Vor- und Nachteile von unterschiedlichen Geotagging-Lösungen

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Um das Thema Geotagging, also die Verortung von Fotos mit Hilfe von GPS-Daten, ging es hier bei nachbelichtet schon häufiger. Ich habe einige Geotagging Hard-Softwarelösungen vorgestellt und getestet. Gab es am Anfang noch recht wenig brauchbare Lösungen, kann man nun aus einer großen Zahl verschiedenster Geräte und Anwendungen auswählen.

Im Laufe der Zeit hat sich eine Lösung für mich als ideal erwiesen. Welche das ist und warum möchte ich dir hier erklären.

Um Fotos mit den Orten zu versehen an denen sie aufgenommen wurden – und nichts anderes bedeutet Geotagging – braucht man neben einer Kamera ein Gerät, das GPS-Daten aufzeichnen kann. Je nach Lösung bedarf es dann evtl. auch noch einer Software, welche die gesammelten GPS-Daten mit den Fotos synchronisiert und die GPS-Koordinaten oder sogar die tatsächlichen Aufnahmeorte mit Land, Ort und Straße in den EXIF-Header der Fotos schreibt.

Direktes GPS-Tagging, GPS-Logger oder Sonderlösungen? Vor- und Nachteile

Wenn es um die Hardware geht, gibt es verschiedene Lösungen um an die GPS-Daten des Aufnahmeorts zu kommen und diese den entsprechenden Fotos zuzuweisen. Jede dieser Lösungen hat Vor- und Nachteile, die ich dir hier aufzeigen möchte.

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Direktes GPS-Tagging

Der einfachste Weg was den Aufwand angeht sind Geotagger, die ihre Daten direkt während der Aufnahme in das Bild schreiben. Diese werden auf den Blitzschuh der Kamera aufgesetzt und mit einem Kabel mit der entsprechenden Zubehörbuchse der Kamera verbunden. Bekannt ist hier z. B. der GP-01 von Nikon oder die Modelle von Dawntech.

Direktes Geotagging mit dem Nikon GP-1

Wird ein Bild gemacht, werden die GPS-Daten direkt in das Bild geschrieben – eine Nachbearbeitung entfällt. Auch braucht man sich nicht darum zu kümmern, ob die Uhrzeit der Kamera mit der GPS-Zeit synchron läuft. Die teuersten Modelle verfügen oft auch über einen eingebauten elektronischen Kompass, der auch die Blickrichtung der Aufnahme aufzeichnen kann.

Diese Methode hört sich erst einmal sehr gut an, hat aber leider auch einige Nachteile:

Die direkten Geotagging-Lösungen sind die teuerste Variante Standortkoordinaten in seine Fotos zu schreiben. Ordentliche Modelle sind nicht unter 150€ zu bekommen. Auch funktionieren sie meist nur an einem Kameramodell und die Kamera muss zudem erst einmal über einen entsprechenden Anschluss verfügen.

Viele Modelle ziehen ihren Strom aus diesem Anschluss und belasten so den Kameraakku. Damit die Geotagger auch sofort korrekte GPS-Daten zur Verfügung haben, müssen diese immer laufen und belasten somit die Batterie der Kamera auch dann, wenn man sonst gar nichts damit macht.

Was mich jedoch am meisten stört ist das Handling. Der aufgesteckte Geotagger ist einfach immer im Weg, wenn man die Kamera schnell mal in der Tasche verstauen möchte, wobei das Anschlusskabel oft noch mehr stört. Gerade auf längeren Touren oder im Urlaub, stecke ich die Kamera immer wieder in meine Top-Loader-Tasche. Hier muss jedes Mal der Geotagger abgebaut und wieder angesetzt werden, wobei dieser bei jedem Neustart erst einmal gut 30 Sekunden bis 2 Minuten braucht, bis er wieder einen GPS-Fix bekommt.

Es ist zwar sehr praktisch, die GPS-Position gleich direkt im Foto zu haben, aber damit hat man auch nur die reinen Positionsdaten und keine „sprechenden“ Daten wie den Namen der Stadt oder der Straße.

Vorteile von direkten Geotaggern

  • Die GPS-Daten werden sofort bei der Aufnahme in die Bilddatei geschrieben, eine Nacharbeitung entfällt
  • Keine Probleme mit abweichenden Uhrzeiteinstellungen in der Kamera
  • Zusatzfunktionen wie Blickrichtung der Aufnahme durch eingebauten Kompass möglich

Nachteile von direkten Geotaggern

  • Der aufgesetzte Geotagger stört beim Transport
  • Der Geotagger funktioniert meistens nur mit einem Kameramodell
  • Nicht alle DSLRs verfügen über den entsprechenden Anschluss
  • Teuerste Lösung
  • Bezieht seinen Strom aus der Kamera und mindert damit die Akkulaufzeit
  • Nach einer Stromunterbrechung muss erst wieder auf einen GPS-Fix gewartet werden
  • nur Positionsdaten, keine „sprechenden“ Städte- oder Straßennamen

Aufgesetzte GPS-Tagger mit nachträglicher Synchronisierung

Einen Sonderweg gehen GPS-Tagger wie der Bilora GT-01, welchen ich HIER ausführlich vorgestellt habe. Dieser wird auch auf den Blitzschuh aufgesteckt, zeichnet aber die Standortdaten bei jedem Auslösen in seinem internen Speicher auf, damit entfällt die Notwendigkeit eines Anschlusses an der Kamera. Diese Tagger haben auch eine eigene Stromversorgung und belasten damit den Kameraakku nicht.

Bilora Photo Geotagger GT-01

Eine Besonderheit beim GT-01 ist, dass er nicht ständig laufen muss und nur aktiviert wird, wenn ein Foto gemacht wird. Der Bilora zeichnet nur „rohe“ GPS-Daten ohne den eigentlich notwendigen GPS-Fix auf, weshalb er auch nicht immer laufen muss. Die eigentliche und genaue Standortbestimmung erfolgt dann am PC mit einer speziellen Software.

Der GT-01 ist preisgünstig und durch die spezielle Software auch recht einfach in der Anwendung. Nachteilig ist aber auch gerade das: Man braucht diese spezielle Anwendung, um an die Positionsdaten zu kommen. Ist der Speicher, der etwa 2000 Positionen fasst voll, braucht man diese Anwendung, um den Tagger zu entladen. Auch besteht hier wieder das Transportproblem, weil der aufgesetzte Geotagger einfach in der Tasche stört. Allerdings kann er viel einfacher abgenommen und wieder aufgesteckt werden, als es bei den direkten Geotaggern der Fall ist – der GT-01 braucht ja keinen GPS-Fix und ist sofort wieder betriebsbereit.

Vorteile des GT-01

  • Geringer Batterieverbrauch, weil nur bei der Aufnahme aktiv
  • Kein GPS-Fix notwendig
  • Relativ einfach zu bedienende Software wird mitgeliefert
  • Funktioniert an nahezu jeder Kamera mit Blitzschuh und Mittelkontakt
  • Länder-, Stadt- und Straßennamen werden auf Wunsch mit in den EXIF-Header geschrieben
  • Preiswert

Nachteile des GT-01

  • Transportproblem, wenngleich auch geringer als bei direkten GPS-Taggern
  • Nur etwa 2000 Standorte können gespeichert werden
  • Spezialsoftware- und Internetverbindung nötig, um die genauen GPS-Daten zu erhalten
  • Für das Geotagging ist ein weiterer Arbeitsschritt notwendig
  • Teilweise problematischer Umgang mit RAW-Formaten

GPS-Logger als Hardware

Eine der wohl ersten Lösungen waren einfache GPS-Logger. Diese gibt es als kleine Geräte mit eingebautem Speicher und Akku, die nur laufend die GPS-Daten aufzeichnen oder als etwas ausgefeiltere Geräte wie den MiniHomer von NAVIN, der auch über ein Display sowie weitere Funktionen verfügt und sich daher auch fürs Geocaching eignet oder den Weg zurück zum Auto zeigt.

i-gotU 120 GPS-Logger

Diese GPS-Logger müssen nur eingeschaltet werden und zeichnen dann ständig die aktuelle Position auf. Viele dieser Geotagger verfügen dabei über eine gewisse Intelligenz, welche die Aufzeichnungsfrequenz anhand der Geschwindigkeit erhöht oder verringert. Wenn ich mich zu Fuß bewege, genügt es z. B. alle 10 Sekunden die Position zu speichern, bei der Fahrt im Auto sind 2-5 Sekunden sinnvoller.

GPS-Empfänger fürs Geotagging

Wer einen traditionellen GPS-Empfänger, wie z. B. den eTrex von Garmin besitzt, kann auch diesen zum Geotagging einsetzen.

Hierzu einfach die Funktion zum aufzeichnen eines Tracks aktivieren. Allerdings haben die älteren Geräte oft keinen so großen Track-Speicher und das erforderliche Datenkabel zum Auslesen der Daten ist manchmal so teuer wie ein günstiger GPS-Logger.

Der große Vorteil dieser GPS-Logger oder GPS-Tracker ist, dass sie über einen großen Speicher für oft mehr als 200.000 Wegpunkte besitzen und wenig Strom brauchen. Modelle wie der i-gotU 120 laufen problemlos bis zu 30 Stunden am Stück. Man befestigt sie einfach am Gurt eines Rucksacks oder steckt sie in die Hemdtasche.

Diese Lösung hat aber auch noch weitere Vorteile: Man benötigt nur die Herstellersoftware um die Daten vom Logger herunterzuladen. Hier werden meistens Standardformate wie GPX oder KML geliefert, die vollständige GPS-Daten enthalten und von vielen anderen Programmen verarbeitet werden können.

Ganz nebenbei bekommt man damit den kompletten Track der zurückgelegten Strecke, den man sich dann auch bei Google-Maps oder Google Earth ansehen kann.

Noch ein weiterer großer Vorteil hat sich für mich aufgetan: Wenn man z. B. im Urlaub zu zweit gleichzeitig mit verschiedenen Kameras unterwegs ist, können die Fotos beider Kameras mit diesen Geodaten getagged werden.

Viele von euch fotografieren gar nicht mit einer DLSR, sondern mit einer Kompakt- oder Bridgekamera, die nicht über einen Blitzschuh verfügt. Auch hier ist dann ein solcher GPS-Logger die einzige Möglichkeit, Geotagging zu betreiben – außer man hat eine der wenigen Kameras mit eingebautem GPS.

Vorteile von GPS-Loggern

  • Lange Akkulaufzeiten
  • Einfaches Handling – muss nicht an der Kamera befestigt sein
  • Geotagging mit jeder Kamera möglich
  • Großer Datenspeicher
  • Aufzeichnung gesamter Tracks und Strecken
  • Städte, Straßen etc. können mit entsprechender Software mit in die Dateien geschrieben werden
  • Gleichzeitige Verwendung mit mehreren Kameras möglich
  • Sehr preiswert (je nach Ausstattung)

Nachteile von GPS-Loggern

  • der GPS-Logger muss während der gesamten Fototour eingeschaltet sein
  • Für das Geotagging ist ein weiterer Arbeitsschritt notwendig

 

GPS-Logging und Geotagging mit iPhone, Android und anderen Smartphones

Wer ein iPhone, Android-Handy oder eine anderes Smartphone sein Eigen nennt, kann auch das zum erfassen von GPS-Tracks nutzen. Für Android Handys eignet sich z. B. die kostenlose App „MyTracks„, die im Market erhältlich ist. Für das iPhone gibt es den EasyLogger für 2,39€. Das Handy hat man ohnehin fast immer dabei und so steht einem schnellen Einsatz nichts im Wege.

Easylogger GPS-Logger für das iPhone

Leider belasten die GPS-Logging Apps den Handyakku sehr, da das GPS ständig aktiviert sein muss und auch immer Daten geschrieben werden. Aus diesem Grund eignet sich eine solche Lösung nur für kürzere Trips. Auch ist die Gefahr der Fehlbedienung wie versehentliches deaktivieren des Loggers größer als bei den dedizierten Geräten. Moderne Smartphones stürzen zudem gerne mal ab und tun das oft unbemerkt in der Jackentasche, wobei dann keine GPS-Daten mehr aufgezeichnet werden.

Für den schnelle Aufzeichnung einer kürzeren Fototour oder die ersten Geotagging-Versuche sind GPS-Tracking Apps für Smartphones sicher eine gute Wahl und wenn der externe GPS-Logger doch mal schlapp machen sollte, hat man damit noch ein Backup dabei. Leider sind die GPS-Empfänger der Smartphones nicht so empfindlich wie die externen Geräte, besonders Für den häufigeren Einsatz sind sie jedoch nicht unbedingt geeignet.

Vorteile von Softwarelösungen für Smartphones

  • „immer dabei“ Lösung
  • Preiswerteste Möglichkeit, wenn das Smartphone ohnehin schon vorhanden ist
  • oft sehr nützliche Zusatzlösungen enthalten
  • teilweise direkter Upload der GPS-Tracks zu Google Maps, Versand per E-Mail etc. möglich
  • keine spezielle Software zum Download der Tracks erforderlich

Nachteile von von Softwarelösungen für Smartphones

  • GPS-Empfänger der Smartphones sind oft nicht so empfindlich und genau wie externe Empfänger
  • Gefahr von Fehlbedienung und Abstürzen
  • belastet den Handyakku oft stark, dadurch meist geringere Laufzeiten als externe Lösungen

Fazit und Ausblick:

Geotagging ist mit verschiedenen Hard- und Softwarelösungen möglich. Für mich haben sich einfache externe GPS-Logger wie der i-gotU oder der NAVIN MiniHomer im Laufe der Jahre als ideale Lösung herausgestellt. Einfach in der Anwendung, lange Laufzeit und nicht zuletzt der günstige Anschaffungspreis sprechen für die kleinen GPS-Speicher.

Das eigentliche Geotagging erledige ich dann mit der Freeware Geosetter. Warum und wie ich das mache erkläre ich dir in 10 einfachen Schritten im nächsten Beitrag zum Thema Geotagging.

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