Bildkritik? Nein danke!

Kürzlich durfte ich wieder einmal feststellen, dass die Kritik an einem Foto einfach nicht gewünscht ist. In einem Tweet wies ein Hobbyfotograf (und einer meiner geschätzten Follower) auf eines seiner Fotos bei Flickr hin, welches die dort abgelichtete – eigentlich recht attraktive Dame – denkbar ungünstig darstellte. Ich reagierte darauf.

Fotografie ist zum Hobby für die Masse geworden. Günstige Kameras, große Speicherkarten und zig Tutorials ermöglichen es jedem ein vernünftiges Fotos zu produzieren. Nicht jedem ist es jedoch vergönnt, auch einen Blick dafür zu haben. Besonders auffällig wird das, wenn es sich dabei um Fotos von Menschen handelt.

Ich verlinke das Bild nicht weil ich nicht möchte, dass noch mehr unerwünschte – und vielleicht deutlich harschere Kritik auf den Fotografen hereinprasselt, als es die Anmerkung von mir war.

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Brust rein, Bauch raus

Das Foto zeigte die Dame in einem cyan-farbigen Minikleid und der Blickwinkel sollte wohl Gesicht und Dekolleté in den Mittelpunkt stellen. Da das Modell aber sehr schlank war, traten hier nur einige Rippen hervor, wohingegen die Lichtsetzung den Bauch und einige Röllchen in unschmeichelhafter Art und Weise in den Vordergrund brachte.

Amateurmodels haben nicht die Erfahrung sich perfekt in Pose zu werfen. Der Fotograf muss aber das Auge haben wenn etwas nicht stimmig und wie in diesem Fall, sogar sehr unvorteilhaft für das Model ist, um sie so perfekt wie möglich aussehen zu lassen. Auch in diesem Fall wäre das problemlos möglich gewesen.

In meinem Flickr-Kommentar merkte ich genau diesen Umstand an. Die Reaktion der meisten Fotografen wäre wohl eine Nachfrage gewesen, was man daran nicht gut fände. In diesem Fall wurde meine Anmerkung einfach  kommentarlos gelöscht. Übrig blieben 4-5 der üblichen Spam-Kommentare im Stil “Great photo – look at my portfolio”, “Brillant photography” etc.

Auf der anderen Seite musste ich die Toleranz der Dame auf dem Bild bewundern, denn jede andere Frau hätte einem das Bild wohl um die Ohren gehaut … oder dahin wo es weh tut. Konnte er dem Model dessen Kritik an dem Foto ausreden und wollte nicht, dass sie durch Dritte in ihrer Meinung bestätigt wurde?

Fotografie ist mehr, als nur den Auslöser zu drücken

Fotografieren ist mehr als nur den Auslöser zu drücken und unscharfer Hintergrund. Beim Blick durch den Sucher muss man aufmerksam sein. Der Fussel auf dem Sakko, der Reflex auf der Brille oder eben eine unvorteilhafte Haltung muss erkannt werden. Das kann man jedoch nur, wenn man die Technik aus dem Effeff beherrscht. Muss man sich noch auf die vielen Tasten an seiner Kamera konzentrieren, fehlt die Zeit für das eigentlich Wichtige: Die Komposition.

Nicht das Objektiv, nicht die Kamera und auch nicht die Bildbearbeitung. Sachliche Kritik ist wohl die Zutat, die uns nicht nur in der Fotografie am meisten voran bringt. Besonders bringt uns Kritik weiter, wenn sie wirklich grundlegende Schwächen anspricht, die jenseits des persönlichen Geschmacks oder eigener Vorlieben liegen.

Wie gehst du mit Bildkritik um?

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