Digitale Demenz

Zu Weihnachten war’s bestimmt unter vielen Christbäumen wieder soweit: eine neue (oder vielleicht sogar die erste?) Digitalkamera fand sich darunter. Die Verkaufszahlen bei Digitalkameras steigen ungebremst, analoge Technik mit chemischen Filmen ist Schnee von gestern und spielt sogar im professionellen Bereich keine ernst zunehmende Rolle mehr. Menschen, die früher nicht …

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Digitale DemenzZu Weihnachten war’s bestimmt unter vielen Christbäumen wieder soweit: eine neue (oder vielleicht sogar die erste?) Digitalkamera fand sich darunter. Die Verkaufszahlen bei Digitalkameras steigen ungebremst, analoge Technik mit chemischen Filmen ist Schnee von gestern und spielt sogar im professionellen Bereich keine ernst zunehmende Rolle mehr. Menschen, die früher nicht viel für Fotografie übrig hatten, knipsen jetzt was das Zeug hält – kostet ja erstmal nichts und der „Polaroid-Effekt“ mit zur sofortiger Begutachtung der Fototrophäen oder Fotohandys mit brauchbarer Bildleistung, verleitet zum „draufhalten“.

Die meisten Bilder wandern erst einmal auf die Festplatte und sollte die nicht vorher schon die Grätsche, ein Systemabsturz mit fehlender Datensicherung oder ein Virus die Fotosammlung von 3 Jahren mit Taufe des Erstgeborenen, Urlaub auf Male und dem Foto mir Boris Becker den Garaus machen, kommen sie auf CD oder DVD.

Jetzt geben CD/DVD-Hersteller die Lebensdauer ihrer Datenträger, mit 70-90 Jahren an. Prima – Opa’s Hochzeitsbilder, sind auch so alt. Naja, die 70-90 Jahre gelten aber nur bei optimaler Lagerung, d.h. Dunkelheit, gleichmä??ige (niedrige) Temperatur, wenig Luftfeuchtigkeit usw. – aber benutzen sollte man sie auch nicht allzu häufig, denn Kratzer und Fingerabdrücke sind Gift für die lange Archivierung. Experten gehen von einer Archivierungsdauer von etwa 5-10 Jahren aus, bis mehr oder weniger starke Lesefehler Probleme bereiten – ein Effekt, den ich selbst schon bei meinen ersten Rohlingen von 1996 beobachten konnte.

Dann nehm‘ ich halt den besten Rohling, denn lieber ein paar Cent mehr, dafür mehr Datensicherheit ! Richtig, aber jetzt kommt ein Problem, über das sich viele Anwender garnicht bewusst sind: die Technik ist extrem schnelllebig. Wer von euch kennt noch den Befehl zum Laden einer 5 1/4 Zoll Diskette beim Commodore C64 !? Oder, wer hat überhaupt noch einen funktionierenden C64 samt 1541 Floppy?
Die CD oder DVD hat also 15 Jahre mit den Familienbildern durchgehalten, es gibt aber kein funktionierendes CD-Laufwerk mehr und dummerweise waren die Bilder im damals optimalen, herstellereigenen RAW-Format gespeichert und dafür gibt es leider auch keine Software mehr. Das uralte Dateiformat der CD kann Linux 2020 zumindest noch lesen, denn ein paar Linux-Freaks haben sich um den Erhalt bemüht und einer davon hat sogar ein Opensource-Programm zum Auslesen von Nikon’s NEF-Format gebastelt, weil er selbst betroffen war …

Also nehmen wir Amateure und Semiprofis unsere Fotosammlung und kopieren sie regelmä??ig nochmal zusätzlich auf ein zweites Medium (sollte der originale Datenträger mal versagen), dann immer auf die nächste, aktuelle Speichergeneration und konvertieren dabei auch gleich noch das Dateiformat zur angesagten Empfehlung – das bei 5000+ „leichtsinnig“ geschossenen Fotos pro Jahr: viel Spa??!

Der Laie macht das bestimmt nicht und somit wird von den unzähligen Digitalbildern dieser Tage, wenig für die Nachwelt erhalten bleiben, was nicht – wie früher – auf Papier entwickelt wurde, denn das ist ja bekanntlich „geduldig“.

Meine Tipps zur Fotoarchivierung:

  • sehr gute Rohlinge für sehr gute Bilder 🙂
  • Besser auf CD als auf DVD sichern, denn lieber 300 Bilder als 3000 Bilder unlesbar …
  • mit halber Schreibgeschwindigkeit brennen
  • zusätzliche Sicherheitskopien auf anderen Medien
  • RAW-Formate immer zusätzlich als JPG oder TIFF speichern
  • zusätzliche Datensicherungstools wie z.B. DVDisaster verwenden, um problematische Medien retten zu können
  • Regelmä??ige Sicherung von (nicht gebrannten) Datenbeständen auf dem Rechner auf z.B. eine externe Festplatte
  • eine ordentliche Verwaltung von Fotos auf CD und DVD mit einer geeigneten Software – ich habe nach vielen Tests inACDsee ein für mich ideales Tool gefunden
  • Immer ein kleines (Freeware-)Tool mit auf die Bilder-CD, das die darauf enthaltenen Formate lesen kann
  • Abzüge auf Papier von den wichtigsten Bildern
  • Stichprobenartig die aktuelle Qualität der Sicherungs-CDs messen, z.B. mit Nero CD-DVD-Speed um rechtzeitig umkopieren zu können

Viele diese Ma??nahmen gelten natürlich für alle Daten und Archivierungen – nicht nur für die geliebten Fotos …

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1 Kommentare zu “Digitale Demenz

  1. gute tipps. bandlaufwerke sind noch schlimmer, wenn man da das passende laufwerksmodell nicht an der seite liegen hat ist der ofen aus.

    neben bildern mit der digicam gibt es natürlich auch noch die guten alten dias. die verbleichen leider auch recht schnell. und das einscannen ist eine sisyphus aufgabe. habe neulich mit dem scannen begonnen, die dabei anfallenden datenmengen sind enorm, wenn man aus qualitätsfanatismus die höchste auflösung und ohne verluste auswählt. über 40mb das bild. da wird es schnell eng. macht wahrscheinlich gar keinen sinn, aber wer weiss, vielleicht will man ja mal in 2020 seine bilder mit einem projektor im megaformat an die leinwand schmeissen.

    mit den formaten sehe ich das nicht so schwarz, die wird man auch später irgendwie konvertiert bekommen. aber der permanente staffelllauf von einem medium zum nächsten wird wohl bleiben.

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