Gewitter und Blitze fotografieren – eine kleine Anleitung

Zu meinen seltsamen Hobbies gehört auch die Gewitterfotografie. Viele meinen zwar, dass Fotos von Blitzen ziemlich kompliziert wären, aber es ist sehr viel einfacher als man denkt.

Man kann natürlich nicht erst auslösen, wenn sich bei einem Gewitter gerade ein Blitz entlädt, da das eigentliche Blitzereignis nur etwa 50-100 Millisekunden kurz ist. Den Rest des Effekts erledigt die Trägheit unserer Netzhaut im Auge.

Grundeinstellungen

Der Trick ist dabei ganz einfach eine lange Belichtungszeit. Der Verschluss der Kamera ist schon offen, wenn sich ein Blitz entlädt. Damit man nicht jede Sekunde neu auslösen muss, nutzt man die Langzeitbelichtung. Als Grundeinstellung nehme ich ISO 100, 30 Sekunden Belichtungszeit und Blende f/11. Dazu ein Weitwinkelobjektiv mit 16-20 mm Brennweite.

Damit kann man ab der „Blauen Stunde“ recht gut auf Gewitterjagt gehen. Diese Grundeinstellung ist aber noch von vielen anderen Faktoren abhängig: Bei Vollmond kann man eine etwas kleinere Blende nehmen, ebenso bei starkem Umgebungslicht, wie es Straßenlaternen etc. erzeugen.

Gewitter 2013 aus dem Bürofenster
Gewitter 2013 aus dem Bürofenster

Stativ verwenden

Natürlich muss man bei so langen Einstellungen die Kamera verwacklungsfrei positionieren. Idealerweise hat man dazu ein stabiles Stativ, da ein Gewitter häufig auch mit Sturm einhergeht. Im Notfall genügt es aber auch, die Kamera auf einer Mauer (z. B. mit einem Bohnensack) zu positionieren.

Für unterwegs ist nach wie vor das Joby Gorillapod meine erste Wahl, mit dem auch dieses Gewitterfoto an einem Strand auf der griechischen Insel Rhodos entstanden ist:

Blitze über dem Meer bei Rhodos
Blitze über dem Meer bei Rhodos

Manuelle Fokussierung

Der Autofokus unserer Kameras lässt sich gerne durch vorbeifahrende Autos oder gar den Blitz selbst beeinflussen. Darum ist es wichtig, dass man manuell fokussiert. Dazu kann man entweder ein Objekt in der Ferne zur automatischen Fokussierung nutzen und dann auf die manuelle Scharfstellung umschalten oder über die Hilfsfunktionen der jeweiligen Kamera (Vergrößerung, Focuspeaking etc.) gleich manuell scharfstellen. Da wir bei der Gewitterfotografie ohnehin meist mehrere tausend Meter Entfernung zum Ereignis haben, kann man auch gleich auf „unendlich“ stellen.

Auf der nächsten Seite geht es weiter

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Letzte Aktualisierung am 22.09.2020 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

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17 Comments
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Deine Tipps machen mir Mut, es noch mal zu versuchen. Vielen Dank! Du hast es sehr, sehr gut erklärt.

Ich habe alle tipps befolgt aber irgendwie werden die bilder nichts… kann das eventuell an der Kamera liegen? Ich benutze die Sony a300

Lg

Die Tipps waren sehr hilfreich. DANKE!!!!!

Danke für die Tipps. Werde mich beim nächsten Gewitter mal darin versuchen…

coole seite!

Funktioniert auch super ohne Gewitter, probierts doch mal aus 🙂

Hallo Markus,
ein toller Artikel, hätte ich ihn nur früher gelesen 🙂 So habe ich beim letzten Unwetter mit rumspielen an ISO-Werten, Blende, kurzer Belichtungszeit und guten Reflexen wenige brauchbare Bilder gemacht… es geht halt auch einfacher wie ich nun gesehen habe.

Danke!

Deine Anleitungen und Tips sind immer so geschrieben oder im Film erklärt das sie gut verständlich sind und nachvollziehbar dafür musste es noch mehr als 5 Sterne geben.
Leider habe ich deine Seite erst kürzlich gefunden.
Dafür vielen dank

Hallo Markus,

guter Artikel und volle Zustimmung, ich habe mich in meinen alalogen Zeiten einmal damit beschäftigt udn hat mir viel Spaß gemacht. Ergebnis siehe unter http://www.flickr.com/photos/bernhard-schlor/8689224982/in/set-72157633370401168

Als Ergänzung: In Österreich gibt es auch ein Blitzortungssystem, erreichbar unter http://wetter.orf.at/oes/wetterverlauf#blitz

Genau de Frage habe ich mir letzte Woche gestellt, wie man das wohl macht. Danke für die Antwort.