Die Mutter aller Mellotrons in einem umfangreichen Plugin

GForce Software M-Tron Mk II Plugin veröffentlicht

Das M-Tron von GForce ist schon lange eine der besten Plugins, wenn es um die Reinkarnation der Mellotron Sounds geht. Mit dem M-Tron Mk II geht der Hersteller noch einen Schritt weiter.

Am Mellotron-Sound scheiden sich die Geister. Da ist die eine Seite, welche sich fragt, warum man im 21. Jahrhundert noch diese verrauschten, leiernden und 8 Sekunden kurzen “Samples” überhaupt nutzen sollte, gibt es doch weitaus bessere Lösungen. Auf der anderen Seite sind Leute wie ich, auf die der typische Mellotron-Sound noch immer eine große Faszination ausübt.

Natürlich bin ich durch meine musikalischen Präferenzen vorbelastet. Im Progrock hatte und hat das Mellotron immer seine Berechtigung und nicht nur Bands wie Genesis, King Crimson, Yes und viele andere nutzten es auf vielen Alben – es wird auch heute noch häufig eingesetzt. Ryo Okumoto von Spock’s Beard setzt es noch heute ebenso gerne ein, wie Opeth oder Muse.

GForce bot für mich auch in den 2000ern das erste Mal die Gelegenheit, den Mellotron-Sound selbst zu erforschen. Unser damaliger Keyboarder hatte nicht nur das M-Tron Pro, sondern auch das GForce Minimonsta auf seinem Laptop.

Mit dem M-Tron Mk II setzt GForce nun am “Heiligen Gral” und der “Mutter aller Mellotrons” an. Das Mellotron Mk I/Mk II kam 1963 auf den Markt und war die Grundlage für das bekannte M400. Mit zwei Manualen, mit jeweils 35 Tasten, konnte man sowohl Rhythmen als auch Lead-Sounds gleichzeitig spielen. Damals war es eine Art Unterhaltungselektronik, die z. B. bei der englischen Prinzessin Margret im Wohnzimmer oder Wohnpalast oder so zu finden war. Mit knapp 160 kg und einem Anschaffungspreis von etwa 1000 britischen Pfund – heute etwa 20.000 Euro – war es auch nur wenigen Menschen möglich, sich so etwas zu gönnen und es wurden auch nur 2.500 Stück produziert.

Mit dem GForce M-Tron Mk II wird das exklusive Vergnügen nicht nur für alle erreichbar, es hat auch mehr Sounds auf Lager. Während das Original mit zwei Tape-Bänken mit 16 Rhythmen und 16 Leadsounds auskommen musste, liefert GForce beim M-Tron Mk II gleich 132 Tapes mit, wovon einige bislang noch nie veröffentlicht wurden.

So wurden die Original-Tapes neu aufgenommen und können mit dem Host-Tempo synchronisiert werden. Auf einem 88-Tasten Keyboard kann man einen Key-Split anlegen, sodass man das Setup des Originals mit je 35 Tasten für Drums und Lead nachahmen kann. Zwei Rhythmus-Parts lassen sich übereinanderlegen, was zu interessanten neuen Sounds führt.

Unter der Haube stehen für jede Taste 4 Regler zur Verfügung, mit denen man jeden Ton individuell einstellen kann. So kann der Sound im Stereobild verteilt, verstimmt und der Start des Bandes pro Taste feinjustiert werden. Außerdem kann der Click-Sound der Tasten in der Lautstärke angepasst werden. Mit den Attack- und Release-Reglern, kann der Sound schon ordentlich verändert werden und das eingebaute Stereo-Delay (natürlich mit Host-Sync) und Reverb, dicken den Sound schön an. Eine Chord-Funktion hilft dabei, die richtigen Akkorde für die Begleitung zu finden.

Einstellungsmöglichkeiten pro Taste

Das M-Tron Mk II klingt tatsächlich fantastisch und sehr authentisch. Die Rhythmussounds waren mir bislang weitestgehend unbekannt. Allerdings kamen sofort Assoziationen mit alten TV-Shows auf.

Auch heute ist ein Mellotron Mk II ein nicht ganz billiges Vergnügen. GForce ruft derzeit 279,00 Euro als Einführungspreis dafür auf. Später soll es 349,00 Euro kosten. Dafür spart man sich die Wartungskosten und bekommt DEN Mellotron-Sound mit vielen neuen Möglichkeiten und praktisch allen damals verfügbaren Tape-Banks, die 5 GB auf der Festplatte beanspruchen. Das Plugin ist für Windows und Mac als VST, AU und AAX erhältlich. Apple Silicon wird nativ unterstützt.

Eine Testversion, mit abgespeckter Library und kurzer Stille nach 20 Sekunden, kann man auf der GForce Website herunterladen.

Mehr Infos: GForce Website

Noch ein Wort zum Mellotron-Sound

Durch die begrenzte Anzahl an Mellotron Tape-Banks, sind viele der Leadsounds bekannt. Das berühmteste Beispiel sind wohl die Flöten bei Strawberry Hills Forever von den Beatles. Dadurch kann sich der typische Mellotron-Sound auch etwas abnutzen. Man kann die Sounds aber natürlich als Grundlage für eigenes Sounddesign heranziehen und entsprechend verfremden. Das M-Tron Mk II stellt hierzu schon einiges an Funktionen bereit und mit zusätzlichen Effekten kann man ganz neue Soundwelten, auf Basis des “Tape Samplers” erstellen.


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