Ende des Begrenzungsdrahts? Der Toadi Mähroboter

Wir haben hier ein ziemlich großes und natürlich bewachsenes und sich veränderndes Grundstück. Bislang haben wir auf einen Rasenroboter verzichtet. Der Toadi Mähroboter könnte das ändern – sofern er auf den Markt kommt.

Wir haben hier eine Fläche von ca. 500 m² die regelmäßig zu mähen ist. Diese ist aber über viele Jahre gewachsen und verändert sich durch große Sträucher, Bäume etc. ständig. Ein herkömmlicher Mähroboter mit Begrenzungsdraht wäre in der Verlegung eine ziemlich anspruchsvolle Sache, da es keine klaren Übergänge zwischen unterschiedlichen Bereichen gibt. Das möchten wir auch so beibehalten. Von vielen Bekannten und Freunden weiß ich, dass der Begrenzungsdraht gerne einmal durchtrennt wird und dann die Fehlersuche beginnt.

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Übrigens findet man die Unterbrechung im Begrenzungsdraht ganz einfach mit diesem günstigen Leitungsfinder: Ein kleiner Sender wird an die eine Seite des Drahts angeschlossen und mit dem Empfänger, oder der Sonde, geht man dann den Begrenzungsdraht ab. Dort, wo das Tonsignal aufhört (oder beginnt, je nachdem von welcher Seite man beginnt), liegt die Unterbrechung.

Der belgisch-amerikanische Hersteller Toadi hat nun einen Rasenroboter angekündigt, der ganz ohne Begrenzungsdraht auskommen soll und stattdessen seine Umgebung mit einer 4k-Kamera erkennt. Die soll auch eine deutlich bessere Hinderniserkennung ermöglichen. Personen, Spielzeug und auch Tiere sollen so rechtzeitig zuverlässig erkannt und umfahren werden.

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Wie bei vielen Saugrobotern soll der Toadi auch virtuelle Zäune und Sperrzonen beachten. Als netter Nebeneffekt soll die 4k-Kamera auch Eindringlinge erkennen und Toadi gibt Alarm auf dem Smartphone, wenn es keine bekannte Person ist. Nachts helfen Infrarotkameras bei der Erkennung von Weg und Hindernissen. Im Gegensatz zu den meisten Rasenrobotern, arbeitet Toadi nicht nach dem Chaosprinzip, sondern fährt Bahn für Bahn gerade ab. Ebenso sollten Rasenkanten für den neuen Rasenroboter kein Problem sein.

Die Schnitthöhe soll stolze 4,5 cm betragen. Dabei arbeiten 4 rotierende Klingen mit Titanbeschichtung, die von einem bürstenlosen Motor angetrieben werden. Der Toadi wirkt recht hochbeinig und wird von zwei großen Rädern angetrieben. Das Gehäuse ist „nano-beschichtet“ und soll zu 81 % aus nachhaltigen Materialien, u. a. Maismehl bestehen. Die Menge an Funktionen ist schier endlos: Durch kontaktloses Laden gehören auch Probleme mit verschmutzen Kontakten der Vergangenheit an. Steigungen soll er bis 35 % oder gar 45 % (Pro) bezwingen. Dafür erscheint mir aber die sehr hohe Bauform nicht gerade ideal zu sein, auch wenn die Kamera damit einen besseren Überblick erhält.

Die Unterseite des Toadi

Die Flächenleistung liegt bei 2.400 m² beim Standard-Modell für 2.422 Euro und üppigen 4.200 m² beim Toadi Pro für 3.094 Euro. Das sind keine Schnäppchen, aber durchaus interessant, wenn man die vielen Features in Betracht zieht.

Hier kommen wir zum großen „Aber“. Toadi ist eine Kickstarter-Kampagne. Für 9 Euro kann man sich ein Reservierungs-Ticket lösen, mit dem man den Toadi bei Beginn der Kickstarter-Kampagne im Juni 2020 bis zu 630 Euro günstiger und schneller bekommt. Die bisherigen Fotos des Toadi zeigen deutlich, dass er aus dem 3D-Drucker kommt. Einige Formulierungen auf der Seite lesen sich etwas seltsam, wie z. B. „Hergestellt in Ihrer Nähe„. Wörtlich heißt es:

Lokale Produktion. Durch den Einsatz von 3-D-Drucktechnologie ist es uns gelungen, die erste verteilte Produktionsstätte überhaupt zu errichten. Die Toadis werden in Ihrer Nähe hergestellt und zusammengebaut, um die Wirtschaft vor Ort zu unterstützen. In jedem Land, in dem wir Toadi verkaufen, richten wir auch lokale Produktionszentren ein.

https://www.toadi.com/de_DE

Das ist eine Aussage, die mich stutziger macht, als die ganzen tollen Features. Wenn man ein solches Produkt auf den Markt bringen will, führt kein Weg an China vorbei. Mit additiver Fertigung spart man sich natürlich teure Spritzgusswerkzeuge. Allerdings dauert die Produktion um Größenordnungen länger und das „nano-beschichtete“ Gehäuse in Gold, Silber oder Weiß ist damit auch nicht in der Qualität der Produktbilder möglich – zumal es ja auch aus Maisstärke bestehen soll. Teile wie die Antriebsräder zu drucken, macht halt mal so gar keinen Sinn.

Laut der Toadi Website hat man zwischen 2017 und 2018 insgesamt 9 Prototypen entwickelt und diese in 150 Gärten getestet, bevor man im Februar 2019 die erste Beta-Version hergestellt hat. Im Mai 2020 sollen 500 Toadi-Auslieferungen erfolgen und die Kickstarter-Kampagne im Juni soll „zur Hochskalierung der Produktion“ dienen. Die ersten Auslieferungen sind dann für Oktober/November 2020 geplant.

Für mich hört sich das auf der technischen Seite wieder einmal viel zu gut an. Dafür ist die Produktions- und Auslieferungsfrage nebulös oder überoptimistisch – wie bei vielen Kickstarter-Kampagnen. Für die genannten 150 Tests in Gärten, gibt es erstaunlich wenig Bild- und Videomaterial. Gerade damit könnte man aber zum jetzigen Zeitpunkt vertrauen aufbauen und zeigen, dass die angepriesenen Funktionen tatsächlich existieren.

Sollte der Toadi tatsächlich auf den Markt – und damit auf den Rasen kommen – und die versprochenen Features auch umsetzen können, wäre es sicher eine Alternative zu Rasenrobotern von Husqvarna, Garden, Worx, Bosch & Co. Trotzdem würde ich hier zur Vorsicht raten. Wie immer, ist beim Crowdfunding mit Lieferverzögerungen, weniger Funktionen als angepriesen und auch ein Totalverlust des Investments möglich.

Mehr Infos: https://www.toadi.com/de_DE

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