Wenn eines das Werkeln im Proberaum revolutioniert hat, dann sind es wohl die kleinen Fieldrecorder, die im kompakten Format und mit eingebauten Mikrofonen Musik digital einfangen, wahlweise im WAV oder MP3-Format speichern und durch Batteriebetrieb immer einsatzbereit sind. Die Auswahl ist mittlerweile ziemlich stark gewachsen und die kleinen Kistchen entwickeln sich teilweise zu Multitalenten mit […]

Dieser Beitrag wurde 2009 veröffentlicht.
Seitdem hat sich viel getan und manche Informationen und Links sind vielleicht nicht mehr aktuell!

altWenn eines das Werkeln im Proberaum revolutioniert hat, dann sind es wohl die kleinen Fieldrecorder, die im kompakten Format und mit eingebauten Mikrofonen Musik digital einfangen, wahlweise im WAV oder MP3-Format speichern und durch Batteriebetrieb immer einsatzbereit sind.

Die Auswahl ist mittlerweile ziemlich stark gewachsen und die kleinen Kistchen entwickeln sich teilweise zu Multitalenten mit Zusatzfunktionen wie Metronom, Stimmgerät oder gar Drummachines und Gitarreneffekten.

Ein Vertreter der sich auf die Kernkompetenzen beschränkt, ist der Edirol R-09HR. Mit 11x6x2,5cm ist der Rekorder sehr handlich und liegt durch das gummierte Gehäuse gut in der Hand. Besonders auffällig ist das gestochen scharfe, helle und gut ablesbare OLED-Display. Die beiden eingebauten Mikrofone können durch ein externes Stereomikrofon ersetzt werden, das an der 3,5mm Mikrobuchse angeschlossen werden kann und Phantompower für kleine Stereomikros bietet. Natürlich ist auch ein Line-Eingang vorhanden, um z.B. Signal aus einem Mischpult aufnehmen zu können.

Schalter und Knöpfe

altSehr gelungen ist die Bedienung des R-09HR, denn alle wichtigen Einstellungen sind direkt erreichbar. Die Empfindlichkeit (Gain) lässt sich über zwei Taster links am Gerät einstellen. Low-Cut (schaltbar bei 100, 200 und 400Hz), Limiter/AGC und die grundsätzliche Empfindlichkeit an der Rückseite des Geräts.

Der Limiter arbeitet übrigens analog, nach den Mikros und VOR dem A/D-Wandler, so dass hässliche Übersteuerungen dort vermieden werden, wo es sinnvoll ist. Viele andere Hersteller setzen hier auf digitale Limiter, die nichts mehr ausrichten können, wenn mal ein zu hoher Pegel anliegt – das Signal ist dann trotzdem verzerrt, da der A/D-Wandler überfahren wird.

Der Limiter verrichtet seinen Dienst unauffällig, zumindest so lange nur Pegelspitzen abgefangen werden müssen. Die AGC (Automatic Gain Control) eignet sich für den Einsatz bei Interviews und Vorträgen, ist aber für den Einsatz bei Bandaufnahmen etc. nicht sehr geeignet. Man hat dem R-09HR übrigens auch eine eigene LED auf der Vorderseite installiert, die über Peaks Auskunft gibt. So kann man auch aus der Entfernung notfalls noch eingreifen, denn außerdem wird eine Fernbedienung mitgeliefert, welche auch die Eingangsempfindlichkeit regeln kann. Klasse!

Eine weitere LED an der Oberseite, zwischen den Mikrofonen signalisiert die Aufnahme. Bootlegger wird freuen, dass man diese Anzeige aber auch deaktivieren kann um nicht die Blicke auf sich zu lenken. Überhaupt ist der R-09HR sehr gut für Bootlegs geeignet. Durch die sehr weit oben angebrachten Mikros, das unauffällige und kompakte Gehäuse und die Gummierung passt es wunderbar in eine Hemdtasche und ist rel. unempfindlich gegenüber Störgeräuschen, die durch mechanische Einflüsse entstehen. Leider gibt es keinen Windschutz (auch nicht als Zubehör) was den Außeneinsatz etwas einschränkt. Man kann sich aber mit einem Taschentuch oder einer Bastellösung behelfen. Es passt aber auch der Schaumstoffwindschutz eines Großmembranmikrofons. Das sieht zwar etwas drollig aus, funktioniert aber bestens.

Bedienung

Die Bedienung über das Tastenkreuz ist logisch und wirft auch ohne Studium des Handbuchs keine Fragen auf. Die Menüs sind übersichtlich und klar strukturiert. Das Display gibt bei der Aufnahme Auskunft über Aufnahmezeit, Restaufnahmezeit, Aussteuerung, Aufnahmequalität, Uhrzeit, Batteriestand und Dateinamen. Dabei wird der Dateiname standardmäßig nach Datum und Uhrzeit benannt. Sehr gut ist auch die Splitfunktion, die auf Tastendruck eine neue Datei anlegt. So lassen sich Songs schon bei der Aufnahme voneinander trennen – auch per Fernbedienung – was einen besseren Überblick verschafft.

Die LED an der Geräteoberseite hat noch eine weitere, pfiffige Funktion: Pegelt man mit der Fernbedienung den die Aufnahme ein, signalisiert die LED Übersteuerungen, in dem sie umso schneller Blinkt, je höher der Pegel ist. Das sind so die kleinen Funktionen, bei denen man merkt, wie viel Gedanken man sich bei Edirol bei der Konstruktion des Gerätes gemacht hat.

Der Recorder bietet verschiedene MP3 und WAV-Aufnahmemodi. Neben den MP3-Qualitäten von 64 bis 320kBit bei 44.1 und 48kHz Samplingrate steht auch die verlustfreie WAV-Aufnahme mit 44.1, 48, 88.2 und 96 kHz sowie 16 oder 24 Bit Auflösung zur Verfügung. Mit einer 8GB SDHC-Karte sind somit z.B. 220 Minuten Aufnahme in der höchsten Qualität bei 96kHz/24Bit oder lockere 7980 Minuten (ja, das sind 5 ½ Tage Aufnahmezeit) bei 128kBit MP3 möglich. Da mit der neuen Firmware auch SDHC-Karten mit 32GB Kapazität bedient werden können, dürfte die Aufnahmekapazität wohl selten knapp werden.

Praxis & Sound

Der R-09HR braucht nach dem Einschalten etwa 4 Sekunden, bis er aufnahmebereit ist. Danach genügt das zweimalige Drücken der Aufnahmetaste und die Aufnahme läuft. Der Pegel lässt sich wie gesagt links am Gerät oder per Fernbedienung einstellen.

Die Kapseln des Fieldrecorders sind so eingebaut, dass sie eine gute Kanalseparation und somit ein gutes Stereobild ermöglichen, arbeiten aber dabei omnidirektional, d.h. mit einer Kugelcharakteristik, die den Schall von allen Seiten einfängt. Das ist für den typischen Einsatzzweck solcher Geräte ideal, da eine ausgeprägte Richtwirkung nicht das gesamte Schallereignis einfangen würde.

Die Empfindlichkeit der Eingebauten Mikrofone, respektive der Vorverstärker ist sehr gut. Bei normalen Schallereignissen, von Sprache bis Bandproben ist der Rauschabstand der beste, den ich bei solchen Geräten feststellen durfte. Überhaupt bilden die Mikrofone den Sound neutral und transparent ab. Das Stereobild ist für den geringen Abstand der Kapseln zueinander, sehr ordentlich.

Der Limit greift wenn nötig regulierend ein und arbeitet dabei mit einer recht langen Release-Zeit. Nimmt man mit 24Bit auf, kann man getrost niedriger aussteuern, ohne Klangverlust befürchten zu müssen und hat damit mehr Headroom.

Begeistern kann ich mich für die Fernbedienung. Über 6-7 Meter Distanz kann man mit deren Hilfe den Recorder in den wichtigsten Funktionen bedienen, wobei die Einstellung des Aufnahmepegels, Aufnahme und Pause sowie die Splitfunktion die wohl praktischsten Funktionen darstellen. Es ist einfach prima, wenn man an der roten LED an der Oberseite erkennt, dass die Aufnahme übersteuert wird und aus der Entfernung eingreifen kann, ohne dass man dem Sänger den Hals des Basses an die Rübe knallt, dabei über das Floorboard des Gitarristen stolpert und dann das Bier des Keyboarders im Synthesizer versenkt, nur weil man schnell zum Recorder hechten wollte …

Mit zwei Sanyo Eneloop Akkus konnte ich bei 320kBit MP3 gut 4,5 Stunden aufnehmen – ein guter Wert, zudem liegt ja auch ein Netzteil bei, wodurch die maximale Aufnahmezeit nur noch durch die Kapazität der Speicherkarte begrenzt wird. Normale Akkus oder die Möglichkeit, ein mobiles Gerät auch einmal mit einfachen Batterien betreiben zu können, zählt für mich eindeutig zu den Pluspunkten.

Die Aufnahmen können entweder über einen Kopfhörer oder den eingebauten Lautsprecher kontrolliert werden. Von letzterem darf man zwar keine Wunder erwarten, er ermöglicht aber trotzdem eine rudimentäre Einschätzung der Aufnahmen. Die Wiedergabe kann übrigens mit unterschiedlichen Hallräumen verschönert werden. Interessant ist auch die Möglichkeit, die Aufnahme schneller oder langsamer, bei gleicher Tonhöhe wiedergeben zu können, um z.B. schnelle Passagen besser heraushören zu können.

Die Datenübertragung zum PC kann über die eingebaute USB-Schnittstelle erfolgen, die allerdings nicht im Fullspeed sondern im High-Speed Modus arbeitet und damit nur etwa 1MB pro Sekunde (Fullspeed bis zu 24 MB pro Sekunde) zum Rechner schaufeln kann. 600MB brauchen damit schon mal 5 Minuten, bis sie die Seiten gewechselt haben. Besser ist man daher beraten, wenn man einfach die Karte entnimmt um sie mit einem schnellen Kartenleser auszulesen.

Fazit

Der Edirol R-09HR ist eines der Geräte, die zwar erst auf dem zweiten Blick überzeugen, dann aber vollends. Anstatt irgendwelche Gimmicks wie Metronom, Verstärkersimulation oder Stimmgerät einzubauen, hat man sich auf die Hauptsache konzentriert und einen handlichen, gut verarbeiteten Fieldrecorder konstruiert. Ich bin auch der Auffassung, dass es wichtiger ist, dass ein Gerät das gut kann, wozu es eigentlich auch gedacht ist und nicht alles ein bisschen, aber nichts davon richtig gut.

Was nützt es mir, wenn ich zum Erreichen des eingebauten Stimmgeräts, mich erst einmal durch Menüs wühlen, dabei die Aufnahmebereitschaft verlassen muss und dabei die besten Ideen verpuffen? Da nehme ich lieber ein extra Gerät, das seine Aufgabe auch richtig gut beherrscht.

Beim Thema Sound kann das Gerät genau so punkten, wie bei der Bedienung. In der Preisklasse – das Gerät kostet derzeit etwa 349€ – verweist es meiner Ansicht nach die Mitbewerber auf die Plätze – nicht zuletzt durch die Fernbedienung. Die ist einfach wahnsinnig praktisch.

Mitgeliefert wird ein Netzteil, eine 512MB SD-Karte, ein USB-Kabel und ein kleiner Tischständer aus Acryl. Als Software liegt Cakewalk Pyro LE bei, womit man Aufnahmen unter Windows schneiden, weiterverarbeiten und brennen kann.

Was man vielleicht gerne noch sehen würde, wäre ein Fullspeed USB-Interface, eine Mono-Aufnahmefunktion für Interviews und ein eingebautes Stativgewinde, aber das sind eher Kleinigkeiten. Ach so: Der R-09HR eignet sich natürlich auch als einfacher MP3-Player …

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6 Responses

  1. Fezi

    Seitens der Aufnahmequalität ist das R-09HR erstklassig. Im Profieinsatz nerven die 4 Sekunden die das Gerät zum Einschalten braucht. Da sind wichtige Interviewpassagen manchmal schon vorbei.
    Die Fernbedienung macht bei falschem Ansteuerwinkel Probleme und bei nicht ganz neuen Metallhybridakkus verweigert das Gerät oft seinen Dienst. Das sind echte Verschlechterungen gegenüber dem Vorgängermodell.
    Display und Technik sprechen aber doch für Edirol.

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  2. Rob

    Ich stehe gerade vor der Entscheidung R-09HR oder Zoom H4n. Favorit war klar der Zoom.

    Zoom:
    + 4 Spuren
    + XLR/Jack/MiniJack Inputs
    + Kamera-Stativgewinde + „Zapfen“ für Mikro-Stativ

    Nachdem ich jetzt aber ein paar weniger gute Kommentare im Netz gefunden habe wie die im Vergleich hohen Eigengeräusche, häufige Firmware-Updates wegen Problemen, Drop Outs (welche auch in der Bedienungsanleitung erwähnt werden) und nicht zuletzt der Bass-Schwäche der Mikro-Eingangsstufen (Audiobeispiele im Netz zum Beispiel auf http://www.wingfieldaudio.com/portable-recorder-noise.html#samples), tendiere ich immer stärker zum Edirol hin.

    Die Qualität der Aufnahme geht bei mir über alles. Ich brauche keine Effekte oder Stimmgeräte (schon, aber die hab ich schon so). Ein Minus beim Edirol ist sicher das fehlende Stativgewinde. Aber ansonsten hat er schlagende Vorteile:

    Edirol:
    + Robustheit (mechanischer Aufbau)
    + Qualität der eingebauten Mikrophone und Eingangsstufen
    + File-Repair-Funktion nach Spannungsverlust
    + Fernbedienung im Lieferumfang
    + übersichtliche Bedienungsanleitung (kein Kommentar zu der vom Zoom)

    Der Edirol ist mit wesentlich weniger Hard- (XLR/Jacks) und Software-Funktionen trotzdem ein bischen teurer. Ich vermute das steckt in den tollen Mikros, Eingangsstufen und Wandlern.

    Jedenfalls danke für den Kurztest. Das war wohl der entscheidende Input 🙂

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    • Markus

      Vielleicht noch ein kleiner Nachtrag: Fairerweise sollte man auch feststellen, dass keiner der Recorder in dieser Preisklasse als echte Highend-Aufnahmelösung betrachtet werden darf. Es sind grundsätzlich eher Ideenrecorder, die mal eine Bandprobe festhalten können oder Bootlegging erlauben. Wenn man wirklich professionelle Qualität erwartet, kommt man um „echte“ Fieldrecorder nicht herum. Diese würde ich minimal mit einem Fostex FR2-LE ansetzen …

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  3. Patrick Lerch

    Ich habe sehr interessiert diesen Nachbericht gelesen!

    Eines stimmt allerdings nicht: Es gibt sehr wohl einen Windschutz für dieses Gerät. Zum Beispiel im „Rock Shop“ für 29 Euro [http://rockshop.de/produkt-1064195-1-EdirolOPR09HRWWindschutzf%FCrR09HR.html?&campaign=preissuchmaschine]

    Was wäre denn deine „Bastelllösung“?

    Beste Grüße
    der Patrick

    Antworten
    • Markus

      Zum Testzeitpunkt gab es lt. Auskunft von Edirol noch keine entsprechende Lösung. Mein Workaround war einfach ein Schaumstoffwindschutz für ein Großmembranmikrofon.

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