Brainworx Focusrite SC bx_console – das seltenste Pult für alle verfügbar

Focusrite kennen die meisten nur von den Audiointerfaces. Dabei hat der Hersteller seine Arbeit mit den wohl seltensten Mischpulten begonnen, die es heute gibt. Den Channel Strip daraus ist, dank Brainworx, nun für alle als Plugin verfügbar.

Geschätzte Lesedauer: 4 Minuten

Das Focusrite SC Mischpult ist einer der seltensten Mixer überhaupt. Sie wurden zusammen mit Rupert Neve entwickelt und von 10 gebauten Konsolen, sind nur noch 9 funktionsfähig. Der ISA-Preamp wurde zum Klassiker und wird im gleichen Atemzug wie Neve und API genannt.

Brainworx haben den raren Klassiker nun, im Rahmen ihrer bx_console Technik, in Software gegossen. Herausgekommen ist ein vollständiges Abbild des SC Kanalzugs plus einiger moderner Ergänzungen.

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Natürlich setzt Brainworx bei der Modellierung des Focusrite Channel Strips wieder auf ihre TMT-Technologie (Tolerance Modeling Technology). Hier geht man davon aus, dass kein Kanal eines analogen Mischpults identisch klingt, wie ein anderer. Das bildet Brainworx mit TMT nach und das Ergebnis soll ein breiterer und voller Klang sein, da die ganzen kleinen Abweichungen in der Summe ein lebendigeres Klangbild ergeben.

Aufbau und Funktionen

Die Ausstattung einer Focusrite SC-Konsole war nicht nur für die damalige Zeit außergewöhnlich. So gibt es z. B. bei den Hoch- und Tiefpassfiltern auch einen Peak-Filter, mit dem Frequenzen zwischen Hoch- und Tiefpass angehoben und abgesenkt werden können. Die Einsatzfrequenz beträgt 60 – 600 Hertz und nach Umschaltung 600 – 6000 Hz bei kräftigen +- 16 dB Gain. Damit lassen sich Störfrequenzen oder Resonanzen zähmen, noch bevor sie auf den Kompressor treffen. Damit aber nicht genug. Die Filter können getrennt voneinander auch in die Sidechain des Kompressors oder des Gates oder in beide eingeschleift werden. 

Der Kompressor verfügt außerdem über einen Mix-Regler für Parallelkompression sowie einen De-Esser mit Exciter-Funktion. Der De-Esser kann über den Listen-Schalter abgehört werden, damit man die richtige Einsatzfrequenz findet.

Auch das Gate ist vollständig ausgestattet und bietet neben einem Expander-Modus auch die Möglichkeit, ein externes Sidechain Signal zur Steuerung des Gates heranzuziehen.

Sowohl Kompressor als auch das Gate arbeiten stereo und die Parameter können für den linken und rechten Kanal gemeinsam oder getrennt bearbeitet werden.

Der Equalizer bietet einen weiteren Hoch-/Tiefpassfilter, sowie zwei vollparametrische Mittenbänder. Davon abgesetzt gibt es in einem weiteren „Modul“ den High- und Low-Shelving-Filter mit einem Einsatzbereich von 33-330 Hz bzw. 3,3 bis 18 kHz.

Ungewöhnlich sind die zwei Gain-Regler. Der „In Gain“ bestimmt, wie erwartet, den generellen Eingangspegel des Plugins. Der zweite „V-Gain“ fügt dem Signal etwas Rauschen hinzu.

An dieser Stelle muss ich einmal etwas vom Test des Focusrite SC bx_console abschweifen:

Lasst es rauschen!

Es gibt ja viele Diskussionen über die „Wärme“ oder „Kälte“ analoger und digitaler Aufnahmen. Der ganze Analog-Hype ist für jemanden, der mit dem Recording vor über 30 Jahren begonnen hat etwas seltsam. Damals war das Ziel ein rauschfreier, extrem transparenter Sound. Tatsächlich führte aber die nebengeräuschfreie Digitaltechnik dazu, dass of irgendetwas fehlte. Das versucht man seitdem mit Röhren, Übertragern sowie allerlei Halbwissen und Esoterik zurückzuholen. 

Das, was aber eigentlich fehlt und wie eine Art Audio-Kitt funktioniert, ist ganz simples Rauschen. Heutige Vorverstärker und natürlich die digitale Aufnahmekette ist so sauber, dass das Rauschen fehlt. Gerade das verbindet aber unterschiedliche Quellen und Spuren miteinander und lässt sie natürlicher klingen. Analoge Geräte fügen vor allem zwei Dinge hinzu: Rauschen und Verzerrung.

Der Ansatz von Brainworx ist daher goldrichtig und zusammen mit der TMT-Technik, erhält man echtes analoges Feeling, das man aber im Gegensatz zu früher gezielt steuern kann.

Weil wir gerade bei TMT sind: Der simulierte Kanalzug jeder Instanz des Focusrite Plugins, kann für linken und rechten Kanals getrennt ausgewählt werden. Alle TMT-Kanäle lassen sich auch zufällig auswählen.

Es folgen ein THD-Regler, mit dem man dem Signal Verzerrungen hinzufügen kann, ein Phasen-Umkehrschalter, sowie ein der Stereomodus-Schalter, mit dem man entweder zwei getrennte oder zwei gleiche Kanäle für Stereokanäle nutzen kann.

Den Ausgang komplettieren ein Fader, LED-Meter für Ein- und Ausgangspegel, Kompression und Gate. Sehr schön ist auch, dass sich die Aussteuerungsanzeigen kalibrieren lassen. Dazu klickt man auf das Focusrite-Logo und kann dann zwischen 0db = -20 dBFS (Standard), -10 dBFS und +10 dBFS wählen.

Als moderne Add-ons sind ein M/S Modus, Undo/Redo innerhalb des Plugins mit 32 Schritten sowie A/B/C/D Settings hinzu. Letztere sind eine interne Einstellung der bx_console Plugins, die mit jedem Preset gespeichert werden UND automatisierbar sind. 

Wie klingt das Brainworx Focusrite SC Plugin?

Es klingt edler, als der klassische Neve-Sound. Der Kompressor ist schön transparent und gerade der High-Shelf bringt bei 18 kHz sehr schöne luftige Höhen, ohne scharf zu klingen. Der EQ ist sehr musikalisch ausgelegt. Durch den V-Gain und den THD-Regler, kann der Focusrite aber auch kräftig klingen. Insgesamt ist er nicht auf eine Musikrichtung festgelegt und kann sehr breit eingesetzt werden. Ich würde sogar sagen, dass er das einzige Plugin für Kompressor, EQ, Gate und Färbung im Kanal sein kann.

Fazit und Bewertung

Brainworx Focusrite CS bx_console

Ausstattung
Klang
Preisleistung
Habenmuss-Faktor

Fazit

Wieder einmal haben Brainworx gezeigt, wie man Hardware in Software gießt. Wie auch die anderen bx_console Vertreter ist das Focusrite SC Plugin ein klangliches Highlight, das aber mit 349 $ auch nicht gerade günstig ist. Wert ist es das aber allemal, kann es doch durchaus als Standard-Plugin für jeden Kanal herangezogen werden.
Es ist in allen gängigen Pluginformaten für Windows und macOS verfügbar.

4.5

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