smart:comp 2 von Sonible

Mit dem smart:comp 2 hat der österreichische Hersteller Sonible einen eindrucksvollen Kompressor im Programm, der nicht die x-te Version ikonischer Vorbilder ist, sondern mit Innovationen und intelligenten Funktionen glänzt.

Die Plugin-Ordner quellen vermutlich auch bei euch über. Darunter befinden sich sicher auch nicht wenige Kompressor-Plugins. Oft sind diese aber untereinander ziemlich austauschbar und gehören entweder zu einer klangfärbenden Gattung, die Vorbildern beliebiger Art mit großen Namen oder Schaltungstechniken nachempfunden sind, oder zu den cleanen Modellen.

Der smart:comp 2 zeigt jedoch eindrucksvoll, dass es in diesem Bereich noch Raum für Innovationen gibt.

Was zuerst ins Auge fällt, ist die aufgeräumte und moderne Benutzeroberfläche. Hier hat alles seinen Platz und man erkennt auch, dass hier Leute am Werk sind, die wissen, was sie tun. Die Hüllkurve des Signals mit den darüberliegenden Slidern für Threshold und Ratio, sowie die Anzeige, wie und wie stark das Signal abgeschwächt wurde, sind sehr intuitiv in der Anwendung.

Das macht aber noch keinen innovativen Kompressor aus. Hier kommt das „smart“ des smart:comp ins Spiel: Statt Presets, wählt man aus einer Liste von 31 Profilen eines aus, das der zu bearbeitenden Quelle entspricht. Darunter findet man etwa E-Bass, Synth Lead oder Pads, Drum Bus und natürlich auch Mix-Anwendungen für unterschiedliche Musikstile.

Einmal ausgewählt, lässt man den smart:comp2 das Signal einige Sekunden analysieren, der dann einen Vorschlag für die Einstellungen anbietet. Nun bin ich bei Ai- oder Künstlicher Intelligenz immer etwas vorsichtig. Dahinter verbirgt sich oft nur ein simpler Algorithmus. Sonible hat die Ai des smart:comp 2 aber tatsächlich mit zig Mustern trainiert und das Ergebnis ist beachtlich. Bei meinen Tests waren die Vorschläge allesamt nicht nur brauchbar, sondern erstaunlich präzise und oft sogar lehrreich.

Natürlich kann man die vorgeschlagenen Werte weiter bearbeiten. Vereinzelt habe ich einen etwas anderen Geschmack, was die gefundenen Attack-Zeiten angeht, aber hier handelt es sich um Nuancen und das Plugin liegt hier keineswegs daneben. Zudem lassen sich Attack- und Release-Zeiten extrem detailliert bearbeiten.

Und auch hier wieder: Ich habe eigentlich noch nie einen Kompressor erlebt, der die Anwendung so klar und intuitiv macht. Natürlich gibt es auch andere Kompressor-Plugins, welche die Kompression in einem Histogramm anzeigen, aber der smart:comp hat diesen Ansatz perfektioniert. Jede kleine Einstellung wird visualisiert und erzeugt damit auch einen gewissen Lerneffekt beim Anwender, wobei man natürlich auch die Ohren in Einklang bringen muss. Die automatische Lautstärkekompensation sorgt dafür, dass diese nicht durch bloße Lautstärkeunterschiede getäuscht werden.

smart:comp analysiert das Signal

Die Funktionen des smart:comp 2 gehen aber noch viel weiter. Mit der spektralen Kompression wird das Signal in 2.000 Bänder aufgeteilt und analysiert. smart:comp 2 findet dann unerwünschte Resonanzen und gleicht diese automatisch aus. Das Ergebnis ist nicht weniger beeindruckend und führt zu sehr transparenten Resultaten und das Plugin geht hier sehr dezent und geschmackvoll heran. Über die „Color“ Einstellung kann man die Wirkung in den höheren oder tieferen Bereich verschieben und man kann die Funktion auch auf bestimmte Bereiche fokussieren lassen. Gerade Akustikgitarren, Interviews und Voiceover profitieren davon enorm.

Über die Sidechain-Funktion lässt sich dieses Feature auch dazu benutzen, bestimmte Frequenzbereiche mit einem Ducking-Effekt zu versehen, damit konkurrierende Signale besser durchkommen. Ein EQ mit Hoch- und Tiefpass und zwei parametrischen Bändern kann zur Anpassung genutzt werden.

Smart:comp2 ist ein unglaublich transparenter Kompressor, auch bei extremen Einstellungen. Mit dem „Style“ Parameter kann er aber auch anders. Damit kann man das Signal von „clean“ bis „dirty“ mit Obertönen anreichern, was zu vollen und knackigen Sounds führt.

Ein Wort zum Thema „analoge Wärme“

Die „analoge Wärme“ ist ja gerade bei jüngeren Anwendern, die sie nie wirklich mit den vielen Nachteilen der Analogtechnik, Bandrauschen usw. herumschlagen mussten, oft der heilige Gral. Jedes Plugin muss sättigen, crunchen und Obertöne erzeugen. Dabei war und ist Analogtechnik erstaunlich linear, denn genau das war das Ziel der Ingenieure. Das Ideal war „ein Stück Draht mit Verstärkung“ und Verzerrungen und Klangveränderung wollte man tunlichst vermeiden.

Wenn heute auf jeden Kanal Plugins mit Sättigung eingesetzt werden, führt das oft genau zum Gegenteil: Die Obertöne addieren sich und intermodulieren und das sorgt nicht selten für einen sterilen abrasiven Klang, der genau das Gegenteil des gewünschten Analog-Sounds ist.

Ich freue mich, dass mit der Digitaltechnik völlig transparente Ergebnisse ohne Nebenwirkungen möglich sind und setze Sättigung nur da ein, wo sie auch wirklich sinnvoll ist und sie etwas für das gesamte Klangbild tut.

Einzigartig ist auch eine Funktion mit vordefinierten Transfer-Kurven, die auf den mittleren Bereich des Signals wirken und als Expander, Noisegate oder Parallelkompression eingesetzt werden. Die Kurven lassen sich durch Verschieben der Knotenpunkte bearbeiten und auch hier gibt smart:comp 2 den Effekt auch immer visuell zurück.

Was andere Hersteller als eigenes Plugin verkaufen, ist bei Sonible Teil des Kompressor-Plugins: Signal Riding! Dabei wird das Signal erst einmal so im Pegel geglättet, wie man es mit einem Fader-Ride oder einer Lautstärken-Automation machen würde, bevor er auf den Kompressor trifft. Gerade bei sehr dynamischen Vocal- oder Bass-Parts muss der Kompressor nicht mehr die großen Pegelunterschiede weg regeln, sondern kann eine transparente Kompression anwenden, weil das Eingangssignal bereits vorbereitet wurde.

Natürlich beherrscht das Plugin auch den M/S Betrieb und auch 5.1 Surround-Sound. Die Delta-Funktion gibt nur den komprimierten Teil des Signals wieder und die 8 Snapshot-Slots ermöglichen einen schnellen Vergleich verschiedener Einstellungen.

Sonible smart:comp 2

Funktionsumfang
Sound
Preisleistung

Fazit

Der Sonible smart:comp 2 ist ein ganz großer Wurf in der Welt der Kompressor-Plugins. Statt wieder und wieder bereits bekannte Vorbilder zu kopieren, geht man hier das Thema Kompression von der innovativen Seite an und nutzt dabei alle Möglichkeiten, welche die Digitaltechnik bietet, statt sich auf analoge Schaltungssimulation zu beschränken.
Künstliche Intelligenz ist hier kein Marketing-Buzzword, sondern sorgt für erstaunliche Ergebnisse, von denen man auch noch lernen kann. Der Grundcharakter des smart:comp 2 ist ultra-transparent. Durch die Style-Funktion kann er den Sound aber auch andicken und die variable Kurven machen aus ihm sogar ein Werkzeug für das Sound Design.

Ich hätte kein Problem damit, den smart:comp 2 als einziges Kompressor-Plugin einzusetzen. Trotz der umfangreichen Funktionen, ist er sehr genügsam, was die CPU-Nutzung angeht. Probiert ihn aus – ihr werdet begeistert sein!

Den Sonible smart:comp 2 gibt es für 129,00 € für Windows und macOS (mit nativer Apple Silicon Unterstützung) als VST, VST3, AU und AAX-Plugin. Ein iLok-Account ist erforderlich.

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