Das Thema Fotografie im Winter hat mich nun doch mehr beschäftigt und ich möchte euch einige Tipps geben, wie Ihr erfolgreich im Winter fotografiert. Dabei greife ich auch auf Erfahrungen meines Freundes Jörg Jahn zurück, der als leidenschaftlicher Fotograf schon unter extremsten Bedingungen im Himalaya, auf dem Kilimandscharo oder bei einer Alpenüberquerung zu Fuß fotografiert hat und wertvolle Tipps geben kann.

Dieser Beitrag wurde 2008 veröffentlicht.
Seitdem hat sich viel getan und manche Informationen und Links sind vielleicht nicht mehr aktuell!

Jörgs Blog findet Ihr HIER und seine Website „World Pictures“ HIER.

Wärme und Kälte – der Kameratod

Wenn es draußen frostig ist, ist es in der guten Stube meist mollig warm, was dazu führt, dass sich an der Kamera unweigerlich Kondenswasser bildet, wenn man von der Kälte in die Wohnung kommt. Dabei beschlagen Sucher, Spiegel (bei SLRs) und auch das Objektiv. Allerdings kann auch im Kamerainneren Wasser kondensieren, was ungleich schlimmer ist, denn u.U. kann dabei der Verschlussvorhang oder der Spiegel anfrieren, wenn man wieder in die Kälte geht, was zu einer kostspieligen Beschädigung der Kamera führen kann.

Jörg konnte dies am Gipfel des Kilimandscharo feststellen, als er beim Gipfelfoto einmal abdrückte und nach einem knirschendem „Klack“ schluss mit fotografieren war. Der Verschluss war eingefroren und wurde beschädigt. Darauf hin musste er alle anderen Fotos mit einer Sony Kompaktkamera machen – auch die auf der anschließenden Safari in Kenia.

Was kann man tun?  Ihr könntet die Kamera aus der Tasche oder dem Rucksack nehmen und beides z.B. im kühlen Treppenhaus lagern. Wenn ihr dann raus geht, ist der Temperaturunterschied schon deutlich geringer. Lasst die Kamera in der ersten Zeit im Freien aus dem Rucksack heraußen, damit sie sich weiter akklimatisieren kann.

 

Solltet Ihr feststellen, dass noch immer irgendwas beschlagen ist, solltet Ihr auf keinen Fall auslösen! Einfach noch etwas warten und dann los!

Oft kann man lesen, dass man die Kamera unter die Jacke oder den Pullover nehmen soll, wenn man sie gerade nicht braucht. Gerade das ist aber falsch, denn die Körperwärme und verdunstender Schweiß führen wieder zu Beschlagen und Kondenswasserbildung. Wenn Ihr die Kamera eine Zeit lang nicht braucht, kommt sie in die Tasche oder den Rucksack, der zwischenzeitlich auf etwa gleicher Temperatur angekommen sein sollte.

Kälte – der Akkutod

altAnders als bei der Kamera, verhält es sich bei den Akkus. Lithium-Ionen-Akkus sind kälteempfindlich und verlieren ihre Leistungsfähigkeit, je kälter sie werden. Deshalb solltet Ihr den Akku vor der Abkühlung der Kamera aus dieser herausnehmen und schön warm lagern. Wenn Ihr dann unterwegs seid, steckt ihr die Kameraakkus z.B. in die Hosentasche oder eine Innentasche eurer Jacke, damit sie warm bleiben. Bei extremer Kälte kann es auch hilfreich sein, die Akkus nach einer gewissen Zeit immer wieder zu wechseln, damit sie sich wieder aufwärmen können.

Ein kalter Kameraakku verhält sich wie einer leerer Akkus! Jörg hat bei seinen Touren seine Akkus immer mit im Schlafsack, damit sie es muggelich haben. Das ist zwar umbequem, führt aber zu schönen Fotos 😉

Heller Schnee – dunkle Bilder

altDer extreme Kontrast im Winter leitet die allermeisten Belichtungsmesser in die falsche Richtung, denn die sind darauf ausgelegt, den Schnee als 18% Grau (Neutralgrau) zu interpretieren. Dadurch ist der Schnee grau statt weiß und alles andere viel zu dunkel. Mit der Belichtungskompensation eurer Kamera könnt ihr da entgegen wirken, indem ihr einfach +1 bis +2 Blendenstufen einstellt. Die beste Einstellung hängt dabei von eurer Kamera ab – manche neigen ohnehin etwas zur Überbelichtung, dann muss nicht so viel kompensiert werden, aber in diesem Bereich sollte es funktionieren.

altGenau das Gegenteil hatte ich z.B. vorletztes Jahr auf Teneriffa, als ich am El Teide fotografiert habe. Diese Gegend ist absolut beeindruckend, besteht aber teilweise aus tief schwarzem Vulkangestein. Hier meint der Belichtungsmesser es gut und hellt natürlich kräftig auf, was ich durch eine Belichtungskompensation von -1.3 Blendenstufen korrigieren musste. Mit der Belichtungskorrektur solltet Ihr euch einmal ausführlich beschäftigen, denn sie ist bei problematischen Lichtverhältnissen eine große Hilfe.

Übringes wurden am El Teide mögliche neue Mondroboter getestet, da dieses Gebiet der Mondoberfläche sehr ähnlich sein soll.

altBei Portraits im Schnee ist es sehr hilfreich den Vordergrund etwas „aufzublitzen“, denn wenn Ihr auf das Gesicht belichtet, wird der Schnee meistens hoffnungslos überstrahlt dargestellt. Zum Aufhellen genügt schon der eingebaute Kamerablitz, der aber in der Blitzleistung meist etwas reduziert werden muss – etwa -0,7 bis -1.0 Stufen der Blitzleistung (nicht der Belichtungskompensation – das sind zwei unterschiedliche Dinge!). Natürlich könnt ihr euch mit dem RAW-Format noch etwas Spielraum sichern, allerdings sind die Belichtungsunterschiede im Schnee oft so groß, dass auch aus dem RAW-Bild nicht mehr alles zu retten ist. Deshalb ist es wichtig, schon von Anfang an ein möglichst gut belichtetes Bild zu haben. Das gilt aber nicht nur bei Winterfotos …

Oder einmal anders belichten …

Wenn es besonders wichtig ist, Details in den Lichtern zu erhalten, kann man auch mal anders an die Belichtung heran gehen: Stellt Eure Kamera auf Spot-Messung, damit wird nur ein ganz kleiner Teil in der Bildmitte zur Belichtungsmessung herangezogen. Die Belichtungskorrektur wird auf +2.0 bis +2.7 Blenden eingestellt (das muss man einfach einmal ausprobieren), da sonst das Bild hoffnungslos unterbelichtet würde. Nun „zielt“ ihr zuerst mit der Bildmitte auf die hellste Stelle in eurem Motiv und speichert den Messwert. Viele Kameras haben dazu eine Taste, die z.B. AE-L heißt. Stellt dabei sicher, dass nur der Belichtungsmesswert und nicht auch Fokuseinstellung gespeicht wird, da Ihr sonst nicht auf einen neuen Bildausschnitt scharfstellen könnt.Bei der Nikon D90 ist das z.B. im Menü F4 versteckt.

Mit diesem Wert im Messwertspeicher sucht Ihr euch dann den gewünschten Bildausschnitt etc. und drückt ab. Damit ist immer gewährleistet, dass kein Bereich überbelichtet wird.

Heller Schnee – dunkles Display

altEin weiteres Problem bei Fotos an einem sonnigen Wintertag ist das Kameradisplay. Es ist draußen oft so hell, dass man auf dem Display nichts mehr erkennen kann und gleich gar nicht, ob das Bild richtig belichtet ist. Zwar kann man das Display mit der Hand abschatten, oder sich einen speziellen Blendschutz für das Display besorgen, aber unsere Augen sind in dem Moment an die helle Umgebung gewöhnt und damit empfinden wir das Bild auf dem Display grundsätzlich als zu dunkel. Besser ist es, die Belichtung anhand des Histogramms zu beurteilen, das sich meist noch ausreichend ablesen lässt. Hier ist aber Erfahrung notwendig, denn „das“ Histogramm für perfekte Belichtung gibt es nicht. Bei Fotos mit viel Weißanteil, wie den Fotos im Schnee, wird sich das meiste auf der rechten Histogrammseite abspielen, also bei den hellen Tönen.

Licht von allen Seiten und Schnee von oben

Im Schnee kommt das Licht von allen Seiten, sodass Blendenflecken und Reflektionen entstehen können. Zwar sind diese oft ein schöner Effekt, aber auch nicht immer gewünscht. Deshalb empfiehlt sich im Winter immer eine Sonnenblende auf der Kamera zu haben, auch wenn es trüb ist, denn diese schützt auch etwas vor Schnee und Wasser auf der Frontlinse. Wenn die Bedingungen noch widriger sind, ist auch z.B. der DiCaPac hilfreich, der sogar als Unterwassergehäuse taugt und mit 99€ relativ preiswert ist.

Das waren meine Tipps zum Fotografieren im Schnee. Also pack‘ Dich selbst und die Akkus warm ein und raus in die Natur! Ich freue mich, wenn du deine Winterfotos hier präsentieren möchtest. Schreib doch einfach einen Kommentar mit einem Link zu deinen Bildern. Gerne kannst du auch deine Erfahrungen und Kameraeinstellungen mitteilen.

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11 Responses

  1. Mirko

    Vielen Dank für den Artikel, der gerade bei diesen Witterungen sehr gelegen kommt. Auch die Kommentare bzgl. der Akklimatisierung waren sehr interessant.

    Bzgl. Motivation finde ich die Setups und Video-Tutorials von „Krolop Gerst“ sehr inspirierend und als Ergänzung zu den Ausführungen zu Portraits im Schnee möchte ich auf folgendem Artikel aus dem Krolop Gerst Blog verweisen, der zeigt wie man die Aufhellung eines Portraits im Schnee mit einem Reflektor macht und was dabei zu beachten ist:

    http://www.krolop-gerst.com/blog/video-tutorial/video-location-3-winterday/

    Viel Spass beim winterlichen Fotografieren!

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  2. kenny-pool

    Super Artikel!
    So kann man mit ein Wenig Überlegung seine kamera gut durch diese bibberkalte Jahreszeit bringen 🙂
    Vielen Dank dafür.

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  3. Gegorg

    Die Temperatur ist letztlich nicht der entscheidende Punkt, sondern die relative Luftfeuchtigkeit. Wenn man seine Kamera aus einem 25°C warmen Raum mit schön trockenerer Heizungsluft (10% relativer Luftfeuchtigkeit) bei minus 5°C nach draußen schleppt, ist das völlig risikofrei. Bei 25°C kann die Luft 23 g Wasser pro Kubikmeter aufnehmen (=100% relative Luftfeuchtigkeit). Bei 10% relativer Luftfeuchtigkeit hätte die Luft also 2,3 g Wasser pro Kubikmeter gespeichert. Bei -5°C kann Luft maximal noch 3,2g Wasser pro Kubikmeter aufnehmen. Da die 2,3g darunter liegen, könnte in dem Fall trotz satter 30 Grad Temperaturunterschied niemals Wasser kondensieren und ggf. die Kamera beschädigen. Geht man dagegen aus einem 15° (=max. 12,8g Wasser/m³) warmen Raum mit 40% rel. Luftfeuchtigkeit bei -5 °C nach draußen, bestünde die Gefahr der Kondensatbildung.

    Die ZIP-Lock-Tüte hilft in der Tat beim Wechsel von kalt zu warm. Umgekehrt – beim Wechsel von warm zu kalt hilft sie nicht und ist unter Umständen sogar kontraproduktiv, da die überschüssige Feuchtigkeit nicht weg kann.

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  4. manne

    wow. danke, es ist der erste winter mit meiner geliebten D40. Die Tipps kann ich gut gebrauchen. DANKE!

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  5. Brooda

    Als Tipp gegen das Beschlagen der Hardware bei Betreten einer wärmeren Umgebung: Man kann Body und Linsen vorher im Kalten in z. B. in Zip-Tüten (Plastik) stecken und verschließen, dann geschieht eine Aklimatisierung fast ohne Kondenswasser.

    Gruß, Hendrik

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  6. Andreas

    Sehr guter Artikel. Habe mich mit dem Thema Fotografien im Schnee noch nie so genau auseinandergesetzt und kann hier viele wertvolle Tipps mitnehmen. Besten Dank.

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