Franzis Gewitterwarner zum Selberbauen getestet

Gerade beginnt wieder die Gewittersaison. Das ist eine gute Möglichkeit den Gewitterwarner von Franzis zu testen.

Der Franzis Verlag ist für seine Elektronik-Bausätze bekannt. Nachdem mich der Fledermaus-Detektor schon begeistert hat, ist nur der Gewitterwarner am Start, den es gerade 16,95 € statt 34,95 Euro direkt bei Franzis gibt.

Das Gerät ist bereits zum größten Teil fertig, was angesichts der SMD-Bauteile auch eine gute Entscheidung ist. So ist nur etwas Löterfahrung notwendig, um ein weiteres IC, Piezo-Lautsprecher, eine Stiftleiste und andere periphere Bauteile zu komplettieren, was nur wenige Minuten in Anspruch nimmt.

Der fertige Gewitterwarner kann dann in die Papp-Box eingebaut werden. Der Lautsprecher wird mit einem Streifen Klebefilm auf dem Karton geklebt, der gleichzeitig als Membran dient. Hat man zwei AA-Batterien eingelegt, beginnt die Schaltung mit der Kalibrierung, was das Blinken der ersten grünen LED anzeigt und ist nach 2 Sekunden abgeschlossen. Die zeigt gleichzeitig die korrekte Funktion des Geräts an.

Der Bausatz ist in wenigen Minuten fertig aufgebaut

Eine grüne LED leuchte bei einem Blitz in Reichweite kurz auf und der Lautsprecher gibt einen Piepton aus. Drei weitere LEDs zeigen die ungefähre Entfernung des Blitzeinschlags an: grün ca. 50 km, gelb ca. 30 km und rot 10 km und weniger.

Die Platine mit vielen bereits fertig verlöteten SMD-Bauteilen

Mit dem Jumper in Position 2 und einem Anschlussdraht des Lautsprechers über der Spule, können Blitze simuliert werden. Viel interessanter ist natürlich der echte Einsatz bei einem Gewitter und wie es der Zufall so will, bauen sich kurz nach Fertigstellung verschiedene Gewitterzellen um uns herum auf. Mit dem Jumper auf Position 1, aktiviert man den empfindlichen Modus, der Blitze in über 100 km Entfernung detektiert. Mit einem weiteren Jumper auf Position 3 kann man den Speicher-Modus aktivieren. Damit lässt sich die Nähe des letzten Gewitters festhalten, auch wenn es schon vorüber ist.

Potz Blitz! Es funktioniert erstaunlich gut!

Ich habe den Franzis Gewitterwarner in Abstand zu Netzteilen, PCs und anderen Störquellen positioniert und verfolge gleichzeitig die Blitzaktivität auf Lightningmaps.org. Der Gewitterwarner piepst und tatsächlich sind die Ereignisse ganz eindeutig auf Lightningmaps zuordenbar. Das Gewitter befindet sich in gut 50 km Entfernung nördlich. Andere Gewitterzellen befinden sich in östlicher Richtung in der Nähe von Prag, was von uns etwa 180 km Luftlinie entfernt ist. Diese Blitze werden nicht detektiert.

Wird der Jumper 1 bei laufendem Betrieb aufgesteckt, werden auch einzelne Blitzimpulse ausgewertet. Ist er schon aufgesteckt, wenn die Batterien eingelegt werden, erhöht sich außerdem die Empfindlichkeit. Wenn die Einschläge näher kommen, wir das mit den entsprechenden LEDs quittiert. Auch hier konnte ich die Plausibilität anhand von lightningmaps.org bestätigen.

Die Funktionsweise

Entwickelt hat den Blitzwarner Burkhard Kainka, der seit Jahrzehnten für hunderte von Schaltungen in verschiedenen Elektronikzeitschriften, Büchern und auch für Kosmos Elektronik-Baukästen bekannt ist. Dabei bedient er sich eines ICs vom Typ TA7642, was eigentlich ein Mittelwellenempfänger ist. Da ein Blitz elektromagnetische Impulse und damit Radiowellen aussendet, kann das über eine Antenne, in diesem Fall eine kleine Ferrit-Spule und das TA7642 empfangen werden.

Der Gewitterwarner in der Papp-Box

Ein Mikrocontroller stellt dabei die Empfindlichkeit des Empfängers so ein, dass das Grundrauschen aus anderen Quellen gerade kein Ereignis auslöst. Sobald es blitzt, steigt das Signal über diese Schwelle und der Mikrocontroller zählt einen Impuls. Werden mindestens zwei Impulse pro Sekunde erkannt, wird das als Blitz gewertet, der Lautsprecher piept und die grüne LED leuchtet kurz auf.

Fazit

Für 16,95 Euro macht der Franzis Gewitterwarner nicht nur Spaß, er funktioniert auch erstaunlich gut. Der Aufbau ist simpel und erfordert nur rudimentäre Lötkenntnisse.

Gewitter-Fotografen werden informiert, wenn ein Gewitter in der Nähe ist, denn der Gewitterwarner soll mehr als ein halbes Jahr mit einem Satz Batterien laufen. So kann man den Warner in der Saison aktivieren und wird auch ohne Gewitter-App gewarnt.

Mehr Infos und Bestellung: Franzis Shop

Bastelidee: Gewitterwarner für das Smarthome

Ich habe schon diverse Gewitterwarner ausprobiert und gebaut. Einer davon mit einem Spezial-Modul AS3935 von AMS (eine Anleitung von Heise gibt es HIER). Leider war das ziemlich unzuverlässig, obwohl das Modul nicht gerade preiswert ist. Weitere Eigenbauten funktionierten recht gut, waren aber immer wieder ziemlich störanfällig für Impulse, die nichts mit Gewittern zu tun hatten.

Der Franzis Gewitterwarner ist hingegen sehr zuverlässig und unempfindlich gegenüber Störeinflüssen. Er bietet sich daher auch als Gewitterwarner für das Smarthome an. Ich werde die LED-Ausgänge mit einem ESP8266/NodeMCU und per ESP-Easy mit meiner Symcon-Zentrale verbinden und den Gewitterwarner so zu meiner Wetterstation hinzufügen.

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