Von der Krypto-Währungen ist Bitcoin noch immer der bekannteste Vertreter. Mit diesem virtuellen Geld kann man anonym, aber auch schon in viele Shops im Netz bezahlen. Neben Bitcoin gibt es noch jede Menge anderer Krypto-Währungen. Der Shooting-Star darunter ist Ethereum oder einfach „Ether“. Seit dem Frühling 2017 hat Ether fast 4000 % an Wert gewonnen und ein Ende ist nicht absehbar. Was viele nicht wissen: Kryptogeld kann man selbst „schürfen“ und ich habe es mit Ethereum ausprobiert.

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In Zeiten von Nullzins suchen viele nach einer renditeträchtigen Geldanlage. Bitcoins haben eine recht turbulente Geschichte, aber auch eine unglaubliche Kursentwicklung. Während im Juni 2015 ein Bitcoin etwa 250 Euro wert war, sind es im Juni 2017 lockere 2500 Euro.

Eine ähnliche Entwicklung erlebt gerade eine andere Kryptowährung, das Ethereum. Ein Ether liegt zum Zeitpunkt des Beitrags bei 315 Euro. Im April bekam man für ein Ether gerade mal 40 Euro. So eignen sich Kryptowährungen natürlich für Spekulationen, in dem man sich günstig damit eindeckt und auf eine ähnliche Kursentwicklung hofft, wie sie Bitcoin hingelegt hat. Das ist bei Ethereum auch gar nicht unwahrscheinlich. Im Gegenteil – man erwartet hier sogar ein sog. „Flippening“, also dass Ethereum Bitcoin als Standard-Kryptowährung ablösen könnte. Bestärkt wird das durch die Tatsache, dass Ethereum durch viele namhafte Firmen unterstützt wird.

Ethereum selbst schürfen

Mit dem sog. Mining wird das virtuelle Geld errechnet. Grundlage dazu ist die sog. Blockchain. Ich verzichte hier auf eine genaue Funktionsbeschreibung, denn das könnt ihr einfach googeln. Interessant daran ist, dass jeder am Mining einer Kryptowährung teilnehmen kann. Während man bei Bitcoin mittlerweile praktisch keine Chance mehr hat mit vertretbarem Aufwand Bitcoins zu schürfen, da es immer schwieriger wird Blöcke zu errechnen, sieht es bei Ethereum aktuell noch anders aus.

Was man dazu braucht ist ein Rechner, einen Internetzugang und eine oder besser mehrere leistungsfähige Grafikkarten, denn die Kryptowährung wird nicht auf der CPU errechnet, sondern auf der GPU der Grafikkarte. Als Standard hat sich hier die AMD RX480 etabliert, von denen ich zufällig welche in meinem Rechner hatte. Hier kommt schon das erste Problem: Wenn ihr jetzt schon heiß darauf seid eure eigenen Ether zu schürfen, aber keine AMD RX480 (oder RX470) habt, wird es schwierig eine zu bekommen. Die AMD RX Karten sind durch den Run auf Ethereum komplett ausverkauft und selbst gebrauchte AMD RX Grafikkarten lassen sich derzeit für fast den doppelten Neupreis an den Mann bringen. Zwar funktionieren auch aktuelle Nvidia Karten, allerdings bieten diese nicht die Leistungsfähigkeit der AMD-Modelle.

Eine RX480 bringt ungefähr 25 Megahashes pro Sekunde (MH/s). Damit lassen sich etwa 5 Euro pro Tag oder 150 Euro pro Monat schürfen, wenn der Rechner ununterbrochen läuft. Im Gleichen Zeitraum muss man aber auch mit etwa 50 Euro an Stromkostenrechnen für den PC rechnen (mein Setup benötigt etwa 270 Watt bei Vollauslastung der Grafikkarte). Demnach bleiben, Stand Juni 2017, etwa 100 Euro an Gewinn pro Monat hängen – keine schlechte Rendite für 50 Euro Einsatz – sofern Rechner und Grafikkarte schon vorhanden waren. Das Mining selbst ist recht einfach und bedarf nur den Download zweier Programme und einiger Kommandozeilenbefehle.

Man lädt sich die aktuelle Version von Geth herunter und startet es auf der Kommandozeile mit dem Befehl

Geth account new

Hier solltet ihr ein ausreichend komplexes Passwort wählen und sicher aufheben, denn nur damit kommt ihr später an eure Ethereums ran. Nach der Eingabe gibt Geth eure Konto-Adresse in geschweiften Klammern aus. Darin werden dann eure Ether gespeichert und mit dieser Adresse kann man auch bezahlen.

Im Anschluss muss man sich mit dem Ethereum Netzwerk synchronisieren und die Blockchain herunterladen. Das passiert mir dem Befehl:

geth - rps

Der Download dauert – je nach Internetanbindung – bis zu mehreren Stunden. Bei mir waren es etwa 6 Stunden. Erst danach kann man mit dem Mining beginnen.

Für das eigentliche Mining braucht man dann noch eine Mining-Software. Hier gibt es unterschiedliche Lösungen. Ich habe es mit dem ethminer probiert, den ihr HIER herunterladen könnt. Diesen entpackt man in eine Verzeichnis und startet ihn mit

ethminer.exe -G --opencl-platform 0

ethminer bei der Arbeit

Damit werden alle (sofern vorhanden) Grafikkarten mit einbezogen. Ethminer lädt dann die Daten in den Speicher der Grafikkarte und beginnt mit dem Mining.

Da es bei kleinen Systemen relativ schwierig ist Ethereum-Einheiten zu schürfen, kann man sich einem Pool anschließen. Hier werden die Kapazitäten vieler Systeme gebündelt und man bekommt geschürfte Einheiten anteilig ausgeschüttet. Ich habe hierzu Nanopool ausgewählt, der ab 0,2 Ether auszahlt und faire 1% als Provision einbehält. Es ist auch keine Anmeldung erforderlich und man kann mit dem Befehl

ethminer.exe --farm-recheck 200 -G --opencl-platform 0 -S eth-eu1.nanopool.org:9999 -O 0xEUREADRESSE/DEINE@EMAIL.DE

Beitreten, wobei EUREADRESSE die erhaltene Ethereum Adresse aus dem geth account new Befehl und DEINE@EMAIL.COM eure/eine E-Mail Adresse ist.

Den Fortschritt des Minings könnt ihr bei Nanopool einsehen, in dem ihr eure Ether-Adresse eingebt.

Mining-Status bei Nanopool

Stromkosten – das große Problem beim Ethereum Mining

Die AMD RX-Grafikkarten sind deshalb ausverkauft, weil sich viele Ethereum-Miner spezialisierte Rigs gebaut haben, in denen häufig 8 Grafikkarten gleichzeitig arbeiten. Zwar steigt damit der Stromverbraucht, aber natürlich auch die Rechenleistung und mit ein paar Tricks ist so ein Mining-Rig effektiver als mehrere Einzelsysteme, was den Stromverbrauch angeht.

Der Stromverbrauch ist natürlich gerade in Deutschland eine der Hürden beim Krypto-Mining. Mit durchschnittlich 29 Cent pro Kilowattstunden zahlen wir, neben Dänemark, weltweit am meisten für Strom. Franzosen zahlen im Vergleich nur etwa die Hälfte und in den USA bekommt man die Kilowattstunde für etwa 9 Eurocent. In den USA hätte ich also bei gleicher Ausstattung nur etwa 17 Euro, statt 50 Euro an Stromkosten und damit 140 Euro Gewinn pro Monat (vor Steuern). Noch besser ist es in Argentinien mit 4 Cent pro kWh und in Südkorea ist man mit 0,4 Cent (ja, weniger als einem halben Cent!) pro Kilowattstunde dabei.

Wenn man vor hat ein Mining-Rig zu betreiben, sollte man auch erst einmal die Stromanbieter vergleichen und gegebenenfalls den Stromanbieter wechseln.

Wer bereits eine Photovoltaikanlage auf dem Dach hat, kann hier eventuelle Überkapazitäten außerhalb der Hauptnutzungszeit sehr viel gewinnbringender einsetzen, als es die Einspeisung mit ihren mageren 12 Cent pro kWh vermag. Es würde sich natürlich nicht lohnen, hier extra eine PV-Anlage anzuschaffen. Wer sie aber bereits hat, könnte mir Ethereum-Mining eine sehr interessanten Zusatznutzen haben.

Eine Vorkalkulation kann man auf der Seite CryptoCompare machen. Hier gebt ihr eure Hashing-Power (in meinem Fall 25 MH/s), die Stromaufnahme eures Rechners (bei mir 270 Watt) und den Preis für einer Kilowattstunde ein (bei mir 27,6 Cent). CryptoCompare errechnet euch damit den zu erwartenden Ertrag auf Basis des aktuellen Ethereum-Kurses aus. Mit meinen Parametern kann man derzeit mit einer Rendite von 200 Prozent rechnen.

Mining-Ertrag bei CryptoCompare ausrechnen

Um die Stromkosten im Blick zu haben, ist mein Rechner an einer AVM Fritz!DECT 200 Steckdose, die in Verbindung mit einer Fritzbox den aktuellen und gesamten Stromverbrauch messen und darstellen kann. Alternativ kann man auch ein günstiges Energiekostenmessgerät einsetzen.

Stromverbrauch mit der Fritz!DECT 200 messen

Risiken, Nebenwirkungen und ein Fazit

Den Ausflug in das Ethereum-Mining habe ich vor allem aus technischer Neugier unternommen. 100 Euro pro Monat sind jetzt nicht sonderlich attraktiv, um einen Rechner 24/7 durchlaufen zu lassen, denn das hat natürlich auch Nebeneffekte: Der PC wird zur Heizung. Das ist im Winter sicher ganz angenehm. Im Sommer sorgt es aber für zusätzlichen Kühlungsaufwand und durch die hoch drehenden Lüfter auch für eine gewisse Geräuschkulisse. Zudem dürfte die Lebensdauer der Grafikkarte durch die dauerhaft hundertprozentige Auslastung zurückgehen.

Ein Produktivrechner kann zwar nebenbei Ethereum schürfen – CPU und Festplatten sind nur wenig gefordert – manche Anwendungen wie Videoschnitt etc. sind durch die hohe Auslastung der Grafikkarte aber nur noch bedingt möglich. Da mein Rechner aber ohnehin sehr lange an ist, müsste ich eigentlich nur noch die zusätzliche Leistungsaufnahme der Grafikkarte und die Grundlast anteilig in die Rechnung einfließen lassen. Das würde dann einen Ertrag von 120 Euro und eine Rendite von 337 % bedeuten.

Der andere Weg wäre ein dediziertes Mining-Rig, das man mit etwa 1500 Euro (mit 4 AMD RX470 Grafikkarten) ansetzen müsste. Damit erhält man (nach einiger Optimierung) zirka 100 MH/s bei ca. 700 Watt Stromaufnahme. Im Moment könnte man damit ungefähr 450 Euro pro Monat (Stromkosten bereits abgezogen) schürfen. Das Rig müsste also erst einmal gut 3 Monate laufen, um die Hardwarekosten zu erwirtschaften.

Allerdings muss man natürlich auch im Hinterkopf haben, dass Ethereum in den nächsten Wochen und Monaten durchaus auch um ein Vielfaches im Wert steigen könnte. Ein Ether könnte dann schnell statt 300 Euro auch 2000 Euro wert sein und pro Monat ließen sich mit einem solchen Rig etwa 1,7 Ether minen. Das Mining von Ethereum kann aber schon jetzt mehr Geld einbringen, als die meisten Nebenjobs – und das ohne tatsächliche Arbeit …

Da Kryptowährungen vom Bankensystem unabhängig sind, könnten sie sich zur Krisenwährung mausern. Auf der anderen Seite weiß man nicht wie die Bestrebungen weitergehen, Kryptogeld zu regulieren.

Das Schürfen von Ethereum ist natürlich eine spekulative Angelegenheit und viele werden sich auch über ökologische Fragen Gedanken machen, weil natürlich jede Menge Strom verbraucht wird. Hier muss man aber auch sagen, dass wir einen deutlichen Überschuss in der Stromproduktion haben. Ich möchte hier aber keine Diskussionen anfachen. Das muss jeder mit sich selbst ausmachen. Natürlich müssen Gewinne aus dem Mining versteuert werden. Allerdings ist hier die Rechtslage noch sehr unübersichtlich. Heise hatte dazu eine kleine Übersicht.

Während ich diesen Beitrag geschrieben habe, hat mein Rechner übrigens 20 Cent in Ethereum-Einheiten errechnet und 6 Cent an Strom verbraucht.

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11 Responses

  1. Andy

    Sehr interessanter Artikel. Zufällig habe ich daheim einen rx 480 verbaut und bin am überlegen ob ich auch ein wenig minen soll. Lustig, dass gerade ich hier, wo ich normal zwecks Hobby Fotografie vorbei schaue, darüber die bisher beste Anleitung finde. Thx dafür!

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  2. Sabine

    Danke für den interessanten Einblick. Hast du dafür extra ein Gewerbe angemeldet? Habe gelesen, dass das Mining steuerlich anders gehandhabt wird als die private Spekulation mit Krypto-Währungen.

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  3. Michael

    Hallo,
    mit welcher Bandbreite erfolgte der Download per geth – rps bzw. wie groß ist denn dein Ordner …\AppData\Roaming\Ethereum?
    Danke und beste Grüße!

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  4. Gerrit

    Hallo Markus,
    vielen Dank für Deinen interessanten Bericht!
    Ich hatte mich mit Bitcoins und Kryptowährungen bisher nicht beschäftigt, daher sehr erhellend!
    Mich würde interessieren, was beim Mining auf dem Rechner wirklich passiert, womit also der Herausgeber des Ethereum einen geldwerten Vorteil erhält und der die Belohnung mit Ethers zu begründen ist?
    Beste Grüße.

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  5. Caro

    Wie schnell kann man das Ethereum dann zu Bargeld machen? 🙂 Bzw. wo kann man damit einkaufen?

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