Produktivitätskiller: Der neue Gutenberg Editor von WordPress

Ich betreibe nachbelichtet seit nunmehr über 14 Jahren. In dieser Zeit gab es viele neue Wordpress-Versionen und neue Funktionen. Mit Wordpress 5 kam der neue Block-Editor „Gutenberg“. Da ich Neuerungen gegenüber immer aufgeschlossen bin, habe ich ihn einige Monate ausprobiert. Meine Erfahrungen mit Gutenberg sind ernüchternd.

Ich habe in diesen 14 Jahren 2100 Beiträge mit über 750.000 Wörtern geschrieben. Dazu gesellen sich 5100 Bilder. Diverse Anpassungen haben dafür gesorgt, dass ich meine Beiträge immer möglichst effizient erstellen konnte. Das ist auch wichtig, da ich nachbelichtet ja nur nebenbei als Einzelkämpfer betreibe.

Natürlich war die Verlockung groß, als die WordPress-Macher angekündigt haben, einen Block-Editor als neuen Standard zur Erstellung der Posts einzuführen. Mehr Möglichkeiten zur Textgestaltung sind immer willkommen. Da der Gutenberg-Editor schon in WordPress 4.X als Plugin zur Verfügung stand, habe ich damals schon etwas damit experimentiert, jedoch war der neue Editor damals wegen diverser Bugs kaum zu gebrauchen und schon damals fühlte ich mich durch das Plugin ausgebremst. Das schob ich aber auf das frühe Stadium von Gutenberg und nutzte weiterhin den Classic-Editor.

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WordPress Gutenberg – der Produktivitätskiller

Die Version 5.0 von WordPress, habe ich aus Sicherheitsgründen übersprungen. Mit der Version 5.1 wurde Gutenberg zum Standardeditor. Nun bin ich in solchen Dingen neugierig und auch leidensfähig. Also verfasste ich einige – teilweise recht umfangreiche Beiträge – mit dem neuen Gutenberg Editor. Dass es sich dabei um ein völlig anderes Konzept handelt, als es bislang der Fall war, war mir natürlich bewusst, hatte ich doch vorher schon einige Experimente damit gewagt. Nun ging es aber ans produktive Schreiben und ich konnte am eigenen Leib erleben, wie viel Zeit und Nerven mich der neue Editor kostet.

Ich schreibe Texte und gestalte keine Lifestyle-Seiten. Jeder Absatz ein eigener Block. Die Seitenleiste mit den wichtigen Grundeinstellungen vollkommen unübersichtlich. Die Inhaltsblöcke für einen normalen Blogpost irgendwie ziemlich sinnfrei. Das ist Gutenberg.

Mein bisheriger Ablauf war bislang immer: Blogpost mit Kategorie, Tags, Titel etc. anlegen. Text mit Formatierungen herunterschreiben. Zwischenüberschriften setzen. Verlinken, Bilder einfügen und veröffentlichen. Das hatte sich 2100 mal bewährt. Für den Text inkl. Formatierungen benötigte ich noch nicht einmal eine Maus, gibt es doch nützliche Shortcuts, die man während des Schreibens verwenden kann. Oft schreibe ich einen Text auch in Google Docs und kopiere ihn in den Editor.

Gutenberg auch in WordPress 5.2 nicht besser

Mit der Version 5.2 wurde Gutenberg wieder ein Stück „verbessert“. Nun ist ein Text, der am Stück geschrieben wird, ein Textblock und nicht jeder Absatz ein eigener Block. Aber den muss ich nach der Fertigstellung des Textes in Blöcke umwandeln, um Bilder, Zwischenüberschriften etc. einfügen zu können. Das ist wahnsinnig nervig und braucht viel mehr Zeit, als ich mit dem Classic Editor ein Blogpost benötigt habe.

Ein möglicher Gutenberg Workflow für Blogger

Da ich nicht so schnell aufgebe, habe ich einen Workflow gefunden, mit dem die zusätzlichen Möglichkeiten nutzen kann, ohne dass zu sehr behindert wird. Dazu beginne ich in Gutenberg mit einem Classic Block und schreibe meinen Text. Danach wird dieser in Blocke umgewandelt und ich füge weitere Blöcke mit Bildern, Überschriften etc. ein.

Einen Text aus dem Classic Editor Block in getrennte Blöcke umwandeln

Auf der anderen Seite ist das eigentlich ziemlich sinnfrei und bedarf nur unnötiger zusätzlicher Schritte.

Mittlerweile habe ich Gutenberg wieder verbannt und schreibe wieder mit dem Classic-Editor. Außerhalb von WordPress schreibt man einen Text ja auch mit einer Textverarbeitung und nicht mit einem Layout-Programm wie InDesign.

Fazit

Gutenberg ist für den Einsatz als der Haupt-Editor für Blogger, die effizient Posts schreiben wollen, aus meiner Sicht noch immer eine Zumutung. Die Haltung der WordPress-Macher und Entwickler gegenüber der Nutzergemeinde kann man nur als überheblich und zickig beschreiben. Offenbar wollte man das Thema Layout Builder nicht den Drittanbietern überlassen und sich an Plattformen wie Medium anbiedern.

Für Seiten hat Gutenberg sicher eine Daseinsberechtigung, auch wenn es jede Menge guter Block-Editoren wie Elementor oder Divi gibt. Um eine Landingpage oder einen Shop zu gestalten, sind solche Layout-Editoren eine sehr große Erleichterung.

Ein Blogbeitrag benötigt aber diese Flexibilität nicht und muss durch klare Struktur und Gliederung wirken. Hier ist Gutenberg schlichtweg ein absoluter Fremdkörper, zumal die Bedienung und Funktion auch mit WordPress 5.2.2 noch immer an vielen Ecken hängt und voller Bugs ist.

Meinen Kollegen in der Firma brauche ich Gutenberg erst gar nicht zu aktivieren. Wenn man nur ab und zu einen Blogbeitrag verfasst, ist man mit der kruden Bedienung absolut überfordert.

Für mich steht fest, dass Gutenberg in dieser Form bei mir keine Chance auf eine intensivere Nutzung hat. Schade eigentlich. Aber wenn man was macht, sollte man es gescheit machen. Halbgare Entwicklungen den Nutzern aufzuzwingen, ist kein guter Stil und hilft niemandem.

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2 Gedanken zu “Produktivitätskiller: Der neue Gutenberg Editor von WordPress”

  1. Für mich klingt diese Kritik seltsam. Bitte nehmen Sie’s mir nicht übel. Ich habe Gutenberg nun seit Monaten im Einsatz. Ich habe mich seither voll auf ihn eingelassen. Seine Stabilität und der Bedienungskomfort ist hoch effizient, von Bugs oder umständlichem Handling kann ich gar nichts berichten.

    Allerdings räume ich natürlich ein, dass Gutenberg unter uns Bloggern wenig Freunde findet. Das muss ja einen Grund haben. Nur – nachvollziehen kann ich diese ganzen schlechten Bewertungen überhaupt nicht.

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