Aloha Fotofreunde! So, da hat man nun einen vernünftigen Monitor (oder auch zwei), diese sind auch schön mit einer entsprechende Hardwarelösung kalibriert (meine Empfehlung: Pantone Huey mit dem ich sehr viel zufriedener bin, als mit den Spyder-Geräten – siehe unten), aber irgendwie unterscheiden sich Vorlage und Bildschirmdarstellung oder umgekehrt: Die belichteten Bilder haben irgendwie einen […]

Dieser Beitrag wurde 2007 veröffentlicht.
Seitdem hat sich viel getan und manche Informationen und Links sind vielleicht nicht mehr aktuell!

helferlein.jpgAloha Fotofreunde! So, da hat man nun einen vernünftigen Monitor (oder auch zwei), diese sind auch schön mit einer entsprechende Hardwarelösung kalibriert (meine Empfehlung: Pantone Huey mit dem ich sehr viel zufriedener bin, als mit den Spyder-Geräten – siehe unten), aber irgendwie unterscheiden sich Vorlage und Bildschirmdarstellung oder umgekehrt: Die belichteten Bilder haben irgendwie einen anderen Farbton als das, was man auf seinem mühsam eingestellen Monitor sieht.

Was unsere Arbeitsumgebung, und hier meine ich die von Amateur- und Semipro-Fotografen unterscheidet, ist das Umgebungslicht. Dies hat nicht nur Einfluss auf „physische“ Vorlagen wie Ausdrucke, ausbelichtete Fotos etc., sondern auch auf die Monitordarstellung.

Bei einem warmen Umgebungslicht, wie es von Glühlampen (egal ob herkömmliche oder halogen) oder Leuchtstofflampen (die in Wohn- und Büroräumen meistens als Warmlichtversionen eingesetzt werden), entsteht ein anderer Farbeindruck, als er eigentlich für die Bildbearbeitung am Computer geeignet ist.

Auch natürlich einfallendes Tageslicht entspricht meist nicht der „Normlichttemperatur“ von 6500° K, da es von der Einrichtung, evtl. farbig gestrichenen Wänden etc. reflektiert und in der Lichtfarbe verändert wird. Bei warmen Lichtverhältnissen, die um die 2500° K liegen, wirken viele Monitoreinstellungen recht kühl und bläulich, bei Tageslicht sieht die gleiche Einstellung dagegen rötlich aus. Das führt oft dazu, dass man bei Tageslicht eher zur kühleren (aber richtigeren blau-/grün-lastigen) Farbeinstellung bei der Grafikbearbeitung neigt, wohin man bei warmen Umgebungslicht (schöne gedimmte Glühlampen bei der nächtlichen Bildbearbeituns-Session) zu einer wärmeren, rot-/gelb-lastigen Einstellung greift. Mit selbst fiel das bei einem meiner Bilder auf, welches ich einmal nachts bei besagter Kuschelbeleuchtung und einmal gegen Mittag, bei recht viel Tageslicht bearbeitet hatte. Entsprechend kamen sie auch aus dem Labor: Einmal mit einem erkennbar gelblicheren Farbton und einmal sehr neutral, wie ich es mir vorgestellt hatte.

Profis sitzen aus diesem Grund am Normlichtplatz, der eine konstante Beleuchtung im Tageslichtspektrum bietet. Diese sind aber zum einen teuer und sie passen wohl optisch in die wenigsten „Wohnraumsituationen“, da sie einen sehr niedrigen WAF (Women Acceptance Factor, ähnlich dem von Surroundboxen und deren Kabel) haben :-).

Die Hauptraumbeleuchtung möchte man auch nicht komplett gegen entsprechend geeignete Leuchtmittel austauschen, zumal das Normlicht fürs tägliche Leben ziemlich ungemütlich ist und – ja genau: Wieder der WAF.

Eine einfache und preiswerte Lösung, die bestimmt nicht perfekt, aber sehr brauchbar ist, habe ich mir ausgedacht und mit Erfolg getestet:

DuluxMan hole sich beim großen, schwedischen Möbelhaus zwei (oder auch mehr, je nach Bedarf und Schreibtischgröße) Arbeitsleuchten „Global“ zu 17,38€ pro Stück. Die mitgelieferten Leuchtmittel Typ Dulux kann man gleich mal ausbauen (sind steckbar), denn die sind für unsere Zwecke unbrauchbar und differieren oft in der Lichtfarbe. Wir holen uns stattdessen beim Elektrohändler unseres Vertrauens Leuchtmittel von Osram und zwar den Typ DULUX S 11W/865 G23. Wichtig ist dabei, dass es wirklich die 865 ist, denn das ist die Bezeichnung für die Lichtfarbe (8)6500 Kelvin. Im handel befinden sich nämlich meistens die Warmlichtversionen 825, die Glühlampenlicht simulieren sollen. Die Leuchtmittel sollten pro Stück für etwa 6 Euro zu haben sein.

Diese werden nun flugs in die Tischleuchten reingesteckt und die Leuchten links und rechts, über dem Monitor positioniert, so dass auch die Fläche vor dem Monitor mit beleuchtet wird, aber ohne dass die Lampen blenden (den Lampenkopf evtl. etwas nach hinten neigen). Die Lichtintensität ist meiner Ansicht nach ideal für eine gut ausgeleuchtete Arbeitsumgebung.

platz.jpgHaaalt, wird nun mancher rufen (oder kommentieren): Normlichtpulte haben doch meisten Lampen mit 5000K eingebaut, das ist doch eine wärmere Lichtfarbe!? Ja, das stimmt! In der Druckbranche wird in der Regel 5000K eingesetzt, allerdings sind das dann auch abgeschattete Lichtpulte mit meist abgedunkeltem Hinterraum, in die kein Fremdlicht einfällt, das die Lichtfarbe verfälschen könnte. Wir haben mit dieser Lösung aber ein „offenes“ System, in dass immer noch Umgebungslicht gemischt wird. Dieses Umgebungslicht ist aber meistens deutlich wärmer als unsere Dulux-Lampen, so dass sich eine Mischfarbe ergibt, die sich immer irgendwo zwischen 5000 und 6000K bewegt und das sollte für unsere Zwecke ausreichend genau sein. Der andere Grund ist, dass es die Dulux-Lampen darunter nur mit 4000K (Typ 840) gibt, was schon wieder als deutlich wärmer erkennbar ist. Bei sehr viel Tageslichtanteil sollte man jedoch für etwas Abdunklung sorgen, was man aber ohnehin tun wird.

Meine die Dulux-Lampen entsprechen wahrscheinlich auch nicht den engen Toleranzen, die für „echte“ Normlichtleuchtmittel bestehen, aber auch hier muss man sagen: Das ist eine DIY-Lösung mit hohem Nutzwert und geringen Kosten, ohne Anspruch auf Professionalität. Bräuchten wir die, würden wir wohl auch richtig viel Geld mit unseren Fotos verdienen und uns dann natürlich entsprechendes Werkzeug gönnen.

Als Ergebnis hat man nur einen gut ausgeleuchteten Arbeitsplatz, dessen Lichtfarbe sich rel. konstant im Normlichtbereich bewegt und eine sehr viel bessere Bildbeurteilung, ohne größere Überraschungen zulässt. Sinnvoll ist dieser Aufwand allerdings nur, wenn der Monitor bereits kalibriert ist. Kalibrierungsmethoden „nach Sicht“ sind zwar besser als garkeine, allerdings kommt man meiner Erfahrung nach nicht an die Ergebnisse einer Hard-/Softwarelösung zur Monitorkalibrierung heran.

HueyNoch ein Wort zum Pantone Huey: Dieses Tool arbeitet für meine Begriffe sehr gut und ermöglicht es auch dem Amateur, eine zuverlässige Kalibrierung zu erstellen. Der kleine Huey arbeitet dabei nicht nur als temporäre Lösung zur Erstellung eines entsprechenden Profils, sondern kann ständig am Rechner angeschlossen bleiben, da er auch das Umgebungslicht misst und die Monitoreinstellung entsprechend der Veränderungen nachregelt, was in diesem Bereich wohl einzigartig ist. Damit wird zwar die Monitordarstellung bestmöglich der Umgebung angepasst, aber zur zuverlässigen Beurteilung von Druckvorlagen etc. ist trotzdem eine konstante Ausleuchtung mit (möglichst) definierter Farbtemperatur erforderlich. Prima ist die Nachführung der Kalibrierung des Pantone Huey dann, wenn man mal in schummrige Umgebung, entspannt seine Bilder durchgehen möchte.

Ein netter Zusatznutzen unserer Beleuchtung ist die Möglichkeit, dass sich diese auch als softes Dauerlicht beim Fotografieren einsetzen lässt. Einfach noch eine Graukarte zum Weißabgleich besorgt, unters Licht gelegt, einmal hübsch in RAW fotografiert und alle anderen Fotos bei gleichem Licht erstellt, in Lightroom oder Adobe RAW den Weißabgleich mit dem Bild der Graukarte durchgeführt und auf alle anderen Bilder übertragen – fertisch!

Das wars zum Thema Normlicht im Eigenbau. Das nächste DIY-Fotoprojekt steht schon fest: Aus der „Better Bouncecard“ (einem Reflektor für Blitzfotografie, bekannt auch aus der Chip Foto-Video Digital 9/07), machen wir eine „Even better Bouncecard“. Lasst euch überraschen und legt schon mal ein scharfes Messer, einen Bleistift sowie Verbandszeug bereit 🙂

17 Responses

  1. Richard Jonas

    Osram DULUX S 11W/865 gesucht!!!

    Vielen Dank für den tollen Tipp.
    Die Schreibtischlampe steht mittlerweile in der Nähe des Monitors.

    ABER: Die Osram DULUX S 11W/865, die ich nun bestellen wollte und die es vor ein paar Tagen noch gab, ist nicht mehr aufzutreiben!

    Also falls jemand noch eine hat, oder im Laden um die Ecke eine findet, oder sonst eine Bezugsquelle kennt, schreibt mir einfach eine Mail an marijonas@t-online.de .

    Vielen Dank

    Richard

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  2. Friedemann

    Feien Anleitung.
    Wie ist es mit der Tatsache, dass diese Lampen ein absolut nicht-lineares Spektrum haben? Verfälscht das nicht auch wieder ganz schön?

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    • Markus

      Im Kernbereich ist das Spektrum dieser Lampen doch recht ordentlich, sie werden sogar in prof. Normlichtlösungen eingesetzt. Eine perfekte Lösung erhält man mit diesem geringen Aufwand natürlich nicht.

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  3. Christoph

    Habe mir das nun auch für meinen Eizo 2231 zugelegt. Fehlt nur noch der Spyder3 Pro zum ausmessen… 🙂 Mal schauen! Danke jedenfalls für die Tips. Ich hab mir 2 Global mal jetzt blind gekauft, kosten eh nen Pappenstiel…

    LG Chris

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  4. Markus

    Jaja -der WAF 😉

    Glücklicher Weise steht meine Frau voll und ganz hinter dem was ich mache. Zudem kann ich mich in meinem Homeoffice nach Herzenslust austoben. Wie du aber schon schreibst, ist es eine Gewöhnungssache: Wenn ich von der Bildbearbeitung mit kühlem Normlicht zur Musikproduktion mit gedimmten Halogenleuchten und Lavalampen wechsle, ist das schon ein extremer Unterschied …
    Wenn du tagsüber unter dieser Beleuchtung sitzt, ist es eigentlich kein großer Unterschied zum Tageslicht (von dem mein Büro reichlich bekommt). Wenn du aber von Glühlampenlicht auf diese Farbtemperatur wechselst, kommst du dir vor wie im Leichenschauhaus – aber es nützt halt …

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  5. Konrad Bauckmeier

    Ja, bei mir scheiterte es am WAF (Woman Accept Factor). Zwei zusätzliche Schreibtischlampen waren nicht möglich und als Schreibtischbeleuchtung fürs tägliche war es von der Farbtemperatur einfach zu weit weg von den anderen Leuchtmitteln im Haus.
    Ich vermute am Normlichtarbeitsplatz muss man sich am Anfang und am Ende jeweils umgewöhnen, aber merkt es zwischendrin nicht so, oder?

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  6. Markus

    Für die „normale“ Beleuchtung ist das freilich nichts, ist eben Normlicht …
    Da musst du dich mal 8 Stunden an einen Normlichtarbeitsplatz setzen …

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  7. konus

    09.06.2008: Also ich habe es ausprobiert und für meinen Geschmack ist das Licht zu kalt, da ich die Lampen auch noch als normale Schreibtischbeleuchtung verwenden möchte.
    Falls jemand die Leutmittel haben möchte: Ich verschenke 3 Stück gegen Portoerstattung. Mail an md.5.konus@spamgourmet.com

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  8. Markus

    Hi Marco!

    Freut mich, wenn es nützt! Wie gesagt: Keine Profilösung, aber im Vergleich mit diesen garnicht so viel davon weg und „alltagstauglich“.

    Klasse Konzertfotos zeigst du da auf deiner Seite! Verrätst du mir, welche Optiken am Start sind?

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  9. Markus

    Hallo Sabine!

    Die Dulux bekommt man meist auch in großen Elektromärkten, allerdings musst du wirklich darauf achten, dass es die 865 Modelle sind, das ist auch nochmal unten am Lampensockel aufgedruckt, falls du dir nicht sicher bist.

    Antworten
    • Zille

      Falsch!
      die 865-Modelle haben einen RA-Wert von etwa 80. Für farbkritische Arbeiten braucht man aber einen RA-Index von 90 oder besser.
      Die richtige Bezeichnung ist 965 – 9 steht für RA über 90, 65 für 6500K. Immer noch keine optimale Lösung, aber schon sehr dicht dran. 🙂

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  10. Sabine

    Die Idee ist Hammer – woher weißt du denn das alles nur? Ich werde am WE sofort zur Ikea fahren und mir die Lampen besorgen. Diese Duluxdinger bekommt man wohl überall ?
    LG
    Sabine

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