn du auf so einen Verweislink klickst und über diesen Link einkaufst, bekomme ich von deinem Einkauf eine Provision. Für dich verändert sich der Preis nicht und du unterstützt damit meine Arbeit.

85 Kommentare

  1. Muss den versucht werden aus jedem Knipser einen Fotografen zu machen ? Wozu die Häme ? Sind wir doch froh das zu der halben Million halbwegs guter Fotografen nicht noch 10 Millio en Knipser dazukommen. Das wäre der totale Overkill !

  2. Schön geschrieben. Aber der Vergleich mit den Kochtöpfen ist dann wohl doch Helmut Newton geschuldet, oder? 😉 Mit Zitaten ist das, wie mit dem Copyright auf Bildern – den Urheber sollte man schon nennen.

  3. Sag was dazu!ich habe kein ‘Händchen’ für Gesichter oder Personen hähähä
    Aber … es gibt kein Gerät auf der Welt, mit welchem man messen kann, wie egal mir das ist :))

  4. Im Endeffekt das selbe, was man heute in vielen Bereichen erlebt, daß Leute meinen das Equipment entscheide über die Qualität des Endprodukts. Statt Zeit zu investieren und sich mit der Materie zu beschäftigen, werden Unsummen an Geld verbraten. Natürlich wird eine fundierte Ausbildung i.d.R. ein Plus in jedem Fachbereich sein, mit Geduld, Interesse und Unterstützung z.B. durch entsprechende Workshops oder Kurse kann man aber auch sehr weit kommen…

  5. Nun kommt doch alle mal ein bisschen runter und achtet einfach darauf, dass ihr mit euren eigenen Photos zufrieden seid. Das ist doch eigentlich das wichtigste, finde ich. ..

  6. Ich bin selbst Koch und fotografiere. Und ich bin zu der Erkenntnis gekommen das wenn man sein Handwerk beherrscht kann man allem zu respektablen Ergebnissen kommen.
    Hintergrund dieser Tatsache ist das man meist das mangelhafte “Werkzeug” durch sein Wissen und Können ausgleichen kann. Bzw. man versucht manches erst gar nicht.

  7. Ja, das stimmt im wesentlichen alles. Aber..

    1. Jeder soll es doch so machen wie er will/kann/Spaß macht, wer gerne eine Profi 'Ausrüstung kaufen möchte oder Ferrari fahren möchte, der soll es doch, wenns doch so viel Spaß macht.

    2. Es gibt natürlich einige Bereiche in denen ein "Profi" oder nennen wir es mal eine teure Ausrüstung notwendig/vorteilhaft ist:
    – sehr schnelle Aktion
    – Kugelpanoramen
    – Tilt Shift
    – Freistellung

    fallen mir da mal ein

    Aber zwischenzeitlich mache ich die meisten Fotos mit meiner Fuji XT-1 und nicht mit der Canon 5 D MK III.

  8. "Nenne mir keine Lösung, sondern schildere mir dein Problem."
    Das ist einfach so wahr! Und so handhabe ich das auch immer.

    Leider achten auch viele Profis oder Semiprofessionelle da kaum drauf etwas passendes zu empfehlen, selbst wenn sie das Problem geschildert bekommen.
    Da muss es dann mal die Canon Vollformat DSLR sein, für eine 16 Jährige, die bisher mit dem Smartphone geknipst hat und sich jetzt mehr mit Fotografie beschäftigen will.

    Wobei mein Lieblingstip für Fotografie Anfänger, die sich "mehr damit beschäftigen Wollen" und bei denen oft noch nicht sicher ist ob sie auch dabei bleiben immer diese Mediamarkt/Saturn/Whatever angebote sind.
    Einstiegs DSLR mit 2 Objektiven für unter 500 Euro.
    Ja ist jetzt ualitativ nicht das beste. Aber man kann erstmal für wenig geld erfahrung Sammeln und schauen ob Fotografie wirklich das Ding ist. Später kann man sich noch das erste ordentliche Objektiv kaufen, wenn man dabei bleibt. Und wenn sie den Geist auf gibt hat man auch genug übung um das Teurere Equipment, das man sich dann kauft wirklich nutzen zu können.

  9. ja deswegen gibt es Fotos und Schnappschüsse. Ich habe meine DSLR wieder verkauft und meine Systemkamera behalten.OK die rauscht bei langen Belichtungen mehr aber ansonsten ist der Unterschied kaum sehbar. Auf der System habe ich ein tolles 135mm DDR Objektiv gehabt und ganz ehrlich, ich ärgere mich nach wie vor das ich es weggegeben habe. Die Lichtstärke und Bildschärfe, einfach nur Hammer. Es Stimmt schon, manche denken nur weil sie ne DSLR haben, sind sie die Profies, aber wie es schon so schön oben steht braucht es viel Zeit und Ausdauer und vor allem ein gutes Auge für gute Motive. Aber selbst wie Jurij schon schreibt es gibt gelernte die auch nur knipsen. Hier im Ort ist auch so eine. Manchmal wünsche ich mir meine alte EXA zurück 🙂

  10. Ich bin davon überzeugt, das jeder der eine Kamera, zum ersten mal in die Hand nimmt, gute Bilder machen möchte. Bei kreativen und lernwilligen Menschen, ist der Weg zum perfekten Bild meist kürzer. Jeder kann doch ein Ei kochen, egal in welchen Topf oder Eierkocher, wobei man auch hier schon darauf achten muß, wie man das Ei am liebsten mag, ob hart oder sehr weich. Beim ersten mal, wird es nie gelingen, ein Ei perfekt so zu Kochen, das man es auch gerne ißt. Es dauert halt alles seine Zeit je mehr man etwas tut, um so Erfahrung sammelt man.

  11. Sehr guter Beitrag !! Stimmt alles…
    Ich empfehle den Leuten bevor sie sich eine neue Spiegelrefex Kamera kaufen, erst mal einen Workshop zu besuchen bei dem Sie lernen den Manuellen Modus zu nutzen… Hat auch schon viele vor einer neuen DSLR – und sie haben sich neues Glas an die vorhandene gepackt.
    ***

  12. Sehr schön beschrieben, auch gute Vergleiche mit dem Kochtopf und dem großen teuren Auto! 😀
    Wir können auch von unzähligen solcher Erlebnisse berichten. Zuletzt hatten wir ein Gespräch mit jemandem, dem wir erklären wollten warum wir nun von einer Canon Eos 650D auf eine Sony A7II umgestiegen und nun viel zufriedener damit sind, da wir mehr Möglichkeiten damit haben. Die Reaktion war: Aber das ist doch keine Spiegelreflex! Wie kann die denn besser sein? (Anscheinend glauben viele auch, dass “Spiegelreflex” ein Garant für gute Bilder ist.) Wir haben dann erst einmal gefragt, Weißt du überhaupt, was der Spiegel in der macht?
    Auch begegnen uns immer wieder Experten, die der Meinung sind, mit ihrem Smartphone können Sie doch “auch solche Bilder machen”.
    Guter Artikel mit wahren Worten,
    Grüße aus Leipzig

  13. Dazu fällt mir gleich ein Satz ein, den Karl Grabherr gepostet hat:
    "Buying a Nikon doesn't make you a photographer. It makes you a Nikon owner".
    Nikon lässt sich natürlich durch jede beliebige andere Marke ersetzen,

  14. aber man muss auch sagen, gutes Werkzeug kann auch helfen…
    Um bei den Töpfen zu bleiben, wenn die Pfanne permanent anbrennt, dann ist eine neue mit besserer Beschichtung vielleicht hilfreich 🙂
    Aber sonst vollkommen richtig und gut geschrieben – super

  15. Das mir der Übung kann ich so bestätigen.mein Freund hat die Spiegelreflex in die Familie gebracht und früher viel zeit dafür.seine Bilder haben nur gut gefallen.die letzten jahre lag sie dann ehr in meiner Hand und ich bin immer wieder sehr zufrieden mit meinen Bildkompositionen.seine dagegen gefallen mir heute nicht mehr so gut.ihm fehlt einfach die Übung. Und da ist der Umfang mit der Technik selbst noch nicht Winkel ein Thema

  16. Runder und treffender Kommentar! Fotografieren ist wie ein Musikinstrument zu erlernen, Talent vereinfacht es, trotzdem ist es ein mühevoller Weg, dank Digitalisierung wesentlich günstiger geworden .

  17. Sehr schöner Artikel! Den musste ich teilen und fand auch reichlich Anklang, über 4.000 Menschen haben Ihn allein bei mir gesehen. Werde öfter hier vorbei schauen! 🙂

  18. Es soll In der Musik Virtuosen geben, die selbst auf einem Kamm Hörenswertes blasen können. Für Normalsterbliche ist das Leben aber mit halbwegs brauchbarem Werkzeug wirklich einfacher, und ich wage zu behaupten, dass Bilder mit Schärfentiefeverlauf doch etwas schwierig werden, wenn man sie mit einem iPhone oder einem Galaxy machen will.

    In diesem Sinne
    HvS, normalsterblicher Berufsknipser, der die Newton-Anekdote auf seiner HP hat

  19. Na ja Stimme nicht ganz zu, damit er ein Fotograf werden kann soll schon ein Kamera schon Kaufen und Talent ? Tja das haben die meisten Fotografen nicht ! Es ist ein erlernbaren Beruf und wenn der ein Künstler wird das ist nur ein Geschmack Richtung die Bilder was er macht werden nicht allen gefallen , oder er ist ein Journalist also hält Situationen nur fest, in rechten oder un rechten Augenblick. Und ehrlich gesagt weil jemand Geräte fotografiert und Videos über Bedienung herstellt ist für mich kein Künstler sondern ein Handwerker !

  20. Michael Raubold Oder noch mehr. Was mir so vorschweben würde ist jedenfalls noch etwas höher anzusetzen. Aber das wird wohl eher ein Traum bleiben. 🙂

  21. Das würde ich ohne Korrektur unterschreiben. Ich habe Leute gesehen mit Topkameras in der Hand, bei denen schon allein die Haltung, die sie beim Knipsen einnahmen, Schlimmes ahnen lässt.

    Ich habe aktuell eine Canon PowerShot SX60 (nach der S3, S5, SX10 und SX30). 65fach Zoom. Macht Spaß, man kann z.B. Flugzeuge in Flughöhe (10 bis 12 km) relativ deutlich runterzoomen.

    Hat natürlich auch seinen Preis. Lichtstärke, Verzerrungen in den Ecken. Und dergleichen mehr. Wenn ich aber vergleiche, was ich zu analogen SLR-Zeiten mit mir rumgeschleppt habe (3 Bodies (Bilder, Dias, SW) und im Normalfall mindestens 5 Objektive (damals noch Festbrennweitenfetischist)), ist das schon ein gravierender Unterschied.

    Zugegeben, manchmal würde mich so eine Top-EOS schon reizen. Vollformat, ISO bis ins 6stellige. Noch so ein 50er mit 0,8 Lichtstärke (Scherz, aber die Richtung ist ernstgemeint) dazu, das würde freilich auch Welten eröffnen, die meine Bridge nie bringen wird.

    Fakt ist, und das geht aus diesen sehr schicken Zeilen oben deutlich hervor: Ich kann mit einer günstigen (nicht billigen!) 08/15-Knipse und dem richtigen Knowhow mehr rausholen als ein Schicki-Micki-Fotograf mit Gerätschaft im 5stelligen EUR-Preisbereich.

  22. Danke für den Beitrag und die Idee mit dem Vergleich mit den Töpfen 🙂
    Ich denke, dass viele diese Situation ebenfalls kennen. Mit einer kleinen Kamera muss man sich zum Teil zuerst beweisen, dass man fotografieren kann. Mit einer 50 Megapixel Kamera und 2000mm Brennweite und aufgesetzter Streulichtblende ist man hingegen der Profi ‘per se’.

  23. Eine tolle Kamera macht noch keinen großen Fotografen *gähn*.
    Bei allem Respekt das Thema ist schon seit Jahren und Jahrzehnten ausgelutscht und letztlich nichts anderes als schlecht versteckte Selbstbeweihräucherung.

  24. Kommt mir alles so bekannt vor.
    Meine erste Frage ist immer “Was willst du fotografieren?” Meistens empfehle ich dann eine vernünftige Kompaktkamera und einen Grundlagenkurs an der VHS.

    Eine passende Ausstattung kann man immer noch wählen wenn man weiß was man will

  25. Servus, toller und vor allem realer Artikel ! 😉 Eines wurde bisher aber nicht erwähnt…

    Wem nützt die teuerste Technik und das ganze Fotogedöns, wenn er nicht “das Auge fürs Motiv” besitzt…. 😉 Talent hat man oder man hat’s halt nicht, die Technik kann und wird es nicht ersetzen.

    In diesem Sinne frohes Klick & Schaffen 🙂

  26. Leider fängt für viele "Fotografen" das Fotografieren erst am PC an.
    Da wird freigestellt, geschärft etc. – also "gefotoshopt".
    Beim klassischen Dia (lange ist´s her) war´s das. Entweder Du hast Dein Bild oder nicht.
    EIn bisschen mehr "out of the box", wie bei vielen Tierfotografen, wäre wünschenswert.

  27. Ich hatte mal Gelegenheit, ein Diamantenes Hochzeitspaar im Studio und auf der Feier zu fotografieren. Bei der Terminabsprache sagte mir der ältere Herr – Bei unserer Goldenen Hochzeit hatten 100 Mann fotografiert und mir geraten, keinen Fotografen zu bestellen – "..können wir doch alles selber, das Geld kannst´e sparen..". Ergebnis – nicht ein einziges brauchbares Bild war dabei. Das passiert mir nicht noch einmal. die Generation "Handy" und "Smartphon" ist nun sebst alles "Fotograf". Manchmal frage ich mich, warum ich tausende Euros für Kamera und Objektive ausgebe – aber ehrlich, ich habe von den Handyfotos auch noch keins zu sehen bekommen.
    Walter Graupner …foto-graupner.de

  28. Versteh mich nicht falsch, es gibt genug schwarze Schafe in der Fotografie, die sich Fotograf schimpfen. Aber es gibt genau so viele "Quereinsteiger" die den Markt aufmischen in dem sie sich vieles über das Internet, Workshops, Fotowalks, Studium etc. aneignen und dann einfach besser sind als der gelernte Fotograf. Wenn ich zur Formel 1 gehe und in meinem Trabi 2 Sekunden schneller als der Hamilton bin, dann wirds Mercedes nen scheiß interessieren ob ich einen Führerschein habe oder nicht 😉

  29. "Fotografie wird auch von Autodidakten ausgeübt, die schlicht die Bezeichnung Fotograf führen oder von früher die Berufsbezeichnung Foto-Designer verwenden. Auch die Berufe der Bildreporter, Bildjournalisten, Bildberichterstatter sind keine geschützten Berufsbezeichnungen, es bedarf hierbei keine Eintragung in die Handwerksrolle, wenn die Tätigkeit künstlerisch ausgelegt ist. Der Nachweis einer Ausbildung in Fotografie ist nach der Novellierung der Handwerksordnung, wie in vielen anderen Berufen auch, weggefallen." Quelle: Wikipedia

    Wie ich schon sagte, meiner Meinung nach zählt nur das Ergebnis. Ob derjenige den Beruf gelernt hat oder nicht ist ziemlich egal. Beim Fotografen kann man seine Arbeit schon vorab über sein Portfolio sehn, der Kunde hat doch alle Möglichkeiten der Welt sich seinen passenden Fotografen auszusuchen. Wenn der gelernte Fotograf dann bei seinen Ergebnissen schlechter ist als der doofe Hobbyfotograf, hat er seinen Beruf verfehlt 😉

    • Man muss auch sagen, dass Handwerkseinträge häufig auch eine Methode waren andere auszugrenzen und nicht zuletzt um die Handwerkskammern mit Gebühren zu versorgen. Allerdings befürworte ich nach wie vor unser duales Ausbildungssystem und die Meisterpflicht bei sicherheitskritischen Berufen wie Elektriker, KFZ-Mechatroniker etc.

  30. Carsten, ich wiederspreche Dir sehr ungern, aber das ist seit der Reform des Handwerksrechtes 2004 nicht mehr der Fall. "Fotograf" ist ein zulassungsfreies Handwerk – es erfolgt trotz fehlender formeller Berufsausbildung eine Eintragung als Fotograf in die Handwwerksrolle B1 mit genau dieser Bezeichnung. Es darf dagegen nicht der Eindruck erweckt werden, dass eine entsprechende Gesellen- oder Meisterprüfung abgelegt wurde.

  31. Das ist was Wahres dran. Aber der Artikel greift zu etwas zu kurz. Für manche Foto-Projekte benötigt man einfach eine spezielle Ausrüstung. Das führt kein Weg daran vorbei. Ein freigestelltes Portrait mit einem Kit-Objektiv? Eine Aufnahme mit starken WW-Effekt mit einem 28er? Eine Makro-Aufnahme ohne Makro-Objektiv? Ein bildfüllendes Portrait eines Löwen mit einem 120er Tele? Viel Spaß!

    Und der Vergleich mit dem Koch wird auch meist nicht zu Ende gedacht. Natürlich hat ein Profi-Koch exzellente Töpfe, Messer usw.
    Für den Amateur gilt natürlich, dass er nicht die Profi-Austattung braucht. Dennoch macht auch das Kochen mit guten Geräten mehr Spaß als mit alten, abgeschrummelten, nicht wahr?

    Man sollte also die Bedeutung der Technik nicht ganz zur Seite schieben. "Just my 2c."

  32. Heiko Vogel Stimmt nicht ganz. Wer damit beruflich unterwegs ist, darf sich nicht "Fotograf" nennen, wenn er nicht die entsprechende Berufsausbildung hat. Für ihn bleibt dann der Begriff "Foto-Designer".

    • stimmt so nicht, die Bezeichnung Fotograf ist seit 2004 keine geschütze Berufsbezeichnung mehr. Hat RA Wolfgang Rau vom Rheinwerkverlag (Blende 8) in einer seiner letzten Folgen erläutert.

    • jop, ich habe das handwerk auch nicht erlernt und einfach ein gewerbe eroeffnet. das einzige, was passiert ist, war, dass ich nun in der handwerkskammer eingetragen bin – und mich somit auch photograph nennen darf

    • Stimmt.
      Vergleich gemerkt und für weibliche Möchtegernfotografen in “Fußball spielen?” geändert.

  33. Dem ist absolut nichts hinzuzufügen! Leider nimmt die "Knips`n-Go"-Mentalität zu. Es wird immer
    weniger Wert auf gute Qualität gelegt. Bildbearbeitungsprogramme und Massen von Fotoagenturen mit lizenzfreien Semi-Profi-Fotos graben dem Profi zunehmend das Wasser ab. Eine wahre Begebenheit aus den Achzigern: Der Chef einer kleinen Agentur sollte Messefotos für seine Kunden erstellen lassen. So etwas kann bekanntlich schnell ins Geld gehen! Da kommt ihm DIE Idee: Sein Sohn bekommt statt dessen eine Nikon-Ausstattung und wird damit losgeschickt. Die Bilder waren weder schlecht, noch gut……..es gab keine! Der Intelligenzsprößling hatte bei hunderten Auslösern nicht bedacht, dass seine damalige Nikon auch Filme brauchte………..

  34. Gut geschrieben und ein schöner Vergleich mit den Töpfen…

    Ich glaube der Punkt “Fotograf” wird in der Tat meist ausgeblendet, gerade weil heutige Kameras so viele Funktionen bzw. Motivprogramme haben und die Hersteller suggerieren, dass zum perfekten Fotos nur noch der Klick auf den Auslöser gehört…

    Davon können Hochzeitsfotografen wahrscheinlich ein Lied singen, oder?
    (Nein ich meine nicht mich, hab´s aber schon so ähnlich gehört)

    Etwas überspitzte Kurzform:
    Anfrage: “Hallo, machst Du auch Hochzeitsbilder?”
    Fotograf: “Klar gerne, hab da schon einige romantische Ideen – würde ca. XXX € kosten”
    Antwort: “Ach echt so viel? Na dann frag ich mal ‘Onkel Erwin’, der hat ja auch so ne teure Spiegeldings-Kamera” 🙂

    Oder es wird dann der “50€ + Zugang zum Buffet”- Fotograf gebucht, der sich für einen Profi hält, weil er 700€ für ne Kamera ausgegeben hat und grundsätzlich Serienbilder macht, “damit er nachher mehr Auswahl hat”…

    Und auf der anderen Seite des Farbspektrums gibt es dann unscheinbare Leute, die schon mit einer billigen Bridekamera wundervoll emotionale Fotos machen und sich dennoch eher als Amateur sehen…

    Aber macht es das nicht spannend? Auch gerade im Internet zwischen den Blendern die perspektivischen Perlen zu entdecken?

    Zumindest wenn man nicht gerade einen Fotografen sucht 🙂

  35. genauso sehe ich es auch. Meine erste Kamera war ne Sucherkamera mit Wechselobjektiv,geschenkt von meinem Vater. Danach kam die T70 von meinem ersten Lohn nach der Ausbildung. Aber es ist nur ein Hobby und wird es auch bleiben. Selber sehe ich mich auch nur als Hobbyknipser…und das seit über 30 jahren.

  36. Das dumme beim Beruf des Fotografen ist nur das sich komischerweise jeder so nennen darf auch wenn er das nicht gelernt hat. Ich darf mich ja auch nicht Schreiner nennen nur weil ich 6 Bretter recht gut zu einem Schrank konfigurieren kann.

    • Andererseits darfst Du Dich aber auch Immobilienmakler schimpfen, wenn Du mal ein Haus inseriert hast.
      Und wenn Du einen Führerschein hast, bist Du Autofahrer. Obwohl “Autofahren gelernt” nicht heißt, dass man es hinterher auch kann.
      Ich sehe genug Ergebnisse von gelernten Fotografen, die die Bezeichnung Foto nicht verdienen. Und in meinem Beruf sehe ich auch genug Leute, die es angeblich gelernt, oder gar studiert haben. Ein Garant für Qualität ist das nicht. Man sollte das also alles nicht so verbissen sehen. Können hat nichts mit Ausbildung zu tun.

    • Dieses Problem hat man aber in vielen Berufszweigen.
      Im kaufmännischen Bereich ist es ja genau so. Da muss auch niemand nachweisen, dass er eine kaufmännische Lehre oder auch nur Grundwissen erworben hat.
      Ich denke es ist halt einfach wichtig sich das nötige Fachwissen anzueignen. Ob man das durch Schulungen, Bücher, Tutorials oder eben eine Ausbildung macht, ist im Grunde fast egal.
      Den Rest regelt halt die Qualität der abgelieferten Arbeit. Wenn die schlecht ist, hilft einem auch ein Meisterbrief nicht weiter.

  37. Herrlicher Dialog mit dem Kollegen, spricht einem aus der Seele ;-D

    Ich vergleiche die Bedeutung der Kamera gerne mit einem Bildhauer und seinem Meißel. Mit einem hochwertigen Meißel ist es einfacher eine schöne Skulptur zu fertigen, wenn man es aber nicht kann, hilft der beste Meißel nicht. Andererseits kann aber auch ein guter Bildhauer mit einem Buttermesser keine schöne Marmorskulptur hauen. (Beispiel Sportfotos mit der Kompaktkamera).

  38. Gelernt oder nicht gelernt ist ziemlich egal, das Wichtigste ist doch das Endprodukt! Oder liege ich da falsch? Es gibt genug gelernte Fotografen die ihr Handwerk trotzdem nicht verstehen. Genau so gibt es genügend Fotografen die es sich selbst beigebracht haben und es besser können als die ausgebildeten Fotografen (siehe z.B. Calvin Hollywood).

  39. Das sollten sich viele gut merken, aber zum ‘Fazit’ mal ganz ketzerisch 😉 gefragt:

    Und wenn ich merke, dass ich einfach kein Talent habe? Fotoausrüstung verkaufen oder weiter “schlechte” Bilder machen?

  40. Genau aus diesem Grund bin ich auch froh das Fotograf heute noch ein Lehrberuf ist!!! Ich fotografiere seit meinem 14. Lebensjahr. Als ich nach meiner Konfirmation mir von meinem Geld die erste Halbautomatik Canon T70 gekauft hatte und total stolz war. Da war fotografieren auch noch anspruchsvoll denn Auslöser gedrückt war gedrückt. Nichts mit löschen oder Nachbearbeitung. Für mich ist und bleibt es aber ein Hobby nur für mich. Ich nenne mich deswegen auch nicht Fotograf und habe auch kein Fotostudio aufgemacht denn das überlasse ich denen die es gelernt haben.

  41. Ich mag den Vergleich mit den Töpfen auch. Er wird glaube i h sogar Helmut Newton zugeschrieben. Ansonsten könnte der Beitrag Wort für Wort von mir sein. Der Auto hat Alle auf den Punkt gebracht.

  42. Haha, ich mag den Vergleich mit den Kochtöpfen, vielleicht weil ich ein (fotografierender) Koch bin. Fotografie ist wie kochen ein Handwerk. Wenn ich sehe wieviel oder wie wenig Zeit ich für das Fotografieren aufbringe und ich das umschlage in den Kochberuf würde mir nie ein tolles Menü gelingen. Ja, ich habe eine tolle Spiegelreflexkamera und zumindest noch nie im Automatikmodus gearbeitet, und wenn es die Bandscheibe zulässt:-) gehe ich auch auf den Boden. Toller Artikel, hab dich aber auf FC schon lange abonniert. Grüße

  43. Danke für den tollen Beitrag. Das ist in anderen Dingen doch genauso. Ich fotografiere gerne und viel in den Bergen. Aber nur weil ich ein teueres Kletterseil und die Schuhe habe, die auch Alexander Huber trägt, werde ich nicht wie er klettern können. Sondern da gehört eine Menge mehr dazu.
    Stimme dir total zu.

Kommentare sind geschlossen.

Cookie Consent mit Real Cookie Banner