Um was geht es beim Fotografieren?

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Diese Frage stelle ich mir immer wieder. Geht es nach den diversen Fotografie- oder sollte ich besser sagen: Equipment-Foren, dann ist es wichtig, welche Features die Kamera besitzt,  ob die eine oder andere Linse eine „Scherbe“ sei, egal wie kreativ die Fotos des „Scherbenbesitzers“ wären oder dass man ohnehin mit … Weiterlesen …

Diese Frage stelle ich mir immer wieder. Geht es nach den diversen Fotografie- oder sollte ich besser sagen: Equipment-Foren, dann ist es wichtig, welche Features die Kamera besitzt,  ob die eine oder andere Linse eine „Scherbe“ sei, egal wie kreativ die Fotos des „Scherbenbesitzers“ wären oder dass man ohnehin mit der Kamera XY keine professionellen Bilder machen könne (was auch immer das sein möge) und dazu erst einmal die Kamera YZ mit einer 2000€ Optik anschaffen müsse, um ernst genomme zu werden.

Meistens sieht man von den „professionellen“ Ratgebern meist kein einziges Bild, aber sie kennen jede Seite der Bedienungsanleitung und Pixel 458322 auf dem Sensor. Ein Phänomen, das scheinbar aber auch besonders deutsch ist. Egal in welchen Bereich man sich aufhält – ich interessiere mich ja recht vielseiteig – überall das gleiche Lied. Da diskutieren Musiker über die Qualitäten eines AD/DA Wandlers und können keine Note gerade spielen. Ein Forum „Gearsluts“ hat als Claim „So much gear, so little time“ – hier wird im Prinzip nur Ausrüstung probiert und verglichen ohne scheinbar aktiv Musik zu machen. Genau so, wie in div. Fotografieforen immer wieder Ziegelwände fotografiert werden, um Schwächen von Objektiven aufzudecken ohne echte Fotos zu schießen.

Joe DiBiase, der Bassist von Fates Warning sagte 1993 bei einem Gläschen Whiskey im Gästehaus unsers damaligen Studios  zu mir: „You germans are so equipment-possessed! You all have better gear, than the most pro’s in business“. Er hatte absolut recht. Ich klang auf seinem Equipment wie ich und er wie eben er …

Um was geht es? Die Kamera ist ein Werkzeug, das die ureigene Sicht der Dinge fest hält. Wir sehen mit den Augen – aber vor allem auch mit unserem Herzen und Gefühlen und gerade das lässt und gute Fotos sehen. Ob diese Fotos auch für andere Betrachter gut sind, ist eine andere Frage. Es gibt technische und gestalterische Regeln, die aber für den kreativen Fotografen als Orientierung gelten sollten und nicht als unverrückbares Dogma. Genau so, wie die meisten Gitarristen auf dem original Equipment von Jimi Hendrix nicht wie dieser klingen werden.

Jeder teilt mittlerweile Seine Bilder im Goldenen Schnitt auf, weil das eingeblendete Gitterlinien im Sucher und 3€ Fotofachmagazine suggerieren – ob das Motiv da hinein passt oder nicht.

Bildgestaltung ist das Zauberwort – mit der Gefahr DEN Moment zu verpassen, weil man zuviel mit Gestaltung beschäftigt ist.

Es werden Konvertierungsqualitäten von RAW-Konvertern diskutiert und manche verteufelt, weil sich aus einem schlechten Bild kein besseres machen können. Es geht um die „reine Lehre“, angefangen von der Plattform – ohne MAC keine Kreativität, mit Windows keine Professionalität, bis zur Wahl der „richtigen“ Bearbeitung. Es gibt tatsächlich Bücher mit 300 Seiten, die sich nur mit dem Thema „Richtiges Scharfzeichnen“ beschäftigen – ein gutes Bild bleibt gut, auch wenn es nicht den letzten Tick Schärfe zeigt.

Jeder kennt wohl das Foto von Albert Einstein mit der ausgestreckten Zunge. Ein Schnappschuss vom deutschen Fotografen Arthur Sasse. Diese Bild ist nicht sehr scharf und auch nicht gut belichtet, aber es ist eines der berühmtesten Fotos der Welt, weil etwas besonders eingefangen wurde. Hätte Herr Sasse lange an seiner Kamera herumgedrückt und überlegt, wie er das Bild gestalten kann, hätte Albert die Zunge wahrschein wieder im Mund gehabt …

Eine große Ausrüstung ist hier ein Zeichen von Professionalität und Kompetenz. Jeder der schon einmal mit seiner Amateurausrüstung bei einem Rockkonzert fotografiert hat, weiß das: Die Besitzer von Kameras mit 1-stelliger Bezeichnung haben da nur ein mitleidiges Lächeln übrig – bis man ihre Bilder im örtlichen Käseblatt – Entschuldigung, ich meine natürlich regionale Tageszeitung sieht.

Die Menge an Möglichkeiten behindert oft nur, lenkt ab vom eigentlichen Sinn und Ziel. Wir verballern hunderte von Bildern, weil es einfach möglich ist und beschäftigen und nicht mehr mit dem Motiv. Ein kleiner Mann im Hinterkopf nörgelt immer wieder, dass bei 200% Vergrößerung doch einige Artefakte zu sehen sind und das Bild schärfer sein könnte, obwohl es für die 10×15 Vergrößerung oder das Dahinvegetieren auf der Fesplatte absolut unerheblich ist.

Kommt alle wieder zurück auf den Boden – zeigt wie man mit einer Quicksnap aus dem Automaten tolle Bilder und mit der Amateur SLR noch bessere machen kann, denn wir brauchen keine Fotoreligion.

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