Schweißen lernen mit dem NTF MIG-250 Schweißgerät

Eine Sache die mir bislang immer wieder gefehlt hat, war ein Schweißgerät. Das MIG/MAG-Schweißen hatte mir ein Kumpel, der das gelernt hat, vor vielen Jahren schon einmal beigebracht. Mangels Schutzgasschweißgerät konnte ich aber nie Erfahrungen sammeln. Jetzt habe ich mir ein günstiges Inverter-Schweißgerät samt Zubehör angeschafft und lerne das Schweißen. Hier sind meine Erfahrungen und Tests mit dem NTF MIG-250 IGBT Schweißgerät.

Gerade wenn man ein Haus hat und gerne bastelt kommt man irgendwann an den Punkt, dass man gerne auch etwas Metallbau machen möchte. Eine große und stabile Werkbank für die Werkstatt kann man zwar fix und fertig kaufen, aber diese sind ziemlich teuer und haben meist auch nicht die Maße, die man gerne hätte. So reifte der Gedanke, ein Untergestell für eine Werkbank selbst zu bauen. Das geht aber nur, wenn man auch ein Schweißgerät sein Eigen nennt.

Das NTF MIG-250 Inverter-Schweißgerät

Nach einiger Recherche bin ich auf das MIG-250 Schutzgasschweißgerät von NTF gestoßen. Es handelt sich dabei um ein modernes Inverter-Gerät, das mit 250 Ampere für praktisch alle meine Projekte mehr als ausreichend ist und neben dem Schutzgasschweißen auch mit Fülldraht betrieben werden kann. Ebenso kann man klassisches E-Hand mit Schweißelektroden nutzen. Das ist insofern praktisch, weil man mit Fülldraht oder Elektroden auch im Freien schweißen kann (Schutzgas würde der Wind von der Schweißnaht wegwehen). Ebenso praktisch ist der 230 V Anschluss. Damit kann man das MIG-250 an normalen Haushaltsstromsteckdosen betreiben. Allerdings sollte diese mit einem trägen 16A Leitungsschutzschalter abgesichert sein (C-Charakteristik), da flinke Sicherungsautomaten bei voller Leistung schon mal auslösen können.

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NTF 250 MIG/MAG Schweißgerät

Die Verarbeitung ist sehr ordentlich und die Bedienung lässt keine Fragen offen. Die Schweißdrahtführung ist zwar recht einfach gehalten, macht aber einen stabilen Eindruck und meine Erfahrung mit dem MIG-250 Schweißgerät sind bislang ausnahmslos positiv. Es passen kleine Schweißdrahtrollen, aber auch 5 kg Spulen hinein. Das Schlauchpaket mit dem Brenner ist ausreichend lang und mit den Standard-Anschluss ausgestattet, sodass man auch Schlauchpakete anderer Hersteller anschließen kann.

Der Schweißdrahttransport des NTF 250 MIG/MAG Schweißgeräts

Mit etwa 350 Euro ist das NTF MIG-250 auch recht preiswert und einige Youtube-Kanäle waren voll des Lobs. Nun ist es mit dem Schweißgerät alleine nicht getan.

Die Rückseite des NTF 250 mit Gasanschluss, Lüftern und Netzschalter

Schutzgasflasche mit Mixgas günstig kaufen

Zum Schutzgasschweißen braucht man … na? Richtig: Schutzgas! Man unterscheidet zwischen inerten Gasen (MIG – Metal Inert Gas), also welche, die sehr reaktionsträge sind und Aktivgasen (MAG – Metal Active Gas) wie Kohlensäure (CO2). Für das Schweißen von niedrigvergüteten Baustählen setzt man üblicherweise auf das MAG-Verfahren und nutzt ein Schutzgas aus Argon und CO2, da es durch die Kohlensäure einen stärkeren Einbrand erzeugt.

Mixgas Schutzgasflasche mit Druckminderer

Umgangssprachlich spricht man dabei auch von Mixgas. Hierfür gibt es unterschiedlichste Handelsnahmen der Hersteller. Bei Linde nennt man es Corgon, andere nennen es Arcox oder Sagox. Die Gemeinsamkeit ist das Mischungsverhältnis aus Argon mit einem 18% Anteil CO2.

Die Suche nach einem günstigen Schutzgasanbieter gestaltete sich ungewöhnlich schwierig. Ich habe mich für eine 20 Liter Gasflasche entschieden, da die Füllung einer 10 Literflasche unverhältnismäßig teurer ist. Weil eine solche 20 Liter Gasflasche um die 30 kg wiegt, hätte ich gerne eine in meiner Region gekauft. Nach 6-8 Telefonaten stand aber fest, dass das leider aus verschiedenen Gründen nichts wird.

Die Preisunterschiede für die 20 Liter Gasflasche samt Erstbefüllung waren enorm. Ein großer Anbieter wollte 280 Euro für die Flasche und 70 Euro pro Füllung. Obi verlangt knapp 55 Euro für die Füllung und 189 Euro für eine leere Flasche, also rund 250 Euro. Allerdings hätte ich 3 Wochen auf die Flasche warten müssen und auch der Austausch/Neubefüllung hätte ebenso lange gedauert. Ähnliche Aussagen trafen der Globus Baumarkt und die Fachabteilung von Hornbach. Bei Hornbach wäre die Füllung von 20 l Sagox mit 44,95 aber relativ preiswert – nur liegt der nächste Hornbach über 100 km von uns entfernt. Den Vogel schoss ein Laden für Schweißbedarf in der Nachbarstadt ab: 290 Euro für die Flasche und 90 Euro pro Füllung. „Support your local dealer“ fällt damit extrem schwer …

Der DIY-Schweißtisch mit dem NTF 250 und der Gasflasche (für das Foto ungesichert 😉 )

Bei Ebay bin ich auf den Shop von Gase Partner gestoßen. Die 20 l Gasflasche inkl. Erstbefüllung kostet hier günstige 183 Euro inkl. Versand per Spedition. Der Clou daran ist, dass Gase Partner (GPG) ein Netz von Partnerhändlern hat, bei denen man die Flasche auch in der Nähe wieder füllen lassen kann. Allerdings muss man hier auch etwas aufpassen, da die Partner die Preise für die Füllung selbst gestalten können. So wollte eine Firma ganz in der Nähe (12 km) 80 Euro für 20 l Mixgas. Ein anderer Betrieb in Bayreuth (50 km) bot es hingegen für 38 Euro an. Dafür kann man schon mal ein paar Kilometer fahren. Ich empfehle übrigens den Kauf entweder bei Ebay oder direkt bei Gase Partner. Bei Amazon sind die Preise deutlich höher.

Damit war ich nun mit Schweißgerät und Schutzgas versorgt. Aber damit ist es natürlich noch nicht getan, denn man braucht …

Schweißhelm, Schutzausrüstung und Zubehör fürs Schweißen

Damit man die Gasflasche an das Schweißgerät anschießen kann, benötigt man einen Druckminderer und einen Verbindungsschlauch. Den Druckminderer gibt es bei Ebay für 18 Euro. Auch hier zahlt man bei Amazon für das gleiche Modell das Doppelte. Hinzu kommt auch noch ein Verbindungsschlauch vom Druckminderer zum Schweißgerät. Hier nahm ich einen passenden Gummischlauch mit 2 m Länge.

NTF 250 MIG/MAG Schweißgerät

Natürlich darf die Schutzausrüstung nicht fehlen. Moderne Schweißhelme mit Solarzellen verdunkeln innerhalb weniger Millisekunden automatisch und geben die Sicht sofort wieder frei, sobald der Lichtbogen erloschen ist. Außerdem hat man beide Hände frei, da man kein Schweißschild halten muss. Meine Wahl fiel auf den Schweißhelm AWM WH02C. Er sitzt gut, hat ein großes Sichtfeld und lässt sich prima einstellen, was Verdunklung, Aufhellzeit und Reaktion angeht. Zudem hat er seitlich einen Schalter, mit dem man ihn fürs flexen umstellen kann, was sogar mit Handschuhen funktioniert.

Apropos Handschuhe: Natürlich muss man auch die Hände vor Hitze, Schweißspritzer und UV-Licht schützen. Die gefütterten Schweißhandschuhe von Hase erfüllen diesen Zweck bestens. Dazu noch eine Schweißschürze aus Wildleder und ein Baumwollarbeitsjacke aus dem Fundus meines Vaters. Übrigens noch mit dem original Quelle Label.

Mit einer 5 kg Rolle 0,8 mm Schweißdraht und einer 0,9 mm Fülldrahtrolle von Gys war ich komplett ausgestattet.

Schweißen lernen

So ganz neu war mir das Schutzgasschweißen ja nicht. Die Grundlagen wie Brennerhaltung, Schweißstrom, Gasfluss etc. waren mir noch einigermaßen geläufig. Also Gasflasche angeschlossen, Schweißdraht eingefädelt, Schutzausrüstung angezogen und los ging es. Ich hatte einige Baustahlreste vom Fundamentrahmen unseres neuen Biohort Gerätehauses für erste Gehversuche herumliegen.

Erst mal heften …

Spannung und Drahtvorschub (=Stromstärke) etwa auf 12 Uhr und den Druckminderer auf 10 Liter/Minute Gasfluss eingestellt. Man rechnet etwa mit Schweißdrahtdurchmesser x 10 für den Gasfluss in Litern. Der günstige Druckminderer ist übrigens erstaunlich genau, was die Anzeige des Gasflusses angeht. Ich habe es mit einem Flowmeter direkt am Brenner nachgemessen.

Masseklemme ans Bauteil, und erst einmal ein paar Schweißpunkte gesetzt. Passt! Dann einige stechend geschweißte Nähte. Haut ebenfalls erstaunlich gut hin. Aus lauter Übermut gleich noch Kehlnähte ausprobiert: Auch das klappte sehr schnell und für den Hausgebraucht in mehr als ausreichender Qualität. Das NTF MIG-250 Schweißgerät verhält sich sehr gutmütig.

Allerdings ist meine Werkstatt, die sich ja direkt im Haus befindet, kein wirklich geeigneter Ort für Schweißarbeiten. Erstens habe ich hier viele Messgeräte und Elektronik herumstehen und Metallabrieb vom Trennschleifer macht nicht nur Dreck, sondern ist auch ziemlich gefährlich für die Geräte. Außerdem ist der Geruch von Trennscheiben und Schweißrauch im Haus auch nicht gerade angenehm, sodass ich die ganze Schweißausrüstung in die Garage verfrachtet und einen kleinen Schweißwagen für die Gasflasche und das Gerät bestellt habe.

Gerade ist ein Schweißtisch aus Vierkantrohren im Bau und ist gleichzeitig ein gutes Übungsobjekt bevor es an das Tischgestell geht. Er besteht aus 30×30 und 30×60 Baustahlprofilen mit 2 mm Wandstärke. Der Abstand zwischen den Profilen beträgt ebenfalls 30 mm. Ich habe 1200 mm Breite gewählt. Damit kann man zwischen den Profilen Schraubzwingen anbringen und Teile rechtwinklig etc. einspannen. Mit diesen Abmessungen und Wandstärken ist der Schweißtisch auch noch tragbar und kann auf zwei Gerüstböcke gelegt und auf eine angenehme Arbeitshöhe gebracht werden. Die Profile kosteten bei der Eisengroßhandlung im Nachbarort etwa 45 Euro und waren gleich einigermaßen genau auf Länge gesägt.

Der DIY-Schweißtisch aus 30×30 und 30×60 Vierkantprofilen

Fazit

MIG/MAG-Schweißen zu lernen ist wirklich relativ einfach – zumindest wenn es sich um Standardaufgaben handelt, wie sie im Bastelkeller anfallen. Hier geht es weder um sicherheitsrelevante Bauteile, noch muss ich damit Geld verdienen. Die Grundausstattung kostete in meinem Fall – inklusive Schutzgas samt Flasche – etwa 750 Euro. Für viel weniger dürfte das kaum machbar sein.

Meiner Ansicht nach, ist es das beste Schutzgasschweißgerät in der Preisklasse unter 500 Euro. Eine Alternative wäre das Weldinger MIG-MAG Schutzgasschweißgerät/Schweißinverter ME 200eco. Das NTF MIG-250 machte mir jedoch einen besseren Eindruck als das Weldinger und es liefert 50 Ampere mehr.

Das Weldinger ME 200 hat zwar ein Display für den eingestellten Schweißstrom, allerdings nützt das in der Praxis bei Geräten dieser Preisklasse eher wenig. Die richtige Einstellung von Schweißstrom (eigentlich geregelt über den Drahtvorschub) und Spannung, ergibt sich zuverlässig nur aus einem Versuch mit dem entsprechenden Material und aus dem Klang des Lichtbogens.

Könnte schlechter sein …

Ein gleichmäßiges Surren ohne große Aussetzer oder „Knattern“ mit wenig Spritzern zeigt einem, dass man auf dem richtigen Weg ist. Hier hilft – wie so oft im Leben – nur Übung und Erfahrung.

Einige Versuche mit verschiedenen Einstellungen führen schnell zur geeigneten Einstellung

Wie ich bislang ohne Schutzgasschweißgerät ausgekommen bin ist mir schleierhaft. Mit der Verfügbarkeit und den ersten Erfolgen beim Schweißen lernen, kommen wie immer auch jede Menge Ideen für neue Projekte. Außerdem interessiert mich das WIG-Schweißen, weil man damit auch Aluminium, Edelstahl und andere NE-Metalle sauber verbinden kann. Von NTF gibt es da zwei interessante Modelle

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2 Kommentare zu “Schweißen lernen mit dem NTF MIG-250 Schweißgerät”

  1. Die ebayFlasche ist zumindest bei mir eine neutrale Eigentumsflasche. Wenn die Lee ist geb ich die im Globus oder Hornbach ab und nehmen da ne volle mit. Von da an hab ich von denen ne Eigentumsflasche. Das gute daran ist das Du Dir keinen Kopf wegen TÜV machen brauchst, das wird da automatisch gemacht und Du bekommst immer ne Flasche mit TÜV. Bei Deiner Flasche musst den irgendwann Mal selber zahlen. Nächster Vorteil ist, ich kann Sa Abend 19 Uhr im Globus die Flasche tauschen. Quasi ausser So kannst Du täglich leer gegen voll tauschen und das sehr günstig noch dazu.

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