Weihnachten 2025: Wir sitzen bei 27 Grad im Schatten beim Grillen auf der Terrasse, die Palmen aus dem Fichtelgebirge sind ein beliebtes Exportprodukt für das ständig unter einer 10cm dicken Schneedecke liegende Dubai. Wir genießen ein Schwalb (ein Genprodukt aus Schwein und Kalb) und würden uns gerne ein paar Bilder aus der „guten alten Zeit“ […]

Dieser Beitrag wurde 2007 veröffentlicht.
Seitdem hat sich viel getan und manche Informationen und Links sind vielleicht nicht mehr aktuell!

klimawandel_eisbaer_karikatur.jpgWeihnachten 2025: Wir sitzen bei 27 Grad im Schatten beim Grillen auf der Terrasse, die Palmen aus dem Fichtelgebirge sind ein beliebtes Exportprodukt für das ständig unter einer 10cm dicken Schneedecke liegende Dubai. Wir genießen ein Schwalb (ein Genprodukt aus Schwein und Kalb) und würden uns gerne ein paar Bilder aus der „guten alten Zeit“ ansehen. So um 2007 war alles noch recht normal, wir hatten noch Fichten, kalte Winter und Tausende von Digitalfotos auf unserer Festplatte.

Es wurden riesige Mengen an Fotos gemacht – kostete ja erst einmal nichts, denn Datenspeicher waren groß und billig. Die meisten von uns waren sehr sorglos im Umgang mit den digitalen Preziosen und ließen sie auf den Festplatten der PCs und Notebooks dahinvegetieren. Die Fotos befanden sich in verschiedenen Ordner, an ganz unterschiedlichen Stellen und es war damals schon schwer, die Bilder wiederzufinden. Die Gewissenhaften unter uns brannten die Bilder regelmäßig auf CD und DVD – war das ja als die ideale Backuplösung bekannt und Rohlinge waren dank Aldi & Co. spottbillig.

Im Laufe der Jahre passierte es aber: Der Rechner musste nach einem Wurmbefall neu installiert werden. Also flugs formatiert und das neue Betriebssystem aufgespielt: Schei …. ich hab ja ein Verzeichnis mit über 1200 Bilder vom letzten Urlaub, Kindergeburtstag und der Taufe unseres Jüngsten vergessen – alles weg. Naja, wenigstens habe ich ein paar Bilder davon ausgedruckt, nur der Ausdruck war schon nach 4 Jahren so verblasst, dass man fast nichts mehr darauf erkennen konnte …

Dann quittierte die Festplatte des Notebooks ihren Dienst, es sind aber ja noch die guten Backup-CDs da. Aber über eine bin ich damals mit dem Bürostuhl gefahren, als sie mir herunterfiel und ich sie aufheben wollte – die war nicht mehr zu retten. Die anderen hatten aber auch so ihre Macken, denn einige ließen sich gar nicht mehr richtig auslesen und andere wurden richtig durchsichtig und gleich gar nicht mehr vom CD-Laufwerk erkannt.

Und heute 2025: Optische Datenträger gibt es schon seit fast 10 Jahren nicht mehr, geschweige denn die Laufwerke, mit denen man die alten Datenträger lesen könnte. Es gibt ja noch nicht einmal mehr die Schnittstellen, seit das NewGrid (der Nachfolger des alten Internets) Datenspeicher und Betriebssystem ist und der alte PC wurde damals bei Ebay verscherbelt, da man sich nicht vorstellen konnte, dass der noch mal nützlich wäre. An die Bedienung könnte ich mich allerdings ohnehin nicht mehr erinnern.

Tja, hätte ich mir damals doch ein bisschen mehr Gedanken um die wertvollen Erinnerungen gemacht. Mit einer Bildverwaltungssoftware wie Googles Picasa, die es damals kostenlos gab, hätte ich sehr einfach Ordnung in meine Bildersammlung bringen können und Schlagwörter, Kataloge und Beschreibungen hätten mir auch das Wiederfinden erleichtert. Außerdem hätte ich daraus ganz schnell die wichtigsten Fotos zu Bilderdiensten schicken können, die mir die Bilder auf Fotopapier ausbelichten – die Papierabzüge von Uropas Hochzeit 1925 kann man sogar heute noch ansehen – nach 100 Jahren.

Hätte ich mich doch auch ein bisschen mehr um sichere Backups gekümmert. Externe Festplatten gab es doch für den Preis zweier Abendessen beim Griechen um die Ecke, der übrigens nach Norwegen gezogen ist, da es ihm in seiner alten Heimat – dem Wintersportgebiet Rhodos – einfach zu kalt geworden war.

Anbieter wie Amazon boten mit ihrem S3 Service Online-Speicherplatz für 0,15$ pro Gigabyte und Monat, oder die US-Firma Hostmonster mit ihren 300GB Speicherplatz für 5,95$ (nicht mehr zu empfehlen!). Da hätte ich doch die schönsten Bilder hochladen können und eine zusätzliche Sicherung gehabt, als damals unser Haus wegen der Waldbrände nach der langen Dürreperiode abgebrannt war und die Backups gleich mit.

Dann kam 2014 noch diese Patentklage von Gigasoft, einer Nachfolgefirma von Microsoft, gegen das JPEG-Format. Jeglicher Vertrieb von Software, die dieses Format unterstützt, durfte nur mit der Zertifizierung von Gigasoft erfolgen – das konnten sich aber die Free- und Sharewareautoren nicht leisten. Man konnte aber auch die Bilder mit einem kostenlosen Tool in das neue GSPIC-Format konvertieren – nur bis ich alle Speicherorte und CDs gefunden und konvertiert hätte, wären wohl mehrere Wochen vergangen. So habe ich es bleiben lassen und nun kann ich auch diese Bilder nicht mehr retten.

Hätte ich doch alles an einem zentralen Ort gespeichert. Man hätte die Batchfunktion des Tools nehmen können und das hätte über Nacht alles schön konvertiert – ohne Aufwand. Die ganzen neuen Speicherlösungen hätte man ganz einfach nutzen können und die Daten immer auf dem neuesten Stand der Technik gehabt.

Die Kameras haben sie uns damals an jeder Ecke angedreht und Digitalfotografie als supereinfach hingestellt – war es ja auch. Aber kein Schwein erzählte damals was davon, dass die Bilder vielleicht irgendwann verschwunden sind.

In den Bedienungsanleitungen der Kamerahersteller wurde jeder Mist beschrieben, hätten die nicht einmal ein bisschen Tipps geben können, wie man die Fotos über die Jahre bringt? Die ganzen Magazine schrieben nur über noch mehr Megapixel und Gesichtserkennung, aber nichts darüber, wie man auch in 30 Jahren noch Freude an den Bildern hat.

Sicher gibt es einige Dienstleister, die sich auf die Rettung antiker Datenbestände spezialisiert haben, aber das kann man nicht bezahlen, auch wenn die verlorenen Erinnerungen unbezahlbar sind.

Ja, da gab es schon damals so ein paar Schwarzseher, die in ihren Weblogs (das waren die Vorläufer der heutigen Tageszeitungen) predigten, man solle sich doch mal ein paar Gedanken zur Datensicherung machen, aber das hielt ich auch nur für Panikmache und den Spleen dieser Technikfreaks – nichts was für den Normalanwender wichtig wäre. Außerdem wollte ich fotografieren und mich nicht mit so einem Technikkram beschäftigen.

Ach hätte ich doch …

9 Responses

  1. localwurst

    Danke, Markus! Mit Deinem Eintrag sprichst Du mir vollkommen aus der Seele, weshalb ich ihn umgehend verlinkt habe… Deinen Blog merke ich mir mal — weiter so! 😉

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  2. Markus

    Nee, ihr versteht mich da leider immer falsch: Der Online-Speicherplatz ist eine zusätzliche Lösung, nicht das alleinige Backup. Das Online-Backup ist das Backup, das nicht in der Nähe des Hauptbackups „gelagert“ wird, daher ist es egal, wenn ein Anbieter nicht mehr verfügbar ist, dann wird nämlich das Hauptbackup einfach wieder beim nächsten Provider aufgespielt! Deshalb ist hier auch kein High-Quality mit Hochverfügbarkeit etc. erforderlich – die günstigste Lösung mit dem meisten Speichervolumen ist die beste – siehe Hostmonster!

    Und das mit der NASA ist klar: Die wollen halt noch immer verheimlichen, dass sie gar nicht auf dem Mond waren 🙂

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  3. Blui

    Die Idee mit dem Online-Speicher ist ja ansich ganz gut. Allerdings, was ist wenn diese Online-Webspace-Anbieter plötzlich pleite sind oder denen mal die Hütte wegbrennt? Wer kann sicher sein das dabei nicht auch gleich das Backup mit drauf geht.
    Also doch alles auf externe Festplatten, hoffen das es auch in 20 Jahren noch Adapter gibt mit denen man die an den PC (oder was immer es dann gibt) anschließen kann und dazu als Backup einen Onlinespeicher und einen Satz Ausdrucke auf einem vernünfigen Fotobelichter.

    Dazu fällt mir dann noch die Anekdote ein das die Nasa einen Großteil ihrer damals bei den Mondlandungen aufgezeichneten Daten nicht mehr lesen kann weil zum einem noch funktionsfähige Lesegeräte fehlen und zum anderen die Datenträger einfach hinüber sind.

    Und außerdem: Wer schaut sich denn in 20 Jahren schon noch die 30.000 gespeicherten Bilder an 😉

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  4. Markus

    Ja, ich hatte selbst schon das Problem: CD-R Rohlinge waren nach 4-Jahren nicht mehr lesbar, obwohl es sich um Markenware handelte. Selbst eine gepresste Musik-CD wurde nach 6 Jahren regelrecht durchsichtig und nicht mehr nutzbar.

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  5. Jörg

    Das mit den Palmen ist vielleicht etwas übertrieben, aber der Rest nicht. Die billigen Rohlinge lassen sich oft schon nach 4 bis 5 Jahren nicht mehr lesen. Und das ohne sie jemals aus dem Case geholt zu haben…

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  6. Markus

    Naja, das Zukunfstszenario ist natürlich eine Übertreibung (hoffentlich!) und soll mehr die Unberechenbarkeit unserer Zukunft symbolisieren. Ich sehe das mit dem Klimawandel auch etwas skeptischer, da es wirklich sehr gegensätzliche Thesen gibt und schon immer starke Schwankungen gab, dass wir aber nicht so weitermachen sollten ist auch klar.
    Die Natur überlebt uns auf jeden Fall, ist nur die Frage, ob wir die zukünftige Natur überleben ….

    Was das Thema Datensicherung ansich angeht ist es für mich immer wieder erschreckend, wie wenig Gedanken sich selbst Leute aus dem IT-Fach über ihre (privaten) Daten machen und wie schlecht sie informiert sind.

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  7. Lars

    Klasse Artikel! Allerdings mit einem düsteren Zukunftsszenario :-(. Ich sehe das auch so, dass es in ein paar Jahren schwer sein wird, alle Daten auf dem aktuellen Stand zu halten. Wer kann beispielsweise heute noch die Disketten vom Atari bzw. Amiga lesen?

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