Magix gibt Samplitude für Mac auf – ein Statement von mir

Ach ja, Samplitude. Die Digital Audio Workstation war meine erste Software für’s digitale Recording. Über die Jahre habe ich viele Versionen genutzt, aber seit der letzten Version verbindet mich eher eine Hassliebe. Nun sollte Samplitude für OS X erscheinen aber Magix zog bei diesem Projekt diese Woche überraschend die Reißleine.

Samplitude ist eines der dienstältesten Programme für das Recording am PC. Entwickelt von SEK’D, wurde es um 2000 herum von Magix gekauft. Meine Ersterfahrung geht auf die Version 5.3 zurück, von der ich sogar noch das Original-Softwarepaket habe:

Samplitude 5.3
Samplitude 5.3

Da ich hauptsächlich mit Audio arbeite und Midi-Funktionen nur für Drum-Programming und ein paar virtuelle Tonerzeuger nutze, war Samplitude für mich immer die richtige Lösung. Cubase war mir immer irgendwie zu Umständlich was VSTi anging und auch zu behäbig im Startverhalten. Auch mit Logic hatte ich mal ein Techtelmechtel. Nach dem Kauf von Apple und der Mac-only Strategie war aber auch das keine Option mehr. Außer ProTools, das damals noch an die entsprechende Hardware gebunden war, gab es recht wenige Alternativen. MOTU’s Digital Performer war ja auch Mac-only.

Besonders angetan hatten es mir immer die internen Effekte von Samplitude: Der Vandal als Gitarren- und Bass-Simulation, Am-Track, Am-Munition und Am-Phibia als Dynamikeffekte machten andere Plugins meist überflüssig. Leider schlichen sich im Laufe der Zeit immer mehr Fehler ein, die das Arbeiten mit Samplitude unnötig erschwerten. Viele Funktionen waren einfach nicht mehr zeitgemäß repräsentiert und die Menüs wurden immer überfrachteter.

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Mit der Version Samplitude Pro X verschärfte sich die Situation deutlich. Anwender klagen über viele, teils kritische Bugs.

Samplitude für OS X

Als vor 3-4 Jahren das Interesse an Macs auch in Deutschland stieg und Apples Logic tot schien, stieg auch Magix in die Entwicklung einer Samplitude Version für OS X ein. Das erforderte nach eigenen Auskünften eine komplette Neuentwicklung der Software. Vorboten waren zudem die Mac Versionen von Vandal und der Analogue Modelling Suite.

Die bisherigen Samplitude Anwender fragten sich hin dessen, ob die Ressourcen nicht besser für die Verbesserung der bestehenden Windows-Version eingesetzt werden sollten. Magix beteuerte allerdings, dass für die Entwicklung der Mac Version ein eigenes Team zuständig wäre.

Magix wurde nun wohl von einigen Entwicklungen überrascht, die eine Mac Version nicht mehr sinnvoll erscheinen ließen:

Rückläufige Mac Verkäufe

Die Verkäufe von Mac Desktop Rechnern und Notebook sind mittlerweile rückläufig. Nach dem Tod von Steve Jobs und Apples Konzentration auf iOS, verlor Apple immer mehr an Glanz. Professionelle Anwender vergrätzte man mit der unsicheren Zukunft des Mac Pro. Zwar gibt es nun den „Mülleimer“ als potenten Mac für professionelle Anwendungen. Im fehlt aber ein dedizierter Firewire-Port, welcher im Studiobereich noch immer wichtig ist und ein Einstiegspreis von 3000 Euro (ohne externe Laufwerke etc.), lässt viele in Richtung Windows schielen, zudem man für die Musikproduktion auf die leistungsstarke Grafik des neuen Mac Pro verzichten kann.

Logic X zum Kampfpreis

Ganz überraschend gab es dann auch noch ein großes Logic Update. Ausgestattet mit Gigabyte an Sounds, Loops, Impulse Responses, Effekten und Klangerzeugern gibt es Logic X für lächerliche 179,99 Euro im Apple Store. Zudem wurde ProTools nativ und somit für jeden attraktiv. Verfügbar für Windows und Mac ist es meiner Ansicht nach der größte Konkurrent für Samplitude und preislich auf ähnlichem Niveau.

Dann wären da ja auch noch Steinberg’s Cubase für den Mac, MOTU’s Digital Performer, Ableton Live und natürlich Cockos‘ Reaper.

Magix zieht die Reißleine

Mit einer Mitteilung im Samplitude Forum zieht Magix nun sehr überraschend die Reißleine:

Liebe Samplitude User,

 

Aufgrund unserer künftigen Produktausrichtung und einem geänderten Marktumfeld werden wir bis auf Weiteres die Entwicklung einer Samplitude Version für die Mac Plattform nicht weiter fortführen.

Es ist für uns in diesem Zusammenhang natürlich nachvollziehbar, dass Kunden die eine baldige Mac-Version erwartet haben, diese Entscheidung bedauern werden und bitten Sie deshalb ausdrücklich um Ihr Verständnis für diese Änderung unserer strategischen Ausrichtung.

Wir werden Sie auch weiterhin bestmöglich mit neuen Funktionen und Produkten in Ihrem täglichen Arbeitsumfeld unterstützen und konzentrieren uns verstärkt auf unsere Kernkompetenz, die Entwicklung von Audio-Produktionssoftware auf der PC-Plattform. Dies bedeutet, dass wir uns in der nächsten Zeit hauptsächlich Samplitude Pro X2, Sequoia und weiteren interessanten neuen Themen widmen werden.

Wir hoffen, Sie auch in Zukunft weiter mit qualitativ hochwertigen Produkten begeistern zu können und verbleiben mit besten Grüßen

Ihr MAGIX Pro Audio Produktmanagement

 

Überraschend deshalb, weil Samplitude for Mac noch in diesem Jahr erscheinen sollte. Gleichzeitig kündigt man eine neue Version der Windows Version an, die sich Samplitude Pro X2 nennen soll.

Ich halte diese Entscheidung für sehr sinnvoll, da Samplitude meiner Ansicht nach mehr neue Nutzer mit einer stabilen, überarbeiteten und gut ausgestatteten Windows-Version zu einem attraktiven Preis anlocken kann, als mit einer halbherzigen Mac-Variante.

Apropos Preis: Auch hier sollte man bei Magix einmal ganz genau nachdenken. Knapp 500 Euro sind im aktuellen Marktumfeld (wie es in der Mitteilung so schön heißt) für Samplitude Pro X und fast 700 Euro für die Suite einfach zu viel für einen Underdog. Man kann sich auch nicht mehr auf Funktionen wie der objektorientierte Bearbeitung oder der tollen Soundengine ausruhen, denn da haben andere nicht nur aufgeholt, sondern überholt.

Sicherlich hat man mit Sequoia im Broadcast-Bereich noch einen Stamm treuer Anwender, die sich nicht so schnell nach irgendwelchen Trends richten oder einfach wechseln könnten. Ich bezweifle aber, dass für einen Konzern wie Magix die Erlöse aus diesem Bereich tatsächlich relevant sind.

Ich bin mit Reaper untreu

Diverse Bugs, das recht unflexible Kanalrouting und das Fehlen mehrer Einzelausgänge waren ein Punkt, die mich vor etwa 2 Jahren mehr und mehr zu Cocko’s Reaper getrieben haben.

Zwar hatte ich das anfänglich selbst nicht so ganz ernst genommen Es zeigte sich aber schnell, dass die Arbeit mit Reaper sehr angenehm, schnell, stabil und extrem flexibel ist. Keine andere DAW lässt sich so auf die eigenen Anforderungen anpassen und automatisieren wie diese Shareware.

Man darf zwar nicht vergessen, dass man hier evtl. noch das ein oder andere Plugin hinzukaufen muss und sich der Preis dadurch auch etwas relativiert, in Sachen Bearbeitung, Routing, Workflow kann Reaper jedoch allen anderen DAWs locker das Wasser reichen.

Wie geht es weiter?

Ich würde mir eine stark überarbeitete Samplitude Version wünschen, bei der man sich Gedanken über die Menüstrukturen gemacht und Fehler beseitigt hat, die sich schon seit mehreren Versionen durchziehen. Keine neuen Features. Keine Spektralansicht in den Spuren. Keinen halbgaren Independence Sampler oder Alibi-Klangerzeuger. Dafür solide Grundfunktionen, einfaches Track Comping, flexibleres Routing, einfache Parameterautomation, Einzelausgänge, einfaches aber stabiles MIDI-Editing zu einem günstigeren Verkaufspreis.

Tut euch mit Entwicklern wie u-he zusammen, so wie es Cakewalk mit Softube oder Steinberg mit Voxengo gemacht haben. Die Chancen für Samp sind noch immer vorhanden, aber ihr müsst verdammt viel Gas geben!

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