Shou Sugi Ban Gitarrenwand mit Absorber und French Cleat

Das ist doch mal ein Titel! Für meine vielen Bässe und Gitarren wollte ich im neuen Studio eine schicke und praktische Gitarrenwand, die gleichzeitig ein Absorber ist. Das ist der Projektbericht.

Geschätzte Lesedauer: 7 Minuten

Ich richte mir gerade ein kleines Homestudio ein und dazu muss natürlich auch die Raumakustik stimmen. Da ich auch meine vielen Bässe und Gitarren unterbringen muss, war meine Idee, einen Absorber und eine Gitarrenwand zu kombinieren. Dazu habe ich 100 mm Rockwool Isolierplatten in einen abgedichteten Rahmen gepackt und zusätzlich mit einer dünnen Folie versehen. Damit das später schick aussieht, wird die Dämmung mit rotem Molton Stoff bezogen.

Da das auch noch schick aussehen soll, habe ich mich für die Shou Sugi Ban Optik entschieden. Dabei wird das Holz an der Oberfläche verbrannt und kann dann mit einer Bürste auf einen besonderen Look getrimmt werden. Ein netter Nebeneffekt ist, dass man dazu sehr günstiges Holz verwenden kann – es muss nicht einmal gehobelt sein, da die abstehenden Fasern durch das Abflammen ohnehin verschwinden.

Um die Gitarrenwand flexibel zu gestalten, habe ich mich für die  sogenannte „French Cleat“ Technik als Aufhängung entschieden, die gleich mehrere Vorteile hat. 

Der Rahmen und der Absorber

Der Rahmen besteht aus drei horizontalen Kanthölzern mit 78 x 98 mm, welche mit Metallwinkeln an der Wand montiert werden. Der Abstand richtete sich bei mir nach den Dämmplatten. Im unteren Bereich kommen die 100 x 65 cm Dämmplatten senkrecht zwischen die Balken und im oberen Bereich quer. Ich habe meine Konstruktion so ausgerichtet, dass ich praktisch nichts schneiden musste. 

Die Seiten werden mit den gleichen Brettern verschlossen, die später auch die Shou Sugi Ban Front bilden: einfache Fichtenbrett 100 x 18 x 2000.

Die Folie auf den Absorbern macht übrigens nichts aus. Diese wird erst ab Frequenzen über ca. 3 kHz wirksam. Tiefere Frequenzen lassen sich davon nicht aufhalten.

Abdichtung gegen Faserflug

Damit auch keine Fasern aus den Isolierplatten nach außen können, habe ich die Ritzen zwischen Holz und Wand mit Klebeband verschlossen.

Nachdem alle montiert war, habe ich die Front mit einem 300 g/m² Molton bezogen. Dazu schneidet man den Molton auf das erforderliche Maß und gibt noch einige Zentimeter zu. Es ist übrigens sehr viel einfacher, wenn man den Stoff vor dem festtackern zunächst mit Pinwandnadeln fixiert. Damit kann man problemlos korrigieren und bei meiner 2 x 2 Meter Wand war das so auch ohne weitere Hilfe zu bewerkstelligen.

Hat man die Ausrichtung gefunden, tackert man den Molton Stück für Stück an und zieht ihn immer wieder straff. Überstände werden mit einem Rollmesser abgeschnitten.

Shou Sugi Ban – karbonisiertes Holz für eine besondere Optik

Die Bretter für die Front habe ich mit einem Gasbrenner verbrannt. Dazu geht man mit starker Flamme langsam aber gleichmäßig mit einem Abstand von ca. 20 Zentimetern über die Bretter, bis die Oberfläche den gewünschten „Verbrennungsgrad“ erreicht hat. Für 15 Bretter muss man dafür etwa eine Stunde veranschlagen. Bei meinen Brettern löschten sich kleine Flammen automatisch. Will man eine stärker verbrannte Oberfläche, muss man das Holz mit einer Gießkanne und Wasser löschen und trocknen lassen. 

Die Schmalseiten bearbeitet man übrigens besser zusammen. Das geht sehr viel schneller und gleichmäßiger und spart außer dem Gas. Apropos Gas: Ich habe von meinem Grill 5 kg Flaschen und da geht gut und gerne eine halbe bis dreiviertel Füllung drauf.

Die Kanten zusammen abflammen spart Zeit und Gas

Wenn die Bretter abgekühlt bzw. getrocknet sind, kann man die Oberfläche mit einer Bürste bearbeiten und damit ganz unterschiedliche Strukturen und Effekte erzeugen. Je mehr man bürstet, desto heller wird das Holz wieder und desto mehr Kontrast hat die Struktur. Ich habe eine rel. weiche Messingbürste genommen und nur leicht bearbeitet. Anschließen habe ich das Holz mit Leinöl versiegelt, da eine tiefdunkle Optik erzeugt. 

Vorsicht beim Umgang mit Leinöl! Ölgetränkte Lappen und Tücher müssen Luftdicht verschlossen gelagert werden, da sie sich selbst entzünden können!

French Cleat – oder einfach: Keilleisten

French Cleat ist bei Heimwerkern gerade ein großes Thema, wenn es um Ordnung in der Werkstatt geht. Dabei kannten schon unsere Großeltern diese Technik, wenn es um Hängeschränke ging, man nannte sie nur einfach „Keilleisten“.

Dazu wird ein Hartholz im 45° Winkel zu Leisten geschnitten. Eine Leiste wird mit der spitzen Seite nach oben und außen an der Wand befestigt. Das Gegenstück kann dann oben eingehängt werden. Damit lassen sich nicht nur alle möglichen Aufbewahrungsmöglichkeiten für Werkzeuge schaffen, sondern auch sehr praktische Gitarrenhalterungen, die sich frei verschieben lassen.

Die Grundplatte für den Gitarrenwandhalter

Von unserem Gerätehaus hatte ich noch 19 mm Siebdruckplatten übrig, die ich mit der Tischkreissäge entsprechend zugesägt habe. Die Leisten sind an der Spitzen Seite 6 cm hoch. Siebdruckplatten sich extrem stabil und die beschichtete Seite passte gut zum gesamten Look. Es muss nur hartes Holz sein, das auch nicht so leicht reißt. Bei mir können an einer Leiste leicht 30 kg hängen. Ihr könnt auch Buchenleisten nehmen, die es in praktisch jedem Baumarkt gibt. Für einfache Werkzeugwände würde auch ein Fichtenbrett genügen.

Fertig gesägte Keilleisten

Es ist übrigens nicht so tragisch, wenn der 45° Schnitt nur 43 oder 46° hat. Die beiden Teile passen ja später ohnehin wieder zusammen. Wenn ihr allerdings mehrere Leisten montieren wollt, solltet ihr da schon genau arbeiten, damit auch unterschiedliche Schnitte wieder zusammenpassen und richtig halten.

Für die Gitarrenhalterungen habe ich einfache Gitarren-Wandhalterungen auf das Gegenstück der Keilleiste montiert. Dazu einen 5 cm breiten Streifen des French Cleat Gegenstücks abschneiden (geht mit meiner Metabo Kappsäge schnell und präzise) und auf eine ebenso breiten und 12 cm langen Holzstreifen montieren. Ich habe die beiden Teile zunächst mit Pattex verklebt und dann mit 4×30 mm Schrauben verschraubt. Auf den Streifen wird dann die Gitarrenhalterung geschraubt. Damit alles schön bündig ist, wird mit dem Wolfcraft Senkbohrer mit Tiefenstopp vorgebohrt. Gleiches gilt für die Keilleisten und Bretter an der Wand.

Extrem praktisch: Der Wolfcraft Senkbohrer

Das hält bombenfest und lässt sich den Breiten der verschiedenen Instrumente anpassen. So bekommt man mehr Instrumente an die Wand und bleibt flexibel, wenn man eine andere Gitarre hinzukommt. Ich habe zwei Leisten übereinander montiert, wodurch ich die Gitarren und Bässe in zwei Reihen versetzt hängen kann. Dabei hat sich ein Abstand von 60 cm von Oberkante zu Oberkante bei den French Cleat Leisten als ideal herausgestellt, wenn man Bässe, Akustikgitarren und E-Gitarren aufhängen will. Im Zweifelsfall muss man das vorher einmal testen.

Abstände testen

Man kann sich auch weitere Halterungen und Aufhängungen z. B. für Gitarrenkabel oder Effektpedale bauen. 

Benötigtes Werkzeug, Material und Kosten

Wenn ihr nur eine French Cleat Gitarrenhalterung bauen wollt, braucht ihr nur eine Bohrmaschine, passende Dübel und Schrauben (8 mm würde ich schon nehmen) für eure Wand und eine Säge. Die geraden Schnitte kann man mit einer Stichsäge machen. Für die 45° Gehrungsschnitte braucht es entweder eine brauchbare Tischkreissäge oder eine Handkreissäge mit Führungsschiene (noch besser: eine Tauchsäge mit Schiene), sofern ihr von einer Platte abschneiden könnt. Das Teilen einer schmalen Leiste geht nur mit der Tischkreissäge. Eventuell hat ja ein Bekannter eine Säge oder ihr fragt im Baumarkt nach, ob die euch die Leisten auch mit Gehrung zuschneiden können.

Als Holz für die French Cleat Leisten eignen sich Birken-Multiplexplatten mit 18 mm Stärke oder eben Siebdruckplatten. Beides ist sehr stabil und vergleichsweise preiswert. Echtholzleisten aus Buche oder gar Eiche sind dafür viel zu teuer und in den passenden Abmessungen schwer zu bekommen.

Am effektivsten schneidet man die Leisten, in dem man zunächst mit einem 90° Schnitt Streifen in doppelter Breite der späteren Keilleisten sägt und diese dann mit einem 45° Schnitt in der Mitte teilt. Damit erhält man zwei Keilleisten und muss zwischendurch die Säge nicht umstellen.

Die Leisten solltet ihr mindestens alle 20 cm fest mit dem Untergrund verschrauben. 

Die Kosten für 2 x 2 Meter Leiste samt Gegenstück aus Birken-Multiplex, belaufen sich auf etwa 25 Euro. Hinzu kommen noch ein paar Schrauben und Dübel nach Anforderung.

Für meine Gitarrenwand mit Absorber und Beleuchtung sieht die Rechnung so aus:

MaterialMenge Preis
Bauholz 70×98 mm6 m15,00 €
Glattkantbretter Fichte 100 x 18 x 20002040,00 €
Rockwool Sonorock 1001 Paket15,00 €
Molton rot, 300 cm breit, 300 g/m²2 lfd Meter30,00 €
Holzbauwinkel 90×90129,00 €
Div. Schrauben (Sonderpreis Baumarkt)10,00 €
Siebdruckplatte 21 mm0,4 m²20,00 €
Leinöl
Gesamt139,00 €

Hinzu kommen noch der Philips Hue Strip mit 2 Meter Länge, für 55 Euro und Gitarrenwandhalter nach Geschmack.

Fazit

Die – wie ich finde – schicke Gitarrenwand mit eingebautem Absorber ist damit sehr preiswert und im Bereich ab 300 Hz macht sie den Raum tatsächlich akustisch trockener und verkürzt Flatterechos und Nachhall dramatisch.

Raumakustik messen – vor dem Projekt

Nun habe ich noch einige akustische Baustellen im Bereich von 143 Hz und 65 Hz. Hier sind zwei starke Raummoden auffällig, die ich mit gelochten Absorbern und einem Helmholtzresonator angehen werde. Zudem kommen noch 4 – 5 Breitbandabsorber im Format 100 x 60 cm an die Wände.

Benötigtes Werkzeug (und was ich benutze)

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Klaus
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Klaus

Schöner Bericht!
Ich hatte sowas ähnliches mal für meine Geige geplant, allerdings würde sie dann recht viel Staub ansetzen oder man müsste sie hinter Glas packen. Das ist noch ein Work in Progress bei mir 😉

wolfgang weiland
Gast
wolfgang weiland

für so ein zuhausestudio hätte ich auch gerne platz…