Es ist schon irgendwie eigenartig – man fotografiert seit vielen Jahren, erst analog dann digital. Man hat einige Kameras hinter sich gebracht, Stunden und Tage in der Dunkelkammer verbracht und per Versuch und Irrtum Filme und Fotos entwickelt und vergrößert. Die Dunkelkammer übte auf mich immer einen besonderen Reiz aus, da man hier, im Gegensatz […]

Dieser Beitrag wurde 2007 veröffentlicht.
Seitdem hat sich viel getan und manche Informationen und Links sind vielleicht nicht mehr aktuell!

Es ist schon irgendwie eigenartig – man fotografiert seit vielen Jahren, erst analog dann digital. Man hat einige Kameras hinter sich gebracht, Stunden und Tage in der Dunkelkammer verbracht und per Versuch und Irrtum Filme und Fotos entwickelt und vergrößert. Die Dunkelkammer übte auf mich immer einen besonderen Reiz aus, da man hier, im Gegensatz zur Entwicklung im Großlabor, immer noch einen gewissen Einfluss auf das Endergebnis hatte.

Mit der Digitalen Fotografie war RAW, mangels ausreichend großer und erschwinglicher Speicherkarten und bedienbaren RAW-Werkzeuge, erst kein Thema und wenn dann nur für ein paar Experimente gut. Das Standardformat war JPEG, denn es ist einfach zu handeln, braucht wenig Speicherplatz und ist sofort so verfügbar, wie die Kamera es eben aufgenommen hat.

Eben: So wie es die Kamera aufgenommen hat. Fehler im Weißabgleich oder eine halbe Blendenstufe unterbelichtet und man hat schon ein Problem. Wenn ich mir das Menü meiner Nikon D80 oder anderer Kameras ansehe, dreht sich ein Großteil der Parameter um die (JPEG-)Bildqualität. So hat man Einfluss auf die generelle Sättigung, Scharfzeichnung, Tonwertkurven,  Farbton, Rauschunterdrückung usw.. Grabenkämpfe entzünden sich gar an der Frage sRGB I oder III oder doch noch besser: Adobe RGB, da es doch einen größeren Farbraum hat Eine kleine Anmerkung dazu: sRGB oder Adobe RGB – der Unterschied ist was für Haarspalter, Fotodienste wandeln ohnehin wieder nach sRGB, da die Belichter grundsätzlich damit arbeiten …

Als RAW-Fotograf kann man diese Diskussionen gleich mal hinter sich lassen, denn: RAW-Photographer do it later 🙂  (das Copyright zu diesem Spruch liegt bei mir!). Bei der D80 ist ein Foto im JPEG-Fine Modus etwa 3,5MB und ein RAW-Bild (da verlustlos komprimiert) etwa 6 MB groß. Eine SanDisk Extreme II 4GB SD-Karte (die genügen in diesem Modell voll und ganz), kostet heute inkl. einem schicken kleinen USB-Kartenleser etwa 43€ und darauf passen etwa 340 RAW-Fotos im Vergleich zu ca. 450 Jpeg’s – so what!?

Wo ist aber nur die „Revolution“? Diese hat für mich mit Adobe Lightroom begonnen, denn damit ist es nur möglich, sehr schnell, viele RAW-Fotos zu bearbeiten und zu „entwickeln“. Im Gegensatz zu meinen ersten RAW-Attitüden im Jahr 2004 (hier habe ich ungefähr 300 RAW-Bilder (und 800 Jpegs) aus dem Urlaub mitgebracht und bin bei der Konvertierung fast verzweifelt), ist es mit dem integrierten Workflow von Lightroom einfach eine Freude, die Fotos vom Datenträger zu holen, dabei gleich ein paar allgemeine Keywords und „sprechende“ Dateinamen zu vergeben und dann den Wünschen gemäß anzupassen. Da viele Bilder oft die gleiche Beleuchtungs- und Belichtungssituation aufweisen, ist da Kopieren bzw. Synchronisieren der Entwicklungseinstellungen eine große Hilfe. Im Endeffekt bin ich nun mit RAW-Dateien und Lightroom deutlich schneller, als früher mit JPEG, einer Bilddatenbank (in meinem Fall war es immer ACDSee) und Photoshop. Was aber noch wichtiger ist: Die Ergebnisse sind deutlich besser und flexibler!

Warum sollte man dann auf den Komfort und das Mehr an Sicherheit verzichten, welches das RAW-Format bietet? JPEG fühlt sich für mich mittlerweile an wie ein Polaroid oder der im Großlabor entwickelte Kleinbildfilm. Mit RAW ist man wieder in der virtuellen Dunkelkammer, in der man sich austoben kann, aber nicht muss. In der RAW-Datei sind oft echte 1,5 bis 2 Blendenstufen nach oben und unten möglich – ist beim JPEG die Zeichnung in den Lichtern oder Schatten erst einmal weg, kommt sie auch mit der besten Tonwertkorrektur nicht zurück.

Adobes Geniestreich ist aber die einmalige Kombination aus Bildverwaltung, Bearbeitung und Konvertierung. Varianten eines Bildes, wie z.B. eine S/W Version, verschiedene Zuschnitte oder Tönungen erstellen zu können, ohne dabei nennenswerten, zusätzlichen Speicherplatz zu verbrauchen oder gar das Originalbild antasten zu müssen, ist einfach eine ganz neue Perspektive, welche die Kreativität anheizt. Auch die Beschränkung auf relativ wenige, aber wichtige Bildparameter (im Vergleich zu der ausufernden Vielfalt von Photoshop) , lässt einen erstaunliche Ergebnisse erzielen – ich habe jedenfalls noch nie so gerne mit Farbbalancen und Tonwerten experimentiert, wie in Lightroom.

Ich denke jedenfalls, dass dem RAW-Workflow auch im Amateur- und Semiprofibereich die Zukunft gehört. Mir hat er auf jeden Fall neue Perspektiven und Möglichkeiten eröffnet. Wie ist eure Meinung?

8 Responses

  1. Marc

    Hi,

    ich fotografiere auch nur noch in RAW, hier kann ich wenigstens ‚mal eben schnell‘ ein paar
    Sachen richten, die mit JPG futsch sind.
    Ich kann es nur bestaetigen, Lightroom ist jeden einzelnen Cent wert!
    (Es verlangt aber auch Disziplin, man bekommt mehr, wenn man z.B. sofort die neuen Bilder
    mit aussagekraeftigen Keywords belegt. Dadurch findet man dann schneller seine Bilder wieder 😉

    Ein schoenes Wochenende,
    Marc

    Antworten
  2. Karl Kanal

    Hallo Markus,

    ich habe deinen Bericht gelesen und bin wieder einmal begeistert von deinen Wissen was die digitale Fotografie anbelangt. Nach deinen Flitterwochen werde ich eine Einführungsrunde zum Thema Adobe Lightroom / RAW bei Dir buchen …

    Viele Grüße
    Karl Kanal

    Antworten
  3. Horst

    danke für die info
    @rajue…ich kann beide gebrauchen sd und cf.
    ich weiss bloß das es viele fälschungen dieser karten gibt, nicht überall wo sandisk draufsteht ist sandisk drin.
    deswegen bin ich bei billigangeboten vorsichtig
    gruß horst

    Antworten
  4. rajue

    Ich bin reiner Hobbyfotograf und fotografiere 100% RAW. Dann kann ich hinterher alles aus meinen Bildern rausholen und auch mal kreative Entwicklungsschritte ausprobieren.

    Die Revolution hat für mich mit Apples Aperture begonnen. Sagenhaft innovativ. Bis dahin habe ich nur Capture NX für meine NEF-Dateien gekannt.

    Adobe hat mit Lightroom ziemlich schnell zurück geschossen aber beide Beta-Versionen (also Aperture und Lightroom) waren noch ziemlich buggy, leider hat Apple für die Beta (Aperture 1.0) viel Geld verlangt. Deswegen bin ich dann zur lange Zeit kostenlosen Lightroom Variante gewechselt. Also die dann 1.0 wurde habe ich das dann auch investiert und nie bereut.

    Kleines Manko: auf einer 4 GB Speicherkarte (die es relativ günstig bei Amazon gibt, Extreme III für ca 55,-) haben gerade mal noch ca. 240 Bilder Platz (Nikon D200).

    Fazit: definitiv die Zukunft der digitalen Fotografie. Ein einheitlicher Standard wäre aber so langsam mal angebracht (z.B. DNG).

    Antworten
  5. Horst

    ich bitte um die kaufadresse für die sandisk extreme 4 gb karte für 43 euro wen möglich.
    danke im vorraus
    horst

    ps…in bezug auf RAW hast du vollkommen recht

    Antworten

Und jetzt seid ihr dran! Schreibt doch einen Kommentar!

Mit gekennzeichnete Links sind Affiliate-Links zu Amazon