Das Superlux R102 Bändchenmikrofon im Test

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Das R102 räumt mit zwei Nachteilen von Bändchenmikrofonen in einem Aufwasch auf, denn das Superlux R102 ist ein aktives Bändchenmikrofon. Aktiv heißt, dass es einen eingebauten Vorverstärker und Impedanzwandler hat und dadurch sogar eine Phantomspeisung braucht.

Belohnt wird das durch einen sehr gut handhabbaren Ausgangspegel und der Sicherheit, dass man das Mikro nicht versehentlich abschießen kann.

Im handlichen Kunststoffkoffer wird das Mikrofon selbst, eine spezielle Mikrofonhalterung in Gabelform sowie ein hochwertiges Anschlusskabel mit abgewinkeltem XLR-Stecker geliefert. Ein Shockmount ist nicht erforderlich, da das Bändchenelement selbst schwingend gelagert eingebaut ist. Eine weitere Besonderheit bei diesem Modell ist, dass das Bändchenelement einzeln ausgewechselt werden kann, sollte es doch einmal Schaden durch einen schnaubenden Büffel oder durch die Pressatmung eines Sängers erleiden.

 

Innere Werte

Schwer und robust kommt es daher, das R102. Im massiven Druckgussgehäuse, bringt es ohne Halterung ein halbes Kilo auf die Waage und mit dieser sind es 725 Gramm Gesamtgewicht. Das Mikro wird in der Halterung mittels einer Rändelmutter befestigt und durch den abgewinkelten XLR-Stecker hat man viele Justagemöglichkeiten parat.

Beim ersten Check besticht das Superlux R102 mit einem Bändchen-untypisch hohen Ausgangspegel, der mit erfreulich niedrigem Eigenrauschen gepaart ist.

Allen Bändchen ist ein sehr dezentes Hochtonverhalten gemein, was mancher als „belegt“ wertet, aber auch den Charme eines solchen Mikrofons ausmacht. Beim R102 wird das durch eine gut gemeinte, aber etwas überdimensionierte Schaumstoffdämpfung im Mikrofonkorb bekräftigt, die das empfindliche Bändchen schützen soll. Hier kann man durch die Entfernung dieses Schaumstoffs ein deutlich luftigeres Hochtonverhalten erzielen. Das neue R102Mk II, das auf der Musikmesse 2009 vorgestellt wurde, verfügt indes schon über dieses „Tuning“, zumindest konnte man beim ausgestellten Vorserienmodell direkt durch den Einsprechkorb auf das Bändchen sehen.

Dieser Schaumstoffschutz lässt sich sehr leicht entfernen, da man dazu nur die beiden Schrauben an der Gehäuseunterseite entfernen muss. Der Schaumstoff selbst ist nur in den Einsprechkorb eingelegt und kann ohne weitere Bastelarbeiten entfernt werden.

Obwohl das Bändchen plötzliche Luftdruckänderungen nicht mag, vertragen diese Mikrofone sehr hohe Schallpegel und eignen sich damit hervorragend zur Abnahme von lauten Gitarren- und Basslautsprechern.

In der Praxis

Ich habe das Superlux R102 mit meinen Sänger Rainer Ludwig kurz im Studio angecheckt. Der erste Eindruck im Vergleich zu einem Großmembrankondensator ist erst einmal rel . ernüchternd, denn das Bändchen klingt weder wie ein Kondensatormikro, noch wie ein dynamisches Mikrofon. Sofort erkennt man aber die gute Impulswiedergabe und eine gewisse „Wärme“, die durch das reduzierte Höhenspektrum zu erklären ist – das R102 fällt bereits bei unter 10kHz vergleichsweise stark ab. Interessant ist, dass die Bedämpfung der hohen Frequenzen bei der rückseitigen Nutzung deutlich geringer ausfällt. Das neue R102 Mk II ist wie gesagt deutlich optimiert, was die Höhenwiedergabe angeht.

Bändchenmikrofone eignen sich immer dann besonders gut, wenn man einen etwas intimeren Sound wünscht. Auch ist der Nahbesprechungseffekt bei diesen Exemplaren sehr deutlich ausgeprägt.

Mich hat trotzdem die Eignung des R102 für Vocals interessiert, die mir Rainer wieder bereitwillig und leidensfähig beisteuerte.

Der große Vorteil des R102 ist der natürliche Tiefpass, welcher den Gesang sehr nahe und natürlich klingen lässt. Auch einen Deesser wird man mit einem solchen Mikrofon nicht brauchen, denn es ist sehr unempfindlich für diese Störlaute. Die ausgeprägten Tiefmitten erzeugen den begehrten und nahen „Nachrichtensound“ bei Sprechern – die Kommentare im Video wurden übrigens mit dem R102 aufgenommen.

In den MP3 Beispielen hört man einmal das R102, wie es direkt und ohne irgendwelche Bearbeitung klingt. Danach habe ich einmal die Höhen ab etwa 7kHz mit einer Shelvingcharakteristik um knappe 3db angehoben und leicht komprimiert sowie den Bassbereich ab etwa 80Hz abgesenkt, denn das R102 hat keinen Trittschallfilter. Als EQ kam der Pultec-artige Nomad Factory PEQ2P zum Einsatz und komprimiert wurde mit dem am|track Kompressor aus dem Hause Magix im „Vintage-Modus“.

Superlux Bändchenmikrofon Gesang und Sprache trocken

Superlux Bändchenmikrofon Gesang und Sprache mit EQ und Kompressor

Überhaupt lässt sich der Sound des R102 auch mit stärkerem EQ-Einsatz anreichern, ohne dass es unangenehm klingt. Das ist bei vielen Großmembrankondensatormikros der unteren Preisklasse meist nicht so einfach, da diese gerne eine Überhöhung im Bereich von 10-12kHz aufweisen, damit sie brillanter klingen.

Für den zweiten Test habe ich eine Akustikgitarre mit dem Superlux aufgenommen und zwar mit bereits herausgenommener Schaumstoffeinlage, was der Gitarre zu mehr „Luft“ verhilft. Auch hier wieder ein Beispiel ohne irgendwelchen EQ- und Kompressoreinsatz und eines wieder mit leichtem Höhenshelving und dezenter Komprimierung mit dem am|track Kompressor.

Superlux Bändchenmikrofon Akustikgitarre trocken



Superlux Bändchenmikrofon Akustikgitarre mit EQ und Kompressor

Fazit

Der deutsche Distributor für Superlux ist die Firma Thomann. Diese bietet das R102 für 159,90€ an. Ein mehr als preiswertes Angebot im besten Sinne. Das Superlux R102 ist meiner Ansicht nach das beste Bändchenmikrofon in der unteren Preisklasse und durch den eingebauten Vorverstärker erübrigen sich hochverstärkende Mikrofonpreamps. Ein Bändchen ist eine Bereicherung in jeder Mikrofonsammlung und im Falle das Superlux R102 reißt diese noch nicht einmal nennenswerte Löcher in das Budget.

Links:

Superlux R102 beim Musikhaus Thomann

Letzte Aktualisierung am 13.04.2024 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

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8 Kommentare

  1. Hallo,
    ein sehr schönes Review!
    Wie groß sind die Unterschiede des MkII wirklich? Ist das verwendete Bändchenelement identisch? Der Preisunterschied beim großen T beträgt immerhin 50€, da fragt man sich ja schon, ob man nicht mit Lötkolben und Einsatz von eher 50 Cent aus dem MkI ein MkII machen kann. Ich sehe jetzt zwar im Foto nicht exakt, wie die Schaltung funzt, aber eine gewisse Klangfilterung findet dort statt, evtl braucht man da nur die Frequenz eines Tiefpassfilters etwas verschieben…

    Konntest du das Superlux mal mit einem teuren Bändchen, etwa von Royer, vergleichen?

  2. Super Test!Ich suche schon lange ein günstiges Ribbon-Mike. Der Tuningtrick ist auch nicht schlecht.das werde ich gleich mal probieren. Hast du das Mic schon mal an einem aufgerissenen Amp probiert?

    CU
    Steffen

  3. Der „Bändchensound“ macht klar, dass man Signale nicht als einzelne Ereignisse bewerten sollte, sonder nur im Mix-Kontext. Die wichtigsten Einstellungen beim EQ sind für mich Low- und Highcut. Nur dann lassen sich die unterschiedlichen Schallquellen optimal im Mix positionieren.
    Durch den natürlichen Tiefpass, also die Absenkung im Höhenbereich, hilft das Bändchen gerade verstärkte Gitarren optimal einzubinden.

    Synthesizer-Flächen und Leads schicke ich z.B. immer zuerst duch einen 200Hz Lowcut und beschneide sie auch gerne bei 5-6 kHz rel. steil. Damit werden sie druchsetzungsfähiger und matschen nicht den ganzen Mix zu.

  4. ich habe mir eines gebraucht ersteigert. am anfang war ich etwas enttäuscht, was die höhenwiedergabe angeht. Mit wenigen db Anhebung im Höhenbreich sieht die welt aber schon ganz anderst aus.
    Das ding ist es klasse.man muss sich halt an die bändchentypischen eigenschaften erst einaml gewöhnen.
    Danke für deine mühe!
    Jürgen

  5. Super Tip! Über das R 102 konnte ich bisher nicht viele Tests finden. Werde ich mir mal kommen lassen-wozu gibts denn Moneyback beim Thomann 🙂

  6. Habs gerade bei Homerecording.de gelesen. Danke für die Mühe! Ist das Superlux besser als das T.Bone mit dem festne Anschluskabel?
    Rockon!

    • Wenn Du das T.Bone RB500 meinst, bin ich schon der Meinung, dass es besser ist, denn allein die Vorteile durch den eingebauten Preamp sind kaum zu toppen und gerade bei günstigen Mikropreamps ein großes Plus!

  7. Hallo Markus!
    Ich habe mir das Superlux 102 vor einigen Monaten gekauft und nehme es seitdem nur noch für die Abnahme meines Gitarrenamps. Für den Preis ist es ein echter Hammer!
    Oli

Kommentare sind geschlossen.