Begegnung der dritten Art: Das sagt ein Nikon-Profi zur Sony SLT-a77

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Ihr wisst: Ich fotografiere selbst seit vielen Jahren mit Nikon Kameras und hatte auch bislang nie daran gedacht, das System zu wechseln. Nach ein paar Wochen mit der Sony SLT-a77 bin ich ins Grübeln gekommen, denn mit dieser Kamera tun sich ganz neue Welten auf. Aus diesem Grund interessierte es mich, was ein wirklich eingefleischter Nikon-Profi zur Sony sagt.

Ich habe mit dem Kollegen, Freund und natürlich Fotografen, Jürgen Wunderlich kürzlich in unserer Agentur über die Sony SLT-a77 gesprochen und Jürgen war sehr interessiert, obwohl er über eine Nikon-Ausrüstung verfügt, bei der vielen anderen der Sabber aus dem Mundwinkel laufen würde:

  • 2 Nikon D700 Bodys mit Nikon Batteriegriff
  • 1 Nikon 24-70 2.8
  • 1 Nikon 28-300 VR
  • 1 Nikon 60 2.8
  • 1 Nikon 50 1.8
  • 1 Nikon 28-200 EF
  • 1 Sigma 12-24
  • 2 Nikon SB-800 Systemblitz
  • 1 Nikon SB-600 Systemblitz

Dazu kommen noch diverse Zubehörteile und ein sehr ordentliches Fotostudio mit 200 qm Fläche und einer Studioblitzanlage von Hensel und Walimex.

Nikon-Profi Jürgen Wunderlich http://www.jw-fotodesign.de

Nachdem ich wohl vor einigen Jahren auch nicht ganz unbeteiligt daran war, Jürgen von Canon weg und hin zu Nikon zu locken, wollte ich von ihm wissen, was er vom derzeitigen Sony-Flagschiff hält.

Jürgen ist in der Hinsicht ein Pragmatiker – er nutzt das, was am besten funktioniert und das muss nicht immer das aktuellste Modell sein, weshalb ihn eine Nikon D800 derzeit recht wenig reizt und er vom Nikon SB-900 Systemblitz wieder auf den SB-800 gewechselt ist. Stichwort: Überhitzungsproblematik.

Erste Eindrücke

Ich drückte Jürgen die Sony SLT-a77 samt dem Kit-Objektiv 2.8/16-50mm SSM einfach mal in die Hand. Sein erster Eindruck: „Fasst sich gut an!“ und nach einem bisschen Tastendrücken und Menü-Surfen sein zweiter Eindruck: „Fühlt sich an wie Nikon – kommt man schnell damit klar.

Sony SLT-a77 mit 2.8/16-50 Kit-Objektiv und Hochformatgriff

Interessant wurde es natürlich beim Blick durch den elektronischen Sucher, denn das war für mich eigentlich die größte Umgewöhnung. Auch Jürgen meinte: „Ist ein bisschen anders, aber die ganzen Infos im Display und dass man sämtliche Einstellungen und die Schärfentiefe ohne Abblendtaste sofort beurteilen kann, ist der Hit!

Vergleiche zur Nikon D700

Da Jürgen neben seinen erotischen Kalendern und Shootings für div. Magazine auch regelmäßig Hochzeiten fotografiert, ist eines seiner Hauptkriterien die Bildqualität und Geschwindigkeit bei wenig Licht. Gerade hier ist natürlich auch der Bildstabilisator gefragt, denn 1/30 s und ISO 3200 sind schon eine Standardeinstellung – gerade wenn es um Fotos in der Kirche geht.

Ein paar Testauslösungen später hörte ich nur „Wow, das ist schon der Hammer! Das Bildrauschen ist zwar etwas höher als bei meiner D700, dafür hat das Foto aber auch die doppelte Auflösung – und das mit APS-C Sensor„.

Sony SLT-a77 und ausgeklapptem Monitor

Besonders interessant fand Jürgen, dass man die Bildkontrolle auch im EVF machen kann, was gerade bei Aufnahmen im Freien sehr hilfreich ist; zudem muss die Kamera zur Bildkontrolle nicht abgesetzt werden. Der ausklappbare und dreh- und schwenkbare LCD-Monitor wusste auch sofort zu begeistern. Wir fragen uns beide, warum so etwas bei Nikon immer nur den Einsteigermodellen vorbehalten ist. Gerade bei der Produktfotografie auf dem Stativ leistet ein so flexibel einstellbarer Monitor gute Dienste und entlastet den Rücken.

Oha! Das 300 mm Objektiv und Peaking

Nachdem wir das Kit-Objektiv als extrem gut bewerteten, kam das Sony 70-300mm F4,5-5,6 SSM Objektiv auf die a77. Ein paar Auslösungen und Jürgen stellte fest, dass es nicht nur sehr schnell, sondern auch, für ein Modell dieser Preisklasse, unglaublich scharf ist. Selbst bei 300 mm Brennweite und 1/125 s Belichtungszeit waren die Testbilder knackscharf.

Sony 70-300 4.5-5.6 SSM Ausschnittsvergrößerung 100% Crop und Original (300mm, ca. 1km Luftlinie bei flirrender Luft und 30 Grad)

Wie auch ich meinte Jürgen, dass es zwar eine Umstellung von den VR-Objektiven von Nikon sei, weil diese das Bild bereits vor dem Auslösen stabilisieren und „einfrieren“, was besonders bei solch hohen Brennweiten hilfreich ist, aber die Effektivität bei der Sony-Technik (hier wird zur Stabilisierung der Sensor bewegt) sogar noch etwas besser ist.

Peaking-Anzeige (rote Markierung der Schärfeebene im Vordergrund an den Ästen) im Display

Besonders interessant war für Jürgen Wunderlich die Peaking-Funktion, die bei manueller Fokussierung einen farbigen Rahmen um die Objekte legt, die im Schärfebereich liegen. Damit kann man auch manuell sehr schnell und vor allem sicher scharfstellen.

Die Meinung des Nikon-Profis:

„Ein Vergleich zwischen Nikon und Sony ist recht schwierig, da es sich bei der a77 ja um ein praktisch völlig anderes System handelt: Kein bewegter Spiegel und damit auch kein optischer Sucher. Vom Handling denkt man aber trotzdem, eine waschechte DSLR in der Hand zu haben. Solides Gehäuse, guter Grip und die typischen Funktionen einer gehobenen digitalen Spiegelreflexkamera.

Sony SLT-a77

Besonders gut gefällt mir am elektronischen Sucher die Fülle an Informationen, wie z. B. das Live-Histogramm und natürlich die Vorschau, die alle Einstellungen des fertigen Fotos bereits vor der Aufnahme widerspiegelt. Die zwei getesteten Objektive sind in dieser Preisklasse außergewöhnlich und können mit weitaus teureren Nikon-Objektiven mithalten. Berücksichtig man den günstigen Preis der Sony SLT-a77, kommt man sehr schnell ins Grübeln, ob man nicht noch einmal einen Systemwechsel wagen sollte. Die Sony SLT-a99 mit Vollformat-Sensor soll ja im Herbst erscheinen und dann werde ich noch einmal einen großen Blick darauf werfen.

Mein Hauptkriterium hat sie auf jeden Fall erfüllt: Ich muss eine Kamera anfassen, die wichtigsten Einstellungen sofort finden und mich innerhalb von wenigen Sekunden ‚wohlfühlen‘. Die Bildqualität ist über jeden Zweifel erhaben. Rechnet man die 24MP Auflösung der a77 auf die 12MP meiner D700 herunter, sind die Ergebnisse verblüffend.“

Jürgen Wunderlich’s Website findest du hier: www.jw-fotodesign.de

Und noch ein Wort zur Sony SLT-a77 von mir:

Ich stehe mit der a77 noch am Anfang und möchte natürlich wie immer alle Funktionen ausreizen und ebenso schnell bedienen können. In den nächsten zwei Wochen geht die Sony mit mir auf Reisen und ich werde euch meine Eindrücke praktisch „live“ berichten. Egal ob GPS und Geotagging, die beiden Objektive und den Einsatz in den unterschiedlichsten Situationen – alles wird die SLT-a77 meistern müssen. Irgendwie schon ein seltsames Gefühl, wenn man ohne die bekannte Kamera für längere Zeit unterwegs ist und sich ausschließlich auf ein neues Produkt verlässt – aber ich habe bereits jetzt vollstes Vertrauen zur Sony SLT-a77.

Was hältst Du von der Sony SLT-a77 und den neuen elektronischen Suchern im Allgemeinen?

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Nach einer Nikon D700 mit Zeitlupen Autofokus vor zwei Monate gegen eine Sony Alpha 77 Mark 2 umgetauscht. Habe meine Bilder mit der Nikon D700 verglichen. Geht alles zu Gunsten der Sony aus. Bis Iso 6400 auch bei Blende 2,8 spitzenmäßige Bilder. Auch RAW . Der Autofokus und die Schnelligkeit bei Serienaufnahmen unerreicht, 12 Bilder in der Sekunde . Wollte mir eigentlich eine Nikon D500 kaufen. Aber das Gesamtpaket ist mir zu wenig attraktiv. Kein eingebauter Blitz – Preislich über einer Nikon D750. Weiter passen die Akkus und der Blitz von der Sony Alpha 58 an der Sony Alpha 77.… Weiterlesen »

Ein Text, der – so jedenfalls empfinde ich es – die Vor- wie auch Nachteile der Kamera objektiv darstellt. Ein Text, der zeigt, dass es auch im professionellen Einsatz nicht immer eine Kamera aus dem Reigen der beiden bekannten großen Marken sein muss. Tatsächlich kenne ich gerade bei der Lokalpresse etliche Kollegen, die mit Sony, Pentax oder Olympus unterwegs sind. Und deren Ergebnisse sich in nichts von denen der Marken-Fetischisten unterscheiden!

Sehr netter Eindruck von Euch beiden, deckt sich zu 100% mit meinen persönlichen Wandel von „Nikon-haben-will“ zu „Sony-haben-muss“. Ich stand in der Tat viele viele Jahre vor der Frage, wo ich mal viel Geld als Hobbyfotograf investieren sollte und hatte bisher immer Nikon im Auge. Ja, bis man eine Sony in der Hand hatte, vor allen die A77 und die A77-II. Derzeitig lehne ich mich sogar soweit aus dem Fenster und behaupte, dass es ein besseres APS-C System als die A77-II derzeitig am Markt nicht gibt und im Gegensatz zu der Nikon und Canon Fraktion ist Sony nochmal wirklich innovativ.… Weiterlesen »

So…nun also hab ich es auch wahr gemacht und hab meinen lokalen Fotodealer glücklich und mich ein ganzes Stück ärmer gemacht. Der erste Eindruck: Der Wahnsinn! Es fühlt sich an wie Nikon, man lernt schnell, kommt SEHR schnell zu brauchbaren Ergebnissen und dann sind da halt die Dinge, die einem vergessen lassen, dass man keinen Spiegel mehr hat: Das Bild im Sucher ist von der Realität her meiner Meinung nach nicht mehr zu unterscheiden, auch in seiner Bildwiederholrate her nicht. Knifflig wird es erst dann, wenn es dunkel wird und der EVF die ISO vom Sensor hochreißt und das Bild… Weiterlesen »

wow … , schön zu lesen!!! Auch bei mir steht die Anschaffung der A77 II an.
Hast Du mal ein paar Bilder online. Insbesondere im höheren ISO-Bereich – ohne Nachbearbeitung. Ich fotografiere noch mit der A77.
Ich hoffe, durch die A77 II gerade in dunklen Räumen, Kirchen jetzt noch bessere Bilder abliefern zu können.
Gerade bei Konzerten von Chören in Kirchen kam ich mit der A77 und dem Sony SAL1650, Standard-Zoom-Objektiv (16-50 mm, F2,8 SSM) doch schnell an die Grenzen.
Da hoffe ich jetzt auf einen großen Sprung nach vorne.

Ich habe keine direkten Testfotos mit gleichem Licht, Aufbau etc. gemacht und halte von solchen Haarspaltereien eher wenig, da ich das mit einem kleinen Ruck am Kontrast-Regler in Lightroom auch erreichen könnte.

Die Bildqualität von der a57 zur a77 war auf jeden Fall noch einen deutlichen Schritt besser. Die a99 hatte ich noch nicht zum Test und werde sie auch frühstens im März bekommen.

ok, danke für die schnelle Antwort. Deine Test und die Eindrücke haben doch meinen Kaufwunsch gesteigert.

Hi,
Ich habe auch eine A 77, bin sehr zufrieden. Aber kann mir einer sagen ob ich diese „Vorschau “ ausschalten kann? Bei einer Arbeit im Studio bei Blende 11 und 1:125 sehe ich nichts im Sucher……

Hallo,

Du kannst unter MENU/2/ Anzeige Life-View/ die Einstellung „Alle Einstell. Aus“ wählen, dann hast Du immer das Bild ohne ISO/Blende/Zeit… Beeinflussung. Super im Studio mit Blitz…

Ich habe „Zahnrad 2“ geschrieben, die Klammern wurden wohl als auskommentieren angesehen…

Der Jürgen also wieder mal *gg …aha…. Was zahlt Dir Sony für diese „hochqualitative“ nichtssagende Ja-Sager-Schmunzette ?
Oder war´s doch nur Werbung ?

Ha

Ich zitiere:
„dass man sämtliche Einstellungen und die Schärfentiefe ohne Abblendtaste sofort beurteilen kann, ist der Hi“

Sagt mal, diese Aussage stimmt so doch nicht, oder?
Ich muss doch um die Schärfentiefe bei meiner A77 zu beurteilen doch die Abblendtaste drücken. Oder verstehe ich lediglich den Satz falsch?

Danke für den super Tipp mit der Feineinstellung des 16 50mm, Mein erstes Foto war meiner Gattin geweiht und ich war etwas enttäuscht, dass die Augen unscharf waren…

Hallo,
ich habe mir die A77 vor 14 Tagen gekauft und meine Nikon D90 erst einmal behalten…
Die genannten Vorteile sehe ich auch,es gibt aber auch Dinge die nicht gefallen – der hohe Stromverbrauch z.b.,auch der Sucher ist sehr gewöhnungsbedürftig und die Videofunktion nicht wirklich überzeugend (der Autofocus ist auch mit dem 2,8/16-50 deutlich zu hören und stellenweise würde ich mir dabei einen sanfteren Autofocus wünschen) da hatte ich mehr erwartet!.
Außerdem fünktioniert beim Filmen der Autofocus nur bei Blende 3,5 und bis 1600ASA!
Ansonsten eine tolle Kamera – ich habe sie behalten!

Ich weiß nicht, warum Ihr Euch über den hohen Stromverbrauch wundert.
Ist doch klar, der EVF benötigt selbst Strom und damit überhaupt ein Bild angezeigt werden kann muß ALLES, also auch der komplette Bildprozessor etc. mitlaufen.
Ne normale DSLR braucht Strom nur beim Auslösen zum Wegspeichern der Daten – oder eben beim Kontrollblick auf das Display.

Da liegen eben Welten zwischen den Welten 😉