Das große Jog-Wheel, das mit Drehen und Zuscheiden vorbelegt ist, erschloss sich mir gar nicht. Mit der Software-Version 1.5.2 kann man zwar über die Tasten P1-P8 Seitenverhältnisse festlegen. Diese sind aber auf Standardwerte voreingestellt und lassen sich nicht ändern. Der Zuschnitt eines Fotos bedarf des Crop-Reglers, der Cursor-Tasten und des C1 Drehreglers. Gegebenenfalls muss für Feineinstellungen auch noch die FN-Taste ran. Das ist einfach viel zu umständlich und bringt keinerlei Vorteil gegenüber der Tastatur und Maus.

Und tatsächlich hat man mit Loupedeck und Maus häufig größere Wege zurückzulegen, als mit Tastatur und Maus.

Hardware vs. Briefbeschwerer

Aus meiner Erfahrung mit der Musikproduktion am Rechner, habe ich über die letzten 15 Jahre ziemlich viel Erfahrung mit Hardware-Controllern sammeln können. Diese Dinger sehen auf dem Tisch oft sehr wichtig und „professioneller“ aus. Man erwartet auch eine analogere intuitivere Bedienung, als mit Tastatur und Maus. Meistens stellt sich aber heraus, dass genau das Gegenteil der Fall ist.

Schlimmer noch: Oft lässt der Hersteller die Entwicklung von Treibern und Software fallen und aus dem teuren Controller wird ein unnützer Briefbeschwerer. Gerade bei einem so sehr spezialisierten Zubehör wie dem Loupedeck, das nur für Lightroom einsetzbar ist besteht zudem die Gefahr, dass durch Änderungen seitens Adobe ein Teil der Funktionen unbrauchbar wird. Manch älterer Computermusiker wird sich vielleicht noch an „Houston“ von Steinberg erinnern.

So lässt sich Loupedeck schon jetzt nicht mit Lightroom CC (nicht zu verwechseln mit Lightroom Classic CC!) verwenden.

Fazit

Loupedeck ist auf dem ersten Blick eine interessante Lösung. Leider zeigt sich in der Praxis, dass es für etwas erfahrenere Lightroom-Anwender keinen Geschwindigkeitsvorteil bringt – sofern man die wichtigsten Tastenkürzel beherrscht.

Zur sinnvollen Bedienung, muss es vor dem Anwender und der Tastatur stehen. Bearbeitet man nun die Verschlagwortung, Titel etc., steht es im Weg und muss zur Seite gestellt werden. Arbeitet man außerdem noch mit einem Grafiktablett, wird es unübersichtlich und eng.

Suboptimal ist auch die Anordnung der Regler für die Grundeinstellungen, da sie eine Umgewöhnung erfordern.

Was den Spaß aber wirklich bremst, sind die schwammigen Tasten des Loupedecks. Zusammen mit den wackeligen Reglern, kann Loupedeck die 250 Euro nur schwer rechtfertigen, zumal es ja nur die eine Anwendung dafür gibt. Dabei könnte Loupedeck auch ein ganz ordentlicher Controller für z. B. Adobe Premiere oder Blackmagic Davinci Resolve sein – besonders dann, wenn es um Farbkorrektur und Grading geht.

Würde man für Loupdeck irgendetwas um die 100 Euro aufrufen, könnte man vielleicht noch darüber nachdenken. 250 Euro scheinen mir aber für ein One-Trick-Pony deutlich zu hochgegriffen, was die schlechten Tasten noch bedenklicher machen. Für mich ist Loupedeck nichts.

Mehr Infos: Loupedeck.com

Alternativen zu Loupedeck:

Für 55 Euro bekommt man z. B. einen Korg nanoKONTROL 2 MIDI-Controller und für 60 Euro einen Behringer X-Touch Mini. Zusammen mit dem kostenlosen MIDI2LR oder LRControl für 50 Euro, erhält man viele Loupedeck Funktionen für sehr viel weniger Geld, sofern man überhaupt Drehregler benötigt. Durch diverse MIDI-Übersetzer, lassen sich die Controller auch für andere Dinge einsetzen.

Ganz umsonst ist hingegen die Bedienung mit Tastaturbefehlen, die man sich nur etwas einprägen muss.

 

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9 Responses

  1. Gerrit

    Hallo Markus,

    Danke, das war mal wieder eine wirkliche offene und sehr fundierte Rezension. Da ich auch Capture One einsetze war ich nur einmal kurz versucht über das Loopdeck nachzudenken, war aber dann schnell wieder davon abgekommen. Dein Review sagt alles. (Man braucht so etwas nicht! Schade, um die viele Energie, die in das Crowd-Funding gegangen ist)

    Bei mir liegen ein Grafiktablett, ein ShuttlePro (für Videoschnitt), ein Grafiktablett für 3D-Modelling und Photoshop, und drei Tastaturen für Mac, PC1 und PC2 auf dem Schreibtisch herum.
    Mehr Staubfänger kann ich nicht unterbringen ;-).

    Weiß Du oder einer der Kommentatoren, ob ich mein Alphatrack Audiocontroller für Lightroom verwendn kann?

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  2. Wolfgsng

    Offene und ehrliche Rezension! Wenn das Teil dann auch noch kaum zusätzlichen Komfort geschweige denn einen Geschwindigkeitsvorteil bringt, kann man sich die Investition sparen. Noch ein Gadget, das nach ein paar Tagen / Wochen im Schrank vergammelt braucht wohl niemand.

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  3. Patrick

    250 Schleifen und dann so eine misserable Verarbeitung? Da lobe ich mir meine Akai APC40 mit MIDI2LR. Da muss man sich die Belegung zwar auch merken hat aber locker die doppelte Belegungsmöglichkeit (frei konfigurierbar).

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    • nachbelichtet

      Ne APC für Lightroom – auch nicht schlecht 🙂 ! Ich hatte mal das Novation Nocturn dafür im Einsatz. Aber auch das brachte für mich keinen wirklichen Mehrwert.

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  4. Looks

    Ich bin mit dem Behringer X-touch unterwegs. MIr wäre zum einen Loupdeck zu teuer und zum anderen frage ich mich, was ist, wenn Lr neue Features bringt, denn die frei belegbaren tasten sind meines wissens begrenzt. Ich benutze X-touch vor allme, weil ich mit den Reglern feiner als mit der Maus z.B. Kontrast einstellen kann. Dazu kommt, dass mir einfache und billige Lösungen gefallen und dazu noch sehr felxibel konfiguriebar ist.

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  5. Matthias

    Hm, also mir wäre das auch momentan zu teuer und wie Du schon schreibst, zu spezialisiert.
    Beim Lesen kam mir die Frage auf, ob ich nicht meine zu Weihnachten gekaufte Logitech G910 Tastatur irgendwie für Lightroom noch besser einsetzen kann, da ich eigentlich schon recht viel mit Tastatur mache und die Tastatur ja noch einiges an zusätzlichen Funktionstasten besitzt … Werde ich mal schauen …

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