Klark Teknik 76-KT Kompressor vs. Plugin Kompressoren im Test

Der Klark Teknik Hardware-Kompressoren KT-76 ist ein absoluter Preisbrecher, wenn es um Clones der großen Kompressor-Vorbilder 1176 geht. Zum Plugin-Preis bekommt man hier echte 19-Zoll Hardware. Ich habe den Klark Teknik 76-KT in meinem Studio getestet und gegen Plugins antreten lassen.

Geschätzte Lesedauer: 7 Minuten

Durch den Umzug ins neue Haus und diverse andere Dinge, habe ich seit über 1 1/2 Jahren keine Musik mehr gemacht und mein Studio-Equipment war eingemottet. Nun baue ich gerade ein eigenes kleines Recording-Studio im Keller auf, habe mich von ein bisschen Equipment getrennt und neue Ausrüstung eingekauft.

Zwar bin ich ein ITB (In the Box) Mixer, ich mische also praktisch komplett mit Software im Rechner. Bei der Aufnahme nutze ich jedoch gerne einen Kompressor und diverse Preamps. Ich mag es einfach, wenn der Sound schon etwas „kompletter“ ist, wenn er aufgezeichnet wird. Auch hilft es bei der Aufnahme, wenn man über das Direct-Monitoring einen aufbereiteten Sound auf die Kopfhörer bekommt und man spart sich Probleme mit der Latenz.

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Versuchsaufbau

Wenn ich E-Gitarren und Bässe aufnehme, gehe ich ohnehin über einen Splitter und nehme das komplett unbehandelte Signal der Instrumente zusätzlich zu Mikrofonen und Preamps auf. Damit kann man später ggf. ein Re-Amping fahren oder es für Amp-Simulationen nutzen. Man ist damit nicht nur immer auf der sicheren Seite, es ergeben sich auch unendliche Möglichkeiten.

Aber auch für Mikrofonaufnahmen nutze ich schon immer etwas Kompression und/oder Limiting. Diese Arbeitsweise kommt ganz einfach von früher: Ich habe mich vor gut 30 Jahren das erste Mal mit Recording beschäftigt. Damals war Equipment wahnsinnig teuer und man nahm auf 4- oder 8-Spur Bandmaschinen oder Multitrack-Tape-Decks auf. Für den Mix blieben letztendlich nicht genügend Kompressoren, Noisegates etc. sodass man sich schon bei der Aufnahme für einen Sound und eine Einstellung entscheiden musste. Dieses Commitment führte aber auch dazu, dass man sehr viel zügiger gearbeitet hat.

Klark Teknik 76-KT – Hardware zum Plugin-Preis

Der Urei 1176, ist wohl so ziemlich der legendärste Studio-Kompressor. Darum gibt es auch jede Menge Clones und daran angelehnte Geräte. Warm Audio war bislang mit dem WA-76 einer der günstigsten Anbieter, dem man auch einen sehr authentischen Klang nachsagte.

Mit dem Klark Teknik 76-KT hat man aber nun eine weitere Möglichkeit, sich den 1176 Sound ins Haus zu holen und das zum unverschämten Preis von gerade mal 200 Euro. Möglich wird das natürlich nur durch die Fertigung in Fernost und einer erfahrenen Muttergesellschaft, nämlich der Music Group mit der Marke Behringer.

Behringer war übrigens schon damals das einzige Equipment, das für Homerecording erreichbar und erschwinglich war und einen Autocom MDX 1200 Kompressor von damals habe ich sogar noch und finde ihn auch heute gar nicht schlecht. Meinen ersten Kontakt mit einem original Urei 1176 Blackface, hatte ich 1993 im Delta Sound Studio in Wilster. Meine Bassaufnahmen liefen damals darüber.

Ausstattung

Zurück zum Klark Teknik 76-KT. Schon optisch ist das Vorbild ganz klar erkennbar. Input- und Output-Level, Attack- und Release-Regler, die Tastenreihe für Ratio und für die Darstellung der prominenten Pegelanzeige. Trafosymmetrierte Ein- und Ausgänge auf der Rückseite und ein kleiner Pad-Schalter, der für normale Studiopegel ausgeschaltet sein sollte. Mit einem Trim-Poti kann man die Aussteuerungsanzeige kalibrieren.

Die Rückseite des Klark Teknik 76-KT – leider ohne Link-Möglichkeit für den Stereobetrieb

Der große Kippschalter auf der Front erhellt die klassische Betriebsanzeige und die Hinterleuchtung des Anzeigeinstruments.

Wie beim Original, sind die Zeitkonstanten umso kürzer, je weiter man Attack- und Release-Regler in Richtung Uhrzeigersinn bewegt.

Wie stellt man einen 76-KT (oder 1176) ein?

Auch ohne Kompression erhält man beim Original etwas Färbung, was vermutlich am meisten auf die Übertrager zurückzuführen ist. Da macht der 76-KT keine Ausnahme – richtiges Gain-Staging vorausgesetzt, verhält sich der Klark Teknik auch erfreulich rauscharm. Lediglich im letzten Viertel des Output-Reglers hört man es vermehrt rauschen. In der Praxis ist aber selbst das selten ein Problem, außer es handelt sich sehr leise Quellen wie Konzertgitarren etc. aber dann stimmt meist auch etwas mit dem Gain-Staging nicht.

Schon beim ersten Test stellt man fest, wie schnell ein Hardware 1176 oder eben der Klark Teknik 76-KT ist. 20 Mikrosekunden als schnellste Attack-Zeit und 80 Mikrosekunden beim Release, sind schon eine Ansage und man kann Transienten sehr wirkungsvoll damit im Zaum halten.

Die übliche Vorgehensweise bei der Einstellung eines 1176 für eine wirksames, aber transparentes Limiting starker Transienten bei der Aufnahme geht so:

  • Attack auf den langsamsten Wert, also Regler nach links.
  • Release auf den schnellsten Wert, also Regler nach rechts.
  • Meter-Einstellung auf GR
  • Ratio auf 10:1 (auch 20:1 sind nicht unüblich)
  • Input nach rechts, bis maximal 4-6 dB Reduzierung angezeigt werden
  • Nun den Attack-Regler langsam nach rechts, bis das Signal dumpfer oder lebloser wirkt, ab da wieder ein kleines Stück zurück, also langsameres Attack. Man wird beim 76-KT
  • Die Release-Zeit passt man dem Material an, geeignete Werte liegen meist irgendwo zwischen 11 und 14 Uhr. Man darf den Kompressor einfach nicht „pumpen“ hören
  • Mit dem Output-Regler evtl. Pegelverluste ausgleichen und so aussteuern, dass beim Interface max. -12 bis -10 dB ankommen.

Das ist übrigens nicht nur beim 76-KT und 1176 ein guter Startpunkt, sondern auch bei vielen anderen Kompressoren. Diese Einstellung hält Peaks bei Bass, Akustikgitarre (hier eher 3-4 db), aber auch bei Vocals im Zaum. Gleichzeitig bekommt das Signal durch den 76-KT eine leichte Färbung .

Der 76-KT verhält sich bei diesen Einstellungen immer sehr transparent und zuverlässig. Man sollte nur darauf achten, dass die Attack- und Releasezeiten nicht zu kurz werden, denn das kann man später nur noch schlecht reparieren. Sind die Transienten weg, dann sind sie weg …

Es gibt noch die „Dr. Pepper“ Regel. Der amerikanische Brausehersteller empfahl in den 60er Jahren, jeweils um 10 Uhr, 2 Uhr und 4 Uhr eine Dr. Pepper Cola zu trinken, um einen Zuckerschub zu bekommen. Daraus wurde eine Grundeinstellung für den 1176:

Attack auf 10 Uhr, Release auf 2 Uhr und Ratio auf 4:1.

Der Sound des 76-KT vs. Plugins

Ich habe den Klark Teknik 76-KT gegen einige meiner Lieblings-Plugins antreten lassen. Gleich vorweg: Der 76-KT ist eine ganz andere Liga. Das zeigt sich vor allem dann, wenn es um extreme Einstellungen geht. Dreht man beim 76-KT (und 1176) Attack und Release ganz nach rechts, All-Buttons in, entsteht eine, neben einer kräftigen Kompression, auch ganz spezielle Verzerrung, die sich besonders gut auf Bass-Aufnahmen macht, aber auch für heftige Vocals geeignet ist.

PSP FETpressor

Dieser Sound lässt sich mit Plugins, die sich an den 1176 anlehnen, gar nicht oder nur teilweise realisieren. Am besten schlug sich hier der PSP FETpressor, den ich ohnehin für eines der besten Kompressor-Plugins halte.

Auch der Stillwell Rocket schlägt sich verdammt gut.

Stillwell Audio The Rocket

Am weitesten von der Hardware entfernt, ist der IK Multimedia Black 76 – aber nur bei extremen Einstellungen.

IK Multimedia Black 76

Er klinkt deutlich dunkler, hat nicht die schnellen Attack-Zeiten und lässt sich auch nicht zur oben genannten Verzerrung bewegen. In moderaten Settings hat er aber eindeutig den Charme der Hardware.

Soundbeispiele

Ich habe euch einige Soundbeispiele aufgenommen und im Vergleich dazu die genannten Plugins antreten lassen. Es geht dabei darum, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede darzustellen. Den 76-KT habe ich in Reaper per Rea-Insert eingebunden, sodass ich es dort wie ein Software-Plugin nutzen und einfach zwischen allen Plugins wechseln, vergleichen und einstellen kann.

Angezerrter Rockbass mit extremen Einstellungen

Um die markante Verzerrung des 1176 bei extremen Einstellungen (Attack- und Release nach rechts auf schnellste Einstellung, All-In) zu erzeugen habe ich versucht, mit allen Plugins auf einen ähnlichen Sound zu kommen. Beim IK Black 76 war es nicht möglich. Ein Yamaha BB-425 ging in einen SansAmp RBI und dann direkt ins MOTU 828 Mk III Interface.

E-Bass Sansamp RBI – Original
E-Bass Sansamp RBI – Original – Klark Teknik 76-KT All-In Distortion
E-Bass Sansamp RBI – IK Multimedia Black 76 All-In Distortion (gleiche Einstellung)
E-Bass Sansamp RBI – Stillwell Rocket All-In Distortion (angepasste Einstellung)
E-Bass Sansamp RBI – PSP FetPressor All-In Distortion (angepasste Einstellung)

Akustikgitarre mit leichter Kompression

Die Akustikgitarre – eine Recording King RD-06 – habe ich mit leichter Kompression bearbeitet. Dabei waren die Kompressoren auf mittlere Attack- und Release-Zeiten (12 Uhr am 76-KT), 4:1 Kompression und einer Pegelreduktion von gut 3 db eingestellt.

Akustikgitarre – Original
Akustikgitarre – Klark Teknik 76-KT
Akustikgitarre – IK Black 76
Akustikgitarre – Stillwell Rocket
Akustikgitarre – PSPaudioware FetPressor

Drums – Smashing

Mit 20:1 Ratio, Attack 2 Uhr, Release 10 Uhr, Pegelreduktion: bis 20 dB. Es kommt schön der Raumanteil hervor.

Drums – Original
Drums – Klark Teknik 76-KT
Drums – IK Black 76
Drums – Stillwell Audio Rocket
Drums – PSPaudioware FetPressor

Vocals – leichte Kompression für Tracking

Der Vocal-Track stammt von meinem langjährigen Freund und Sänger Rainer Ludwig. Für seinen beträchtlichen Ton- und Dynamikumfang, habe ich ein Ratio von 8:1, Attack 6, Release 5 (also relativ schnell), bei einer Pegelreduktion von 6-7 dB gewählt.

Vocals – Original
Vocals – Klark Teknik 76-KT
Vocals – IK Black 76
Vocals – Stillwell-Audio Rocket
Vocals – PSPaudioware FetPressor

TL;DR – Fazit und Bewertung

Klark Teknik KT-76 Kompressor

Klang
Ausstattung
Verarbeitung
Preisleistung
Haben-Muss-Faktor

Fazit

Der Klark Teknik 76-KT ist ein „No-Brainer“ wie der Ami gerne sagt. Innerhalb der letzten 4 Wochen ist der 76-KT unter 200 Euro gefallen und er ist jeden Cent wert. Die Verarbeitung ist sehr gut. Der Klang ist toll und noch ein Stück lebendiger als es die Plugins bieten. Für das Tracking ist er die erste Wahl und für praktisch jedes Signal geeignet.

Einen Nachteil hat er: Man möchte mindestens zwei davon im Rack und hier komme ich zum einzig wirklich richtigen Kritikpunkt: Klark Teknik hat keine Stereo-Link Funktion vorgesehen. Der Einsatz auf einer Stereo-Spur, einem Bus oder als Master-Kompressor ist damit deutlich aufwendiger und teilweise unmöglich, weil getrennt agierende Monokompressoren das Stereobild ungewollt wandern lassen können.
Für alle, die noch keinen Hardware-Kompressor im Studio haben, wäre das die beste Empfehlung für einen günstigen Einstieg.

4.6

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Tobias
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Tobias

Sehr guter Bericht zum 76-KT. Der besten, den ich bisher gelesen habe und auch die Sundbeispiele sind gut.