Magix veröffentlicht neues Samplitude X2 – was ist neu?

Kurz vor Weihnachten überrascht Magix mit einer neuen Version der DAW Samplitude. Recording-Software hört nun auf den Namen Samplitude X2 und ist ab sofort erhältlich. Was hat sich also getan?

Magix hat es mit Samplitude nicht leicht. War die Version Samplitude 11 noch eine echte Offenbarung – nicht zuletzt wegen solcher Highlights wie dem Amp-Simulator Vandal, dem Mastering-Dynamikwerkzeug am|munition und der Analogue Modelling Suite (deren Plugin am|phibia ich noch heute für fette E-Bass Sounds liebe und schätze).

Die folgenden Versionen 12 und Pro X machten dann eher durch lästige Bugs von sich reden. Der Zukauf von YellowTools Flagschiff-Sampler Independence lockte auch nur wenige hinterm Ofen hervor. Auch das Dauer-Argument der objektorientierten Bearbeitung griff nicht mehr so richtig, denn aktuelle DAWs konnten mit weitaus mehr Features glänzen.

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Zusätzlich machte man es sich durch eine seltsame Upgrade-Politik und sehr hohe Preise schwer. Daher fieberten viele alte Samplitude-Fans auf eine neue überarbeitete Version. Zwischenzeitlich wurde die Entwicklung von Samplitude für den Mac auf Eis gelegt – vermutlich auch eine Reaktion auf den Discount-Preis von Apples Logic X und preisgünstiger Alternativen wie Presonus‘ Studio One, Reaper und auch Steinbergs Cubase.

Was ist neu in Samplitude X2?

Nach dem Start der neuen Version ist man erst einmal überrascht … denn alles sieht aus wie in den Vorversionen. Das muss nicht unbedingt schlecht sein, allerdings täte der Benutzeroberfläche schon lange ein Update gut. Natürlich kann man Samplitude mit Skins umgestalten, aber ein bisschen mehr hätte ich hier schon erwartet. Gleiches trifft auf die ganzen klassischen Samplitude Plugins wie dem EQ116 oder die Dynamikwerkzeuge zu. Sie sehen noch immer wie vor 10 Jahren aus.

Im alten Gewand
Im alten Gewand

Ein neues Feature ist das Plugin-Routing, was nun eine flexiblere Anordnung der Plugins sowie die mehrfache Nutzung des gleichen Plugins pro Kanal erlaubt. X2 kann nun auch mit VST3 Plugins umgehen, arbeitet mit 64 bit und unterstützt auch mehrere CPU-Kerne.

VCA-Fader Gruppen zuweisen
VCA-Fader Gruppen zuweisen

Ein sehr schönes und lang gewünschtes Feature sind die VCA-Fader. Damit lassen sich mehrere Fader gleichzeitig über nur einen einzigen VCA-Fader kontrollieren.

Die hauseigene Tonhöhenkorrektur kann nun über mehrere Spuren synchronisiert werden und damit mehrere Stimmen auf die neue Tonhöhe anpassen. Beim Timestretching sorgen nun die Algorithmen von Zplane für noch natürlichere Ergebnisse, was man auch tatsächlich sehr gut hören kann.

Tja – und an dieser Stelle müsste ich nun eigentlich schon mit den Neuigkeiten aufhören. Die mitgelieferten virtuellen Instrumente hatten früher schon immer mehr so ein „Music Maker“ Feeling und sind auch nicht wirklich gut, eignen sich aber für musikalische Skizzen. Die Sample-Workstation Independence wurde äußerlich offenbar leider nicht überarbeitet und ist damit noch immer schwer bedienbar, weil die Tasten und Beschriftungen winzig sind. In Zeiten von 30 Zoll Displays wiegt das noch schlimmer. Comparisonics Darstellung für die Spuren oder die Spektralbearbeitung direkt in der Spur sind nicht neu und wohl auch für die wenigsten Anwender dringend notwendig.

Großbaustellen wie die MIDI-Bearbeitung wurden offenbar nicht angegangen. In meinem Test lief Samplitude Pro X2 zufriedenstellend, wobei hier die Erfahrung zeigen muss, wie stabil es ist und welche Bugs beseitigt wurden.

Fazit

Magix gerät auch mit Samplitude X2 weiter ins Hintertreffen, denn auch der aktuelle Versionssprung weiß nur wenig zu überzeugen. Wer bereits die Pro X besitzt, dürfte nur schwer von einem Upgrade zu überzeugen sein, zumal sich erst zeigen muss, ob die alten Bugs verschwunden sind. Zudem bittet man wieder ordentlich zur Kasse: Nicht weniger als 498,61 Euro möchte man für die Vollversion Pro X2 und satte 998,41 Euro für die Pro X2 Suite mit dem YellowTools Sampler, Cleaning & Restoration Suite, Analogue Modelling Suite Plus, Vandal etc.

Vergleicht man das z. B. mit dem neuen Cubase 8, geht die Rechnung einfach nicht mehr auf. Auch der Upgrade-Preis von der Vorversion von 213,01 € für die kleine Version und 415,31 Euro für die Suite für ein solches Mini-Update sind schlicht unverschämt. Alle neuen Features hätte man getrost noch einmal in einem kostenlosen Upgrade der letzten Version unterbringen können.

Letztendlich habe ich den Eindruck, dass Samplitude nur noch ein Nebenkriegsschauplatz bei Magix ist und man einfach mal eine neue Version auf den Markt werfen musste, da die Mitbewerber mit neuen Versionen davon ziehen.

Schade! Trotz unserer früheren Liebe kommen wir wohl nicht mehr zusammen …

Die Vorversion Samplitude Pro X wird derzeit für vergleichsweise wenig Geld verramscht.

Mehr Infos: http://www.samplitude.com/de/

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