Steinberg Cubase 11 Pro – mein Eindruck nach 10 Jahren Abstinenz von der DAW

10 Jahre lang habe ich Steinberg Cubase nicht mehr eingesetzt. Mit der Version 11 wagte ich einen Neuanfang und bin mehr als beeindruckt.

Lasst uns über Digital Audio Workstations – kurz DAW genannt – und über das Recording am PC im Allgemeinen sprechen. Meine ersten Aufnahmen am PC habe ich 1998 mit SEK’D Samplitude 2496 gemacht. Damit konnte ich die damals noch gar nicht so alten 8-Spur Aufnahmen meiner Band am PC neu und viel besser mischen.

Kurz darauf bekam ich Cubase VST 24 3.7 in die Hände – oder auf die damals sauteure SCSI-Festplatte. Das VST machte den großen Unterschied, wenngleich die damaligen PCs ihre liebe Not mit den virtuellen Instrumenten hatten. Es war einfach faszinierend virtuelle Klangerzeuger zur Verfügung zu haben, ohne in Hardware-Synthesizer investieren zu müssen. Da ich aus der analogen Studiowelt kam, war es ohnehin unglaublich, dass man in einer DAW für jeden Kanal nicht nur einen vollparametrischen Equalizer hatte, sondern auch noch dedizierte Kompressoren, Gates oder Delays. Von der Lautstärkeautomation ganz zu schweigen. Unsere Mixes erfolgten damals noch immer am Pult in Echtzeit auf ein DAT-Band und es war nicht selten notwendig, zu zweit zu mischen und einen Mix so oft zu wiederholen bis er saß. Einen kleinen Eindruck davon habe ich 1999 als Video eingefangen – unglaublich!

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Im Laufe der Jahre hatte ich praktisch jede DAW einmal auf dem Rechner und im Einsatz. Die letzten Jahre war Reaper meine Haupt-DAW und ich war damit zufrieden. Ich schätze Reaper nach wie vor sehr, was seine Konfigurationsmöglichkeiten angeht, man kann aber kaum auf Plugins und Zusatzanwendungen von Drittherstellern verzichten – zu rudimentär ist die Ausstattung im Bereich Effekte, virtuelle Instrumente oder destruktiver Audiobearbeitung. Trotz der vielen Themes hat Reaper noch immer den Charme eines Kontrollprogramms der NASA.

Cubase 11 Pro – die All-Inclusive DAW

Mein letzter Kontakt zu Cubase endete mit der Version 5, mit der ich nicht wenig Projekte umgesetzt habe. Seitdem sind 10 Jahre ins Land gezogen und mit dem neuen Studio wollte ich auch sehen, wie ich meine Studioumgebung optimieren kann.

Cubase 5 – damals 2009

Nach wie vor setzt Steinberg auf den eLicenser, also einen Kopierschutz-Dongle, den ich aber noch von meiner alten Cubase 5 Version hatte. Zu Dongles habe ich ein gespaltenes Verhältnis. Einerseits kann man damit flexibel an unterschiedlichen Rechnern arbeiten, was in meinem Fall sehr wichtig ist. Auf der anderen Seite muss man den USB-Stick immer erst herumtragen und die Gefahr ihn zu beschädigen oder zu verlieren ist auch im Hinterkopf. Steinberg hat allerdings angekündigt, dass man zukünftig auf den Dongle verzichten will. Details dazu gibt es aber bislang noch nicht.

Je nachdem für welche mitgelieferten Content-Pakete man sich entscheidet, wandern schon einige Gigabyte auf die Festplatte. Gesteuert wird die Installation der Inhalte über den Steinberg Download-Assistant, der auch über Updates informiert und diese installiert.

Sieht man sich die Liste der mitgelieferten Instrumente, Samples und Tools an merkt man sofort, dass es sich hier um eine vollständige Produktionsumgebung handelt, die in den letzten Jahren noch deutlich umfangreicher wurde.

Tatsächlich habe ich auch keine Probleme damit, die mitgelieferten Effekte, Instrumente und Tools der DAW zu nutzen. Hier herrscht oft ein seltsamer Snobismus, dass man die „Stock-Plugins“ ohnehin vergessen könne – egal über welche DAW wir reden. Ich halte es hingegen – und das war meine Hauptüberlegung für den Wechsel von Reaper zu Cubase – für einen immensen Vorteil alle Tools in guter Qualität mit der Standardausstattung der DAW zur Verfügung zu haben.

Noch wichtiger ist es aber, dass diese Tools gut und zugänglich in der DAW integriert sind. Hier unterscheidet sich die Mixer von Reaper und Cubase wohl am deutlichsten. Bei Reaper kann ich mit einiger Anstrengung so etwas wie einen Channelstrip im Mixer realisieren, bei dem ich alle wichtigen Einstellungen von EQ, Kompressor, Gates, Sends, Phase etc. einigermaßen im direkten Zugriff habe. Bei Cubase hingegegen habe ich einen solchen Mixer sofort zur Verfügung.

Viel zu viel Zeit wird mit dem x-ten EQ oder Kompressor-Plugin verplempert, anstatt sich auf die Möglichkeiten der mitgelieferten Plugins zu konzentrieren und deren Verhalten und Möglichkeiten zu verinnerlichen. Natürlich macht es Spaß andere Plugins zu probieren! Es kostet aber auch viel Zeit, Geld und letztendlich hängt die Qualität der Produktion im geringsten Maß von solchen Tools ab. Besonders im Jahr 2021 nicht mehr.

Gleiches gilt für virtuelle Instrumente. Ich habe zwar über die Jahre ein paar Vorlieben entwickelt, aber hätte keinerlei Problem damit, nur mit den Cubase-Instrumenten wie Halion, Retrologue II, Padshop oder Groove Agent zu arbeiten. Der neue Sampler-Track bietet jede Menge Funktionen und Freiheiten beim Sounddesign.

In der Praxis

Auch nach 10 Jahren Abstinenz von Cubase fand ich mich gleich wieder zurecht. Der Inspector als Kern einer jeden Spur ist nach wie vor vorhanden und hat sich auch nicht dramatisch verändert – wohl aber die Möglichkeiten, die er bietet. So gibt es nun einen vollständigen Channelstrip, der in Art der 500er Lunchboxen konfiguriert werden kann.

Die ohnehin sehr vollständige Ausstattung mit ausgezeichneten Effekten, EQs, Kompressoren und virtuellen Instrumenten wird mit der Version Cubase 11 auch noch durch einen sehr umfangreichen Audio Analyzer, dem SuperVision ergänzt.

Dieser braucht sich hinter Tools wie Izotope Insight verstecken. Gleiches gilt für den Multiband-Imager, den Squasher (Auf- und Abwärtskompression auf 3 Bändern) und dem Frequency 2. Dieser dynamische Equalizer hat es mir besonders angetan, da man ihn über den Sidechain-Eingang für jedes Band füttern kann.

Mit den Amp-Simulationen habe ich auf Anhieb einen mehr als brauchbaren Basssound bekommen und auch die Gitarren-Amps sind für viele Aufgaben geeignet, auch wenn es ihnen im Crunch- und High-Gain-Bereich etwas an Lebhaftigkeit anderer Plugins fehlt. Die Clean-Sounds sind hingegen wirklich gut und auch die typische Marshall-Zerre kommt bei mir gut an. Sehr viel Spaß macht das Amp Rack auch mit Synthesizern – gerade bei Lead-Sounds.

Die Studio-Umgebung und das Studio-Setup habe ich wieder für mich entdeckt. Wenn man mit dem gleichen Projekt auf unterschiedlichen Rechnern mit unterschiedlichen Audiointerfaces arbeitet, helfen die vordefinierten Kanal-Settings ungemein. Gleiches gilt für die Control Room Sektion, in der man Mix-Effekte wie einen Kompressor oder Raumkorrekturwerkzeuge wie IK Multimedias ARC II einklinken kann, ohne dass man sie beim Export des Mixes erst wieder deaktiveren müsste.

Control Room

Der MIDI-Editor ist meiner Ansicht nach unerreicht. Hier ist Reaper einfach viel zu rudimentär und auch Ableton Live lässt hier vieles vermissen. Ich bin einfach eher der „lineare Typ“, da ich von der Bandmaschine komme. Was ich bei allen anderen DAWs extrem vermisst habe, war Cubase‘ Arranger Spur, mit der man Arrangements ganz einfach testen und umstrukturieren kann. Das ist ein unglaublich mächtiges Werkzeug, wenn man Songstrukturen testen will.

Überhaupt habe ich wieder viel mehr das Gefühl, in einer vollständigen und abgestimmten Umgebung zu arbeiten. Das gilt auch für Werkzeuge wie Pitch Correct und Pitch Edit, die einfach gut und für meine Anwendungen perfekt funktionieren.

Pitch Editor

Dabei arbeitet Cubase 11 auf meinem Windows 10 Studiorechner mit AMD Ryzen und 32 GB RAM sehr flüssig und ich konnte bislang keinerlei Stabilitätsprobleme verzeichnen. Gleiches gilt für meinen Mac Mini M1 mit Apple Silicon (16 GB RAM).

Kompositionshilfe und Kreativtool

Der Skalen-Assistent ergänzt die schon länger verfügbaren Chord-Pads und Chord-Tracks für nicht ganz so geübte Keyboarder wie mich. Legt man eine Tonart in Key-Editor fest, kann man auf dem Keyboard nie mehr einen falschen Ton z. B. in einem Solo spielen. Pitchbends können mit dem Keyeditor exakt auf einen Halbton getrimmt und so bearbeitet werden, wie man das bereits von den anderen Automationen kennt.

Chord Pads

Der Chord Assistant hilft dabei, interessante Akkordprogressionen zur ausgewählten Tonart zu finden und zeigt dabei die Spannung farblich an. Der Grad der Komplexität und damit Spannung zwischen den Akkorden lässt sich in 7 Stufen bestimmen. Dabei können die ausgewählten Akkorde auch Keyboard-Bereichen zugewiesen werden, sodass man mit einer Taste am Keyboard nicht nur einen ganzen Akkord spielen, sondern mit festgelegten Bereichen auch Voicings umschalten kann.

Chord Assistant

Solche Funktionen findet man sonst nur bei externen Anwendungen wie z. B. dem ebenfalls sehr guten Scaler 2.

Mit SpectralLayers One ist eine abgespeckte Version der neuen SpectralLayers Software mit an Bord. Mit dieser kann man nicht nur Audiomaterial von unerwünschten Störgeräuschen befreien, sondern per Source-Separation auch den Gesang aus einer Audiodatei extrahieren – auch aus einem kompletten Song. Das Sättigungs-Plugin Magneto II klingt für meinen Geschmack sehr gut und auch die Reverbs lassen bei mir praktisch keinen Wunsch nach externen Lösungen aufkommen.

Preisfragen

Sieht man sich den Funktionsumfang von Cubase 11 an, wird man als nüchterner Rechner feststellen, dass damit Anwendungen wie Reaper gar nicht so kostengünstig sind, wie sie anfänglich erscheinen. Kauft man die fehlenden Funktionalitäten in ähnlicher Qualität hinzu, ist man rasch beim Preis eines Steinberg Cubase 11 Pro Pakets, das es gerade in einer Aktion bis zum 1. August 2021 für 331,99 € gibt. Man kauft die Version Cubase Artist 11 und erhält die größte Version Cubase 11 Pro.

Cubase 11 Pro – die All-Inclusive-DAW

Was ich bei Cubase vermisse

Vermissen kann man bei Cubase nicht wirklich viel. Was mir vielleicht fehlt, ist eine Remote-Möglichkeit, out of the Box. Bei Reaper gibt mit Web RC eine Remote-Funktion, die man mit jedem Endgerät einfach per Browser nutzen kann – ganz ohne App usw.

Zwar gibt es für Cubase schon seit (zu) langer Zeit Cubase iC pro – eine App für iOS, die aber wohl etwas in die Jahre gekommen ist und nicht durchgängig positiv bewertet wird. Zudem ruft Steinberg dafür 18,99 € extra auf. Eine solche Funktion würde ich heute als Standardausstattung bei einer professionellen DAW ansehen.

Auch bei den Hardware-Controllern wäre mal ein Update des CC121 Controllers angebracht. Wie wäre es denn mit einer Neuauflage von Houston? Ich würde nicht lange überlegen!

Ein wenig vermisse ich auch das Customizing von Reaper. Ich hatte ihn z. B. so eingestellt, dass Track-Namen mit bestimmten Keywords automatisch nach meiner Vorliebe eingefärbt wurden und ihnen ein passendes Track-Icon verpasst wurde.

Fazit

Mit Cubase 11 ist es Steinberg gelungen, mich wieder von Cubase zu überzeugen. Der riesige Funktionsumfang mit sehr guten Effekten und Instrumenten, die Hilfsmittel wie Chord Pads und Chord Tracks, aber natürlich auch SuperVision und SpectralLayers helfen dabei, im Flow zu bleiben. Ich habe an keiner Stelle den Eindruck, dass mich meine DAW bremsen würde. Ebenfalls sehr hilfreich ist die riesige Community rund um Cubase. Es gibt unzählige Tutorials, Tipps und Tricks von Anwendern und Profis.

Ebenfalls sehr interessant (zumindest für mich als exzessiven iPad-Nutzer) ist Cubasis 3 für iOS, da Ideen, die man damit unterwegs ausgearbeitet hat, nahtlos im „großen“ Cubase weiterbearbeitet werden können.

Cubase ist schon jetzt wieder die DAW meiner Wahl geworden. Die alten Skills waren zum Glück nicht ganz verschwunden und daher war es jetzt auch keine sehr große Herausforderung umzuschwenken. Wer noch gar keine Erfahrung mit Cubase hat, findet im Netz jede Menge Unterstützung und Anleitungen – gefühlt mehr, als für jede andere DAW.

Mehr Infos: Cubase: Dein Begleiter für die Musikproduktion | Steinberg

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