Ganz schön lau, Adobe! Meine ersten Eindrücke von Lightroom 4

Da hau ich gestern noch einen Beitrag zum 6 jährigen Jubiläum von Adobe’s Lightroom raus und promt wird heute ein Major-Release angekündigt. Adobe hat eine öffentliche Beta von Lightroom 4 freigegeben. Mein erster Blick darauf fiel jedoch mehr als nüchtern aus …

schon im letzten Beitrag habe ich einige Wünsche an eine neue Lightroom-Version geäußert und wäre mir sicher gewesen, dass so etwas wie die von Photoshop bekannte Ebenentechnik in Lightroom einziehen würde – die Realität sieht jedoch anders aus.

Geotagging und Fotobücher

Die „Highlights“ der Lightroom 4 Beta fallen reichlich lau aus. Auf den ersten Blick fallen zwei neue Tabs auf: Geotagging und Fotobuch. Auf einer Weltkarte kann man nun die Geoposition von Fotos auch manuell festlegen. Aufregend! Das macht diverse Freeware schon lange und bei der Hobby-Bildverwaltung Picasa gehört das zum Standard.

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Die Intention hinter der Fotobuchfunktion ist ziemlich klar: Adobe wird sich wohl mit diversen Fotobuchdienstleistern zusammen tun und künftig für über Lightroom 4 bestellte Fotobücher Provision erhalten. Hochzeitsfotografen wird die Funktion vielleicht freuen, die Möglichkeiten sind jedoch sehr rudimentär ausgefallen. Ich persönlich nutzte die Druckfunktionen schon extrem selten und der Web-Modus war meiner Ansicht nach schon immer überflüssig.

Neu: Filme schneiden

Videodateien konnte man schon in den letzten 3er Versionen von Lightroom verwalten; nun kann man sie auch schneiden. Aber vielleicht sollte man es mehr „trimmen“ nennen. Videos lassen sich weder zerschneiden noch lassen sich unterschiedliche Dateien zusammenfügen. Anspruchsvollere Aufgaben wie einfachere Farb- und Helligkeitskorrekturen etc.: Fehlanzeige, lediglich an einen automatischen Weißabgleich und eine automatische Helligkeitskorrektur wurde gedacht.

Videos lassen sich im YouTube-geeigneten H.264 Forma, DPX und im Original exportieren. Schön ist jedoch, dass man auch die Videofiles geotaggen kann.

Neue Entwicklungsfunktionen

Tja, auch hier siehts mau aus. Die Tonwertkorrektur wurde aufgewertet, da sie nun auch eine Möglichkeit zur Einstellung des Weißwerts bietet. Prima ist hingegen der neue Softproof, der auch Warnungen für Tiefen und Lichter anzeigen kann.

Die lokalen Korrekturwerkzeuge (Pinsel etc.) sind auf meinem Rechner (INTEL Core i7 950, 8GB RAM, Intel X25 SSD) allerdings deutlich schneller als unter Lightroom 3.6.

Zwischenfazit

Es handelt sich natürlich um eine Beta-Version, jedoch weißt Adobe bereits darauf hin, dass wohl keine neuen Features in der finalen Version zu erwarten sind.

Für mich sind die Neuerung kein neues Major Release. Das wäre für mich eher ein Lightrom 3.7. Was mir fehlt sind Dinge, die andere RAW-Entwickler schon lange drauf haben:

  • erweiterte Perspektivkorrekturen
  • einfache Ebenenfunktionen
  • einstellungen wie Kontrast, Farbton, Schärfe etc. als Ebeneneinstellung (Bibble konnte das)
  • einen intelligenteren Rauschfilter, der z. B. Lichter, Mitteltöne und Tiefen getrennt behandeln kann
  • endlich mal einfache Netzwerkfähigkeiten, damit man Lightroom auch als DAM (Digital Asset Management) in einer Agentur einsetzen könnte.

Momentan könnte mich keine der Funktionen dazu veranlassen, ein Upgrade in Betracht zu ziehen. Erfahrungsgemäß sollte man die erste neue Version ohnehin immer erst einmal etwas abwarten, da es hier schön öfter Probleme mit dem Katalog etc. gab.

Hast du Lightroom 4 schon ausprobiert und was hältst du von der neuen Version? Großer Wurf oder Enttäuschung? Schreib einen Kommentar!

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12 Kommentare zu “Ganz schön lau, Adobe! Meine ersten Eindrücke von Lightroom 4

  1. Natürlich konnte ich es nicht aushalten, auf das Upgrade zu verzichten; natürlich habe ich es gekauft; natürlich MUSSTE ich es einfach haben, koste es, was es wolle. 😉 (vor einiger Zeit bereits; ich sah nur jetzt wieder meinen Kommentar.)

  2. Hi,

    konnte gestern ein erstes Mal etwas mit LR 4 spielen. Deine Wünsche, was zusätzlich hätte verbessert werden können, teile ich. Video ist recht wertlos für mich.
    Geotagging finde ich gut, genauso wie das Buchmodul. Dies allein wären jedoch keine Kaufgründe.
    Was mich jedoch erstaunt hat, sind die Korrekturen im Entwicklungsmodul. Die Steuerung von Lichtern und Schatten sind viel genauer geworden, so dass insbesondere bei Gegenlichtaufnahmen viel mehr rausgeholt werden kann. Gleiches geht für den Klarheit-Regler.
    Ein Beispiel habe ich hier mal aufbereitet:
    http://fotoblog.jens-koopmann.de/2012/02/dusseldorf-hauptbahnhof-lightroom-3-vs-lightroom-4/

    Viele Grüße
    Jens

  3. Die neuen Features sind m. E. nicht sonderlich überzeugend, um das Upgrade in Erwägung zu ziehen. Was das Upgrade jedoch sehr reizvoll macht, ist die neue RAW-Verarbeitungs Engine. Auf dem Blog von Terry White gibt es ein Video in dem der Unterschied zu LR 3.7 gezeigt wird und das scheint mir doch ein guter Grund zu sein, um das Upgrade zu machen.

  4. Danke für die Vorschau. Freue mich über die Geotagging Funktion,da das meine Kamera nicht kann und ich nie ein passendes Plugin finden konnte. Auch die Fotobuchfunktion lässt großes erhoffen. Aber wenn das alles nur so halbherzig umgesetzt und wenig kompatibel und gestaltbar ist lWie du auch schreibst die Webgalerie) dann verzichte ich eher auf ein Update und hoffe auf guute Tips und bleibe bei den Programmen der Fotobuchlieferanten

  5. Das nehme ich auch nicht an. Ganz nachvollziehen kann man diese Produktpolitik nicht. Vielleicht hätte liebe Adobe beim Bibble Ausverkauf zugreifen sollen, denn darin waren ein paar richtig gute Features zu finden.

  6. Hallo Markus, ich finde ein bisschen unrecht tust Du Adobe da schon. Gerade im Bereich der Video-Bearbeitung geht deutlich mehr, als die von Dir angesprochene Automatik. Zwar sind nicht alle Entwicklungsfunktionen verfügbar aber doch die wichtigsten. Alleine, dass man Weißabgleich, Schatten, Lichter und Kontrast in der Qualität beim Video ändern kann ist große klasse. Weiterhin sind auch die Entwicklungswerkzeuge sehr clever verbessert worden. Allein die Tonwertkorrektur nach Farbkanälen und die Möglichkeit bei den lokalen Anpassungen z.B. den Weißabgleich differenziert einzustellen sind große Klasse.
    Ich persönlich begrüße es, dass keine Ebenen dazu gekommen sind. Diese würden meiner Meinung nach das Bedienkonzept von Lightroom völlig sprengen. Aber das ist meine Meinung.
    Performancemäßig bin ich allerdings im Moment noch etwas enttäuscht – schreibe es aber der frühen Beta zu.
    Beste Grüße
    Gunther

    Ach ja, ich habe zu LR4 auch mal ein bisschen was aufgeschrieben: http://gwegner.de/blog/lightroom-4-beta-zum-download/

    • Hmm, dann funktionieren die von dir genannten Videofunktionen in meiner Version (Windows 64bit) wohl nicht, denn ich konnte auf keinen der Regler zugreifen. Die Verbesserungen bei der Tonwertkorrektur sind aber doch wirklich kein Major Release wert?

      • Schau dir mal die Videos auf youtube an. Damit diese Funktion funktioniert muss man etwas anders vorgehen.

        Also anhand der Videos denke ich schon, dass Adobe hier schon an einigen Schrauben gedreht hat. Auf jeden Fall aber waere eine Netzwerkfaehigkeit endlich mal wuenschenswert gewesen sowie auch eine Ebenenfunktion.
        Ein besserer Rauschfilter ist mir nicht so wichtig, da ich hier schon ein externes Tool dafuer habe

  7. Danke für den Überblick über Deine ersten Eindrücke. Daraus schließe ich vorläufig (und stimme damit Deinem Zwischenfazit zu), dass ich mir das Geld für das Upgrade sparen kann (denn kostenlos wird es auch diesmal für Besitzer einer Vorverson sicher nicht sein).

  8. Dann bleibt ja abzuwarten, ob Apple in Kürze meiner neuen Aperture-Version aufschlägt. Wenn dieses Lightroom hier keine großen Überraschungen enthält, hat Apple ja großes Potential, zu punkten. 🙂

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