So, da isse nun: Die erste Windows Beta von Adobe’s Lightroom. Für Fotografen wie mich, die oft im RAW-Modus der Digital-SLR arbeiten, ist jede neue RAW-Konvertierungslösung interessant. Lightroom schickt sich an, eine Workflow-Lösung für den gesamten RAW-Prozess zu werden, inkl. Browsing, Verwaltungs- und Archivierungstool. ??hnliche Ansätze haben Pixmantec’s RawShooter (mit der sehr ausgereiften, kostenlosen „Essentials“ […]

Dieser Beitrag wurde 2006 veröffentlicht.
Seitdem hat sich viel getan und manche Informationen und Links sind vielleicht nicht mehr aktuell!

Adobe LightroomSo, da isse nun: Die erste Windows Beta von Adobe’s Lightroom. Für Fotografen wie mich, die oft im RAW-Modus der Digital-SLR arbeiten, ist jede neue RAW-Konvertierungslösung interessant.

Lightroom schickt sich an, eine Workflow-Lösung für den gesamten RAW-Prozess zu werden, inkl. Browsing, Verwaltungs- und Archivierungstool.

??hnliche Ansätze haben Pixmantec’s RawShooter (mit der sehr ausgereiften, kostenlosen „Essentials“ Version), PhaseOne, Bibble Pro, die Haustools der Kamerahersteller und andere – auch die Freeware Picasa von Google, versucht bereits mit zu mischen.

Vorab aber erst einmal: Warum im RAW-Format fotografieren? Ich höre eigentlich meist nur Argumente dagegen:

  • Es passen nicht so viele RAW-Dateien auf eine Speicherkarte!
    Bei den heutigen Preisen für Speicherkarten kein Argument mehr
  • RAW ist langsamer beim Fotografieren!
    Wenn die Karte schnell genug ist, ist RAW oft sogar schneller, da die JPG-Konvertierung wegfällt
  • Jedes RAW-Bild muss nachbearbeitet werden!
    Mit den richtigen Tools kann das sehr schnell erfolgen, Einstellungen lassen sich zwischen ähnlichen Bildern kopieren
  • RAW ist nur was für Freaks, mehr kann man da auch nicht rausholen!
    Tja, was soll man dazu noch sagen … dann kauf‘ dir erstmal eine viel teurere Kamera – die Fotos werden dann bestimmt besser 😉

Also ich sehe das so:

  • Speicherplatz habe ich mehr als genug, au??erdem einen Imagetank mit 20GB.
  • Ich bearbeite ohnehin nahezu jedes Bild nach – für was bräuchte ich sonst eine Digital-SLR !?
  • In RAWs ist gut 1 Blende nach oben und unten drin – und zwar mit Zeichnung in Tiefen und Lichtern.
  • Ich muss mich nicht ärgern, oder Klimmzüge unternehmen, wenn der Wei??abgleich mal nicht gepasst hat.
  • Ich kann Vignettierung (Abschattung im Randbereich) und chromatische Aberration (Farbsäume bei Hell/Dunkeübergängen) sowie Linsenverzeichnungen geschmeidig rausregeln.
  • Farb- und Luminanzrauschen bügel ich an der Wurzel nieder.
  • Ich kann die Schärfe fein steuern, je nach Anforderungen des Bildes.
  • Ich kann jederzeit ein RAW-Bild in den von mir gemachten Einstellungen nachregeln, ohne das sich die Quelldatei verändert und ich jeden Schritt erst wieder von vorne machen müsste.
  • Durch die Möglichkeit, mehrere Belichtungen von einem Bild zu bekommen, kann ich ein Composit aus diesen erstellen und in Photoshop mit Licht und Schatten der verschiedenen Bilder mit Hilfe von Masken malen (DRI)

Noch Fragen!? Mit Hilfe von RAW-Daten und guten Photoshop Kenntnissen, kann man signifikant bessere Fotos erzeugen, als dies mit einfachen JPEG-Dateien möglich wäre.Bislang habe ich auf Adobes Bridge mit dem hauseigenen RAW-Konverter gesetzt. Bridge ist ein recht guter Bildbrowser und der RAW-Konverter von Adobe auch nicht viel schlechter, als das von Nikon erhältliche Capture 4, das ziemlich lahm und buggy ist.

RawShooter Essentials ist eine nette und vor allem, schnelle Lösung für Batchkonvertierung etc., aber ich bevorzuge Bridge, wegen der guten Anbindung an Photoshop. Au??derdem mag ich die Möglichkeit, RAW-Einstellungen auf andere Fotos übertragen und als Sidecar-Datei mit sichern zu können.

Bibble hat meiner Ansicht nach keine so guten Konvertierungsergebnisse und PhaseOne’s Capture One ist einfach zu teuer (BTW: Was wird wohl Lightroom kosten !?).

Zurück zu Lightroom: Das Benutzerinterface ist ziemlich sexy – ein wichtiges Kriterium für Software :-). Die Aufteilung in die 4 Schritte: Library, Develop, Slideshow und Print, scheint sinnvoll, wobei man sich Slideshow und Print hätte sparen können. Der Import von über 6500 Bildern (JPEG, TIF und Nikon NEF gemischt), dauerte auf meinem P4 mit 3,2 GHz und 2GB RAM ca. 15 Minuten – nicht schnell, aber ok..

Gut gelöst, ist die Einteilung in Shoots (jedes Bild kann nur einem Shoot zugehören, was ja auch der Realität entspricht) und Collections (ein Foto kann mehreren Collections wie z.B. Aufträge, Portraits, Privat, Urlaub etc. angehören).

Alle importieren Bilder, werden in einem Filmstreifen am unteren Bildrand angezeigt, wahlweise auch nebeneinander (wie auf einem Leuchttisch) oder es können mehrere, ausgewählte Bilder gegenübergestellt werden (compare).

Laut Adobe, werden die Bilder und Metadaten in einer relationalen Datenbank verwaltet, die ebenso schnell durchsucht werden kann. Das klappt auch schon jetzt mit dem Filter-Suchfeld recht gut.

Was auffällt, ist die noch recht zähe Reaktion der gesamten GUI. CPU-Last und Speicherverbrauch schie??en in der Windows-Version schnell mal an die 100%. Adobe selbst scheint dies bekannt zu sein und gibt an, noch lange nicht an der endgültigen Performance angelangt zu sein.

Gut gemacht sind die Shortcuts, die mal schnell überflüssige Paletten verschwinden lassen und den Betrachtungsbereich maximieren. Bearbeitungsfunktionen blenden sich auf Wunsch kurz ein und nach der Korrektur wieder aus.

Der RAW-Konverter entspricht in der Qualität – nach meinen Tests – dem derzeitigen RAW-Plugin von Photoshop. Ich kann keine Unterschiede in Schärfe etc. erkennen, allerdings sind die Auto- bzw. Defaulteinstellungen in Lightroom heftiger (mehr Schärfung, Kontrast etc.).

Nett sind auch der Greytone-Mixer für schnelle S/W Fotos, die getrennte Dichteregelung für Highlights, Mids und Tiefen sowie das Split-Toning, das Farbkorrekturen in Lichtern und Tiefen getrennt ermöglicht. Mit der gesamten Einstellungspalette von Lightroom, lassen sich die häufigsten Korrekturen komplett ohne Photoshop erledigen.

Der Non-Destructive Ansatz von Lightroom, lässt sich auch auf JPG, TIFF und PST Dateien anwenden (wohl von Picasa abekuckt …). Jede Korrektur (auch Cropping), ist nur „virtuell“, die Quelldatei bleibt unangetastet und kann jederzeit verändert werden. Selbstverständlich setzt Adobe auf das eigene DNG-Format (Digital Negative), was man auch begrü??en kann, bringt es doch vielleicht etwas Verlässlichkeit in den wild wuchernden RAW-Markt, in dem jeder Hersteller sein eigenes Süppchen kocht.

Was zum echten Universalpaket für den digitalen Workflow (in der derzeitigen Beta) fehlt, ist die Möglichkeit Offline-Medien wie CD-ROMs, DVDs etc. zu verwalten, eine Brennfunktion um schnell mal Fotos zu archivieren oder an Kunden zu verteilen, Backup-Funktionen der Datenbank UND GESCHWINDIGKEIT!

Wenn ich mir was wünschen dürfte, wäre es die Konvertierungsqualität von CaptureOne, die Einstellungsmöglichkeiten und Oberfläche von Lightroom, die kontinuierliche Weiterentwicklung, Verschlagwortung, die Datenbankpflege, die Archivierungstools und den Brennkorb von ACDsee, die Geschwindigkeit und Einfachheit von Picasa, die Professionalität von Iview und Cumulus mit einer schnellen und nahtlosen Anbindung an Photoshop für 39,90 ??? 🙂

Lightroom ist es aber allemal wert, weiter beobachtet zu werden. Wenn Adobe an der Geschwindigkeit und dem Leistungshunger arbeitet, könnte es das Tool der Wahl für den RAW-Fotografen werden.

 

Und jetzt seid ihr dran! Schreibt doch einen Kommentar!

Mit gekennzeichnete Links sind Affiliate-Links zu Amazon