(Fast) jede Kamera für unter 15 Euro zur Webcam machen

Mit Corona explodierte die Anzahl an Videokonferenzen und Streaming. Ebenso schnell waren USB-Webcams vergriffen. Ich habe eine Lösung, wie ihr eure Kamera zur Webcam machen könnt.

Hochwertige Webcams, etwa von Logitech sind praktisch nicht zu bekommen und die chinesischen Modelle entsprechen oft nicht den Qualitätsanforderungen. Kamerahersteller wie Canon, Sony oder Panasonic haben für einige neuere DSLR- und Systemkameras kostenlose Anwendungen herausgebracht, mit denen man sie zur Webcam umfunktionieren kann. Das ist natürlich toll, denn damit hat die volle Bildqualität eines großen Sensors und hochwertiger Objektive zur Verfügung. Aber leider funktioniert das nur mit bestimmten Kameras.

HDMI zu USB-Capture Stick für unter 15 Euro

Bei Amazon gibt es seit einiger Zeit sehr preiswerte HDMI-Capture Sticks, die den HDMI-Ausgang eurer Kamera umwandeln und an den USB-Anschluss weitergeben. Während Lösungen von Elgato, Aver und anderen Herstellern vor noch nicht allzu langer Zeit gut 100 Euro gekostet haben, muss man hier noch nicht einmal 15 Euro anlegen. Direkt aus China kosten sie sogar weniger als 10 Euro. Ich habe mir angesehen, was die Elgato CamLink Alternative taugt.

HDMI-Capture-Sticks im Vergleich
15 Euro Stick links und Elgato Cam Link 4k rechts

Einfach mit einem passenden HDMI-Kabel an den günstigen HDMI-Capture-Stick und diesen an einen USB-Port – USB 2.0 genügt. Der Stick wird zusätzliche Treiber sofort erkannt und kann mit entsprechenden Anwendungen wie Zoom, Microsoft Teams, Twitch, Skype, Webinare usw. nutzen. Auch für Screenrecording-Software wie Camtasia oder Screenflow (Mac) sorgt der günstige Stick für perfekte Webcam-Qualität.

HDMI-Capture Stick als Webcam-Ersatz in Zoom
Sony RX100 III mit dem 15 € Stick in Zoom

Natürlich taugt der HDMI-Capture-Stick auch für OBS und Streaming-Anwendungen. Auch wenn ihr länger aufzeichnen möchtet, spart dieser Weg den Wechsel der SD-Karte und ihr seid nur durch die Kapazität eurer Festplatte begrenzt. Der einzige Wermutstropfen bei der Sache ist, dass eure Kamera einen “cleanen” HDMI-Ausgang haben sollte, also einen, der keine Symbole wie Akkustand, Einstellungen etc. einblendet, die ihr sonst auf dem Kameradisplay seht. Dazu könnt ihr einen Blick auf die Liste von Elgato werfen: https://www.elgato.com/de/gaming/cam-link/camera-check – hier werden viele bekannte Kameras mit cleanem HDMI-Ausgang aufgelistet. Eine weitere Liste findet ihr auf der Seite von Atomos: https://www.atomos.com/cameras

Und selbst wenn einige wenige Symbole eingeblendet werden, ist das immer noch besser, als gar keine Webcam.

15 € USB-HDMI-Capture-Stick im Vergleich zu 130 Euro Elgato Cam Link 4k

Ich habe meine Sony RX100 III per Micro-HDMI Kabel an beiden HDMI-Grabbern verglichen und der Unterschied in der Darstellungsqualität ist minimal. Die Elgato ist einen ticken schärfer als die unverschämt preiswerte Alternative.

Der Elgato CamLink 4k Capture-Stick im Vergleich mit einem 15 € Stick
Sony RX100 III mit Elgato Cam Link 4k als Webcam
Der Elgato CamLink 4k Capture-Stick im Vergleich mit einem 15 € Stick
15 € HDMI-USB-Capture Stick von Amazon

Natürlich kann der Elgato Cam Link 4k tatsächlich auch 4k-Quellen umwandeln und benötigt dazu einen USB 3.0 Anschluss. Für Webcam-Anwendungen ist das aber ohnehin uninteressant, da diese Qualität meistens gar nicht unterstützt wird und unnötig auch unnötig Bandbreite schlucken würde.

Der 15 € Stick kann 4k-Signale entgegennehmen, mit meiner Panasonic Lumix G81 funktioniert das einwandfrei. Er wandelt das Signal dann aber in 1080p, als Full-HD mit 1920 x 1080 Pixeln um. Wenn hier mit “4k” geworben wird, bedeutet das nur, dass auch 4k Signale verarbeitet werden, diese dann aber nur in Full-HD zur Verfügung stehen.

Stromversorgung

Bleibt noch die Frage der Stromversorgung. Viele Kameras können mittlerweile per USB mit Strom versorgt werden, sodass auch längere Videokonferenzen kein Problem sind.

Netzteil und Dummy Akku für die Panasonic Lumix G81

Alternativ kann man einen sog. Dummy-Akku mit Netzteil oder USB-Versorgung nutzen. Das habe ich HIER ausführlich beschrieben.

Fazit

Gegenüber einer herkömmlichen Webcam ist diese Lösung – sofern man schon eine passende Kamera besitzt. Sie ist nicht nur günstiger, sie liefert auch das bessere Bild und mit entsprechenden Objektiv und Einstellungen sind dann auch Aufnahmen mit unscharfem Hintergrund, Zoom und bei wenig Licht möglich. Ganz besonders wichtig ist, dass diese Lösung auch lieferbar ist. Auf jeden Fall ist diese HDMI-Capture-Lösung eine sehr preiswerte Alternative zum Elgato CamLink 4k – sofern Full-HD-Auflösung genügt.

Die HDMI-Capture Sticks bekommt ihr bei Amazon


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4 Kommentare

  1. Hey, ich habe das Problem wenn ich das Video meiner Nikon Coolpix 610 über die Capture Card auf OBS bringen will zeigt er mir leider nur das Album und die Einstellungen der Kamera an. Keinerlei Bild der Linse. Wüssten sie vielleicht woran das liegen könnte?
    LG Mika

    • Nicht jede Kamera hat einen “cleanen” HDMI-Ausgang und kann dort auch das Live-Bild (ohne Einblendungen) anzeigen. Ich fürchte, dass das deine Kamera gar nicht und nur die aufgenommenen Bilder am HDMI Anschluss ausgeben kann.

  2. Danke für diesen Bericht. Ich hatte die Hoffnung, dass ich meine RX-100 III mit der Sony Imaging Edge Webcam software zum laufen bekomme. Geht scheinbar wirklich nicht, oder? Wie sind da deine Erfahrungen?

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