5 Gründe, warum Du Fotos nie in der Kamera löschen solltest

Ach ja, wie gern denke ich an die Zeit zurück, in der noch nicht jedes Monat eine neue Digitalkamera auf den Markt kam und man sich als Meister des Universums wähnte, weil man im Besitz einer 1GB Microdrive CF-Karte war, welche für schlappe 390€ Platz für 300 Bilder … Weiterlesen …

Ach ja, wie gern denke ich an die Zeit zurück, in der noch nicht jedes Monat eine neue Digitalkamera auf den Markt kam und man sich als Meister des Universums wähnte, weil man im Besitz einer 1GB Microdrive CF-Karte war, welche für schlappe 390€ Platz für 300 Bilder im JPEG-Fine oder 180 Aufnahmen im RAW-Format bot.

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Beflügelt durch die kreativen Möglichkeiten der digitalen Fototechnik, wollte man natürlich jedes noch so triviale Motiv auf den teuren Bildspeicher bannen, was auch viel Ausschuss produzierte. Damit war natürlich auch eine riesige 1GB Speicherkarte bald voll und man gewöhnte sich an, vermeintlichen Ausschuss gleich in der Kamera zu löschen, damit man wieder Platz für weitere Fehlversuche hatte.

Nun leben wir im Zeitalter großer und billiger Speichermedien und trotzdem sehe und lese ich oft, dass Fotografen ihre Bilder in der Kamera löschen. Der Sinn dahinter ist mir schleierhaft, denn eigentlich hat das nur Nachteile und welche das sind, möchte ich Dir in fünf Punkten erzählen:

1. Das Kameradisplay LÜGT!

Ja, richtig gelesen: Das Display lügt! Selbst die hochauflösenden 3-Zoll Displays der aktuellen Kamerageneration lässt keine objektive Beurteilung der Schärfe und Belichtung zu, schon gleich nicht, wenn man sich draußen im Sonnenlicht befindet. Das Umgebungslicht lässt viele interessante Bilder auf dem kleinen Display oft unbrauchbar aussehen, obwohl sie tatsächlich vielleicht einen ganz eigenen Charme hätten.

Das Kameradisplay lässt sich zudem nicht kalibrieren (außer vielleicht die Displayhelligkeit) und eine 100% Ansicht der Aufnahme, ist in den Zoomstufen der meisten Kameras nicht vorhanden, sodass sich auch die Schärfe nicht verlässlich bewerten lässt.

Selbst wichtige Hilfsmittel wie das Histogramm, werden auch von erfahrenen Fotografen oft falsch interpretiert.

Fazit zu Punkt 1: Bilder nicht in der Kamera löschen und erst einmal auf dem heimischen Monitor (der möglichst kalibriert sein sollte) sichten. Dann kann man wirkliche Fehltritte noch immer ins Nirvana schicken.

2. Traue nie Deinen Fingern

Wie oft habe ich es schon selbst erlebt, dass die Hände schneller sind, als der Verstand. Schnell mal durch die Bildvorschau in der Kamera gezappt, zweimal schnell die Löschtaste bei der Nikon gedrückt und weg war das Bild – nur leider war es das Falsche … Warum? In der Hitze des Gefechts bin ich versehentlich einen Schritt zu weit durchgesteppt und schon war das eigentlich gute Foto weg. Hat man einmal versehentlich ein Bild gelöscht, kann man zwar noch eine Datenrettung am Rechner probieren, dafür darf man aber die Speicherkarte nicht weiter nutzen.

Fazit zu Punkt 2: Es geht immer dümmer zu, als man es sich vorstellen kann und Bilder sind schnell gelöscht, ohne dass man es wollte. Darum sollte man die Fotos immer erst am PC aussortieren. Mit Programmen wie Lightroom lassen sich Bilder nach Qualität bewerten oder Ausschuss (P für Fotos, die man behalten möchte und X für abgelehnte Fotos) markieren, ohne dass man gleich löschen muss. Hat man sich hier vertan, ändert man einfach die Markierung und kann dann alle abgelehnten Bilder sicher und in einem Rutsch löschen.

3. Deine Kamera macht schneller schlapp

Der „Polaroid-Effekt“ bei Digitalkameras, also dass man sofort sieht, was man fotografiert hat, ist Segen und Fluch zugleich. Dieses ständige fotografieren, Kamera vom Auge reißen, aufs Display glotzen und weitermachen ist nicht nur für Models extrem nervig, es saugt auch Deinen Akku leer. Umso mehr trifft das zu, wenn man ständig die Bildvorschau aufruft, nach schlechten Fotos sucht und diese dann in der Kamera löscht. Der größte Stromverbraucher in einer DSLR (abgesehen vom eingebauten Blitz), ist nunmal das Kameradisplay.

Fazit zu Punkt 3: Nutze das Display so wenig und so kurz wie möglich und Du hast länger Power für schöne Fotos und mehr Versuche zur Verfügung.

4. Es macht langsam

Wenn Du ständig damit beschäftigt bist, nach Gurken in Deinen Aufnahmen zu suchen, verlierst Du Zeit für das Wesentliche, nämlich das Fotografieren! Während Du dich wieder mal durch die Vorschaubilder quälst um ein paar lächerliche Megabyte Speicherplatz auf einer 8GB Karte freizuschaufeln, kannst Du Dich nicht auf Deine Umgebung konzentrieren und verpasst vielleicht das Foto Deines Lebens! Für mich ist das Fotografieren eine ähnliche Angelegenheit, wie Musik zu machen, denn es erfordert die ganze Konzentration.

Das Aller Aller Allerwichtigste ist, sich mit dem eigentlichen Schaffensprozess auseinander zu setzen und dabei stört jegliche Ablenkung. Wenn ich beim Musizieren mit meinen Bandkollegen einen Fehler spiele, kann ich den auch nicht löschen und konzentriere mich umso mehr darauf, diesen Teil im nächsten Refrain richtig zu spielen.Obwohl – ich spiele ja nie falsch 🙂

Ebenso ist es beim Fotografieren: Zu den besten Fotos kommt man, wenn man sich nicht mehr um die Technik drumrum kümmern muss und diese verinnerlicht hat. Wenn man seine Kamera im Griff hat und ohne großes Überlegen weiß, welche Einstellung für das aktuelle Motiv richtig ist, hat man den Kopf komplett für die Bildgestaltung frei.

Fazit zu Punkt 4: Lass Dich nicht durch unnötiges Durchzappen und Löschen Deiner vermeintlichen Fehlversuche vom Fotografieren abhalten.

5. Jedes Bild, ist ein interessantes Bild – nur vielleicht jetzt noch nicht …

Eine Sache wird im Zeitalter digitaler Bilderfluten häufig übersehen: Ein Foto, das jetzt als Fehlversuch oder misslungen erscheint, ist in einigen Jahren und Jahrzehnten vielleicht interessanter und wertvoller als man sich das im Moment vorstellen kann.

Ich möchte Dir da einmal was aus meiner Erfahrung erzählen: Wenn wir uns heute Fotos aus den Fotoalben ansehen, in denen ich als Steppke abgebildet bin, war ich wohl auch für meinen Opa Fritz (der ein begeisterter Fotograf und ganz sicher der Auslöser für meine Liebe zur Fotografie war) das Hauptmotiv. Was ich aber sehr häufig auch bei mir feststelle ist die Tatsache, dass gar nicht mehr ich als 3-Jähriger auf dem Trettraktor so interessant bin, sondern das was mein Opa damals nicht bewusst fotografiert hatte: Die Umgebung oder Details am Rande.

Da stehen Häuser, die es heute so nicht mehr gibt. Oder man sieht im Hintergrund die Nachbarin, die vor über dreißig Jahren gestorben ist und an deren Schrulligkeiten man sich erst jetzt wieder erinnert und wehmütig schmunzelt. Man sieht aber auch, dass der dreijährige Markus eigentlich etwas unscharf und überbelichtet abgebildet ist. Heute wäre das Bild vermutlich in der Kamera schnell gelöscht worden, die Nachbarin wäre zwischenzeitlich schon längst aus dem Aufnahmebereich verschwunden und wir würden ein weiteres, scheinbar perfektes Foto machen …

Ich kann mich auch nicht erinnern, dass man damals ein Foto weggeworfen hätte, außer es war total schwarz. Es wurde der komplette Film entwickelt, je ein Abzug gemacht und ins Album eingeklebt. Dort kamen aber auch Fotos hinein, die nicht wirklich gut waren und selbst die größten Fehltritte wurden noch in der Fototasche aufgehoben.

Fazit zu Punkt 5: Speicherplatz ist billiger, als es die analoge Fotografie jemals war. Ich neige dazu, auch Bilder zu behalten, welche schon längst auf meiner Festplatte gelandet sind und vielleicht nicht zu den großen fotografischen Meisterwerken zählen, denn irgendwann kann es sein, dass gerade dieses Bilder zu den wertvollsten unter allen Fotos gehören.

Ich hoffe, dass ich Dir mit diesen fünf Punkten zeigen konnte, wie sinnlos das Löschen von Fotos in der Kamera ist. Fotografiere einfach zügig durch und wechsle wenn nötig einfach die Speicherkarte, denn diese sind mehr als preiswert geworden. Wenn Du Deine Fotos dann auf den Rechner kopierst, lehne Dich zurück und lass die Bilder auf Deinem gr0ßen Monitor auf Dich wirken. Ich bin mir sicher, dass vielleicht die ein oder andere Aufnahme dabei ist, die sonst vielleicht schon mit der Löschtaste über den digitalen Jordan geschickt worden wäre. Aussortieren kannst Du so noch immer und außerdem sehr viel komfortabler, als im Mäusekino Deines Kameramenüs.

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