Aloha Freunde! Lasst und doch mal über Equipment plaudern: Da gibt es bei den Fotografen die Ziegelmauer/Zollstockfotografen, die immer am Start sind, um neues Equipment zu testen und zu verreißen, die scheinbar ständig den kleinen „Ichbinnichtzufriedenmann“ im Ohr haben, der ihnen sagt, dass es da ja noch etwas viel besseres geben muss, als das Equipment […]

Dieser Beitrag wurde 2007 veröffentlicht.
Seitdem hat sich viel getan und manche Informationen und Links sind vielleicht nicht mehr aktuell!

Aloha Freunde! Lasst und doch mal über Equipment plaudern:

Mein WerkzeugDa gibt es bei den Fotografen die Ziegelmauer/Zollstockfotografen, die immer am Start sind, um neues Equipment zu testen und zu verreißen, die scheinbar ständig den kleinen „Ichbinnichtzufriedenmann“ im Ohr haben, der ihnen sagt, dass es da ja noch etwas viel besseres geben muss, als das Equipment das sie gerade besitzen. Die haben dann in den einschlägigen Foren innerhalb von 3 Monaten 1500 Beiträge geschrieben und kennen den genauen Wortlaut der Bedienungsanleitung auf Seite 143 auswendig.

Mancher weiß auch, dass meine zweite, große Leidenschaft die Musik als aktiver Musiker ist. Mit meiner damaligen Ausbildung als Radio-Fernsehtechniker, verschiedenen Weiterbildungen im Bereich der Ton- und Audiotechnik usw., kann ich auf ein gewisses Hindergrundwissen verweisen und noch heute befasse ich mich intensiv mit dem Thema Audioproduktion.

Was beide Themen, Fotografie und Tontechnik gemeinsam haben ist, dass hier ein extremer Equipmentfetischismus um sich greift.

Da wird im Musikbereich von einem minderjährigen Punkgröhler (nicht dass ich irgendwas gegen Punkmusik hätte) die Frage gestellt, ob man mit einem 500€ Mikrofon nicht sein Potential verschenken, und das zarte Stimmchen nicht von einem 2000€ Mikrofon besser aufgelöst würde … Der neutral denkende Außenstehende fragt sich hier: Welches Potential – welche Stimme? Achso das Gegrunze neben der verstimmten Gitarre und dem Schlagzeuger, der immer schneller wird? Soll der Bub erst einmal ein bisschen Gesangstechnik verinnerlichen, dann klingts auch mit einem 100€ Mikro.

Ebenso verhält es sich beim Thema Fotografie: Da werden besagte Ziegelmauern fotografiert um schonungslos unerhebliche Objektivschwächen bloßzulegen; Da werden Features als Minimum festgelegt, die kein Mensch braucht und überhaupt könne man nur gute Bilder machen, wenn man die Ausrüstung XY besäße. Das glauben dann auch die Jünger im Forum (die mit nur neun Beiträgen, weil sie sich gar nicht mehr fragen trauen), deren Amateurausrüstung (die ohnehin schon zu teuer, mit sie aber ganz zufrieden waren) gerade madig gemacht wurde.

„Hätte ich doch nur diese 2000€ Linse, dann könnte ich auch gute Bilder machen!“. Nein, würdest du nicht!

Du würdest vielleicht schärfere Bilder machen, aber keine besseren UND du würdest weniger Bilder machen, weil du dich ab jetzt nur noch mit dem Equipment statt dem Motiv beschäftigst, einen Zweitjob annehmen musst, um die sauteure Ausstattung abzahlen zu können, von der du noch nicht einmal 20% der Funktionen benutzt, weil du dir die Anleitung noch nicht durchgelesen hast und dir das Hintergrundwissen fehlt, was man damit eigentlich erreichen kann. Ende der Argumentationskette mit dem einzigen Argument, welches man nicht widerlegen kann: ISSO! (das ist so!) 🙂

Ich bin ein Typ für’s Mittelmaß: Ich nehme Equipment aus der qualitativ und preislichen Mitte und versuche damit die besten Ergebnisse zu erzielen – gönne mir dafür aber eine Frau aus der Luxusklasse und behalte die mein Leben lang 🙂 🙂 .

In der Audiotechnik nehme ich das, was für mich gut klingt (mir wurde bislang immer ein recht feines Öhrchen attestiert) und bezahlbar ist, genau wie bei der Fotografie. Sicher würde mich bei meiner Audioausstattung ein SSL-Channelstrip, ein Paar Adam S4 Lautsprecher oder auch ein Fodera Signature Bass reizen – ebenso wie eine Nikon D300 oder gar D3, aber ich wäre damit auch nicht besser, als mit meiner Nikon D80 und mit dem Fodera Bass klänge ich auch nur nach Markus D.

Der Markus am Vigier Passion III BassBei der Musik kommt es auf das Gefühl und das Gehör und beim Fotografieren auf das Gefühl und das Auge dafür an – in beiden Fällen kann ein Defizit nicht durch bessere Ausstattung ersetzt werden. Man kann allerdings üben und wenn es auf der billigen Gitarre klingt, klingt es auf der teuren erst recht und wenn das Foto an sich aufregend ist, ist ein bisschen Bildrauschen eh wurst …

So, zurück zum Fotoequipment: Meine ideale Ausstattung ist die, mit der ich derzeit fotografiere und die sieht so aus:

  • Nikon D80 D-SLR
  • Nikon AF-S VR DX Zoom 18-200 1:3,5-5,6 IF-ED
  • Nikon MB-D80 Batteriegriff (für meine großen Hände)
  • Nikon SB-800 Blitzgerät

Damit decke ich mittlerweile meine gesamten Anforderungen ab. Ergänzt wird alles noch durch eine Nikon 1,8 50mm Festbrennweite und einen Sigma EF500 EG Super Blitz, der im Slave-Betrieb per iTTL arbeiten kann. Dreh- und Angelpunkt ist dabei das extrem gute 18-200 VR-Objektiv – das Preisleistungsverhältnis ist absolut spitze, ich brauche nicht umständlich Linsen wechseln und dabei um Staub auf dem Sensor zu bangen!

„Dann hättest du dir halt gleich eine Bridge-Kamera gekauft!“, höre ich da schon wieder einen Einwurf. Nein, denn da habe ich nicht die Geschwindigkeit, den niedrigen Stromverbrauch und den hellen, scharfen Pentaprismensucher. Außerdem wechsel ich ja die Linse ab und an. Wenn die Stockfotoverkäufe weiter so laufen, hätte ich außerdem gerne auch einmal ein starkes Weitwinkelobjektiv (hier würde ich auf das Tokina ATX 4,0/12-24 Pro DX setzen, da das Nikon Pendant 12-24mm f/4 mit gut 1000€ einfach ein bisschen happig ist).

Ja und mit der harten Ausrüstung ist es ja dann noch nicht zu Ende – jetzt kommt ja erst noch die EBV mit der geeigneten Software und meinem bekannten RAW-Workflow (bitte die Seitensuche bemühen!) und schon passt der Lack! Da interessieren mich ein paar CA’s nicht mehr unbedingt – die werden weggeregelt PUNKT!

Mein Fazit: Versuchen mit der Ausrüstung die einem zur Verfügung steht, das Bestmögliche zu erreichen – es dauert IMHO sehr lange, bis man wirklich an die Grenzen der Ausstattung stößt, vorher kann man noch einiges an sich selbst verbessern. Wenn man dann ein Bild mit einer veralteten Kamera und einem einfachen Objektiv macht, das alle bewundern, ist man bereit für neues Equipment … oder noch kürzer: Shit in – Shit out! Basta!

5 Responses

  1. Gerd

    Den einzig guten schottischen Whiskey, den es überhaupt auf der Welt gibt, den trinke ICH immer in Mailand bei „Don Carlos“.

    Dieser Satz kann nur von einem Experten stammen. Immerhin sind jetzt seine Fingerabdrücke auf der Flasche.

    Genauso wie bei Amazon digitale Spiegelreflexkameras aufgelistet werden, einmal ausschließlich mit elektronischem Sucherbild, aber auch solche mit optischem Sucher. Hab auch schon einen Profi-Beitrag von der ersten digitalen Spiegelreflexkamera ohne Spiegel gelesen, bei der sogar ein Objektivwechsel möglich ist.

    Aber zurück zu den 24 MP. Solche Kameras sind nur für Leute, die kein Bild unter DIN A3 machen. Die Datenmenge solcher Bilder zwingt bei der anschließenden Bearbeitung jeden normalen Rechner in die Knie. Ich stelle mir gerade einen Zeitungsreporter vor, der jedes Bild auf 10% verkleinern muss, damit es in die Zeitung passt.

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  2. Hans

    Ich habe z Zt eine Canon EOS 20D mit einemTamron 18-200 und das Handling ist mir nicht vertraut.
    Vor ca. 15 Jahren habe ich mir eine Nikon F4 mit Festbrennweiten und Universalzoom von Tamrom gekauft und wenn die digitale Welt nicht eingezogen wäre, wollte ich nicht wechseln.
    Aber einmal prof. Nikon mit 15 Jahren Vertrautheit und Zufriedenheit (jetzt mit Canon-Intermezzo und 2 Reparaturen in 3 Jahren) treiben mich wieder zurück.
    Nikon kenne ich blind und denke, daß mich eine D3 die nächsten 15 Jahre mind. wieder begleiten wird.
    Resumee: Ich tausche meine F4 nach 15 Jahren gegen eine D3 für die nächsten 20 Jahre (nach kurzem Intermezzo bei Canon)
    Insofern relativiert sich das preisliche Verhältnis zu preiswerteren Cameras
    schon heftig, da ich bei prof. Nikons keine Reparaturen kenne (max.
    Inspektion und das sehr günstig und schnell)

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  3. Markus

    Ich glaube, da hast du was falsch verstanden: Wer sich eine Profiausrüstung kaufen will, soll es tun. Viele haben aber nicht das Potential, aus dem vorhandenen Equipment rauszukitzeln was drin steckt und versteifen sich auf teures Equipment, in der Hoffnung, dass dieses ihre Fehler ausgleicht.
    Es ist doch auch dir Frage, was man mit seinen Bildern erreichen möchte – um sie 10×15 oder auch mal 20×30 zu entwickeln, braucht man eben keine Topausrüstung.
    Ich arbeite täglich beruflich mit meiner Kamera, aber gerade dann überlegt man sich, ob das Spitzenobjektiv nötig ist, da hier die Ausrüstung ein Werkzeug und nicht Statusobjekt ist. Viele fühlen sich halt nur dann wohl, wenn das Ende der ausrüstungstechnischen Fahnenstange erreicht ist, ob sie es brauchen oder nicht – bis die nächste Kamera/Objektiv/sonstwas kommt …
    Ich müsste mir eine „Profiausrüstung“ jetzt nicht unbedingt vom Mund absparen – aber ich brauche sie nicht! Wenn es für dich die optimale Ausrüstung ist, freut mich das – ich möchte nur den anderen ein bisschen die Angst nehmen 😉
    Missionieren liegt mir übrigens fern – das wird dir auffallen, wenn du öfter meine Artikel liest – denn dazu möchte ich dich herzlich einladen!

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  4. Roland

    Jetzt sind wir aber alle froh, dass es mal wider einer gesagt hat…

    Sei doch froh wenn du zufrieden bist.
    Mir macht die Arbeit mit sauberem Equipment einfach mehr Spaß und es kommt mehr dabei rum.
    „kannst du doch garnicht ausreizen“ kommt immer. Aber gehts darum? Sein Equipment aus zu reizen? Wenn die nächst höhere Liga einfach ein Feature hat das ich haben will und der Rest mir völlig egal ist reicht das doch völlig.
    Ich hab mir z.b. als erstes tele überhaupt ein 70-200 2.8 IS USM gekauft und das war der beste Kauf bis jetzt.
    Ich hab das Ding jetzt 2Jahre und ich bin mir sicher, dass ich es irgendwann eh gekauft hätte wenn ich mir stattdessen „erstmal“ was billigeres gekauft hätte.

    Es gibt Leute denen reicht weniger und es gibt Leute die wollen mehr.
    Was ich nicht verstehe ist warum man sich immer gegenseitig missionieren muss.
    Die einen die weniger haben sind neidisch und erklären dir warum du das alles garnicht brauchst und die, die mehr haben erklären dir warum du mit „deinem billig kram“ eh nicht weit kommst…

    Ich habe eine EOS 40D, Canon 70-200 2.8 IS USM,C. 100 2.8 makro USM,C. 50 1.4 USM, Sigma 18-50 2.8, S. 10-20 4-5.6 HSM, C. Speedlight 430EX +Softbox und ein Manfrotto Stativ mit 3Wege Neiger und Kugelkopf.
    Ich bin nicht reich. Tatsächlich habe ich mir so ziemlich alles davon von meinem Zivildienst-sold abgesaugt, weil ich der Überzeugung war und bin, dass das genau das ist was ich haben will.
    Jetzt mache ich nicht nur bessere BIlder, sondern auch noch mehr davon, ganz im Gegensatz zu deiner Schlussfolgerung, weil es nicht nur mehr Spaß macht, sondern ich jetzt auch Bilder in Situationen machen kann, wo es vorher unmöglich war und habe ausreichend Spielraum in Situationen wo nurnoch abdrücken und beten half(dunkle Club Konzerte z.b.).
    Angenommen ich habe ein ausreichendes Maß an Begabung und „Zug zum Tor“, warum sollte ich dann nicht mit dem für mich optimalen Equipment arbeiten?
    Oder ist das am Ende doch wider der Uralte Futterneid?

    ich empfehle die Lektüre diesen Artikels wärmstens:
    http://www.luminous-landscape.com/essays/Yes_It_Matters.shtml

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  5. Markus

    Schön, daß Du dieses Thema mal aussprichst, der von dir so schön genannte Equipmentfetischismus verstellt einem doch zu leicht den Blick fürs Wesentliche – das Bildermachen nämlich. Es soll ja sogar hochbezahlte Profifotografen geben, die nicht die geringste Ahnung von Ihrer Kamera haben und völlig aufgeschmissen wären, wenn nicht der Assi die richtigen Objektive draufschrauben würde.
    Gruß aus Nordhessen, Markus

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