Inkrementell, differenziell oder Vollbackup?

Bei der Datensicherung bieten viele Backup-Lösungen unterschiedliche Sicherungsmethoden an, die alle Vor- und Nachteile haben.

Jeder Sicherung geht zunächst einmal ein Vollbackup voraus. Nun könnte jedes Mal wieder ein Vollbackup machen, das braucht aber Zeit und Platz. Darum gibt es die inkrementellen und differenziellen Backup-Methoden.

Eine saubere Handskizze 🙂

Inkrementelles Backup:

Hier wird nach dem Vollbackup, das man z. B. einmal pro Woche oder Monat macht (abhängig von der Nutzung des Rechners), z. B. jeden Tag ein weiteres Backup erstellt, welches nur Dateien enthält, die seit dem letzten Vollbackup hinzugekommen oder verändert worden sind. Dabei baut ein inkrementelles Backup auf dem vorherigen auf, bis wieder ein Vollbackup gemacht wird.

Vorteile:

  • Jedes Inkrement enthält nur die Änderungen des vorherigen und ist dadurch recht klein
  • Das Backup der Inkremente geht schnell

Nachteile:

  • Sobald ein Inkrement fehlt oder defekt ist, können spätere Inkremente nicht geöffnet werden, da sie ja aufeinander aufbauen

Differenzielles Backup:

Hier wird nach einem Vollbackup in den differenziellen Backups immer die neuen und veränderten Dateien im Vergleich zum Vollbackup gesichert.

Vorteile:

  • Da sich jedes differentielle Backup auf das Vollbackup bezieht, können ein oder mehrere differentielle Backups fehlen und sich spätere Backups trotzdem nutzen.

Nachteile:

  • Die Teilbackups sind größer als beim inkrementellen Backup
  • Das Backup braucht mehr Zeit.

Wie groß soll das Backup-Laufwerk sein?

Systemfestplatten sind ja seit dem Einsatz von SSDs wieder etwas kleiner geworden und aus Gründen der Haltbarkeit, sollte man SSDs auch nur zu etwa 75% füllen. Hat man z. B. eine 500 GB SSD mit 300 GB Daten im Einsatz, sollte man auf jeden Fall immer mit der doppelten Größe des zu sichernden Laufwerks rechnen, also 1 TB für das Sicherungslaufwerk.

Die meisten Backup-Programme lassen sich so einstellen, dass das älteste Backup automatisch gelöscht wird, wenn der Platz auf dem Sicherungslaufwerk eine bestimmte Mindestgröße unterschreitet.

Warum ein NAS trotz Spiegelung noch keine Datensicherung ist

NAS (Network Attached Storage) Laufwerke gibt es seit vielen Jahren. Diese werden ins heimische Netzwerk als zentrales Laufwerk eingebunden und ermöglichen den Datenzugriff von verschiedenen Rechnern und Mobilgeräten aus. Meist sind zwei oder mehr Festplatten verbaut, sodass sich irgendwann die Legende ergab, dass man damit eine Datensicherung hätte.

Bei vielen Privatanwendern steht daher ein NAS mit zwei gespiegelten Festplatten (RAID 1). Die Logik der meisten ist: Speichere ich meine Daten auf das NAS, kann ja eine Festplatte ausfallen und trotzdem sind alle Daten noch auf der anderen Platte. Das stimmt zwar, aber es ist kein Backup!

Wenn die Hardware des NAS ausfällt, sind schnell beide Laufwerke beschädigt. Firmware-Updates laufen schief und löschen die Platten. Dann kann unsere Überspannung auch das NAS treffen.

Kurz und gut: NAS sind eine Verfügbarkeitslösung. Die Laufwerke sind von mehreren Anwendern nutzbar und beim Ausfall eines Laufwerks, kann der Betrieb ohne Unterbrechung weitergehen, sofern das NAS auch den Austausch der Festplatte im Betrieb (Hot Swapping) erlaubt.

Wenn ein NAS als Netzlaufwerk fest in Windows eingebunden ist, kann man durch Fehlbedienung (oder auch Vorsatz) trotzdem Daten löschen und ein Ransomware Virus kann auch SMB-Freigaben erreichen und verschlüsseln.

Wie nutzt man ein NAS für ein sicheres Backup?

Ein NAS kann aber sehr wohl ein Sicherungslaufwerk sein, wenn man mit ihm so umgeht, wie mit den externen Festplatten weiter oben im Text. Nichts anderes ist ein NAS: Eine externe Festplatte, die per Netzwerk für mehrere Benutzer erreichbar ist und ggf. ausfallsicher läuft. Verfügbarkeit rund um die Uhr dürfte aber für die meisten Privatanwender und Kleinbetriebe gar nicht erforderlich sein.

Nutzt man also ein NAS, sollte die Partition und Freigabe, auf der sich die Backups befinden niemals als Netzlaufwerk auf einem Rechner verbunden sein. Gute Backup-Programme (wie Macrium Reflect und Ashampoo Backup Pro) binden das Netzlaufwerk per UNC-Pfad ein z. B. \meinNASbackups

Dadurch können Anwender, unzufriedene Mitarbeiter, amoklaufende PCs, aber auch Viren das Backup-Laufwerk nicht erreichen und manipulieren.

Viele NAS-Hersteller liefern auch Backup-Software mit. Oft sieht man hier Acronis Trueimage, was durchaus eine gute Lösung ist.

Um daraus dann auch wieder eine wasserdichte Datensicherung zu machen, muss auch hier das Generationenprinzip angewendet werden. Darum müssen wir auch das NAS regelmäßig auf ein weiteres Laufwerk sichern, welches dann wieder an einem anderen Ort aufgehoben wird.

NAS-Systeme von QNAP und Synology haben hierzu bereit diverse Funktionen eingebaut. So kann man definieren, dass bestimmte Verzeichnisse oder Partitionen auf dem NAS automatisch auf ein USB-Laufwerk kopiert werden, sobald dieses eingesteckt wird (Replikation). Auch das gleichzeitige oder nachträgliche automatische Backup auf ein angeschlossenes USB-Laufwerk oder ein weiteres NAS sind häufig möglich.

Hauptmenü meines QNAP-NAS

Damit wird aus dem NAS ein zentrales Sicherungslaufwerk, auf das man alle Backups von allen Rechnern speichern kann und auch Smartphones und Tablets können es mit entsprechenden Apps als Backup-Ziel nutzen, um z. B. Fotos und WhatsApp-Chatverläufe zu sichern.

Was ist mit Online-Backups?

Viele Anbieter von Online-Backups haben sich in der letzten Zeit vom Privatmarkt zurückgezogen und bieten nur noch Firmen-Lösungen an. Übrig sind z. B. Mozy, was mittlerweile zu Dell gehört und das HiDrive von Strato. Letzteres agiert sogar TÜV-geprüft nach deutschen Datenschutzstandards und in deutschen Rechenzentren.

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4 Responses

  1. K.-D. Franzke

    Ein sehr interessanter Start in die Führung eines sicheren Backup! Sehr schön auch, das die „Spiegelung“ von Festplatten mal als nicht geeignet für Backup entlarvt wird. Meine Empfehlung ist der kostenlose BackUp Maker von ASCOMP Software GmbH.
    Ich freue mich schon auf die Fortsetzung des Artikels!

    Antworten

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