Gerade wenn man mit Elektronik als Hobby startet, muss man eine Menge neuer Dinge lernen. Grundkenntnisse der Elektrotechnik, Funktionsweise elektronischer Bauteile und deren Zusammenspiel sind kein Pappenstiel. Schaltungssimulationen helfen schon seit über zwei Jahrzehnten dabei eine elektronische Schaltung zu ergründen, bevor man Bauteile und Lötkolben in die Hand nimmt. EveryCircuit macht die Simulation elektronischer Schaltungen besonders einfach – und preiswert.

Die Simulation von Schaltungen im Rechner ist nicht mehr so ganz neu. Auch ich habe schon vor gut 25 Jahren mit LTSpice erste Schaltungen am PC (damals noch ein 386er) virtuell getestet. Diese Simulationsprogramme bedürfen allerdings einiges an Einarbeitungszeit und sind für den Amateur häufig viel zu komplex. EveryCircuit ist hier das genaue Gegenteil. Im einfachsten Fall läuft es im Webbrowser Chrome ohne weitere Installation oder Konfiguration. Wer möchte kann aber auch auf dem iPad oder Smartphone Schaltungen zusammenstellen und testen.

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Schaltungen entwerfen und analysieren – ganz ohne Lötkolben

Zur Verfügung stehen alle grundlegenden Bauelemente wie Widerstände, Kondensatoren, Spulen, Transistoren, FETs, Schalter, Lampen und Taster, aber auch Logikgatter, Zähler und 7-Segment Dekoder und natürlich ist der Klassiker unter den Timern auch dabei: Das NE555. Damit die Schaltung auch laufen kann, gibt es einstellbare Spannungsquellen, Generatoren mit unterschiedlichen Wellenformen sowie strom- und spannungsgesteuerte Strom- und Spannungsquellen. Für die Analyse stehen Strom- und Spannungsmessgeräte sowie ein Ohmmeter zur Verfügung. Signale lassen sich aber auch ganz detailliert mit einem Oszilloskop darstellen – bis zu vier unterschiedliche Quellen gleichzeitig.

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EveryCircuit in Chrome

 

Die Schaltungen lassen sich schnell und einfach zusammenstellen. Die Verbindungen der einzelnen Elemente erfolgt durch einfaches Anklicken der gewünschten Verbindungspunkte.

Der Clou ist aber die Visualisierung des Stromflusses und der Signalverläufe an beliebigen Knotenpunkten der Schaltung und über . Wer schon immer ein Problem mit den Kirchhoffschen Regeln hatte, kann sich hier alles ganz genau ansehen und verdeutlichen lassen, an welchem Knoten welche Spannungen und Ströme anliegen. Daher eignet sich EveryCircuit auch sehr gut für Schule und Ausbildung. Die Werte der jeweiligen Komponenten werden über einen kleinen Auswahlkreis eingestellt, der vor allem für die Touch-Bedienung ausgelegt ist. Alle Veränderungen werden in Echtzeit dargestellt und simuliert.

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Die Geschwindigkeit der Simulation kann man praktisch stufenlos einstellen, sodass sich auch schnelle Signalverläufe in Zeitlupe analysieren lassen. Bei Filter- und Audioschaltungen kann auch der Frequenzverlauf samt Phasengang dargestellt werden.

Die entworfenen Schaltungen könne in beliebiger Anzahl abgespeichert werden und stehen auch sofort auf den mobilen Geräten zur Verfügung – oder umgekehrt. Neben eigenen Kreationen hat man auch Zugriff auf tausende Schaltungen anderer EveryCircuit Benutzer, kann diese kommentieren und sich ggf. eine Kopie der Schaltung speichern am selbst daran weiterarbeiten zu können. Wer das nicht möchte, deklariert seine Entwürfe einfach als „Private“. Zudem ist die Einbettung einer Schaltung in eine Website möglich, allerdings setzt das den Webbrowser Chrome voraus. Hier habe ich z. B. ein Modell meines Netzteils für Röhrenschaltungen auf Basis des NE555 Timers
Tube PSU up to 300 Volt – EveryCircuit

EveryCircuit kann man kostenlos ausprobieren, wobei die Anzahl der Bauelemente pro Schaltung beschränkt ist. Für 14,99 Dollar gibt es einen weder zeitlich noch vom Umfang begrenzten Zugang auf allen Systemen – egal ob im Broswer oder per iOS und Android Smartphone/Tablet. EveryCircuit sieht toll aus, ist gut durchdacht und hilft dabei Schaltungen und Konzepte der Elektrotechnik zu begreifen. In Zukunft wäre sicher eine Anleitung oder ein Tutorial noch wünschenswert. Natürlich erreicht EveryCircuit nicht die Komplexität professioneller Elektroniksimulationen wie LTSpice, das soll es aber auch gar nicht – es macht einfach Spaß damit zu arbeiten.

Mehr Informationen gibt es bei EveryCircuit.com

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