Eigentlich geht der Gag ja so: „Wirklich schlechte Akustik hier …“, „Ja, jetzt riech‘ ichs auch!“. Meine Variante passte nur besser zum heutigen Thema, darum biege ich mir das zurecht, wie ich es brauche. „Meine Herren – Dollinger, deine Überschriften werden immer beknackter!“. Lies erst einmal weiter, dann werden wir schon sehen – oder hören, […]

Dieser Beitrag wurde 2007 veröffentlicht.
Seitdem hat sich viel getan und manche Informationen und Links sind vielleicht nicht mehr aktuell!

SSL E-Channel PluginEigentlich geht der Gag ja so: „Wirklich schlechte Akustik hier …“, „Ja, jetzt riech‘ ichs auch!“. Meine Variante passte nur besser zum heutigen Thema, darum biege ich mir das zurecht, wie ich es brauche.

„Meine Herren – Dollinger, deine Überschriften werden immer beknackter!“. Lies erst einmal weiter, dann werden wir schon sehen – oder hören, oder auch nicht – naja, weiter im Text.

Kürzlich las ich in einer Musestunde (auf dem Klo) einen Artikel über den amerikanischen Produzenten Chris Lord Alge, der u.a. Künstler wie Alanis Morissette, U2, Snow Patrol, Bon Jovi, Pink oder die Black Eyed Peas produzierte. Er verkündete darin, dass er für nichts und niemanden Werbung machen würde, wohl aber für die exzellenten Plugins aus dem Hause Waves und hier speziell für den E-Series Channel. Er selbst ist langjähriger und bekennender SSL-Pult Benutzer und steuert nun seine „Presets“, also die Einstellungen, die er für gewöhnlich an seinem echten Pult vornimmt, den Waves SSL-Plugins bei. So weit, so gut.

Erstaunt hat mich dabei die Aussage, dass Waves gute Arbeit geleistet hätte und der E-Series „richtig gut klänge, gut aussehe und dem, was er gewohnt sei, sehr ähnlich wäre“.

Okay, richtig guten Klang erwarte ich von einem Plugin ohnehin, zumal in dieser Preisklasse. Gutes Aussehen bei Software ist auch wichtig – ich sage ja auch immer: Software muss sexy sein. Ein analoges Vorbild zu kopieren ist auch nicht verwerflich, braucht man doch einen Anhaltspunkt, wohin man klanglich möchte.

Mir stellt sich dabei aber immer die Frage, warum man auf Biegen und Brechen ein prominentes, analoges Vorbild in allen Details nachbilden muss und ob dabei nicht die Optik und ein Name einen weitaus höheren Einfluss auf den Klang – oder besser das Klangempfinden – hat, als die Algorithmen, die sich dahinter verstecken!?

Das Waves Plugin ist ein fotorealistisches Abbild eines „echten“ SSL-EQs UND es darf sich offiziell mit dessen Markennamen schmücken. Andere Plugin-Schmieden machen hier auf Pultec, Universal Audio, Urei oder sonst was. Dabei wird optisch immer in die Retrokiste gegriffen und Benutzeroberflächen gebastelt, die den teueren und begehrten Schätzchen ähneln. Das soll dem Käufer, der sich die echten Teile nicht leisten kann vermitteln, dass er es hier mit etwas Ebenbürtigen zu tun hat. Und je besser das Outfit, desto besser scheint das zu funktionieren.

Im Umkehrschluss sieht es aber auch so aus, dass klanglich hervorragende Software mit nüchternem Design oft keine Chance hat, obwohl sie alles zu leisten vermag, was wichtig ist: Sehr gut zu klingen.

Beeinflusst das Aussehen unseren Höreindruck wirklich? Ich glaube ja! Zudem sich die meisten auf solche Aussagen, wie denen des Herrn Alge verlassen und es ob der großen Namen, wie SSL und Waves wohl auch keinen Zweifel mehr gibt, dass das so klingen muss. Ein weiteres Problem dabei ist aber, dass wohl die wenigsten einmal die echten Vorbilder zu Gehör bekommen haben und dadurch eine realistische Einschätzung gar nicht möglich ist. Es geht darum, Eitelkeiten zu befriedigen – Punkt!

Kjaerhus GACIch finde Plugins, die einen eigenen Weg gehen, dabei gut klingen, ohne ein spezielles Vorbild zu bemühen und vielleicht auch noch interessante Funktionen bietet, die einem die bloße Nachbildung eines bekannten Gerätes verbieten würde, sehr viel reizvoller und ehrlicher. Hersteller wie Kjaerhus, Voxengo oder die Analogue Suite von Magix Samplitude klingen hervorragend, verfügen meist über sehr durchdachte und fortschrittliche Features und sind dabei auch noch billiger. Wenn nur der Klang eines Plugins in die Bewertung einfließen würde, käme es ziemlich sicher oftmals zu mancher Überraschung. Wenn man das Aufsehen um den „neuen“ Channelstrip VC 64 von Cakewalks Sonar 6 und 7 PE betrachtet, der nur eine „Vintageoptik“ Version des bekannten Kjaerhus GAC-1 ist kann man erkennen, welchen Einfluss das Aussehen eines Plugins hat.

Cakewalk VC 64Software-Plugins sind die Konsolen von heute. Warum kann man nicht das Beste aus dieser Technik herausholen, ohne dabei verkrampft irgendwelche analogen Vorbilder zu kopieren? Gerade Hersteller mit dem nötigen Know-how könnten sagen: „Es klingt nicht wie ein XY-Kompressor – es klingt besser!“

3 Responses

  1. Andreas

    ich kann mich nur hr lord alge anschließen die waves ssl 400 eqs sind die einzigen eqs die wirklich das machen was ich erwarte. ich hatte die gelegenheit spuren zu mischen die auf einem ssl g 4000 pult aufgenommen wurden und auch dort gemischt wurden.

    diesen mix haben wir mit den waves plug ins in logic audio nachgebaut.
    wir waren baff, von den socken wie nache man kommt,

    wenn man sich überlegt welche fheler ein solche 20 jahre altes pult dem audio material noch hinzustreut kann man mit der richtigen plug in kombination dem echten pult noch näher auf die pelle rücken.

    klar das echte pult hat nen anderen workflow und die haptic fehtl auch bei plug ins mich stört das nicht und wegen ein wenig soundunterschied zum wirklichen pult gebe ich keine 40 TSD euro aus vom unterhlat und der pflege kaum zu reden.

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  2. Hans-Jürgen Philippi

    Die visuelle Anlehnung an die Vorbilder ist halt ein nahe liegendes Trostpflaster für den Schmerz, dass sich der Käufer die echten Vorbilder nicht leisten kann. So weht dann doch ein Hauch von großer Welt im trauten Heim. Das gibt es nicht nur in der Musikszene – siehe letztens irgendeine News zu einem Porsche-Gamer-Kit (Lenkrad, Schaltknauf, Fußpedale) für Renn-Videospiele. Die Verkaufskraft dieses subtilen Trost-Elementes sollte man nicht unterschätzen!
    Es gibt aber auch Produkte, die tatsächlich einen eigenen Weg gehen, wobei es dann zumeist auch gar keine analogen Vorbilder gibt. Etwa Urs Heckmanns Zebra, ein IMHO konkurrenzlos geiles Synthi-Plugin. Wobei man auch hier wieder -wortwörtlich- im Auge behalten muss, dass der Mensch ein Gewohnheitstier ist und am liebsten bekommt was sich bewährt hat, er zumindest in Grundzügen schon kennt und ad hoc versteht. Deshalb sieht auch Zebra dann doch wieder ähnlich aus wie hunderte anderer Softsynths.

    Bei Versuchen, das User Interface von Software komplett neu zu erfinden, fällt mir spontan das Zeug von Kai Krause ein (Kai’s Power Tools & Co.). Zum Teil geniale Ideen, zum Teil unbedienbarer Humbug. Lang ist’s her…
    🙂

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  3. Sven

    Kann ich nur zustimmen! Es muss nicht Waves, URS oder sowas sein, nur damit guter Sound rauskommt. Die von dir ganannten Kjearhus Plugs sind wirklich spitze und klanglich ebenbürtig. Manche fühlen sich halt nicht wohl, wenn sie keine Waves haben.
    Ich hab mir mal das Demo von den Magix Plugins gezogen und bin auch ziemlich beeindruckt von den Dingern!

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