Die Welt unserer Andenken und Erinnerungen ist digital geworden. Wo früher ein Foto locker mal 100 Jahre überstand, zwar verkratzt, zerknittert und ausgeblichen, aber trotzdem immer noch nutzbar, sind wir bei den digitalen Medien wie Fotos und Video Effekten ausgesetzt, die den Totalverlust der geliebten Sammlung zur Folge haben können. Ich habe vor einiger Zeit hier […]

Dieser Beitrag wurde 2007 veröffentlicht.
Seitdem hat sich viel getan und manche Informationen und Links sind vielleicht nicht mehr aktuell!

Die Welt unserer Andenken und Erinnerungen ist digital geworden. Wo früher ein Foto locker mal 100 Jahre überstand, zwar verkratzt, zerknittert und ausgeblichen, aber trotzdem immer noch nutzbar, sind wir bei den digitalen Medien wie Fotos und Video Effekten ausgesetzt, die den Totalverlust der geliebten Sammlung zur Folge haben können.

Ich habe vor einiger Zeit hier schon einmal einen Artikel zum Thema geschrieben: Die digitale Demenz. Heute möchte ich euch meine Strategie zur Datensicherung bei Digitalbildern vorstellen. Wichtige Bilder werden natürlich nach wie vor bei einem Fotodienst ausbelichtet – so halten diese genau so lange wie andere Papierabzüge. Dank fortgeschrittener Technik bei den Entwicklungsprozessen und Papiersorten, sogar länger als früher. Wie kann man die Datensicherung weiter verbessern?

Datensicherung auf CD und DVD ist eine beliebte Methode, nur sind diese Medien nicht unbedingt sehr zuverlässig und die Qualität der Rohlinge nimmt durch den starken Preiskampf immer mehr ab, so dass sogar Markenrohlinge oft erschreckende Fehlerraten aufweisen. Egal ob Markenrohling oder nicht – die Haltbarkeit muss mit 5 Jahren bei selbstgebrannten CD und vor allem bei gebrannten DVDs schon als optimistisch angesehen werden. Ich hatte selbst schon CDs, die nach 3-4 Jahren nicht mehr vollständig lesbar waren, obwohl diese in einem Archivsystem staub-, temperatur- und und lichtgeschützt aufbewahrt waren.

Als zusätzlichen Schutz empfahl ich damals auch Tools wie DVDisaster, das Brennen bei max. halber Geschwindigkeit und immer die doppelte Sicherung. Ein Backup auf eine externe Festplatte ist, angesichts der günstigen Preise für diese Speicherlösungen, zwar obligatorisch (oder sollte es sein), aber auch diese ist irgendwann mal voll und Festplatten leben auch nicht ewig.

Hier kommen uns das Internet und allerorts verfügbare Breitbandzugänge zur Hilf

[tags] RAW, Fotografie, EBV, Nikon, Adobe, Lightroom[/tags]

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Gab es früher Filehoster, also eine Art „virtueller Festplatte“ im Netz, die 20MB oder 100MB Speicherplatz zur Verfügung stellten, gibt es jetzt einen Anbieter, bei dem man kostenlos 25GB (ja, richtig gelesen GIGABYTE!)  zum Hinterlegen seiner Datei bekommen kann. Bei http://uploadingit.com erhält man nach einer einfachen Registrierung 25GB Speicherplatz mit 50GB Traffic pro Monat, was für Datensicherungszwecke- oder besser Archivierungszwecke vollkommen ausreichend sein dürfte. Gegen eine Gebühr von 3$ bzw. 7$ pro Monat, kann man dann noch auf 50 bzw. 150GB aufstocken – entsprechend mehr Traffic inklusive. Da sich der Service offenbar in der Hauptsache durch die Einblendung von Google-Ads finanziert, dürfte zwar auch zukünftig kein FTP-Zugriff oder gar Upload-Plugin zu erwarten sein, da es sich aber ja nur um eine Archivierungslösung handelt, auf die man (hoffentlich) nicht täglich zugreifen muss, kann man auch mit dem HTTP- oder JAVA-Upload ganz gut leben.

Rechnet man im Durchschnitt mit 3MB für ein JPEG-Bild aktueller Kameras, kann man hier schon mal gut 8000 Fotos archivieren. Wer möchte, kann mit einem JPEG2000 Encoder (z.B. IrfanView) die Dateigröße nochmals deutlich reduzieren, wobei die Bildqualität praktisch identisch bleibt. So dürften hier um die 12000 bis 15000 Bilder möglich sein.

Fotografen die, wie ich, im RAW-Format fotografieren, haben es da etwas schwerer, da die RAW-Dateien deutlich größer sind und sich irgendwo bei 5-10MB pro Bild, je nach Kamera und Auflösung bewegen. Mit Nikon NEF-Dateien kommt man hier selbst bei guten Packern wie z.B. RAR- oder 7z (7Zip) auf bescheidene 6-10% Kompression.

Deshalb gehe ich den Weg über Adobes DNG (Digital Negative) Format, da man sich bei Adobe auch einigermaßen auf die Kontinuität der Formate verlassen kann und das DNG-Format auch offen steht. Damit kann man recht gut sicherstellen, dass dieses Format auch zukünftig noch lesbar sein wird, was bei den propäritären RAW-Formaten der Kamerahersteller nicht immer so sicher sein dürfte. Ich erreiche bei der Konvertierung von Nikon NEF nach DNG folgende Werte:

  • mit eingebettetem, großen JPG-Vorschaubild 25% Reduktion
  • mit eingebettetem, kleinen JPG-Vorschaubild 38% Reduktion

Man hat es beim DNG-Format wohlgemerkt nur mit einer anderen Form des RAW-Formats, aber mit den gleichen Möglichkeiten und kleinerer Dateigröße zu tun – und im ernst – wer nutzt denn schon dieses beknackte und langsame Nikon Capture NX, dass man dazu unbedingt NEF-Format erhalten möchte!?

Jetzt kann man auch als RAW-Fotograf etwa 5000 bis 7000 Bilder bei Uploadingit archivieren. Wer mehr benötig kann die genannten 50 oder 150GB mieten. Sicher könnte man sich mit einer anderen E-Mail-Adresse einen weiteren Account eröffnen, allerdings bin ich der Meinung, dass die Preise absolut fair sind und man solche Anbieter unterstützen sollte. Mal ehrlich: gute 5€ im Monat für die Sicherheit seiner Digitalbilder sollte man schon übrig haben, außerdem spart man sich eine zusätzliche, externe Festplatte und hat jederzeit und von überall aus Zugriff auf seine Bilder.

Wer von euch Adobe Lightroom zur Konvertierung, Bearbeitung und Organisation seiner RAW-Bilder nutzt, kann hieraus direkt ins DNG-Format umwandeln, Adobe stellt aber auch einen kostenlosen DNG-Konverter zur Verfügung: http://www.adobe.com/de/products/dng/ der die Umwandlung sehr zügig vornimmt.

Also: Foto-CDs rausgekramt, CD-weise RAW-Bilder nach DNG konvertiert, JPEGs entweder belassen oder als JPEG2000 speichern, bei UPLOADINGIT entsprechende Ordner angelegt und die Dateien hochgeladen, bis die Leitung glüht, was schon mehrere Stunden bis Tage dauern kann. Eine lokale Sicherung auf CD oder externer Festplatte wird natürlich nach wie vor gemacht, aber jetzt mit dem guten Gefühl, dass die Dateien zusätzlich an einem anderen Ort, in einem einigermaßen zukunftssicheren Format (DNG) gespeichert sind und dort entsprechende Backups etc. vorgenommen werden.

Ob es UPLOADINGIT ewig geben wird, darf man bezweifeln, aber es werden sicher immer wieder ähnliche Anbieter kommen, zu denen man sein Archiv „umziehen“ kann. Es ist aber eine sehr sichere, zusätzliche Backupmethode, die widrigsten Umständen wie Hausbrand, Überschwemmung, Einbruch, Hundeverbiss etc. stand hält – und da hat sie auch dem alten Fotoalbum etwas voraus und die MP3 Sammlung kann man auch gleich noch sichern. Selbst für Videos können die kostenpflichtigen 150GB ausreichen, wenn man diese in ein einigermaßen gut komprimiertes Format bringt. Lieber einen qualitativ etwas schlechteren Hochzeitsfilm, als gar keinen mehr …

4 Responses

  1. Markus

    Da hast du sicher Recht, aber unsere Augen werden auf absehbare Zeit gleich auflösen ;-). Und auch alte Fotografien sind nicht mehr zeitgemäß, verkratzt und verblichen aber: Sie sind noch sichtbar! Es geht IMHO nicht darum, Highend in die Zukunft zu befördern, sondern Inhalte zu bewahren und hier ist es halt so, dass ein pixeliges Bild besser ist als gar keines.

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  2. Stephan

    Format und Medium sind die eine Seite bei der digitalen Archivierung – die Datenmenge ist die andere:
    was vor 10 Jahren mit 150 dpi eingescannt worden ist erscheint schon auf heutigen Monitoren mit grosser Auflösung pixelig. Was wird in weiteren 10 Jahren davon sichtbar sein, wenn nur noch OLEDs oder Monster-Flats auf den Tischen stehen? Wahrscheinlich sollte man sich für solche Fälle ein paar 1024er TFTs im Keller halten 😉

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