Blackmagic Design Speed Editor für DaVinci Resolve im Test

Von Blackmagic Design gibt es nun einen sehr günstigen Controller für Davinci Resolve 17. Ich habe ihn getestet.

DaVinci Resolve ist seit etwa 3 Jahren meine Standard-Software zur Videobearbeitung. Mit den neuen Versionen wurde Resolve immer besser und leistungsfähiger. Gerade die Kombination aus Videoschnitt, Compositing und vernünftiger Audiobearbeitung macht es für mich sehr viel attraktiver und komfortabler als etwa Adobe Premiere, After Effects und Audition.

In der Version 16 kam als neue Funktion die Cut-Page hinzu. Das ist eine spezielle Timeline für einen effizienten Rohschnitt samt Multicam-Funktion. Zwar habe ich die Cut-Page immer wieder einmal genutzt, wenn ich viel Material und Multicam-Einstellungen hatte, trotzdem war es noch nicht wirklich in Fleisch und Blut übergegangen. Dabei ist die Tape-Ansicht, in der das gesamte Footage aneinander gehängt wird und damit schnell zu sichten ist, eine wirkliche Arbeitserleichterung und auch die Multicam-Funktion vereinfacht den Schnitt mit mehreren Perspektiven ungemein.

Mit Resolve 17, das aktuell in der als Beta 6 angeboten wird, kam der Blackmagic Design Speed Editor hinzu – ein Controller, der speziell für die Cut-Page Funktion in Resolve gemacht wurde. Ich habe ein Modell ergattern können und habe nun schon 3 größere Projekte damit geschnitten.

Ausstattung und Design

Der Blackmagic Design Speed Editor ist recht massives Stück Hardware, das einen sehr professionellen und robusten Eindruck macht. Dazu tragen auch die knapp 800 Gramm Gewicht des Controllers bei, der mit 44 Tasten und einem mächtigen Scrollrad ausgestattet ist. Das Scrollrad ist am Rand gummiert, aus Metall und läuft butterweich. Durch die Schwungmasse kann man es auch einfach anschubsen und es läuft weiter.

Blackmagic Design Speed Editor
Blackmagic Design Speed Editor

Die Tasten sind laut Blackmagic Design guten Gaming-Tastaturen nachempfunden. Da ich von Gaming keine Ahnung habe, glaube ich das einfach einmal. Auf jeden Fall fühlen sie sich gut an und arbeiten präzise.

Einige der Tasten haben eine doppelte Belegung, welche an der Vorderseite aufgedruckt und gut ablesbar ist, was ohnehin nur in der Eingewöhnungsphase notwendig ist, bis man alle Funktionen blind beherrscht. Das ist ja auch Sinn und Zweck eines solchen dedizierten Controllers. Aufteilung und Layout sind sehr sinnvoll und praxisgerecht gewählt. Verschiedene Tasten haben außerdem eine LED als Statusanzeige eingebaut.

Speed Editor Bedienung

Die Bedienung erfolgt normalerweise mit zwei Händen: Die linke Hand für die entsprechenden Tasten, die rechte Hand am Jog-Wheel.

Der Speed Editor hat einen eingebauten Akku und kann per Bluetooth drahtlos betrieben werden. Aufgeladen wird er über einen USB-C-Anschluss, der auch zur Verbindung mit dem Rechner per Kabel genutzt werden kann. Der Ladestand wird nur in Resolve unter Preferences->Control Panel angezeigt.

USB-C-Anschluss zum Laden

Seit ich den Speed Controller vor 3 Wochen erhalten und geladen habe, musste er noch nicht wieder aufgeladen werden und zeigt noch 90 % Ladung an. Offenbar ist ein ziemlich dicker Akku verbaut.

Batteriestand des Speed Editors

Die Funktionen des Speed Controllers

Wie schon erwähnt, ist der Speed Editor speziell für die Cut-Page zugeschnitten (haha, Wortspiel). Hat man mehrere Clips, können diese über die Source-Tape Ansicht automatisch aneinandergehängt und gesichtet werde. Dazu navigiert man mit dem Jog-Wheel sehr schnell durch die Videos. Ich habe es bislang nur mit meinem neuen Windows-PC mit AMD Ryzen 3700 getestet und hier hat man tatsächlich in Echtzeit Zugriff auf die Timeline, man kann ohne Ruckeln oder Stottern sehr schnell durch das Material gehen. Mit den weißen In und Out Tasten lassen sich dann entsprechende Punkte festlegen. Mit Append werden diese dann in die Timeline an den jeweils letzten Clip angefügt, sodass man sehr schnell eine Auswahl treffen und einen Rohschnitt erstellen kann. Hat man einen In- oder Out-Punkt falsch gesetzt, kann er einfach per doppelten Tastendruck auf der entsprechenden Taste gelöscht werden. Natürlich gibt es auch eine Taste für Rückgängig und Escape.

Cut-Page und Sourc-Tape Ansicht

Dabei kann das Rad in drei unterschiedlichen Arten eingesetzt werden:

Scroll: für schnelles scrollen durch die Aufnahmen
Jog: für präzises scrollen
Shuttle: für den bekannten Shuttle Betrieb.

Beim Shuttle-Modus muss ich allerdings sagen, dass ich diesen nach einigen Versuchen als nicht unbedingt sinnvoll einsetzbar halte. Grund hierfür ist, dass man keine definierten Rasterungen für die jeweilige Betriebsart hat. Es gibt keine spürbare Mittelstellung für „Stopp“ oder Unterteilungen für schneller und langsamer im Vorwärts-/Rückwärtsbetrieb. Die größeren (und teureren) Blackmagic Controller haben hier eine mechanische Kupplung eingebaut. Das bietet der Speed Editor nicht.

Zurück zu den Schnittfunktionen: Mit weiteren Tasten kann man Clips auch über vorhandene Clips legen oder überschreiben. Hier steht auch eine Ripple-Funktion zur Verfügung. Mit den Tasten Source und Timeline kann man zwischen dem Quellmaterial und der Timeline wechseln. In der Timeline hat man dann die Möglichkeit Clips zu trimmen, zu verschieben oder zu schneiden. Mit der „Trans“ Taste lassen sich ganz schnell Blenden einfügen. Hält man diese Taste gedrückt, kann man Blenden aus einer Liste auswählen. Doppelt gedrückt und gehalten erlaubt sie die Änderung der Schriftart eines Titels unter der Playhead-Position.

Farbauswahl für Marker

Für alle Aktionen braucht man nicht genau den Schnittpunkt auswählen. In Resolve zeigen Marker an, auf welchen Schnitt eine Aktion wirkt. Je nachdem an welchem Schnitt der Playhead näher dran ist, wird dieser automatisch ausgewählt. Damit kann man sehr schnell und effizient Veränderungen vornehmen. Ebenfalls sehr hilfreich ist die Vollbildansicht über die rote Taste und die automatische Wiedergabe des letzten Schnitts der bearbeitet wurde, wenn man diese Taste doppelt drückt.

Automatische Auswahl des nächstgelegenen Schnittpunkts

Mit der Audio-Taste und dem Jog-Wheel kann man die Lautstärke eines Clips schnell anpassen. Drückt man die Audio-Taste zweimal, kann man einen Marker einfügen. Hält man sie beim zweiten Mal gedrückt, lässt sich auch noch die Farbe des Markers mit dem Rad auswählen. Da ich viel mit Markern arbeite, um mir Stellen zu merken, an denen ich noch etwas tun muss, ist das eine sehr schöne Funktion.

Für den Multi-Kamera-Schnitt gibt es einen eigenen Funktionsblock auf dem Speed Editor. Bis zu 9 Kameras lassen sich dort direkt auswählen, wobei auch ein Modus gewählt werden kann, der dem eines Live-Switchers entspricht. Man kann also während der Wiedergabe zwischen Kameras hin und herschalten. Damit kann man eine sehr schnelle Auswahl geeigneter Einstellungen treffen und gerade bei Musikvideos könnte diese Funktion enorm Zeit sparen und mehr Dynamik schaffen. Der Feinschnitt kann dann wieder in der Timeline erfolgen.

Multicam-Schnitt in der Cut-Page

Mit der Sync Bin Taste werden alle Clips automatisch per Timecode oder Audiospur synchronisiert. Das funktioniert sehr zuverlässig, sofern – im Fall der Synchronisierung per Audio – die Audiospur auch gut erkennbare Merkmale wie Clapper oder Klatschen enthält. Plural Eyes von Red Giant ist hier zwar noch zuverlässiger, aber nur, wenn es sich um sehr sehr viele Clips und schwierige Audiospuren handelt.

Ganz besonders interessant ist auch die Close-up-Taste, die automatisch einen Close-up-Ausschnitt generiert. Das ist dann interessant, wenn man mit 4k filmt und das Material auf einer 1080 Timeline einsetzt. Resolve versucht dabei den Bildausschnitt automatisch anhand des Inhalts zu setzen. Hält man die Close-up-Taste gedrückt, kann mit dem Scrollrad der Bildausschnitt vertikal angepasst werden.

In der Praxis und Fazit

Wenn man sich auf die Cut-Page einlässt, kann man mit dem Blackmagic Design Speed Editor einen Schnitt komplett ohne Tastatur und Maus machen. Der Speed Editor bietet alle Funktionen dafür. Tatsächlich habe ich nach nur wenigen Stunden den Einsatz und die Handhabung verinnerlicht und konnte ausschließlich mit dem Controller schneiden. Das ist nicht nur entspannter als mit der Maus zu arbeiten, ich fühle mich hier auch fokussierter, da alles sehr flüssig bedienbar ist und man die Augen mehr auf dem Material hat. Alleine das schnelle Scrollen durch das Rohmaterial und die Timeline machen den Speed Editor schon bezahlt.

In der Edit-Page sind die Möglichkeiten des Controllers zwar eingeschränkter, das Rad, die Bearbeitungsfunktionen wie In/Out, Roll, Trim etc. lassen sich aber auch hier nutzen. Klarer Fokus des Speed Editors liegt aber bei der Cut-Page und das ist auch sinnvoll. Zwar versuche ich bei allen Programmen möglichst viele Shortcuts (Tastaturkürzel) zu verwenden und habe das auch schon in Resolve so gehandhabt. Tatsächlich bin ich mit dem Speed Editor aber noch schneller und eben komfortabler fertig. Wenn man möchte, kann man den Controller auf die Beine nehmen oder dort positionieren, wo er am bequemsten erreichbar ist – er arbeitet ja (auch) drahtlos.

Es ist auch gut, dass Blackmagic Design NICHT versucht hat, noch mehr Funktionen in den Controller zu pressen und alle Tasten doppelt und dreifach zu belegen, sondern genau auf den Einsatzzweck „schneller Schnitt“ ausgelegt hat. Der Speed Controller lässt sich auch nur mit DaVinci Resolve einsetzen. Controller wie z. B. Loupedeck CT (den ich gerade auch auf meinem Tisch habe) versuchen hier die eierlegende Wollmilchsau zu sein, und sind genau darum sehr viel ineffizienter.

Blackmagic Design Speed Editor
Blackmagic Design Speed Editor auf meinem DIY-Auszug unter dem Schreibtisch

Eine einzige Taste fehlt mir allerdings und das wäre eine Save-Funktion, um zwischendrin vorsichtshalber auch außerhalb der Auto-Backup-Zeiten speichern zu können.

Die Kombination aus Speed Editor und DaVinci Resolve dürfte auch so manchen Adobe Premiere Fan einen Blick auf Resolve werfen lassen. Eine ähnlich gute und preiswerte Lösung ist bei Adobe derzeit nicht zu finden. Für mich ist der Speed Editor ein rundum gelungenes Produkt und meine Erfahrungen damit, haben meine Erwartungen übertroffen.

DaVinci Studio kaufen und den Speed Editor kostenlos dazu bekommen

Derzeit bekommt man beim Kauf von DaVinci Resolve Studio, also der Version, die alle Funktionen beinhaltet und sonst 300 Euro pro Lizenz kostet, den Speed Speed kostenlos dazu – oder eben umgekehrt. Daher ist der Kauf des Speed Editors derzeit ein absoluter „no-brainer“.

Ich habe meinen Speed Editor beim Musikhaus Thomann gekauft. Allerdings sind die Lieferzeiten derzeit ziemlich lang. Bei mir wurden bei der Bestellung allerdings auch 6-8 Wochen angezeigt und ich habe meinen Speed Editor bereits nach 14 Tagen erhalten.

Ich empfehle den Kauf der „Lizenzcode-Version“, statt der Version mit Dongle. Warum habe ich HIER beschrieben.

Der kostenlose nachbelichtet-Newsletter für dich

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
Das Kommentarformular speichert deine Namen, deine E-Mail-Adresse und den Inhalt, damit wir den Überblick über die auf der Website veröffentlichten Kommentare behalten können. Bitte lies und akzeptiere unsere Website-Bedingungen und Datenschutzerklärung, um einen Kommentar zu schreiben.
0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments

Als Amazon-Partner verdiene ich an qualifizierten Verkäufen. Irrtümer und Preisfehler vorbehalten.